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Geschichte 

i 
der 

h e b r ä i sehen 

Sprache und Schrift. 

• Eine 

philologisch- histoiische Einleitung 



die Sprachlehren und Wörterbücher der 
hebräischen Sprache. 



Von 
Wilhelm Gesenius, 

der Theologie Doctor und ordentlicher Professor zu Halle. 



Leipzig 1815» 
bey Friedlich Christian Wilhelm Vogel. 



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o r r e d e. 



I }ic Ai'beit, Welche ich liier den Freunden der hebräi- 
schen Sprache und Literatur übergebe, war ihrer ersten 
Anlage nach zu eiuer historischen Einleitung in die von 
mir zu bearbeitende ausführliche hebräische Sprachlehre 
bestimmt. Da sich indessen die hier zu behandelnden Ge- 
genstände mehr anhäuften, als mit jenem Plane verträg- 
lichwar, so entschloß» ich mich, jene historischen Unter- 
suchungen für sich und ausführlicher bearbeitet, der Her- 
ausgabe der Grammatik vorangelm zu lassen. 

Ich glaube, meinen Plan einer philologisch -histori- 
schen Einleitung in das Grammatische und Lexicalische 
der Sprache möglichst gehalten, nichts Wesentliches über- 
gangen, nichts Fremdartiges beygemischt zu haben. Be- 
sonders über einige Gegenstände, welche hier fast zuerst 
zusammengestellt und zur Sprache gebracht worden , z. B. 
§. 12. u. 2-t. 5o. 54 ff. wünschte ich das Urtheil unpar- 
theyischer Kenner zu vernehmen. Vielleicht, dafs einige 
derselben auch für die verwandten Fächer der biblischen 



IV Vorrede. 

Einleitung und Hermeneutik einige nicht unwillkommene 
Beyträge enthalten. 

Die Absonderung der Sprach -und Schriftgeschichte 
hat, wie ich öfters bey der Ausarbeitung empfunden habe, 
manche Unbequemlichkeit. Doch war sie unumgänglich, 
findet sich auch in allen ähnlichen Werken, wiewohl die 
meisten die Schriftgesclüchte ganz übergehn. 

Statt des Registers ist eine etwas detaillirte Inhaltsan- 
zeige vorausgeschickt worden. 

Halle, im November 1814. 

Der Verfasser. 



n h a 1 t. 



§. 1.3. Einleitung und Uebersicht. Seite 1 

Erster Abschnitt. Geschichte der hebräischen Spra- 
che bis zu ihrem Aussterben. 

§. 4« Semitische Sprachen überhaupt. Name, Umfang, Cha- 
rakter derselben. Seite \ 

5. 5. Hebräische Sprache* Verschiedene Namen derselben. 
Ursprung, Orthographie, Sprachgebrauch des Namens: 
Hebiiier. — 3 

§. 6. Ursprung und Alter der hebräischen Sprache. — zj 

§. 7. Vaterland. Verhaltnifs zur phünizischen Sprache. (Vgl. 

Excna-s S. 225) — 16 

5. 3. Alter der Sprache in ihrer gegenwärtigen Gestalt. — ig 

§. g. Erstes Zeitalter der hebräischen Sprache. (Unterschied 
der poet. und prosaischen Diction. Schriftsteller des er- 
sten Zeitalters) — 2 z 

§. 10. Zweytes Zeitalter. Spätere chaldaisirende Sprache — 25 

§. 11. Idiotismen einzelner Schriftsteller und Schriften. Pen- 

tateuch, Hiob, Ezechiel, Kohclst. — 30 

§. 12. Bearbeitung älterer Abschnitte bey spätem Schriftstellern. 
Philologisches Verhaltnifs der Parallelstellcn in den Bü- 
chern Samuels, der Könige und der Chronik. — 37 

5- 13. Aussterben der Sprache, wann es erfolgt sey? — 45 

$. 14* Beieluhum und Umfang der alten Sprache (Ueuerbleibsel 

derselben in den Nomm. propriis, dem Talmud u. s. w.) — 47 

§. 15. Dialekte in der hebräischen Sprache selbst. Was dahin 

zu rechnen sey? _ 54. 

% 16. Verhaltnifs des Hebräischen zu dem Arabischen und Ara- 
mäischen. — 56 

§. 17. Aufnahme von einzelnen Wörtern aus nichtsemitischen 
Sprachen (der ägyptischen , persischen ; ob aus der grie- 
chischen?) _ 5g 



i i Inhalt. 

§. 13. Uebereinstimmmie mit den abendländischen Sprachen. 

Causalzusammenhang. Seite 65 

Zweyter Abschnitt. Geschichte der hebräischen 
Sprache als einer ausgestorbenen, oder Geschichte der 
hebräischen Sprachkunde. 

Periode I. Traditionelle Spra-.hkunde bis zum Anfang der gramm. 
Bearbeitung. {Von den LXX. bis uuj Saadia, See. X An f.) 

%. 10. Uebersioht. Seite 69 

§. 20. Palästinensische und babylonische Juden. Charakter ih- 
rer Sprachknnde. Schulen derselben. — JO 

§. 81. Targums, Talmud (philologischer Gebrauch desselben), 

Masora (Charakter des Kri). — 72 

§. 22. (JnvollkOmmuere Spraclikenntnifs der Hellenisten. Phi- 

lolo^ischer Charakter der LXX. — ■ 76 

§. 23. Josephus und Philo. Charakter und Proben ihrer Sprach- 
kenntnifs. ■— ■ 3° 

§. 24. Samaritaner. Philologisch -kritischer Charakter ihres 

Pemntcuchs. — 34 

§. 25. Syrer. Pcschito. — 87 

§. '26. Christliche Kirchenväter. Ihre Unkunde de» Hebräi. 

sehen. — 33 

§. 27. Origeues und Ilicronymus insbesondere. — go 

Periode II. Ursprung und Bhitho des grammatischen Studiums 
bey den Juden. (See. A - A7 i). 
§. 28- Uebersicht. Seite 93 

§. 20. Grammatiker (Saadia, Jona, Dav.Kimchi, El. Levita). — 95 
§. 50. LeJcicographen (Jona, Kimchi), Commentatoren (Aben 
Esra, larcni), Versionen (Saadia). Charakter und Werth 
dieser Auslegungen. — 99 

§.51. Wenige Spuren bey den Christon. — 104 

Periode III. Anfang des hebriiischen Sprachstudiums bey den 
Christen O . A7 7-A7 U med.). 
Ä. 52. Uebersicht. Charakter der hebräischen Philologie in die- 

r Periode: Abhängigkeit von indischer Auctoritit. Seite tag 
5. 35. Grammatiker (Reuchlin — Buxtort Glsssius). — .<">7 

5. 5 ( . 1 1 11 (Reuchlin — Btuttorf, Schindlet). — *»* 

§• 35- Philologische CoinmentArien und Uebenetungeä (Li> 

th. . ' — 1 ' j 



1 n h a lt. vii 

Periode IV. Blüthe der hebräischen Sprachkcnntnifs , besonders 
durch Benutzung der veruaudten Dialekte (o>c_AA iL med. 
bis auf unsere Zeit). 

$.36. Anfang eines harmonischen Sprachstudiums bis aufSchul- 

tens (Je Dicu, Castle, Bochart). Seite 116 

$. 37. Andere Schulen hebräischer Philologie (Gappelle, Bux- 

torf d. j. , Danz). Systema morarimi. — 120 

§. 33. Holländische Schule seit Alb. Schultens. Charakter der- 
selben. — 126 

$. 3g. Neueste Bearbeitung der hebräischen Philologie, beson- 
ders in Deutschland. — 13° 

Dritter Abschnitt. Geschichte der hebräischen 
Schrift. 

5. 40. Semitische Schrift überhaupt. Charakter derselben. 

Verschiedene Arten. Seite 137 

A, Consonanten. 

§. 41. Hebräische Schrift. Alter, verschiedene Charaktere 
derselben ( Quadratschriit , Münzschrift , Samantani- 
sche ). — i/jo 

5. 42. Gegenseitiges Verhältnifs dieser Charaktere, a) Ver- 
schiedene Hypothesen, — 145 

§. 43« &) Wahrscheinliches Resultat. — 156 

§. 44. Geschichte des Alphabets insbesondere. Anzahl, R.eihe, 

Namen der Buchstaben. — 162 

§. 45- Kannten die alten Hebräer Wortabtheilung, Abbrevia- 
turen, Zahlzeichen? — 171 
§. 46« Spätere Geschichte der Quadratschrift. — 175 
§. 47> Schrieb man auch wohl Hebräisch mit griechischer 

Schrift? — ißo 

B. Vocale und Lesezeichen. 

5. 48* Uebersicht. (Versch. Meinungen. Vocale in den an- 
dern Schriftarten). — igS 

§. 49. Zeitraum der lebenden Sprache. Ob man da Vocalzei- 

chen kannte? — ij}5 

5« 50. Vocalsetzung der LXX, des Josephus u. s. w. — 139 

§.51. Spuren derselben in den Tantums und dem Tal- 
mud. — » 195 



vii i / n h a l l. 

§. 5 2 - Fernere Spuren bey Origer.es, Hieronymus. Ausspra- 
che des Hebräischen bey den Kirchenvätern. Seite 196 

§. 55. Entstehiui£;szeit der gegenwärtigen Punctation. Ein- 

wüife dagegen. — 201 

§• 54" 5^- Würdigung und Werth der masorethischen Vocal- 

setzung. — 207 

§. 57. Accente. — 219 

Excurs zu §. 7. Bemerkungen über die phönizische und pu- 

nischc Sprache und ihr Verhäluiifs zu der hebräischen. — 223 

Nachtrüge. — 231 



E 



Einleitung. 

ö. i. 

ine Geschichte der hebräischen Sprache, wie sie in die- 
sem Abrisse versucht worden ist, liefert in den frühern Zei- 
ten eine Geschichte der Veränderungen und verschiedenen 
Gestaltungen, welche die Sprache in dem freylich nicht 
grofsen Zeiträume, den sie durchlebte, bey den verschiedenen 
Schriftstellern annahm ; dabey die Untersuchung und Anga- 
be dessen, was sich über ihren Ursprung, ihr Alter, ihren 
ehemaligen Umfang, ihr Verhältnifs zu dem Phönizischen, 
und einige verwandte Gegenstände festsetzen läfst. Nach. 
dem Aussterben derselben wird sie eine Geschichte der alt- 
hebräischen Sprachkunde, der grammatischen und lexicogra- 
phischen Bearbeitung derselben; verschieden von der Ge- 
schichte der alttestamentlichen Exegese, wie ein Theil vom 
Ganzen, wiewohl jene die blofse Sprachkunde mehr voraus- 
setzt, als einschliefst. Die Geschichte der neuern Gestal- 
tungen der Sprache in den Schriften der Talmudisten und 
Rabbinen bleibt hier, wo nur von einer Geschichte der alt- 
hebräischen Sprache die Rede seyn soll, ausgeschlossen. 

Man hat diesen Gegenstand theils in eigenen Schriften und 
Abhandlungen, theils beyläufig in den Einleitungen zu he- 
bräischen Sprachlehren oder theilweise in Literaturgeschich- 
ten behandelt, aber vornehmlich bey Behandlung des erstem 
Theils ist man zu sehr beym Aeufsern stchn geblieben, ohne 
sich auf das Detail der Spracherscheinungen in grammati- 
scher und lexicographischer Rücksicht einzulassen. Es soll 
daher dieser Theil verhältnifsmäfsis am ausführlichsten be- 

o 

handelt werden, um so eine philologisch-historische Einlei- 

A 



& lil inleitu ng. 

tung zu den Sprächlehren und Wörterbüchern dieser Spra- 
che abzugeben. Belesenem Gelehrten überlasse ich, dassel- 
be einst für die syrische und arabische Sprache zu leisten; 
leider entbehren ja aber selbst die classischen Sprachen der 
Giiechen und Römer einer eingehendem historischen Be- 
handlung. 

Unter den altern sind noch am genügendsten : Jf'ahoni Apjia- 
ratus hihi. Proleg. HI. Vol. Em. Loescher da causis ling. hebr. 
Cap. V — XII. V-ergl. Jo. Ch rfci diss. de liug. hehr. \'o. 1. i\ev 
Prclc^g. in Pentateuchurii. Wenig brauchbar ist II. IV. Cleinm 
Versuch einer kritischen Geschichte der hebräischen Sprache. 
Heilbronn i75$i auch das bekannteste Werk: Ihneis Geschichte 
der hebräischen Sprache r.nu Literatur, Halle i?"'>, beschrankt 
sich blofs auf das AeuTsere, und enthält obendrein viele Mcrkraa- 
]c von Flüchtigkeit. Durch eine ziemlich reiche Literatur zeich- 
net sich aus: J. C lUuirimann hehraici Scrmorit elem'enta, cum 
illius historiu brevhsima. Jrnae 1760 , wo die Geschichte lißS. 
einnimmt. Aufserdem s. Hartmann s u. A- Sprachlehren. — Seit 
dem Wiederaufleben der Wissenschaften vgl. Eichhorn $ Geschich- 
te der neuein Sprachenkunde. Tli. I. S. .j57- 

fi. 2. 

Der Gegenstand zerfallt hiernach in zwev gröfsere Hälf- 
ten. üeiGesehichte der lebenden, und der ausgestorbenen he- 
bräischen Sprache. Die letztere behandeln wir in vier Zeit- 
räumen. I. Periode des traditionellen Studiums bis zum /Er- 
scheinen der ernten Grammatik^ vom Aussterben der Sprache 
bis See. X. IT. Jilüt/te tles grammatisclten Studiums bey Jen 
Juden, See. X — XIV. XV. III. Anfang desselben hey dm 
Christen, gröfstentheils mit einseitiger Abhängigkeit 1 on Tra- 
dition und Manier der Juden. See. XIV— W II. med. Seit- 
dem IV. Bidlhe dimes S/udiums bey den Christen. Gelehrte 
und vielseitige Benutzung der yeni'unditn Dialekte. 

fi. .-• 

Eine Geschichte der hebräischen Schrift, welche pas- 
send mit dem vorigen Gegenstande verbunden wird, kann 
Keinesweges ein« nur einigermaaiaen eingehende PsläogrSy 



Einleitung. 3 

phie der Schriftzüge und ihrer Veränderungen in der Zeit 
enthalten, wozu es uns ganzlich an Datis fehlt. Sie liefert 
daher nur die historischen Untersuchungen üher Alter und 
Ursprung der gegenwärtigen Schrift, ihr Verhältnifs zu der 
Münzschrift, und die wenigen Angaben über ihre nachheri- 
gen Veränderungen ; vornehmlich aber die Entstehungsge- 
schichte der Vocalsetzung, und die Würdigung der darin 
enthaltenen Aussprache des Althebräischen. 



A 2 



Erster Abschnitt. 

Geschichte der hebräischen Sprache bis zu ihrem 
Aussterben. 

6- 4- 

Von den semitischen Sprachen überhaupt. 

1. Die hebräische Sprache ist nur ein einzelner Dialekt 
eines grofsen vorderasiatischen Sprach- und Völkerstammes, 
welcher aufser Palästina ursprünglich noch Syrien , Phoni- 
zien, Mesopotamien, Bsbylonien, Arabien und Aethiopien. 
•umfafste. Man hat auch Assyrien und die kleinasiatischen 
Provinzen Cappauozien und Pontus vom Halys an diesem 
Sprachstamme beyzählen wollen, was aber mindestens noch 
seht ungewifs ist: dagegen haben sich Zweige desselben zu 
mehrern Zeiten weit über seine ursprünglichen Glänzen aus- 
gedehnt, z. B. die phünizische Sprache schon im hohen Al- 
terthum nach Karthago und in die auscrebreiteten Colonieen 

o ö 

•und Faktoreien dieses Ilandelsvolkes, und die arabische 
Sprache im Mittelalter über die ganze Nordküste von Afiica 
bis nach Spanien hin. 

Ueber dio Frage, ob auch in Assyrien ein mit der hebrüisckcn 
Sprache verwandter Dialekt geredet worden sey, «.unten §. 17,3. 
Hiermit hängt auch die Untersuchung über die Sprache Klem- 
aiiens bis an den Halys zusammen. Dochart (Canaan S. 535.). 
Heeren (de Unguis imptrii persici, in den Comment. Soc Llrit. 
T. I 111., Cl. -philol. et histor. p. 23 Jf.) U.A. nehmen hier einen 
syrischen Dialekt an, und itÜtsen sich zugleich auf die Benen- 
nung dieser Völker durch weifsc Syrer, Atmoavgci; allein i'trabo 
(XII. am Anf.) schreibt den Cappadpziern ausdrücklich eine eige- 
ne Sprache zu, deren Granzen er genau bezeichnet, und die noch 
übrigen einzelnen Worte, welche entweder unbekannt sind, oder 
als assyiisch-pcrsijch vorkommen (/.. B. mcv5„), inachen es, zu« 
sainniengenommen mit dem Umstände, dafs sie persische heilige 



Q. 4. Von den semitischen Sprachen überhaupt, 5 

Gebräuche hatten (Stralu XV, p. 504 •"!. 1065) und dafs der Name 
Kappadozien persisch sey {litrodot, 7, 72), wahrscheinlich, dafs 
diese Provinzen der Abstammung und Sprache nnch zu dtm Assy- 
rern, nicht Syrern, gehören. 5. Jablor.skii Opuscula ed, te Wa- 
ter. T. II. pag. 126 S. 

Auf der andern Seite finden sich allerdings Spuren, dafs in ein- 
zelnen Gegenden Kleinasicns phönizisch geredet worden sey. 
Von den Solymern, den Ureinwohnern Lyciens und Pisidiem, 
sagt dieses Chörilus , ein Zeitgenosse Alexanders d. G. , in einem 
Heldengedichte, das den Feldzng des Xerxes gegen Griechenland 
beschrieb, bey Joseph, contra Apion, 1, 22: 

Ykwjaav fjivj (£cr;;eeetv uto ffrofjtarwv £<pitvrtc. 
Josephus selbst misdeutet zwar die ganze Stelle, indem er die 
ZoXv/lcci von den Einwohnern von Jerusalem und den Juden versteht» 
und man hat daher den Vers häufig zum Beweise gebraucht, dafs 
die Juden phönizisch oder canaanitisch geredet (s. §. 7.); ande- 
re haben dagegen den Irrthum längst gerügt, z. B. Bochart Ca- 
naan. 1, 6. Havercamp zu d. St. 

t 2. An einem passenden und erschöpfenden Namen für 
diesen Völker- und Sprachstamm fehlt es. Schon die Kir- 
chenväter, namentlich Hieronymus , nennen diese Sprachen, 
vorzugsweise orientalische Sprachen; in neuern Zeiten hat 
vorzüglich Eichhorn statt dessen die Benennung semitische 
Sprachen empfohlen, weil nach der Völkertafel 1 Mos. io f 
ai ff. die meisten jener Völker von Sem abgeleitet werden. 
Indessen mufs man zugestehn, dafs auch dieser Name theila 
zu weit, theils zu enge sey, mithin seinem Zwecke keines- 
weges entspreche. Ist jedoch durch eine Erklärung diesem 
Misverstande vorgebeugt, so mag man ihn immer beybe- 
lialten. 

S. Eichhorn! 's Allgem. Biblioth. d. bibl. Literatur. B. 6. St. 5. 
S. 772 ff. Dagegen Stange^s theoloeischelä^mmicu. Th. s. No. 1. 
letzterer erinnert mit Recht, dafs mehrere zu diesem Stamme ge- 
hörige Völker, namentlich die Cuschäer in Arabien und Aethio- 
pien (V. 7 it.) und die Canaaniter (V. 15 — 19.) auf Harn zurück- 
geführt werden, dagegen von den Semiten (V. 22.) die Elamiter 
gewifs, die Assyrer wahrscheinlich nicht dazu gehören. Da Lud 
dunkel ist, so bleiben wirklich von den Abkömmlingen Sem* nur 
zwey, Arjfhachsad (dessen Enkel Eber ist) und Arara, für uniorn 



6 $• 4- f / ' on den semitischen Sprachen überhaupt. 

Sprachstamra übrig. Die Canaaniter betreffend wollte Eicliborn 
zwar annehmen, dafssie, ursprüngliche Ilamiren, späterhin am 
mittelländischen Meere die semitisclie Sprache angenommen hät- 
ten , allein dieses ist blofse Vermuthung. Noch weniger erwie- 
sen ist die Behauptung, dafs dem semitischen Stamme die Buch- 
stabenschrift, den Hain i ton Uieioglyphensclnift, ursprünglich ei- 
gen gewesen sey. — Da Verwandtschaft der Sprache einer der 
untiiiglichsten Wegweiser für die Verwandtschaft der Völker ist, 
so läfst sich vielmehr zweifeln, ob der Urheber jenes völkerhisto- 
rischen Systems Recht hatte, wenn er einen Theil der arabischen 
Stämme (V. 7.) für gänzlich verschiedenen Ursprungs mit andern, 
den sogenannten Joctanidcn (V. 2.6 — 5>>.) erklärt , und eben so, 
wenn er die Hebräer der Abstammung nach von den Canaani- 
tern absondert, 

3. Die verschiedenen Dialekte , in welche jener grofse 
prachstamm zerfällt, theilen sich in drey Hauptzweige, 
x) das Aramäische, in Syrien, Mesopotamien, Babylonien, 
welches wiederum in West- und Ostaramäisch (Syrisch und 
Chaldäisch) zerfällt. 2) Das Canaanitische oder Hebräische, 
in Palästina und Phönizien, wovon das Punische ein Ab- 
kömmling ist. 5) Das Arabische, wovon das Aethiopische 
einen Nebenzweig ausmacht. Ein Gemisch aus dem Hebräi- 
schen und Aramäischen ist das Samaiitanische. 

Die Blüthe dieser Dialekte fällt in verschiedene Zeiten. 
Die ältesten Spuren hat man von der Ausbildung des Hebrä- 
ischen , in welchem uns überhaupt die ältesten Sprachdenk- 
mäler aus dem Alterthume aufbewahrt sind. Mit seinem 
Aussterben tritt allmählich das Ostaramäische oder Chaldäi- 
sche hervor. Weit neuer noch ist, was wir aus dem Syri- 
schen besitzen, und die Literatur der arabischen Sprache 
reicht wenig über das Zeitalter des Muhammed hinauf, lie- 
ber ihre frühere Zeit fehlen uns wenigstens die Notizen, 
Wenn gleich ihre Bildung höher hinauf gehn mag. 

Jetzt sind die meisten jener Dialekte ausgestorben oder 
leben nur noch kümmerlich in unbedeutenden Districten; 
das Arabische allein hat sie alle Überlebt, und ist nicht al- 
lein als herrschende Landessprache duich ganz Syrien, Ae- 



ß. 4. Kon den semitischen Sprachen überhaupt. 

gypten, Arabien, und über die Nordküste von Africa, son- 
dern aufserdem als Religionssprache durch Persien, die Tür- 
key und so weit der Islam reicht, verbreitet. Dem religiö- 
sen Interesse verdankt es insbesondere die hebräische Spra- 
che, dafs die Kunde derselben nach ihrem Untergange un- 
streitig weiter verbreitet worden ist, als sie es je bey ihrem 
Leben gewesen, und dafs sie als Sprache der Reli.2;ionsur- 
kunden bey zwey grofsen Religionspartheyen fortlebt, die 
aus ihr hervorgegangen sind. 

Einige n.ihere Notizen über Character, Geschichte und Litera- 
tur dieser Dialekte, s. in Adelungs Mithridates. Th. 1. S. 299 ff. 
Eichhornes Geschichte der neuern Sprachenkunde. Abtheil. 1. 
S. 405 ff. 

4. Die Verschiedenheit dieser Dialekte ist kaum so 
«nrofs , als derer des slavischen oder germanischen Stammes, 
wiewohl sie grölser und anderer Natur ist, als die der grie- 
chischen Dialekte, welche man nicht ganz passend hier ver- 
glichen hat. Einige der auffallendsten gemeinsamen Eigen- 
tkümlichkeiten, worin sie alle von den abendländischen 
Sprachen abweichen, sind: 1. Sie lieben Kehlhauche in 
mehrern Abstufungen, die zum Theil für unser Organ un- 
nachahmlich sind. 2. Die Stammwörter sind in der Regel 
zweysylbig, und liegen gewöhnlicher im Verbo, als im No- 
men. 5. Die Casus obliqui des Prt nomen und das gleichlau- 
tende Pronomen possessivem werden immer an das Verbum, 
das Nomen oder die Partikel angehängt. 4 Das Verbum hat 
nur zwey Tempusforrnen , für den Optativ und Conjunctiv 
sind sie kaum im Entstehen. Dagegen findet sich eine 
durchgehende Analogie zum Ausdrucke der verschiedenen 
TVIodificationen eines Verbalbegviffs. ,5. .Das Geschlecht ist 
nur zwiefach, männlich und weiblich. Die Casus werden 
nur durch Präpositionen bezeichnet, der Genitiv ganz eigen- 
tümlich durch engere Verbindung mit dem Nolnen regen*. 
Auch für den Comparativ und Superlativ gibt es keine be- 
stimmte Formen. (Das Arabische macht hier eine Ausnah- 



g g. 5. Jlcbräische Sprache. 

me). 6. Composita bildet wieder das Nomen, noch das Ver- 
bum, nur im Nomen proprium kommen sie vor. 7. Die Syn- 
tax hat etwas Einfaches und die Diction ist höchst unperio- 
disch, welches besonders an dem Mangel und dem unge- 
schickten Gebrauch der Partikeln liegt. 

C. G. Anton Versuch , das zuverlässigste Unterscheidungszei- 
chen der orientalischen und occid «italischen Sprachen zu entdec- 
ken. Leipzig 1792. $, ■ 

Hebräische Sprache. Verschiedene Namen derselben. 

Nach diesem allgemeinen Ueberblick wenden wir uns 
zur hebräischen Sprache selbst, mit welcher wir es von nun 
an allein zu thun haben. 

Der Name: hebräische Sprache (m*l3» I^S) kommt im 
A.T. nicht vor, wiewohl er allerdings damals schon gebräuch- 
lich gewesen seyn mag. Statt dessen heifst diese Sprache beym 
Jes. ip^iß: 1^33 -naiy, Sprache Canaans, (wo aber der Aus- 
druck mehr dichterisch, als der gewöhnliche, scheint), und 
rmin'», auf jüdisch, 2 Kön. ig, 26. (vergl. Jes. 36, 11. 15.) 
Nehem. 13, 24. Die letzteren Stellen folgen schon dem 
Sprachgebrauche, welcher sogleich nach Wegführung der 
10 Stämme entstand, wornach der Name Ja da , Juden auf 
das ganze Land und Volk ausgedehnt wurde. Beym Te- 
remias ist er schon als allgemeiner Volksname gewöhnlich 
(32, 12. 38, 19. 40, 11. 43, 9.) und namentlich 34, 9 wird 
Jude synonym mit Hebräer gebraucht x ). Zuerst in den 
Apocryphen (Prol. Sir.) und dann öfters im N. T. steht 

l) Elias Levita in Tuisbi , v. i*lT"P. J'itringa ad Jes. 36, 11. 
Dafs der Name Jude schon seit der Trennung des Reiches für 
die ganze Nation stehe, behauptet fälschlich ßlanfcy zum Phi- 
lo T. IL S. ß6- Vgl. Zimmermann Classification der Benen- 
nung Juden, Hebräer u. ». vr. In Henke'« Museum. B. 2. 
S. 638 tf- 



Namen derselben. 9 

ißnxisri oder ry tß^u'iii StxktKrq , aber hier in etwas 
anderem Sinne von der damaligen aramäischen Landes- 
sprache, welche an die Stelle des Althebräischen getreten 
war. Joh. 5, 2. 19, 13. Apostelgesch. 21, 40. 22, 2. 26, 14. 
Beym Josephus ist unter yXwffo-a ruv 'Eßgatiwv (Aichach \%/j.jm 
2. u. öfter) stets die althebräische Sprache zu verstehn. r. / tf L4 - ) 

Den Namen: heilige Sprache (Kt£>*i!!|2*l yüS) führt sie zuerst in .^ 
den Targg., z. B. 1 Mos. 11, 1. 31, 11. Targ. Hieros. 31, 47« ' ' 
45» 12. PseuJojon. Mjn bezeichnet sie damit als die Sprache der 
heiligen Bücher im Gegensatz der Vn S der profanen Sprache, 
d. i. der chaldaischen Landessprache. 

Misbr.'uichsweise kommt einige Mal auch der Name: assyii- 

o i J 

sehe Sprache (ri'IWN) für die mit assyrischer Schrift geschriebene 
hebräische Sprache vor. Tract. JVXegilla, Cap. 2. No. 1. T. II. 
pag. 392. ed. Surer.h. Nlikne Abraham. Fol. 6. Gen Jakob. Fol. 
142, col. 1. 

Da es wohl Keines Beweises bedarf, dafs die hebräische 
Sprache diesen Namen als Sprache des hebräischen T'olkes 
(y\w<?ex tuv Eßoxtmv, D*n3»n }"i\üS) führe 2 ), da der Sprachge- 
brauch, Ursprung, die Bedeutung und. Schreibart dieses Na- 
mens aber streitig zu seyn scheinen , so wird eine kurze Er- 
läuterung dieser Puncte hier nicht am unrechten Orte 
stehn. 

1. Ueber den Unterschied des Namens: Hebräer 0*>3V, 
fem. n% rp— , plur. er— , D*»") von Israelit, ergibt sich zu- 
nächst folgendes : a) in den eigenen Schriften der He- 
bräer steht dieser Name vorzüglich nur im Gegensatz ge- 
gen andere Völker verschiedenen Stammes , z. B. Aegyp- 
tier und Fhilistäer, oder wenn ein Nichthebräer redend 

2) Doch hat Augusti (Einleit. in das A. T. S. 27.) eine andere ver- 
sucht: ,,die Araber -werden (nach Abulpharadsch , s. Tococke 
Spec. hist. Arabum. p. 3.) cingetheilt in die noch bestehenden 

S > * 
und die Erloschenen (gO^V.3% Zeigt ebrüisch vielleicht die 

Sprache an, welche erloschen ("MV =.",2H interiit vergl. Iliob 
34, 20. Ps. »44, 4 u . a.) ist?" 



io Ö- 5- Hebräische Sprache. 

eingeführt wird '). b) Die auswärtigen, griechischen 
und römischen, Schriftsteller scheinen nur diese Namen 
und den der Juden zu Kennen, den Namen Israeliten sar 
nicht. So nennt sie Pau&ania.s rot/? 'Hßpumf (i, 6. 10,12.) 
und ihr Land r,3;.«<ü,v x w ? u (°\ 2 4*'> Tck itus {Bist. V, 2.); 
und Josephus braucht ihn durchgehend». Dieses führt 
auf ein Verhältmfs dieser beyden nebeneinander existiren- 
den Namen, wie wir es von vielen 1 Ölkern hahen; Hebräer 
ist der eigentliche Volksname, unter welchem es die. Aus- 
wärtigen kennen, Israelit der patronymische oder genealo- 
gische Name, der gewöhnlich nur bey dem \ olke herrschend 
zu seyn pflegt. 

Man vergl. die Namen Ungern (d. i. Fremdlinge) und Magya- 
ren ; Germanen (Kriegsmänner) und Deutsche (verrnnthlicli p** 
tronyroisch von Teilt); Phönizier und Canaaniter; Kdlmnck 1 
(Zurückgebliebene) undOclots; Tsc!ierka>>seii (Wegabschneider, 
Räuber) und Adige u. s. w. Es erhellt zugleich aus diesen Bcy. 
spielen, dafs der erstere Name gewöhnlich appellativ sey, was wei- 
ter unten zum Fingerzeige dienen mag. 

Hiehex noch die Frage, ob der Name Hebräer im wei- 
tem Sinne gebraucht werde, als Israelit? 4 ) Allerdings 
scheint diefs der Fall, nur dafs die Glänzen des Gebrauchs 
nicht deutlich sind. Schon Abraham heilst der Hebräer (1 Mos. 
14, 13.), worin die Andeutung li'gt, dafs man schon seinen 
Stamm so genannt habe j 1 Mos. 10, ßi heißt Sem der \ ater 
aller Söhne Kber'r., \;ü.s nicht ohne Nachdruck ist; im N.T. 
endlich steht ffifuiffrt für svrochaldäisch (im Gegensatz von 
griechisch und lateinisch), im A. T. dagegen n*"lVP 'im Gegen«. 
▼ob aramäisch \ Durfte in letzterem Falle vielleicht nicht ein- 
mal hebräisch stehn, insofern dieses im wcitei □ .^in-ic auch da« 
Aramäische umfaUt hätte? — Indessen wiid doch nirgends 
weder ein Abiahamit im weitem Sinne (/.. U. Ism.ielit, ldu- 

3) S. mrin Krbr. Wörterb. ei. d. \Y. '«12V. Ausgenommen ist 
* 1 llei( in uur 1 b.un. 1.3, 3. 7. 

/j) Stuhlmumn's lln-b. 5. 8 j. 



Namen derselben. i 1 

niiier), noch ein Nachkomme des Eber (wozu auch die Joc- 
tanitischen Araber und die Nahoriten gehören würden) mit 
diesem Namen belegt, und der ursprünglich weitere Name 
mag allmählich beschränkt worden seyn. In 2 Cor. n, 22. 
Philipp. 3, 5 liegt wahrscheinlich gar kein Unterschied, son- 
dern die Wiederholung ist hier Tautologie , wie aus axtqi*.*. 
'Aßoxx/u. deutlich wird. 

2. Den Ursprung des Namens führt die biblische Völ- 
kertafel (1 Mos. 10, 24. 2']. ix, 14. 15.) auf einen Stammva- 
ter las» C'P- 5 *?« Heber) zurück, und "\2V "»53 (10, 21), poe- 
tisch I3i? (4 Mos. 2^, 24) steht für a*ipjj Hebräer, wel- 
ches hiernach Patronymiaun von tay wäre. Allein schon 
der Geist jener ganzen Völkertafel, in welcher überall Völ- 
ker- Städte- und Ländernamen personiucirt werden , führt 
darauf, jenen Eber nicht für eine historische, sondern für 
eine mvthische Person zu halten, deren Name erst aus dem 
Völkernamen gebildet -worden, wie dieses ohne Zweifel 
auch mit Ion, JJorus, Aeolus der Fall ist. 

Wie willkührlich die Morgenländer hier verfuhren, 
zeigt dasBeyspiel der Araber, welche, wenn sie jene Stamm- 
tafel wiederholen, statt des Heber einen ü*& oder 0%^ 
substituiren, welchen Namen sie aus 0*-ÄJ, !>-}*.& coli, die 
Juden, abgeküizt haben s ). 

Welches der wahre Ursprung des Namens sey, ist na- 
türlich schwerer zu sagen, dafs er aber ein ursprüngliches 
s.!ppellatii-um sey, mag man wohl als entschieden annehmen. 
Bey weitem am nächsten liegt die Ableitung von 13» = 
"ynzn liP, das jenseitige Land, nämlich jenseit desEuphrat, 
wornach D**i3V Jenseitige bedeutet, welchen Namen die Canaa- 
niten sehr schicklich der einwandernden Horde des Abraham 
gaben, oder welchen sie schon früher bey ihnen führen konnte. 
Der Einwand, dafs ~\2V sonst nicht ohne Zusatz fiinnan ->3V 

5) Uottingeri hist. Orient, p. 38 — 44. 



12 $. 5« Hebräische Sprache. Namen derselben. 

vorkomme, scheint unbedeutend. Der Name wäre dann etwa 
gleichbedeutend mit Ungern (s. oben), oder D*ntfV& (von trHü 
auswandern} 6 \ Nach TJ'ahP^ war D^*OU ursprünglich ei- 
nerlei mit D'2'i» Araber, in der Bedeutung : Nomaden, an- 
dere haben die drey Yölkernaraen t3?*09, C31-» und 0"<ö^n 
für ursprünglich einerley, und erst später getrennt ausge- 
ben wollen (letzteres nach einer Verwechselung des n und y, 
D und 3). Letzteres scheint zu kühn: erstere Vermuthung 
hingegen liefee sich allenfalls durch den Umstand unterstüz- 
zen, dafs 2 Sam. 15, 23 im Chethib misir wirk lieb, für 
n"!3"ll> Steppen vorkommt. 

5. Die deutsche und lateinische Orthographie schwankt 
zwischen hebräisch und ebräisch; mit Unrecht, denn letzte- 
res ist offenbar falsch. Aus dem hebräischen **OV ward im 
Syrischen . rj ^v , und daraus das griechische ijcsziof, lat. he- 
braeus. Da wir einmal die Form aus dem Griechischen auf- 
genommen haben, müssen wir sie auch in dieser Gestalt bey- 
behalten, für die richtige Setzung des Spiritus asper zeugt 
aber aufser den Codd. auch das Lateinische 8 ). Wollte man 

6) So schon il. Bechai, Maimonides, Raschi, Luther. Nach ver- 
schiedenen Gesichtspunkten s. darüber Bocharti Phaleg 1 1, 14. 
Hottinger tlies. philol. p. 5- Löscher S, 53. P7 altern Prclegg. 
111, 1. Hezöl S. 4 ff« Falsche Ableitungen unmittelbar von 
*13!>, oder gar, wie Augustin (quaest. in Gewiss, lib. 1. <ju. 24.) 

w;ll, von omni*. 

7) Allgem. Geschichte der morgenlänclischen Sprachen. S. 453- 

3) Die Spiiituaiion des hebräischen Nominis propra ist daher in 
diesem Falle im Griechischen vollkommen gesichert, was sie 
nicht immer ist, s. "Wlontfaucon zu Origenis TIexaplii T. IX» 
S. 597. Mögen die Griechen sonst zwischen dem Spiritus /-•• 
mix und aspxr für V schwanken, hier ist clor Gebrauch fix für 
den letzteren , wie z. B< bey 'Ap«ßt{ für den enteren. Auch 
in» Lateinischen haben die Codd. nur hebräeut, and schwanken 
nicht, vrle sonst wohl bcyni Ausdrucke semitischer Aspirationen, 
t. B. Anmbal und Hannihul (Sl'U'On) , ygk lat. Sprach- 

lehr« $. i<MO' Man dar! daher au fTerthei ei Schreib« 

art ebraisch durchaus mcht auf die Aussprache des V selbst im 



$. 6. Ursprung u. Alter d.hebr. Sprache überhaupt. 13 

die hebräische Form nachahmen, so würde man ja das Volk 
Ilibriten oder Ghibrüen nennen müssen. 

ö- 6. 
Ursprung und Alter der hebräischen Sprache überhaupt. 

\. Die älteren Sprachforscher und Theologen hielten 
sich bey Behandlung dieses Gegenstandes an die mythische 
Geschichte der Genesis, welche bis zum babylonischen 
Thurmbau Eine allgemeine Sprache herrschen, und aus die- 
ser durch unmittelbare Einwirkung der zürnenden Gottheit 
die verschiedenen Sprachen der Welt, mithin auch die he- 
bräische, hervorgehn läfst ; in eine sinnige, bedeutungsvolle 
Mythe ein Problem einhüllend, welches noch Keine Philoso- 
phie befriedigend gelost hat. 

Dem Mythus über die Sprachverwirrung (Gen. XI.) genau 
analog ist eine griechische Fabel bey Philo (de confusione linguar. 
p. 25 l * °d- Colon.), wo die Entstehung der verschiedenen Spra- 
chen an das Ende des »oldenen Zeitalters versetzt und dem über 
die Undankbarkeit der Menschen zürnenden Kronos zugeschrie- 
ben wird : denn vorher redeten Menschen und Thiere Eine Spra- 
che und verstanden sich wechselseitig. Vgl. Plato in Politico bey 
Lochart (Phaleg S. 3). 

2. Man ging aber noch weiter und erlaubte sich selbst 
die Frage, welche Sprache denn jene ursprüngliche, allge- 
meine (primaefa) gewesen sey. Nach dem\ organge der äl- 
teren Juden 5 ) entschieden die Meisten zum Vortheile der 
hebräischen Sprache, und suchten dieses durch mehrere Be- 
weise zu unterstützen , namentlich 1. dafs die Namen vor 
der Sprachverwirrung eine deutliche hebräische Etymologie 
hätten, z. B. DIN Mensch, S^n Hauch, Vergänglichkeit 
u. s. w. (nicht bedenkend, dafs diese Namen erst von He- 
bräern gebildet oder umgebildet seyn könnten), 2. dafs fast 
in allen Sprachen Spuren der hebräischen zu finden seyn, 

Hebräischen zurückgehn. Vergl. Slevogt diss. acad. selectae. 
p. 1467. 
9) Onk. und Targ. Hieros. Gen. XI, 1« vgl. Jos. ArchäoL 1, 4. 
10, 2. 



14 ö- 6. Ursprung u. Aller d. heb/: Sprache überhaupt. 

(was zumlheil sehr natürlich zugeht f(). iß.], zumTheil aher 
durch einige zufällige Aehnlichkeiten gar nicht bewiesen 
worden ist) IO ); 3. durch historische Auffassungen von Stel- 
len, wie 1 Mos. 2, 23. 

3. Suchen wir indessen unabhängig von jener mvthi- 
»chen Ansicht etwas über das Alter und den Ursprung der- 
selben auszumachen, so sehen wir uns von der Geschichte 
gänzlich verlassen. Wir finden nämlich die Sprache in den 
erwiesen ältesten Schriften schon auf dei jenigen Stufe der 
Ausbildung und Vervollkommnung, welche sie überhaupt 
erreicht hat, und wir können diese durchaus nicht verfolgen, 
wie wir es z. B. bey der lateinischen und den germanischen 
Sprachen können. Der Grad von grammatischer Bildung 
aber, welchen sie besitzt, ist nicht gering, und setzt Jahr- 
hunderte voraus I0t> ). Auch darf man die Simplicität und 
das Sinnliche, Poetische der Sprache 11 ) nicht zu hoch in 
Anschlag bringen, wenn von ihrem Alter die Rede ist, denn 
jene Simplicität ist gröfstentheils Character des ganzen 
Sprach stamm es , das Sinnliche und Poetische derselben aber 
schwerlich bedeutender, als es in allen altern Original-Spra- 
chen zu sevn pflegt. Der Onomatopotlica sind wirklieb we- 
niger, als in den abendländischen, und als man erwaiten 
sollte, und in der Aushildung der Radices Irilitterae liegt 
eine Regelmäfsigkeit, wie sie wenige Sprachen aufzuweisen 
haben. 

10) Die altern Vorstellungen findet man zusammen in Steph. .~I7<>- 
rini Exertitatt. de liti^ua primaeva. Lltraj. 1694. .\. C. //. 
Jiode itiss. de -primaeva liuguae hebraeae antiquitate, praes. C B. 
Michaelis. Halae 1740. 4. A. Pfeifferi Opera. S. (>[)(). , und 
erneuert in sin ton de lingma primaeva eiusque in lingum hsbraea 
reliquiis. l'it<b. ljjoo. 4. 

1 1 '' ) Herder t Geist der hebr. Poesie. Tli. 1. ?. 54°' Eichliom's 
Einleit. in das A. T. §. 10. Dali sie indessen in ihrem frühe- 
ren Zeitalter hohe Dichtertprache gewesen s< \ . welche in un- 
seren ältesten Urkunden schon in die Grinsen der Prosa herab» 
^e7. , ist nicht nothwendig und nicht bey allen Spra- 

i ben der lall. 

11) Herder a. a. O. Th 1. S. 7 iL 



g. 6. Ursprung u. Aller d. hebr. Sprache überhaupt. 15 

Einige Onomatopoetii a sind : •»'ix, "»1n, M2X webe ! nN arh ! 
nNrt io! euge! n;M, n2N, p3M, pfp seufzen, ächz« n , %nh. 
ppS lecken, p*YTÖ ffu^siy, iri turtur. Allein selbst die'meisten 
Thicrlaute sind nicht nach dem Schalle gebildet, z. B. pn'i' la- 
chen > Sn2£ wiehern, Dn3 brüllen. 

4. Mehr als "wahrscheinlich ist, dafs es eine, Zeit gab, wo 
die hebräische Sprache mit den verwandten Dialekten mehr 
zusammenflofs, wo das Sprachgesetz der Trilittera noch nicht 
ausgebildet war-*), allein wir können diese nicht nachweisen, 
noch weniger reicht eine unserer hebräischen Schriften in jene 
Zeit hinauf. Weil man den Stvl des Buches Hiob mit Ara- 
mä Ismen und Arabismen versetzt fand, haben einige diesen 
Umstand zu Hülfe nehmen wollen, um dem Buche jenes 
Zeitalter anzuweisen, und sich auf die Mischung der grie- 
chischen Dialekte im Homerischen Zeitalter berufen 13 ), al- 
lein jene Aramäismen und Arabismen sind keine anderen, als 
die sich sonst in den poetischen Schriften des A. T., besonders 
denen des zweyten Zeitalteis finden. Dieser Beweis für das 
hohe Alter dieses Buches ist also nicht haltbarer, als alle 
übrigen. (Vgl. §. xi, 2) 

Die Angabe Gen. "1, 4 7 > <^ a fc der lYTesopotamier Lnbrm einen 
Ort auf Syrisch RnVlHW *U% Jacob denselben auf Hebräisch ivh^ 
(Hügel <!es Zeugnisses; genannt habe, setzt voraus , dafs schon 
damals die Dialekte auf eiue ähnliche Weise, wie späterhin, ver- 
theilt gew. .sen sevn. Genau genommen beweist diefs frevlich 
blofs, d'fs es zur Zeit des Concipienten so der Fall war, und daft 
dieser dasselbe im Patria rchenzeitalter annahm, allein die Sache 
hat auch an sich gar nicht9 Unwahrscheinliches. Die Juden las- 
sen auch den Abraham vor seiner Einwanderung in Canaan ara- 
mäisch reden. Liier Cosri II, 6ß. 

ii) S. Vorrede zu meinem Wörterb, Th. 2. S. XIV.» vgl. Simo- 
nis Arinnum formarum. S. 140. 

•3) H§ en 'k J° ül ' antiquissimi carminis h.ebraici natura et virtuti- 
bus. S iß. 



l<5 0. 7. Vaterland der selb. Verhältn.z.phöniz. Sprache. 

<3- 7- 
Vcterland derselben. Verhältnifs zur phönizischen Sprache. 

Als dos Vaterland der hebräischen Sprache hat man ohne 
Zweifel Palästina seihst anzusehn, und das ZusammentrefFen 
deutlicher Erscheinungen vereinigt sich für die Behauptung, 
dafs sie mit wenigen \ eränderungen schon die Sprache der 
canaanitischen oder phönizischen Völkerstämme I4 ) war, 
welche Palästina vor der Einwanderung der Abrahamiden 
bewohnten, dafs sie von diesen angenommen ,y ), nach Ae« 
gypten verpflanzt, und wieder nach Canaan mitgebracht 
wurde. Die wichtigsten Bestimmungsgründe sind folgende: 

D Do O 

1. Die Canaanitischen Personen- und Ortsnamen, sind 
deutlich hebräisch, und gehen meistens eine sehr leicht auf- 
findbare Etymologie, z. B. ^n^« (Vater des Königs), 
pna ; •cSö (König der Gerechtigkeit) , ptar.*>*iM, CDttf, ~rp*lpJ 
*l£D u. s. w. Man darf aber nicht etwa einwenden, dafs 
man vielleicht den Ortschaften diese Namen erst später gege- 
ben, oder Personen- und Ortsnamen mit einiger Verände- 
rung hebraisirt habe, denn der Charakter derselben ist hier 
zu durchgreifend, und man kann ja die persischen und ägyp- 
tischen Namen (Q. 17, 1.2) veigleichen, an denen man sich 
nur selten und geringe Veränderungen erlaubt hat. Einige- 
mal, wo Namen geändert worden, ist dieses auch ausdrück- 
lich angegeben. 4 Mos. 32, 3ß. Jos. 15, i5- 1% 47- 

2. Derselbe Eall ist mit den phönizischen Eigennamen 
und den theils aus Inschriften und Münzen entzifkrten, 

14) 1^2» , ü 4 j3 ist unstreitig der einheimische Nnmc des unter 
dem Namen der Phönizier bekannten Volk.es. Selbst die Pa- 
nier kannten ihn, nach ylugustiuus (expos. epist. od Romanos): 
rusticos iuxla HippOtum intcrrpgatos, unde »Stent, punice rcsj>on- 
disse Chanani 1. e. Chananaeos esss. Auch auf phönizischen 
Münzen liest man J^'jD, s. Ekhel Doctrina uummor. T. IV. 
S. 409. 

lj) Nach Gen. 51, 47. würde mau iliescn zuvor eine aramäisch« 
Mundart zuschreiben miusen. ( S. $. 0, 4 Aiuu.) 



5.7. Vaterland dtrselb . Verhälln.z.phöniz.Spraclit. 17 

theils her griechischen und römischen Schriftstellern erhal- 
tenen phönizischen Wörtern, welche, so weit sie sieh wie- 
dererkennen lassen, nach Form und Bedeutung mit dem He- 
hiäischen entweder völlig coincidiren, oder doch sich ihm 
mehr, als irgend einem andern verwandten Dialekte, selbst 
dem Syrischen, nähern. 

Sogar die punische Sprache Karthago's , welche früh 
vom IVIutterstaate getrennt, in Africa gewifs viele fremd- 
artige Theile aufgenommen hatte, kann ihren Ursprung 
nicht verleugnen. Auch haben dieses unter den Alten na- 

o 

mentlich schon Augustin und Ilieronymus öfters ange- 
merkt 16 ). 

Eine kleine Sammlung phönizischer und punischer Wörter mit 
deutlicher Entzifferung- ist. weil sie hier zu weit erführt haben 
würde, Exe. 1. zusammengestellt, und mit einigen Bemerkun- 
gen über die Uebeneste des Phönizischen und Punischen begleitet 
worden. 

5. Die Canaaniter blieben nachher noch längere Zeit 
mit den Hebräern zusammen im Lande wohnen, und es 
wird nie einer Verschiedenheit der Sprache erwähnt. Die- 
ses geschieht aber nicht allein in Bezug auf Aegypten (vgl. 
Ps. ßi, 6. 1 1 4 , 1.), sondern auch auf solche Völker, welche 
verwandte Mundarten redeten, z. B. das Aramäische im 
Munde eines Assyrers (Jes. 36, 11.), das Ostaramäische der 
Chaldäer (Jer. 5, 15). 

4. Die hebräische Sprache selbst scheint gewisse Erschei- 
nungen zu enthalten , die auf eine Ausbildung derselben in 
Canaan führen. Z. B. f> Meer f. Meer d. i. Westseite, ohne 
dafs es einen andern Ausdruck dafür gäbe. Man setzt hin- 

l6) siu»ustin in cp. ad Rom. : Christus.... Hunc Hebraei di- 
eunt JVIessiam , quod verbutn linguae punicae censonum est , ji- 
cut alia Kebraea permulta et paene omnia. (Juaest. in Jud. 6, 
16.: istae linguae non multum intet se diffwunk. Tract. KV, 
in Joaiin. cognatae quippe sunt linguae isiae , ffbraca et punica, 
Hieron. in Jes. 7. lingua punica , quae da Hebraeorurn foritibut 
tnanare dicitur. Id. ad Jer. 5, 25. Vraef. in ep* ad Galat, 

B 



*6 §.J. Vaterland dersclb. Verhttlln. z. phöniz. Sprache. 

2u 17 )-, dafs ihr innerer Bau für eine Ausbildung im Poly- 
theismus beweise , allein die einzige Erscheinung, welche 
hierauf bezogen zu werden pflegt, läfst sich auf ander« 
Weise befriedigend und noch analoger erläutern ,8 ). 
5. Sie heifst daher die Sprache Canaan's. Jes^ 19/ 0« 

Eine Zusammenstellung der Beweise für diese Behauptung s. 
in IVallon Aji-parut. bibl. Prolegomm. III, 14 — 19. BoJiarti Ca- 
naan. Ii, 1. Clerlcus de lingua hehr. No. 5. Eellermunn Erklä- 
rung der punischen Stellen im Pünnlus der Plautus. St. 1. S. 5 ff. 
St. 3. S. 5 ff. Fälschlich berief man sich auf den Vers des Chü- 
xilus (s. §.4, 1.). Unbedeutende, zum Theil selbst dogmatische, 
Ceaengründ« s. in Aug. Pfeifferi Opp. S. 692. Füllen Miscell. 
s. IV. 4.» und ohne weiteren Beweis nennt Herder (Geist d. ebr» 
Poesie. Th. 1. S. 317.) diese Behauptung „eine der Fabeln unse- 
rer Zeit, deren Sinn er nicht einmal begreife." 

ö. 8- 
Alter der Sprache in ihrer gegenwärtigen Gestalt. 

Von der hebräischen Sprache in ihrer gegenwärtigen Ge- 
stalt und den schriftstellerischen Producten derselben läfst 
»ich mit gröfster Wahrscheinlichkeit behaupten, dafs sie 
schwerlich über die davidisch -salomonische Periode hinauf- 
reichen, und erst hier befinden wir uns bey einer Geschieh» 
te der Sprache auf eigentlich historischem Boden. 

>7) Eichhorns Einleit. in das A. T. Th. I. S. 50. 

Iß) Von dem Plural D\"1 -1 7M in der Singulavbedeufune Gott be- 
hauptete zunächst Clericus (i/a lingua hebr. 1, 5. , und zu Gen, 
1, 1. l», 5.) dem aber schon jüdische Ausleger vorangingen 
(Cosri ed. Buxtvrf. S. 256.), daf» er polytheistischen Ursprungs, 
aber nach Einführung des Monotheismus bevbehaltcn, und auf 
den Gott bezogen worden sey, welcher an die Stelle aller Göt* 
ter trat. Ihm folgten Herder (Geist der hebr. Poesie. Tln I. 
S. 4Ö-)k GabUr (-11 Eichhorns Urgesch. Th. 1. S. 220. Th. 2. 
ii. 1. S. 103 ff. B. 2. S. aiß iL), Eichhorn (zu Simonis Lex. 
hubr. S. 120.). Allein dieser Mnjcstatsplin.il findet sich auch 
hey andern Nominibus domiuü, X. B, c^l«, D^Sva, wd ein« 
•olohe Eiklarung nicht zulassig ist. Der bedanke bi beult mit- 
hin mehr ingcniuS, als in der Sprache selbst ^'gründet. 



Q. ß. Alter der Sprache in ihrer gegenwärtigen Gestall. 1 9 

In der Voraussetzung, dafs der Pentateuch ein Produet 
des mosaischen Zeitalters sey, mufste man sonst den Termi- 
nus a quo um ein Bedeutendes höher hin aufrücken; allein 
60 gelehrte Vertheidiger diese noch in unseren Zeiten gefun- 
den hat, so möchte sie doch kaum mehr vor dem Forum 
einer unparteyischen Kritik bestehn. 

Wären dafür auch keine historischen Gründe, so wür- 
de schon, was uns hier allein angeht, die Sprache ein 
sehr bedeutendes Moment in die Wagschaale legen. Es ist 
Thatsache, dafs die Sprache des Pentateuchs vollkommen 
mit der der übrigen altern historischen Bücher, und in den 
poetischen Abschnitten mit den übrigen Poesien des ersten 
Zeitalters der Sprache coincidire x *). Lägen diese Schrif- 
ten beynahe 1000 Jahre auseinander, wie man behauptet, 
indem man jene dem Mose zuschreibt, so würden wir eine 
Erscheinung vor uns haben, die in der ganzen Spracho-e^ 
schichte ihres Gleichen nicht hat, nämlich, dafs die lebende 
Sprache und der Ideenkreis eines Volkes in einem solchen 
Zeiträume so unverändert geblieben sey. Man hat dieses 
zwar dadurch zu erklären gesucht 20 ), dafs sich theils die 
morgenländischen Sprachen, gleich ihren Sitten und Gebräu- 
chen, weniger veränderten, als die abendländischen , theils 
dafs Mose's Schriften, als die classischen der Nation, Norm 
und Regulativ für die folgenden Schriftsteller geworden 
seyn. Allein es läfst sich leicht zeigen, wie unzureichend 
diese Angaben zur Erklärung unseres Gegenstandes seyn. Die 
erstere wird keinesweges in einem solchen Grade von der Ge- 
schichte, unterstützt, denn alle bekannten morgenländischen 
Sprachen, die wir während eines Zeitraums von 1O0Ö Jah- 
ren übersehen können, haben während dessen sehr sichtbare 

19) Die unbedeutenden Idiotismen (§. 12, t.) können liier nicht 
in Betracht kommen. 

20) Michaelis Einleit. in das A. T. S. 166 IT. Jahns Einleit. 
Th. 1. S. 266. Eckermanns theol. Beiträge. B. £. St. 1, 
8. 92 ff. 

B a 



£0 Ö- 8» -Alter der Sprache in ihrer gegenwärtigen Gestalt. 

Veränderungen erlitten 21 ); die letztere hat noch weniger 
Bedeutung. 

Man behauptet damit entweder, dafs nur die Schrift* 
Stellersprache sich den alten Urkunden nachgebildet habe, 
oder dafs selbst die lebende Sprache durch einen solchen 
Classiker gleichsam festgehalten worden sev. In dem ersteren 
Falle beruft man sich auf das Beyspiel der griechischen und 
römischen Classiker, des Koran und der Lutherischen Bibel, 
und nur dieser hat einen Schein für sich. Allein zunächst 
widerspricht es andern deutlichen Anzeigen, dafs die mosai- 
schen Schriften nicht allein so früh existirten, sondern auch, 
wie jene Classiker, in Aller Händen waren. Ferner tragen die 
übrigen historischen Bücher keinesweges den Charakter der 
Nachahmung an sich, wie etwa die spätem nachahmenden 
Psalmen. Sie verhalten sich keinesweges zum Pentateuch, 
wie etwa die Poesien der Alexandriner zu Homer, sondern 
sie erscheinen nach Sprache und Charakter als Producte des* 
seihen oder eines sehr ähnlichen Zeitgeistes. Endlich be- 
weisen jene Analogieeu gar nicht, was sie sollen. Die der 
Classiker gehört nicht dahin, denn es ist hier von einer le- 
benden, nicht todten Sprache die Rede: die beyden übrigen 
aber beweisen dagegen; denn weder unsere, noch der Ara- 
ber Schriftsprache ist mehr die des Koran oder der Lutheri- 
schen Bibel. — Der letztere Fall widerlegt sich von selbst. 
Selbst in unserem Zeitalter des Studirens ist es undenkbar, 
dafs ein Schriftsteller, sey er noch so classisch, den Drang 
der lebenden Sprache im geringsten aufhalte, geschweige im 

2i) Am scheinbarsten beruft sich Jahn a. a. (). auf «.las Bcvspiel 
des Syrischen in Her PeschitO (See. II.), welches von dem de» 
Abnllaragins (See. XIII.) im Wesentlichen nicht vei schieden 
sey. Allein es scheint hier ein Hailptutastaiid üb« reehn KU seyn, 
dafs nämlich die syrische Sprache s ül d< i ral istheri Ilerrscli.lt 
eine absterbende , knurr neuen Bildungen Iah ige Sprach* war. 
Der Sprachvoirath ist .iber in bi'vdtii allerdings merklich vir- 
schieden. 



Q. o. Erstes Zeitaller derselbe Poetische Sprache. 21 

Alterthume, wo so ohne Vergleich weniger gelesen und ge- 
schrieben, desto mehr geredet und gehandelt wurde. Eher 
ist es der Fall, dafs die Sprache ihre älteren Urkunden selbst 
in ihrem Wechsel mit sich fortreifset, und sie zwinget, mit 
den Zungen späterer Zeitalter zu reden. Liegen also auch 
wirklich im Pentateuch hie und da weit ältere Urkunden zu 
Grunde (was z. B. beym Decalogus grofse Wahrscheinlich- 
keit hat), so mufs man doch nothwendig eine spätere Ueber- 
arbeitung und Einkleidung derselben in die Sprache der Zeit 
annehmen. Für die Sprachgeschichte bleibt das Resultat 
dasselbe, nämlich, dafs die schriftstellerischen Producte des 
A. T. vor dem Exil in ihrer gegenwärtigen Gestalt der Zeit 
nach nicht weit aus einander liegen können, und nur dieses 
sollte hier behauptet werden 22 ,). 

ß. 9- 

Erstes Zeitalter der hebräischen Sprache. 

1. Wie die Sprache uns gegenwärtig in den Schriften 
des A. T. erscheint, lassen sich nur zwey durch ihren Cha- 
rakter merklich geschiedene Zeitalter derselben unterschei- 
den, wovon das eine die Schriften vor dem Exil, das zwey- 
te die Schriften während und nach demselben umfafst. 
Nicht unpassend hat man jenes das goldene, dieses das sil- 
berne Zeitalter derselben genannt. 

2. Es bestehen hier vornehmlich zweyClassen der Dic- 
tion nebeneinander, die Prosa der gemeinen Geschichtser- 
zählung und die poetische Diction, welche letztere mit allen 
ihren Eioenthümlichkeiten auch in den historischen Büchern 
eintritt, sobald Prophezeiungen, Segnungen, Lobgesänge 
äich zur Poesie erheben. Diese Dichtersprache, welche sich 

2 2) Gegen die (Note 20) angegebenen Schriftsteller 8. unter an- 
dern Fulda in Paulus N. Repert. Tb. 3. S. iQ5. Othmar (NacJi- 
ti c r.ll; jn Henke's Magazin. Th. 2. S. 471. Vergl. Adelurg's 
jNl.tliridat. Th. 1. S. 559. Meyers Hermeneutik des A. T. 
Tb. 1. tf. 124. 126. 



Jf£ 5< 9. Erstes Zeitalter derselb. Poetische Sprache. 

auch äufserlich, zwar nicht durch Sylbenmessung, aber doch 
durch rythmische Abmessung der Perioden und des Paralle- 
lismus derselben bezeichnet, hat aufserdem in Rücksicht auf 
Sprachgebrauch, Wortformen und Wortbedeutungen, gram- 
matische Fügungen u. s. w. mancherley Eigentümlichkei- 
ten , welche nicht immer hinlänglich beobachtet worden 
sind. Die meisten dieser Eigenthümlichkeiten sind in an- 
dern Dialekten , namentlich im Syrischen, gerade das Ge- 
wöhnliche, womit es zusammenhängt, dafs sich Einzelne» 
auch in der spätem aramäisch- gefärbten Diction des silber- 
nen Zeitalters wieder hndet. Die Propheten stehn in Rück- 
sicht auf Rvthmus und Sprache in der Mitte zwischen Poe- 
sie und Prosa ; doch schliefsen sich die des goldenen Zeital- 
ters beynahe völlig den Dichtern an , erst die jungem, 
z. B. Jeremia, und Ezechiel , nahein sich der prosaischen 
Diction 23 ). 

Ueber den Rythmus s. de PVette's Commentar über die Psal- 
men. Einleit. $. 7. Ueber die Eigenthümlichkeiten der Dichter- 
sprache G. I. L. Vogel lib. sing, de dialecto poStica V. T. Heimst. 
1784. 4'» die Vorrede zu meinem Worterb. Th. 1. S. XXV-XXVII. 
und die Nachträge dazu. Th. 2. S. 1535. Hier nur .eine kleine 
.Auswahl, wodurch das Obige hier und da vervollständigt wer- 
den kann. 

Eigentümliche TT'örter, wofür die Prosa gTüfstentheils andere 
hat, sind; «rl3N Mensch, f. DIN; nn*« kommen, f. Ni3; n*n 
anzeigen, f. V3n; n^?ö Wort, f. *0"i; dp Vorzeit, f. oMv; 
C1nn rluth, f. D^B Wasser. 

Zu den JJ'ortbifdeutungen gehurt besonders der Gebrauch ge- 
wisser Ad\ectivn als Sahst, für ein bestimmtes Subject, z. B. V3N 
der Starke, d. i. Gott; *>*M der Starke, f. Stier; nvrp J.is Ein- 
a^;e, Liebste, f. das Leben u. s. w. Aufserdem ^&1*, -j~"*, 
l'iVV als Volksnamen für Reich Israel, laxaäl überhaupt, Edom 

U. 8. W. 

*5) Abaibenel zu Exod. XV. sagt, nachdem rr auf mehrere poc"ti- 
»che rönnen aufmerksam gemacht hat: non existimtunluni, prin- 
tipem j>ropii<.'tarum errasse circa aecuratam literarum ratio:i?m et 
frdinem tcrtp(ionis Warum: vertun carnfinii ratio et tr.eioJiaa ne- 
»etutas sie yostularunt. 



5.9. Erstes Zeitaller der selb. Poetische Sprache. *3 

M'ort formen: nShü f. QVIVm Gott; Hin f. nrn seyn; tä" 1 »»^ 
Völker, nUtt) Jahre, nto* Tage', für B*Q9 t b*3W, 0*»»' ; V®» 
•»SO für ]C; "30 für *1§33 von mir; Ij'SlT' für ^V eewirdgehen. 

Grammatische Formen und Fügungen: Die parao-ogischen Buch- 
staben ftv- 1 und *»-r- am Nomen, ersteres am St. ahsol. , letzte- 
res am Xomen regens; die Sujjfixa auf 1ö, z. B. 1ö— , 1öS, 

1»^— (für d— , cnb, n.-r— ), nrp-77-, *n1 für ■n— , *3>s- fa* 

^i__; die Pluralformen p^ und *>- = - für C^-;— ; der Gebraucli 
von PL und Hiph. als Intransitivum, des abgekürzten Futuri für 
das gewöhnliche, der h.iufiee Gebrauch des Participii fürs Verbum 
finitum, häufigere Unreselmäfsislceiten iiu Numerus und Genus, Er- 
Jipse der Präpositionen u. s. w. 

3. Eine strenge Bestimmung dessen, was diesem oder 
dem folgenden Zeitalter angehört, wird durch die Beschaf- 
fenheit der hehräischen Literatur unmöglich, wäre auch 
nicht dieses Orts. Im Allgemeinen läfst sich nur Folgendes 
mit einiger Wahrscheinlichkeit hehaupten, Von den grö- 
fsern historischen Schriften können der Pentateuch, die Bü- 
cher Josua und der Richter, Samuels und der Könige hieher 
gerechnet werden , wenigstens sind gewifs ihre Hauptbe- 
standteile in dieser Periode abgefafst, wenn gleich die Ar> 
tiahme einer spätem Redaction, nebst Hinzufügung einzel- 
ner Theile nothwendig bleibt 24 ). Die Psalmensammlung 
enthält, besonders in den ersten Büchern, ohne Zweifel vie- 
le alte, achtdavidische, oder aus seiner Schule hervorgegan- 
gene Stücke, indessen die Mehrzahl derselben bezeichnet 
sich als Erzeugnifs der spätem Zeit. Die Beurtheilung im 
Einzelnen hat nicht selten bedeutende Schwierigkeiten, da 
spätere Dichter oft die Sprache der frühern sehr glücklich 
nachahmen, und, wie die korachitischen Lieder , sie am 
poetischen Werthe vielleicht übertreffen. Indessen ist sie 
von höchster Wichtigkeit, und mit Recht hat man die Be- 
hauptung aufgestellt, dafs insbesondere eine gewisse 

24) Z B. vom Pentateuch der Segen Bfose's Deut. 33, dessen 
V. 7. schwerlich irgendwo anders als im Exil geschrieben seyn 
kann. 



14 5- 9' Erstes Zeitalter de? selb. Poetische Sprache. 

Schwerfälligkeit, Gedrungenheit und Kühnheit, ein Ringen 
mit Stoff und Sprache, als ein Merkmal der Alieithümlich-? 
keit angesehn werden könne 2S \ Spätere Dichter beweg- 
ten sich in gewohnten Formen , während ältere die Bahn 
erst brechen mufsten. Die Sammlung der Proverbien, 
in welcher mehr Einheit des Charakters und der Sprache 
ist, enthält keine Theile , hey denen die Annahme späterer 
Abfassung nothwendig wäre. Zunächst an diese schliefst 
sich das Buch Hiob , wiewohl es sich in anderer Rücksicht 
wiederum zu dem spätem Charakter hinneigt. (S. Q. 12, 2). 

Am sichersten ist noch die Zeitbestimmung und Aecht- 
heit der Propheten, bey denen nur ihr relatives Alter zuweilen 
Schwierigkeit macht. Den Anfang machen die vier Zeitgenos- 
sen Arnos, Hosea, Micha, Jesaia 26 ), von denen sich besonders 
Hosea durch alterthümliche Schwerfälligkeit und Inconcinni- 
tilt des Ausdrucks auszeichnet ; an sie schliefsen sich zunächst 
Joel, Nahum undllabacuc, gleich ausgezeichnet durch hohen 
poetischen Schwung ;, lebhaftes Colorit, und eine gewisse 
classische Concinnität, worin sie Joel alle übertrifft 27 ); 

25) Z.B. Ps, io, 6ß. Dathes Psalmen übers. S. 147. de Wette 1 % 
Comment. über die Psalmen. S. 23 ff. Derselbe lall ist bey den 
altern Propheten. 

26) Hier müssen nur die vielen spätem unächten Stücke, die 
sich in seiner Sammlung befinden, namentlich Cap. \0 — 66 
abgerechnet werden. Letztere Capp. machen übrigens wieder- 
um ein Ganzes aus, welches am Ende des babylonischen Exils 
abgefafst, wiewohl gedehnt und wiederholend 1 nicht geringe 
Vorzüge der Sprache besitzt. Es mufs bey dieser Operation 
vielleiekt über die Hälfte dem Jcsaias abgesprochen weiden, 
so dafs man fragen könnte, wie die Sammlung zu dem Collcc- 
livnamcn des Jesaia gekommen sev. Wohl nach dem bekann- 
ten • a potiori — - welclies die Hebräer so häufig leitete. Wer 
Weifa aber nicht, nie unkritisch die l'ebevschnften morgenlän- 
difchcr Werke und Sammlungen gewählt sind? 

$7) Mehrere Parallelen, besonders historischer Art, zwischen 
lo.l und Arnos, weisen dielen beyden Propheten ungefähr ein 



Q. 10. Zu-pytes Zeitalter. Spätere ■u.chcildaisir. Sprache. %$ 

beynahe gleichzeitige Zeugen der Zerstörung Jerusalems 
durch die Chaldäer und der Wegführung" waren Qbadia, 
Zephanja , und Jeremia , welcher letztere auf den Trüm- 
mern Jerusalems seine Elegieen sang; Ezechiel endlich 
sprach seine Orakel schon im Exil an den Ufern des Chabo- 
ras aus. Zwar der originellste der Dichter, dessen üppige 
Phantasie in neuen gigantisch- grotesken Bildern schwelgt, 
besitzt er doch zu wenig Geschmack und Concinnität, um 
den Namen eines classischen Schriftstellers zu verdienen. 

Einige wenige Notizen über veränderten Sprachgebrauch gibt 
die Bibel selbst, z. B. 1 Sam. g, 9 die Bemerkung, dafs für N"OS 
(Prophet) fnilicrhin d. i. zu Samuels Zeit ,-|N*l (Seher) gewöhnli- 
cher gewesen scy, welchen Namen auch Samuel vorzugsweise führt. 
2 Sam. 9, 9 ff. 1 Chron. 9, 22. 26, 2Q. 29, 29 (aber auch ein weit 
späterer Prophet Chanani. 2 Chron. iß, 7. 10). In Exod. 5, 14 
land man sonst die Notiz, dafs erst hier der Name mn* an die 
Stelle de» altern 1V25 getreten sey, allein den wahren Sinn der 
Stelle zeigte schon J. C. Bonnet (Biblioth. Hagan. CI. IV. p. 205.) 
vergl. de JT'ette Beytr. IL S. 177-83« Die Notizen über verän- 
derte Ortsnamen sammelt z. B. Vater (Comment. über den Penta- 
teuch. Th. 3. S. 651). Spuren älterer Sprache enthalten auch die 
Nomina propria. 

0. 10. 
Zweytes Zeitalter. Spätere und chaldaisirende Sprache. 

1. Mit dem Exil beginnt eine neue Epoche für Sprache 
und Literatur, welche sich vornehmlich durch Annäherung 
der Sprache an den verwandten ostaramaischen Dialekt be- 
zeichnet, an welchen sich die Juden in den Ländern des 
Exils gewöhnten. Dieser Dialekt diente ihnen anfangs nur 
neben der hebräischen Sprache als Volkssprache, verdrängte 
aber nach der Rückkehr den altern Dialekt allmählich völ- 
lig aus dem Munde des Volkes , so dafs er sich nur noch als 

gleiches Zeitalter an. S. RosenmMler Scholia in V. T. P.VII. Vol. I. 
S. 433« n ach Vitringa. Nur um etwas später sind Nahum und 
Habacnc, wovon der erste des Einfalls der Assyrer, der letzte 
der Cualdäer erwähne. 



fl6 Q. to. Zweytes Zeitalter. Spätere u.chaldaisir. Sprache. 

Büchersprache his an das Ende der makkabäischen Periode 
erhielt, auf welche übrigens der Einflufs der verwandten 
Volkssprache ganz unvermeidlich war. Dieser Einflufs ist 
übrigens nicht bey allen schriftstellerischen Productea die- 
ser Epoche gleich grofs , und mehrere Stücke, welchen hi- 
storische Beziehungen ein spätes Zeitalter anweisen, geben 
in Ansehung auf Reinheit der Sprache den Werken des vo- 
rigen Zeitalters nichts nach 28 ). 

2. Wie an Reinheit der Sprache, so steht diese« Zeital- 
ter auch an historischer und poetischer Composition im All- 
gemeinen dem vorigen nach. Die Jüngern Propheten Jlag- 
gai, Maleachi und mehrere späte Psahnisten dichten meist 
kraftlos und wässerig, und tragen arm an Erfindung älter« 
Phrasen zusammen 29 ); die Bücher Daniel, Esther, Jona 
enthalten Legenden in einem gesunkenen jüdischen Ge- 
«chmacke; die Chronik endlich ist eine von spätem Prie» 
stein und in ihrem Geiste verfafste unkritische Compila- 
tion älterer Geschichtswerke. Indessen darf dieses Ur- 
theil nicht zu allgemein ausgesprochen werden , da zumal 
die makkabäische Periode zeigt , dafs der alte Geist noch 
nicht ganz von der hart gedrückten Nation gewichen, im 
Ge^entheil in Einzelnen lebendiger, als je, erwacht und 
schöner aufgeblüht war. Warum hätte aber ein religiöser 



28) So t. B, Pseudojesaias (Cap. 40 — 66), die koracliitischen Lie- 
der, welche meistens in das Exil oder die Zeiten nach dem- 
selben gehören (Psalm 44. 84* 85)» die meisten sogenannten 
Stufcnlieder (Psalm 120 ff.) aus derselben Zeit, »elbst Ps. 74. 
70 und einige andere, in denen wir mit Paulus, IiosenmuU 
ler , ds Wette das makkab.iische Zeitalter erkennen. Rein- 
heit der Sprache kann also nie zu einem sichern Kriterium 
des Alterthums dienen, wiewohl umgekehrt eiiio chaldaisirenJo 
Sprache sicher auf ein spateres Zeitalter fuhrt. Vgl. 4f 17 ctte 
a. a. O. S. 16. 86. 

29) Z. 1). Ps. <iq. (vgl. 2a.) 25. 35. 88- So die Liedes in der 
Chronik, das Danklied dei Jona (C»p. 2). 



ß. io. Zi-veyLes Zeitalter. Spätere u. chaldaisir. Sprache'. 27 

Enthusiasmus, wie dieser, nicht auch zu etwas anderem, 
als Waffen und Kampf begeistern sollen? 30 ) Nun aber ge- 
bührt wirklich nicht allein den meisten obenerwähnten Stük* 
ken (s. Anm. 23) ein hoher poetischer Werth, von Seiten des 
Geschmacks, der Gedanken und der Darstellung, sondern 
derselbe Fall ist auch bey solchen Büchern, wo die Sprache 
schon jung und chaldaisirend ist, welches ihrem poetischen 
Werthe ohnehin keinen Eintrag thun könnte. Dahin gehören 
der schöne Psalm 139, das Buch Koheleth , .die Idyllen des 
Hohenliedes, einzelne erhabene Visionen des Daniel (z. B. 
Cap.7.) u. s. w. Man hat diesen Umstand zu sehr übersehn, 
und z.B. bey den Untersuchungen über den Hiob einen ganz 
unrichtigen Gebrauch davon gemacht. 

5. Diejenigen Bücher, in welchen diese spätere ehal- 
däisch- gefärbte Sprache am bestimmtesten hervortritt ma- 
chen einen sich wechselseitig erläuternden Cvclus von 
Schriften aus , zu deren Auslegung das Chaldäische der 
Targg., hier und da auch die gleichzeitigen aus aramäischen 
Originalen übersetzten Apokryphen noch nicht genucr benutz- 
te Dienste leisten. Dieses sind Esther, Koheleth, die Chro- 
nik, Daniel, Jona, einzelne Psalmen. Eine etwas reinere 
Sprache findet sich im Esra, Nehemia, Zacharia, Maleachi 
und dem Hohenliede, welchem sich Hiob anschliefst. Die 
Bücher Daniel und Esra enthalten aber bekanntlich schon 
ganz chaldäische Stücke. 

4. Unter den Bestandteilen dieser spätem Diction mag 
man die eigentlichen Chaldaismen von den übrigen Ei<rcn- 
thümlichkeiten des jüngeren Hebraismus unterscheiden. 
Die ersteren zahlreicheren sind doppelter Art. Entweder 
hat man das aramäische Wort geradezu nach Form und Be- 
deutung aufgenommen, und dieses ist meistens der Fall 

50) Vgl. C. G. Banget Supplcm. ad introd. in libr. Psalmorum. 
(Tub. 1Q06), der sich sehr treffend auch auf Sirach beruft. 



28 5- l0 ' Zitiertes Zeitalter. Später eu.chaldaisir. Sprache. 

oder man hat den aramäischen Sprachgehrauch, die dort ge- 
wöhnliche Wendung und Bedeutung u. s. w. mit Beybehal- 
tung der hebräischen Form nachgebildet. 

Z B. n» im Altbebr. nur was? cbaldaisirend : ty'-n»t ? v^O 
das, was; *m'JSI tt/"» wiederholt für: quidam, quidam, ist Nachbil- 
dung des arain. 5 h*\ ; das pleonastiscbe 1ÜN DipO an dem Orte, 

wo, für wo, ist das syr. 5 hl\ *^\ÜM Slü3 Koliel. ß> X 7J das 
aram. i S^13 u. s. w, 

Die Jüngern Hebraismen, welche sich nicht im Aramäi- 
schen nachweisen lassen, machen sich besonders dann kennt- 
lich, wenn in den altern Schriften für denselben Begriit* ein 
andeier Ausdruck herrschend war, z.B. ro^y^n DnS Schau- 
brot f. Ü"33n cnb. Da die Sprache des Talmud und derRab- 
binen sich an diesen Jüngern Sprachgebrauch an*chliefst, so 
ist Mehreres davon bey diesen gewöhnlich geblieben, und 
läfst sich aus ihnen mit Nutzen erläutern. S. Q. 14 , 5- 
21, 2. 

5. Da mir noch kein Versuch bekannt ist, die Hauptmo- 
mente dieser spätem Diction zusammenzustellen 31 ), so mag- 
hier eine Auswahl des Wichtigsten zur Uebersicht stehn. 
Zur Ersparung des Raumes sind die belegenden Citate und 
Parallelen aus dem Aramäischen weggelassen worden, wel- 
che man durch Nachschlagen meines Wörterbuchs leicht er- 
gänzen kann. Damit man zugleich das Yrrhältnifs dessen, 
was Chaldaismus ist, oder sonst der jungem Sprache ange- 
hört, übersehe, sind die Idiotismen, wozu sich im Chaldäi- 
schen Parallelen finden, mit einem Sternchen bezeichnet. 

Spätere JTörtrr sind: y>2* liyssus (sonst tt/ttf), MV! Rurg, 
yoia* Grube, T33* Schatz, \ri* Zeit, D*»Vr» Edle, Vornehme, 
vy~n Geschlecht, Stamm, nebst dem /Vr/'oCT^n a-royQatyfjZat ; 
B«h II. ausstrecken, 133* nivov, ljn_,$t, 13* Ucuaideniaafs, s. 

51) Einen gtfingen Anfang machte Löscher de causis ling. hehr. 
S. 63. 



$), 10. Zmeytes Zeitalter. Spätere u. chaldaisir . Sprache. 25/ 

v. a. 1»'n, 1W3* recht, glücklich seyn, ")31*n und itÖ«Ü Tem- 
pelzimnier, n3*>*JÖ* Provinz, tt'Tl» Auslegung* rOTVttri DPlS 
Schaubrot (•• D*05n 0n*>), nKj/vorstebn , pjlO Ei.ue^f. -fj3)i 
*)30, SdO, n ^30*' Thor," Thorrjeit; -t2V, "^V.»* Arbeit, W< rk • 

m.i/* Vörhof (t. *iin) i nsi?, rrft^brsnv bes; gkic-hwie; rrtH>* 

jemandes gedenken ; *pVX Bedürfnils; *)ÄpJ ==npVhebjrien, m- 
pfangen; 13 : &* bemerken Fi. warien, hoKen; X2-Ü, "litt?, 35tff 
grofs seyn; Wttf- Einsicht, Verstand, und b'Oiun — habei ■ n'att/ 
loben, preisen ; üVl)" hellsehen, nebst *2*-W> und ]1wSt' ; IIB 
Reihe, töfl gerade seyn, -werden; flpn stark; tnächtig ktyxi, 
nebst t]pFi und *|*j3fli Fast alle Monatsnamen, z. ß. *0*O , ibcS , 

Oefters zieht die spätere Sprache nur gewisse Formen vor, wo- 
für in der altern verwandte gebräuchlich waten. Sie liebt die 
Substantive auf *— , *1 und n**, z. B. "«*i2* Gebäude, ■•Ol* Ge- 
schäft; *S3^n Verstand, * 1 in*;* Vorzug , |1*Hü'2 Glück ,' ]1*y~l 
Streben," llttVjtt Herrschaft; n"^»* M^ÖO* mrir'r, t^JH 
u.s. w. Ferner die Formen, wie 3 P 3 Bucls, liCT Zeit, Ins sonst. 

« t : ■ t : t : 

die Adjectiva, wie tä^ttfj p^fliJ, "ppH. Andere einzelnere Bcv- 
spiele Bind: i'^ll« für "EjHN Purpur; n35 = 13 Garten, ni3*i 

1 '•»::- ' t t : - * t • ' - ^ r . • 

= 131 Ursache; mi*- Vortheil und adv. mehr ; IftNtt Wort, 
Befehl; »>-tJ0* = M**1 Kenntnifs; Ni31 = n331 zehntausend; 
piy»1l f. piy»-i Damascus; mn = rpn seyn. Statt des altern 

r ■• r T T TT 

JSom. propr. Vl/i"*» substituirt die jüngere Sprache 5, , 'tt.'*<. 

Spätere Bedeutungen und Gebrauchsweisen: 1£N befehlen, 
ClSIN die (andern, heidnischen) Länder; ysn Angelegenheit, 
Geschäft; 31ü glücklich, fröhlich; HE was? ohne Frage für : 
dasjenige, mit folgendem Relalivo, auch zur Umschreibung; der 
Negation; ISO Schnftgelelirler ; 1JDS7:±=Dqp aufstehn, auftre- 
ten, mit hi> beystchn (auch in Hiph. = D-*-p und D"pn); H3J** an- 
heben zureden; hv IpS: auftragen, befehlen; lUS* freylassen* 
pV.» und ftplX Heil, Rettung; 3*1*= Ity Oberster ; oSttf ergeben, 
Gott ergeben; lißp = *t*»n t,\lV das tägliche Opfer. Einige 
derselben hängen zugleich mit spätem Rellgicxusbegrifien zusam- 
men, z. B. in f. Engelfürst, Erzengel; "eiü als böser Elidel; 
fa^linp die Heiligen f. die Engel, auch: die Juden; On'un Frev- 
ler und C'-'Oy fromme Dulder, so dafs unter den erstem die be- 
drängenden Heiden, unter den letztem die Juden gedacht werden. 
Daran schliefsen sich ferner: 

Spätere Compositionen und Phrasen: CEti; *oSht Gott des 
Himmels f, das ältere P1N32J Hl nvit* NU.*3 ein Weib nehmen 

T : ' v -i ♦ 



3<> ö« l0 - Ztveytes Zeitalter. Spätere u.chaldaisir. Sprache. 

(sonst mit nf^) 5 rib 1S^ Kraft haben, behalten; 1i1s*l5 fltoS 
er thut, was ihm gelüstet, als Boschreibung uneingeschränk- 
ter Macht; 's M3«J ZW) die Gefangenen jem. zurückfüh- 
ren für: seinen Wohlstand wieder herstellen; -ny'i* tt» ■. Di^tt 
*)tvtt s. oben No. z. 

Spätere Orthographie : die scriptio pZena der Vocalbuchstaben, 
Selbst, wo sie gegen die Analogie ist, z.B. *5*Ti, D'CliE f. 
(3'ä"l1a (Dresch wägen), jin f. ]n st. constr. ron ]n (Anmiuh), 
tt'-lip*, nl3*, 3"h* f. Tülp, n'2, ih; die Verwechselung des 
N-^- und n^r am Ende , z. B. die Feminalendung N~^~, und das 
Alterniren der Verba nS und nVj das otiirende M z. B. in D^NJC, 
SlN» f. Dlö, Slö u. s. w. 

Eigentümlichkeiten der Flexion und Syntax : Das Wegwerfen 
und Hinzusetzen des H am Anfange, z. B. "in f. "»HM ; ty f. Vwtf 
(wo zugleich das *i assimilirt ist}, daher Sw für \ "l^N, b*°\*Ön 
(Kohel. 4, 14) f. D*n!)DNn, dagegen "<1Ö , <N f. **ft, VllfM f. Vint"; 
Zusammenziehungen wie n3*?JJ für n2n IV, t)\l2 für t)^MO, und 
Dehnungen, wie »itfln** für 2TOH*; der Gebrauch des D als Re- 
lativum, des IHN als Einheitsartikel, des Participii und Inj. last, als 
J'erbum ßnituni', die Vernachlässigung; des älteren Unterschieds 
zwischen dem gewöhnlichen Futuro und dem Fut. apoc. und pa- 
rag. (dal), rtlijkl , und äftylrf)* die Häufung des *3 vor dem 
Accus. , dass. vor dem Nomihativ u. s. w. 

Auch die Aufnahme der persischen Wörter (Q. 17, 2) 
gehört in diese Periode, und ist im Aramäischen häufiger; 



Idiotismen einzelner Schriftsteller und Schriften. Pentateuch. Hiob. 

Ezechiol. 

An die bisherigen Bemerkungen über den abweichenden 
Sprachgebrauch der heyden Zeitalter mögen sich noch eini- 
ge speziellere über einzelne Schriftsteller heyder Perioden 
anschlicfsen. Wir beschränken uns dabey, wie unser Zweck 
erfordert, wiederum auf die Sprache im engeren Sinne, d. i. 
den Sprachvorrath, die eigenthiimlichen Formen und Gestal- 
tungen derselben. Vielleicht, daf* einige dieser Zusammen- 
stellungen etwa» zur Ergänzung der Einleitungsschiiften 



$.11. Idiotismen einzelner Schriftsteller* 3* 

fceytrögen, in welchen diese spezielle Rücksicht weniger 
eindringend behandelt werden konnte» 

l. Dafs Sprache und Sprachgebrauch des Pentateuch 's 
in den historischen Abschnitten vollkommen mit denen der 
übrigen historischen Bücher übereinstimme, ist oben erin«- 
nert worden und allgemein eingestanden 3 lb ). Indessen hat 
der Pentateuch allerdings einige Eigentümlichkeiten. Nin 
steht auch als Fein, für: sie (wofür nur umal ton vor- 
kommt (s. Mas. ad Gen. 38, 25) und nVJ Jüngling steht auch 
als Fem. für Dirne, wofür nur 5 Mos. 02, 19, wie in den 
übrigen Büchern, nnv.3 vorkommt 32 ); letzterer Gebrauch 
findet sich jedoch höchst wahrscheinlich auch Ruth 2, 31 33 ). 
Man hat diese beyden Formen gewöhnlich für Archaismen 
gehalten' 4 ) und sie daher zum Beweise eines höhern Alter» 
dieser Bücher gebraucht. Dieses kann man zugeben, und 
sie mit den lateinischen Formen: Tulli y ierrai, Seitatuis, dies 

31*") Vgl. noch f'aters Coftiment. üb. den Pentateuch. S. 66g. 

32) Die Masorethen und der Sara. Taxt haben beyde Ei°;enthümlich- 
keiten verwischt, indem sie dafür jedesmal ton und n*il.*2 substi- 
tuirt haben, allein diefs ist beyden eigene unkritische Substitui- 
rung des Gewöhnlichen (§. ji, 3. 24. 1). Michaiiis rechnet noch 
die defective Schreibart des s vor den Sujfixis dahin ; allein man 
kann sich aus derZusammenstellun£; bey Hiller (slrcan.Keri et Che- 
thib S. 46) leicht vom Gegentheil überzeugen. Richtiger wird 
man das Pron. S«, Snh für n%M$ nVt<n anführen, welches häu- 
fig im Pentateuch und aufserdem nur 1 Chron. £g, Q vorkommt. 

53) Was V. 2i heifst i\ *vtiH b*"l»Jjh b9, ist V. ß. 22. 25. 
durch Plntti ausgedrückt, und besonders V. 8« unu 2 3 machen 
nüthig, es als Fem. zunehmen. LXX. daher: fAtr*rwvy.oqa<Tiiuv. 
Dathe, der ebenfalls die Noth wendigkeit sähe, es als Fem. auf- 
zufassen, wollte, sehr unkritisch, nlni^ emendiren. Richti. 
ger Mich. a. a. O. Die Masorethen liefsen es wahrscheinlich 
nur deshalb unangetastet, weil allenfalls noch ein Sinn damit 
4u verbinden war. 

34) J. D. Michatlis Einleit. §.31. EiJihoni's Einleit. §. 406 
Dagegen f'ater\ Comment. üb. den Pent, Th. 3. S. 6»'i. 



52 (j. 11. Idiotismen einzelner Schriftsteller. 

(als Genit.) vergleichen, die etwas älter zwar, bev einigen 
Schriftstellern aber auch noch neben den gewöhnlic' cn ge- 
braucht wurden; immer folgt nur ein geringer Grad des hö- 
hein Alters, den man ohnehin gern zugesteht, oriei auch 
nur Eigentümlichkeit des Schriftstellers und Sammk:s. 
Dafs eine confonnirende Hand thätig gewesen sey , ist aber 
aus dem Umstände höchstwahrscheinlich, dafs diese Idiotis- 
roen sich auch in dem spatern Deuteronomium zeigen. Dafs 
übrigens Sparsamkeit der Sprache nicht nothwendig auf hö- 
heres Alterthum führe, zeigt das Beyspiel des Chaldäischen, 
in welchem häufig früher geschiedene Formen wieder zu- 
sammenfiiefsen , z. B. rm für nn« und PN. 

Eine merklich verschiedene Diction herrscht aber im 
Deuteronomium. Ihr Hauptcharakter besteht in einem ge- 
wissen breiten, rhetorisirenden und moralisirenden Tone, 
und der steten Rückkehr beliebter Phrasen. Der Sprach- 
gebrauch nähert sich schon dem spätere 

S. Faters Comment. üb. den Pent. Th. 5. S. 493. de tVelle 
Dhs. de Deuteronomio (Jenae i t ;o5. 4) S. 7 — 10. Einige belieb- 
te Wolter und Phrasen sind: ni.TO p3_T Jehova anhingen, Slil 
= lta3 Grüfsc, Majestät Gottes; d«t» nhnhD Geschäft; mV3 

t J • -T - : • p T : - • 

?p*>pl2 V*\~ du sollst das Böse wegschaden aus deiner Mitte, spä« 
tcic 1 .'iiutl für die sonstige: dessen Seele soll ausgerottet weiden; 
die ; *cliauften Synonymen sprnj-rn SpttMto *|*& **3U3« das rhetori- 
sche: Himmel der lliuuncl, Gott uei Gutter ( 1 o, 14. 1 7>vgl. 1 Kon. 
g, 27. 2 Chron. 2, 5) u. s. \v. Ein entschieden spateres Wort ist 
r\n Gesetz Deut. 53» 2, welches ganze Kapitel auch historischer Be- 
zieh linken we^en (namentlich V 7 . 7) niebt leicht vor dem Exil ab- 
gefafst seyn kann. Jnstructiv ist insbesondere die Vergleicbung 
von Kap. 2(] U. 33 mit 5 Mos. 2ri. und 1 Mos. 49. Am meisten 
schliclscn sich Ton und Sprachgebrauch an gewisse Propheten an, 
namentlich hat dieses Buch mehrere fast eigenthümUch« Phrasen 
mit Jeremia gemein, /. B. \ ■WJjV |M (Preis geben) 2J}. 25 
Vgl, Jer. 15, .|. 24, 9. 2<). i£j- 54i »7» aufserdem nur 2 Cbron. 
20, ;',; D^lt (freu.: Götter) 52, 16, vgl. Jer. 5, 15. j, 19; 
S»N fllO ian* Abfall leinen 13, 5, vgl. Jer. HQ, 16. 89, 52; 

*):•■_• die junge Mannschaft wflrgen 52, «5, TgL Jer. 15. 7, 
g6, j 5 — 1 "). Kl. igel. 1, 20; aS m*P*iu? Verstockthail des Her* 
fttna 29, 181 v»l. Jer. 3. i7. 7, B \. >j, »5- n»8- 



(J. ii. Idiotismen einzelner Schriftsteller. 35 

2. Bey dem Buch Hiob drängt sich der Beobach- 
tung die doppelte Erscheinung auf, dafs sich Sprachge- 
hrauch und Ideenkreis dieses Gedichts einerseits an viele 
der vortrefflichsten Psalmen, hesonders auffallend aher an 
die salomonischen Gnomen anschliefsen; andererseits aher, 
dafs es sich entschieden zu den Jüngern Schriften des zWey- 
ten Zeitalters hinneigt. Man hat ihm aufserdem viele Ära- 
hismen zuschreiben wollen. Darauf gilt zur Antwort : Al- 
lerdings findet sich in dem Buche manches dem Arabischen 
Analoge oder was aus dieser Sprache erläutert seyn will; 
allein dieses ist entweder auch hebräisch und gehört zur 
poetischen Diction, oder es ist zugleich aramäisch und von 
dem Dichter aus der aramäischen Volkssprache entlehnt, 
erscheint also hier als Aramäismus , nicht Arabismus 3? ), 
Ohnehin ist aber dessen verhältnifsmäfsig nicht mehr, als in 
andern poetischen Buchern und Abschnitten. Ganz unrich- 
tig würde man daraus auf einen unmittelbaren Zusammen- 
hang unseres Dichters mit Arabien und dessen Literatur 
schliefsen. 

Die oben bezeichneten Eigenschaften der Sprache wer» 
den wohl allein dadurch begreiflich, dafs man die Abfas- 
sung des Buches auf dem Grenzpuncte der beyden Zeitalter, 
d. i. im Exil annimmt, welches auch andere Umstände wahr* 
icheinlich machen 36 ). 

Verbal- und Realparallelen zwischen Hiob und den Spruch* 
wörtern s. am besten in Rosenmiiller* Schoben zum Hiob (Pro* 
Jegg. S. 32 — 54). Folgendes diene zum Theil als Nachtrag. 

Ganz eigenthümliche Worter und Bedeutungen: ]U3 f. Herz, 
Brust; )143K Unterwelt; Tpr, f. Werk Gottes; !jn als W'eikzeug 
der Rede (nicht des Geschmacks), 1 zwischen zu vergleichenden 
Sätzen 5, 7. »2, 11, vgl. Spr. 25, 25 u. s. w. ; nlnS'in Beweise« 



55) Hieron. (Praef. in Dan.) Jobum cum arahica lingua plurimant 
habere societatem. Da^esen schon Clericus in den Sentimens de 
quelques theologiens de Hollande sur Vhistoire crit. du V. T. S. ifc.3' 

36) Vergl. Bernstein in Keils und Tzschirner» Analekten. St« 3. 
S. 57 ff. S. 48. 

c 



34 Abschn. I. Gesch. d. hcbr. Spr. bis zu ihrem, Aussterben. 

Warnungen; iWjftfl Heil, Weisheit; nlSann kluge Leitung, 
Maafsregel ; i*pP durch Handschlag verbürgen; Vater, Bruder, 
Schwester, trop. gebraucht 17, 14. 30, 29, vgl. Spr. 7, 4. 13, 9, 
(Die Belege giebt das Wörterb.) 

Parallele Phrasen und Ausdrucks weisen : Hiob V, 4 vgl. Spr. 2 2, 
23; XV, 7, vgl.ebend.8,24.25; XVIII, 5. 6. XXI, 14. vgl. 3,8. 
15, 20. 17, 22. XXI, 17, vgl. 13, 9. 20, 20. 24, 20. XXIV, 2, 
vgl. 22, 28- 23. 10. XXVIII, 28, vgl. 1, 7. XXVIII, 18, vgl. 

5, 15. xxxvni, 4.5. vgl. 30,4. 

Auf den jungem Sprachgebrauch des Buchs glaube 
ich 3 ') zuerst mit einiger Vollständigkeit aufmerksam ge- 
macht zu haben. Hierauf ist anderswo 38 ) eine nützliche 
Induction von Beyspielen versucht worden, wobey nur das 
vermifst werden dürfte, dafs die Reden des Elihu, der Prolog 
und Epilog von der Untersuchung aufgeschlossen sind, da 
sie in Rücksicht auf die Sprache offenbar ein Ganzes mit dem 
librigen Gedicht bilden. Auf der andern Seite ist nicht sel- 
ten zuviel geschehn , wenn Formen , die zwar aus dem 
Syrischen erläutert werden können, aber nichts destoweni- 
ger schon dem älteren Hebraismus angehören, z.B. das n pa- 
rag. der Nomina, zu Beweisen gebraucht werden, oder 
wenn der Verfasser Parallelstellen aus angeblich Jüngern 
Psalmen entlehnt, deren spätes Alter nicht vollkommen ge- 
sichert ist. 

Folgendes eine Auswahl von Beyspielen , welche a. a. O. nicht 
angemerkt worden sind. Spätere Wörter und Bedeutungen : 
\uS&7\ 1, 7. 2, 2 fF. als Name eines bösen Engels, vgl. 1 Chron. 
21, 1; niV anheben 3, 1. 34, 1; D^VU? 4» *3- £0 » 2 Gedan- 
ken, von Nachtgesichtern, Träumen, vgl. 33, 15. Dan. 2, 29.30. 
4, 16; n*0^ causa fi, 8; HS» anordnen, bestellen 7, 3 ; QU 
gleichwie 9, 26. 21, 8« vgl. Kohel. 2, 16. 7, 11; 1CN befeh- 
len 9, 7 (vgl. mein Wb. u. d. VV. no. 3); no quodeunque 13, 13, 
zur Umschreibung der Negation 16, 6. 31, 1; 13V empfangen 
21. 10; yan Studium, negotium Bl, 21. 22, 3; *ita bestimmen, 



37) In vielen dahin gehörigen Art. meines hcbr. Wörtei'b. , vgl. 
Vorrede txx Th. I. S. XXVII. 

38) Von Bernstein a. a. 0. S. 4y & 



(J. xi. Idiotismen einzelner Schriftsteller. 35 

beschließen ; in nicht 22, 30 ; niV = lit» 28» 8 1 tnyTh Weise 

TT - T • 1 

34» 2, vgl. Koliel. 9, 1 1 ; IpÖ befehlen 34, 13. 56, 25, vgl. 
2 Chron. 36, 23. Esra 1, 2; ia»Ö das Thun 54, 25, vgl'. Dan. 
4» 34» g an z aramäisch ist 56, 2: T»Vt VJTlflS harre mir ein 
wenig; rn1ö = *Ofc, j^ Herr 36, 22. Wo keine Parallelen 

beygesetzt worden sind , mufs ich auf mein Wörterbuch ver- 
weisen. 

Spätere Phrasen: 9, 12 : wer sagt zu ihm: was machst du? 
Vgl. 2i, 22. Koliel. g, 4, stärker Dan. 4, 32; b*B l"V1 14, 9 
Vgl. *iW ni*i Dan. 3, 27; Di^a mitten im Frieden f. plötzlich, 
15. 21, vgl. niWa Dan. Q, 25. ix* 21.24; ^** ^ nicht durch 
(Menschen). Hand 34, 2o , vgl. T" B5*0 Dan. g, 25, und 
V.V* **\ 2 * 34' 35 J 2 7> 8 ^"35 ^"iVk Vttf* '•S wenn Gott seine 
Seele (aus dem Körper) herauszieht, vgl. das Bild der Scheide 
I vom menschlichen Körper Dan. 7, 15, und Buxtorf JLex. tal- 
tnud. S. 1507. 

Spätere Orthographie und grammatische Formen: JJil f- J>1 
6,27; övyf. btO 39. 9. 10; J1W-1 8, 85 BWÖ3ii.6; )T\ 1 f. 
|n, jn 41, 4; .«?■£ *)tt?M 19, 29; p^öS t2c:p f. % *S£ 18. x; 
•15», sm^JD f. W»». 

3. Auf der Gränze beyder Zeitalter steht auch Ezechiel. 
Dieses Buch gehört zu den nicht sehr zahlreichen, welche 
vom Anfang bis zu Ende eine durch Lieblingsausdiücke und 
eigenthüinliche Phrasen bezeichnete Einheit des Tons be- 
haupten, wodurch allein jeder Verdacht der Unechtheit von 
einzelnen Abschnitten abgewandt werden dürfte 39 ). Nicht 
wenige eigentümliche Wendungen und chaldaisirende Aus- 
drücke theilt er mit seinem Zeitgenossen Jeremia, aber bey 
ihm sind sie zahlreicher, und unter allen alttestamentlichen 
Schriftstellern hat er vielleicht verhältnifsmä'fsig die meisten 
grammatischen Abnormitäten und Incorrectheiten. 

Mit Jeremia gemein hat Ezechiel die Form ip», "»nScp für 
PN, flStp (s. Hilleri Arcan. Keri et Kethib S. 380 , <ias Suffi. 
xum ■»*>, "O*— für *Jj Tp— 5 die Schreibart *ftW, DMN f. iPN, 
DiHM (mit mir, ihnen), letzteres auch in den Büchern der Könige. 

Dieblingsausdrücke desselben : D"»M~J3 Menschensohn! als An- 
rede des Propheten 2, 1. 18- 3> x. 17 tu s.w.] die Hand Jehova'i 

39) Eichhorn» Einleit. Th. 3. S. coo. 

C 2 



5 6 Ah sehn. [. Gesch. d. hebr. Spr. bis zu ihrem Aussterben. 

kam über ihn 1, 3. 5, 14.22. 37, 1, vgl. 11, 5. 35, 32; siehe! 
ich will an euch 13, ß. 21, ß. 34, 10, vgl. 5, ß; den Stab des 
Brotes brechen 4« 1 ^. 5» *6. *4» l2 J SlWDö cv.av8aXov in ver- 
schiedenen Wendungen 3, £0. 7, 19. 14, 3. 7. iß, 30. 21, 2ß. 
44, 12 tu s. vv. 40 ) 

Grammatische Anomalieen : Im Pronomen Nn*» — für n*» — äi, 
»5, nscrp— , nirr'-rr 40,16. 1, 11 für orn— , ^n*— ; T— 
fiir 1\— 5, 12. imVerbo: Nnsa f. flflflä 311 3; n3\"l2.3n f. 

n3n23n \6, 50; ^a.'h f. ^2x^42, 5; ta>?J *"• S'Oijn 21,' 33; 

133W3 f. "»aittJa 47, 7. Im Nomen DnS*1*« ^Chethib) f. D*— 

46, 19; vnx'sa und vn^-ib für n*ni*a, twis 47. n. 31, 

ß. Incorrectheiten durch Mifsverstandnifs und Vermischung der 
Formen: D^ni^n 6, ß; ?pnl233 16, 31; DrPinnvÜö ß, 16. 

4. Von den Büchern des zweyten Zeitalters ist das Buch 
Kohelet am auffallendsten aramäisch gefärbt, und die mei- 
sten darin stets wiederkehrenden Ausdrücke 6ind ihm gan» 
eigentümlich. Einiges nähert sich stark dem talmudisch- 
rabbinischen Sprachgebrauche. 

Z. B. der herrschende Gebrauch des \ti für T^'M , selbst \vi 
für \ *it ; H ß, 17; |*>3» Geschäft, Sache, Ding; n3"P2N Kapper, 
Beere 12, 9; pH abwägen, prüfen 12, 9; JJD yin aufser 2, 25 
(vgl. Mischna tract. Kilaim 2, 5 T. I. p. 117 ed. Surenh. und das 
chald. JO "13); UJ^n sinnlich geniefsen, empfinden 2, 25; *»n 

wehe! 4» 10 * 10 » x ^* 

*. * 

Andere Ararndismen sind: 3^N ö^| 6, 6; tt7"HD das, was; 

r ' 

"\~nr i, 9. 3. »5« 22. 6, 10. 7, 24; "i33, iZio 1, 11. 2, 12. 

16; DÄpa Wort, Sache. 

Jüngere Hebraismen und Lieblingsausdrücke : ni*i MX.") eite- 
les Streben 1, 14. 2, 1 1. 17. 26. 4,4. 6,9, auch rni ]1*»xn i.»7. 
4,16; urjpttjn nnn 1,3.9.14. 2,13.19.22. 4,1.5.7.15 
u. s.w. und D"«JO\t.'n nnn 1,14. 2,3. 3,1; SßV Mühe, Mühsal 

*-▼--- ' TT 



40) Ueber die Eigentümlichkeiten des Jeremia und Ezechiel t. 
Eichhorns Einlcit. Th. 3. S. 120-125. 196-193. Einige» 
dort Angegebene dürfte übrigens der Grammatiker in Anspruch 
nehmen, z. B. wenn S. 125 eine Eigcnthümlichkcit der Punc- 
tation im Jeremia genannt wird, ,,dafs statt TySn im Imperativ 
immer "jv^n punetirt ist." Jenes 7]'Y"i kommt nämlich KM vor, 
da der Imperativ bekanntlich *]S ist, "JjlSn ist der Inf. absol.» 
der im Jeremia und anderwärts häufig für den Imperativ steht. 



§. 1 2. Bearbeit. älter. Ab&chn. beyspät. Schriftstellern. 37 

4, 4, mit dem Verbo hl2V hüV 2, 11. iß. 19. 20; lfetf3ttj D'Ül'Hn 
die Dinge, die da vorgehn 2, 17. 4» 3 5 ^Vy 5» 1 1 vermuthlich 
wie Kovfxog zuweilen im N.T. YVehsinn ; *j2,"l DV»2rt S^H u. s. w. 
Besonders häufig sind die Nomina auf Jll unQ ]■> ( s - oben 5. 29). 

ö- 12. 

Bearbeitung älterer Abschnitte bey späteren Schriftstellern. Philo- 
logisch-kritisches Verhältnifs der Parallelstellen in den Büchern Sa- 
muels, der Könige und in der Chronik. 

1. Schon oben (Q. 9> 3) * 8t bemerkt worden, dafs die» 
Sprache in den Producten der zweyten Periode im Allgemei- 
nen leichter, fiiefsender und verständlicher zu seyn pflege, 
als in den älteren Compositionen , und der nächste Grund 
davon liegt offenbar darin, dafs man eine Sprache, die schon 
allmählich aufhört, die Sprache des Lebens zu seyn, nicht 
mehr mit der Originalität und Freyheit gebrauchen könne, 
aus welcher Härten und Sprachschwierigkeiten entstehen, 
auch auf Leichtigkeit und Verständlichkeit zu sehn habe 41 ). 
Diese Beobachtung, und dafs mancher Ausdruck älterer 
Schriftsteller dem spätem Zeitalter theils hart, theils nicht 
verständlich (oder auch richtig) genug schien, bewährt 
»ich sehr deutlich an denjenigen Parallelstellen, wo jünger© 
Schriftsteller Stellen eines älteren Textes in den ihrigen auf- 
nehmen und darin verarbeiten. In den letzteren sind ge- 
wöhnlich die Schwierigkeiten und Härten des erstem getilgt. 

So z. B. Jes. 15, 5 vgl. Jer. 48, 5 (für das schwierige 11 VV* 
»teht ein Quid -pro quo iy»ü?); Jes. 16, 6. 7 vgl. Jer. 48, 29-51 
(für *ttfatrM steht *ttiK**)); 4 Mos. 24, 17 vgl. Jer. 48» 45 
(wo für das schwierige Iplp die erleichternde Verbesserung 
•Jpnp, die dort auch der Samaritaner hat; für TN-2, den St. 
constr. des Duals, der häufigere Singular riNS). 

2. Da» instructiveste Beyspiel dieser Art geben die Pa- 



41) de M^ettei Comment. üb. die Psalmen. S. 25. 

42) Ob dieses eine wirklich philologisch richtige Erläuterung 
sey. bleibt mir wegen der sonstigen Beschaffenheit dieser Pa- 
rallelen zweifelhaft, und mochte ich hierauf nicht zu Tiel Gt- 
wicut legen. Vgl. licsenmüller zum Jes. 16, 7. 



38 Abschn. I. Gesch. d. hebt'. Spr. bis zu ihrem Aussterben. 

rallelstellen in den Büchern 'Samuels, der Könige und der 
Chronik 4J ). Mögen die Verfasser der Chronik unsere Bü- 
cher Samuels und der Könige oder den Text derselben in ei- 
ner anderen Anordnung vor sich gehabt haben, so viel ist 
klar, dafs die Chronik uns eine mehrere Jahrhunderte 
spätere Ueberarbeitung der Parallelstellen in den Bü- 
chern Samuels und der Könige liefert. Bey derselben 
werden nicht allein öfters die spätem Ausdrücke und Or- 
thographieen für die früheren substituirt, sondern auch 
schwere und seltene Formen gegen die gewöhnlichen ver- 
tauscht, schwere Wörter erläutert, und andere Schwierig- 
keiten , Härten und dergl. so aufgelöst und erleichtert, dafs 
die Lesarten des Bearbeiters häufig das Ansehn von Glossen 
haben 44 ), 

Spätere Orthographieen und Formen : rüD^O für HD 1 ? CO 
2 Chron. 7, iß. 1 Kön. 9, 5; pTÜ»*n f. ptt»3/i 1 Chron. ig, 5, 6'; 
fiiÖIH f. D^ßlMn 2 Chron. 22, 5. 2 Kön. ß, aq; vorzüglich die 
herrschende Scriptio plena, z. B. 1*V», D^ömVh, D">»2»*fl f. *n* 
U. 3. W., in*'N f. *»PN 1 Chron. ji, 31. 2 Sam. 23, o; D*3*"lU3 
f. D^aifc l Chron. 21, 23. 2 Sam. 24, 12; h^npl f. hnfi* 2 Chron. 
5, 2. i Kön. ß. 1; DIpNI, D*tt»n f. DpNl, DUmi 2 Chron. 6, 
»o. ix. 1 Kön 8t 20.21. Dahin gehört auch wohl fe'ttl' 2 Chron. 
A4, beständig für tt/Nln* 2 Kön. 12, und lOiSs P^P 1 Chron, 
5, 6.2.6. 2 Chron. 28, 20 für *iDn\>2 vb_ST\. 

Wörter des späteren Sprachgebrauches, welche für ältere sub« 
etituirt werden: na!)i Leichnam f. n»13 1 Chron. 10, 12. 1 Sam. 
31, 12; 2 Sam. 6, 16 heifst David T3 Ti3N ll^n angethan mit §i> 
nem leinenen Leibrock , 1 Chron. 15, 27: y« bTOM Vai.3?3, aber, 
wie öfter bey Glossen geschieht, auch die Worte des Originals 
•ind geblieben, daher folgt: 3 M 1*nn \'J ; dahin gehört auch 

wohl nncm f. rrhrn Flöfse 1 Kön. 5/23. 



43) Die bequemste Uebersicht liefert Jahn» hebräische Bibel. 
Th. 2. S. 157 bis zu Ende. 

44) Der Charakter dieser philologischen Bearbeitung, mit wel- 
cher wir es hier allein zu thun haben, lauft in mehrerer Rück- 
sicht parallel mit der historischen, wovon da IVette (Ueytra;;© 
zur Einleit. in das A.T. B. 1. S. 42 iL) 



(J. 12. Bearbeit. älter. Ahschn. b'ey spät. Schriftstellern. 39 

Grammatische Glossen , Erleichterungen und vermeintliche 
Verbesserungen: K^B f. M>23 * Chron. n, 2. 2 Sam. 5, 2; 
Cin'SNn ?|Srl (von Jehov.i) f. DWSn •IsSn 1 Chvon. '17, 21. 
2 Sam. 7, 23 (damit ÖTHM nicht mit dem Plural construirt wer- 
de, vgl. die Emendatioit des Samaritaners 1 Mos. 20, 13. 31, 53. 

35, 7. 2 Mos. 22, 9); Ha»! für das anomale 12-M 2 Chron. io, 
12. iKön. 12, 12; t£1, Sl>rn f. das seltenere rt3M, nSvPI 
2 Chron. iß, 34- 35. 1 Kon. 22, 34. 35. 2 Chron. 21, 9. 2 Kon. g, 
21 ; 3310 f. 3*00 2 Chron. 21, 9. 2 Kün. ß, 2i ; niNö f. m"wo 
(vgl. das arab. &JV..C) 2 Chron. 23, 1. 2 Kon. 11, 4. 

Exegetische Glossen und Verdeutlichungen des älteren Textes : 
2 Sam. 5, iQ. 22: }\yt33»1 sie breiteten sich aus, 1 Chron. 14, 9. 
13: SttttfS»1; — 2 Sam. 6, 16: *i3*l3ö') tSSJO hüpfend und tan- 
zend (2 «t«5 ktyofAsvot) , 1 Chron. 15, 29: pn^öl I^JO. — 
2 Sam. 7, 5: War» HPNn, x Chron. 17, 4: Pliäf» rittN rib (rieh- 
tig! denn die Frage enthält dort eine Verneinung). — 23. 8 : 
USt'n iO'Hy.» 1 Chron. Mi 11 In^ifT-tlftt Y^ISJ erschwang seine 
Lanze (Erklärung aus 23, iß)- "" ~ 2 3 » *9 : *3fl vere, fehlt 

1 Chron. 11, 21 ganz. — 24, 12: 5p bi* Sttta "OJiJ» ich lege dir 
vor, 1 Chron. 21, 10: SpS.H MM *flfc« — 1 Köm 8» 7 : 120«! 
siedeckten, 2 Chron. 5, 8 : =103 n. — 8> 3°- 3 '• 54- 39- 43- 45* 
Cö^n Sn in» Himmel, 2 Chron. 6, 2i IT. D^JDUJn ]» rwi/i Hirn- 
mel herab. — 10, 18 : tfilö geläutert, 2 Chron. 9, 17: *ii,"iT3. 
— 10, 26: SS"! D1M» 1>3"1N «^N 1400 bespannte Wagen, 

2 Chron. 9, 25 : 4°°° Gespann Pferde und Wagen (nur die Zahl 
istUebertreibung, die Glosse richtig). — 10, 2g wird der schwie- 
rige Theil des Verses ganz ausgelassen. — 12, 6: *02 DN *l»V 
vor jem. stehen, dienen, 2 Chron. 10, 6: "OöS V, — 22, 32: 
l^hv •lO-'O sie wandten sie zu ihm, weil aber *itd gewöhnlich re- 
cedere bedeutet, 2 Chron. 1Q, 31: "nSs? ^C*!. — 2 Kon. 15, 

36. 20, 20. 21, 17. 23, 2g: B'ÖMPlS Dn ttSn siehe! dieses steht 
geschrieben, die Chronik beständig: D'OnnS DDH, 2 Chron. 27, 
7. 32, 32. 33, iß. 35, 27. Text und Glosse zusammen stehen 
2 Chron. 24, 27 : Dan [ i^Vn. — »6,3: TüN2 V31>n, 2 Chron. 
£8» 3 : ^2 1V3»V — 2i, 3: 'ptn *7JN ^M nician die Höhen 
(Altäre), welche Hiskia zerstört, 2 Chron. 33, 3: yp3 , weil 
•J2N gewöhnlicher nur von Personen vorkommt. — 21, Q: 

n»nM ]K> ^N")^? Sil W« *l*A nl > V .** ^^ * cn w '^ n i cnt wieder 
irren lassen den Fufs Israels fern von dem Lande, 2 Chron. 33» 8 : 
Dö*mn hw .. ..1"»0nS — verdrängen aus dem Lande 45 ). 



45) Ziemlich häufig werden für geographische Namen des älte- 
ren Textes andere substituirt , vou denen sich aber nur zum 



40 Absclin. I. Gesch. d. hebr. Spr. bis zu ihrem Aussterben. 

Euphemismen: 2 Sam. 10, 4: ört*MHtü 1!J bis an ihr Gesäfs, 
> Chron. 19, 4: nVtyann ny bis an den Schritt. 

Vermuthungen über einen schwierigen oder misverstandenen 
Text: 2 Sam. 6, 5: Di£ ; i13 t^V-Ssa allerley tannenen (Instru- 
menten), 1 Chron. 15, g: Dn^a. — 6, 7 : Sfc'n \V Vul*. 
propter tsmeritattm , 1 Chron. 15, 10: i"P nW *\^N hV- — 
81 3 : 3 t*l> i^'i'nS um seine Macht wieder auszubreiten, 1 Chron. 
18« 3 : 3 f*»*» SHEnV — io, 8: IVttn nna an der Oeflnung de» 
Thors, der Chronist (welcher bey diesen Ausdrücken anstiefs) : 
-\">Vn nna, 1 Chron. »9, 9. 46 ). 

3. Schon unter den bisherigen , besonders den letzten, 
Beyspielen sind mehrere, aus denen es klar ist, dafs die im 
Aussterben begriffene Sprache zu der Zeit des Chronisten 
dem Verständnifs älterer Urkunden hier und da Schwierig- 
keiten in den Weg legte. Einige andere Beyspiele, wo 
der Chronist statt eines schwierigen Textes eine wahrschein- 
lich falsche Glosse, eine Vermuthung oder ein Quid pro quo 
gibt, mögen dieses noch deutlicher ins Licht setzen 47 ). 



Theil zeigen läfst , dafs sie späterhin und überhaupt bekannter 
waren, als jene. Die Analogie läfst jedoch dasselbe auch von den 
übrigen voraussetzen. 2 Sam. Q, 8 : TiSa , Cbron. }»2 ; 21, 
>8 : Sit [1], 1 Chron. 20, 4 das bekanntere 1T3 , ; 2 Sam.fi, 6: 
|1M pi, 1 Chron. 13, 9: Jinis pjj 1 Kön. 9^ 18: "lOH, Kri 
und 2 Chron. 8» 4 i Ibin. 

46) Unten ($. 2 1, 3) ist gezeigt worden, dafs die Urheber der Les- 
art Kri ähnliche Berichtigungen und Erleichterungen des Textes 
beabsichtigten. Daher stimmen die Lesarten der Chronik häufig 
mit dem Kri in den Biichern Samuels und der Koniire überein. 
Das Kri kann hier aus der Parallelstelle der Chronik entlehnt seyn, 
vielleicht enthält es aber auch in einzelnen Fällen eine erleich- 
ternde Lesart, die älter als die Chronik, von dieser aufgenom- 
men wurde. Vgl. 1 Kön. g, iß. 2 Chron. 8. 4; 1 Kon. 12, 12. 
2 Chron. 10, i1\ 1 Kön. 1 2, 2 1. 2 Chron. 11,1; 2 Kön. 11,2. 
2 Chron. 22, 1 1 ; 2 Kon. 11,4. 2 Chron. 25, 1 ; 2 Kön. 14, 3, 
2 Chron. £5, 1 ; 2 Kön. \.\, 21. 2 Chron. 25, 22. 

47) Schon de JJ'elte (Beyträgc. B. 1. S. 67) wurde durch einig« 
Beyspiele dieser Art zu dem Unheil bewogen : „Ich mochte fast 
vermuthon, dafs der Verfasser der Chronik des Hebräischen 
picht recht kundig gewesen sey. Gewifs schreibt er das 



§. 12. Bearbeit. älter. Abschn. bey spät. Schriftstellern. 41 

1 Sam. 31, 13: Wxn. Wiewohl auch gelehrte Rabbinen (21. 
Jona, Michh-.l Jophi zu 1 Mos. 21, 33. i Sam. 22, 6) richtig das 
arabische y-5) tamariscus vergleichen, so ist doch dieses eins von 
den Wörtern j deren Bedeutung früh zweifelhaft geworden oder 
unter£e° r angen zu sevn scheint. Daher das Schwanken der Vei - - 
sionen hier und in den angeführten Parallelstellen. Die meisten 

o 

itimraen für Baum oder Wald überhaupt, so Aqu. 5sv5ftuv<x. 
Symnu 0utcv. Vulg. nemus , (welches auch Celsii Hierobotan. 
i, 555 ff. vertheidigt) , andere für spezielle Baumarten, z. B, 
Syr. amygdalus, Theod. rac hrv;. Aehnlich 1 Chron. 10, 12, wo 
dafür hSnh Terehinthe steht. Ein bekanntes Quidproquo für ein 
«chwereres Wort, gewifs weder richtige Glosse, noch aus ande- 
rer Quelle geschöpfte Relation, wie Michaelis (Supplem. ad JLexx. 
hehr. S. 136) meint. 

2 Sam. 5, 17 : da es David hörte TttSVil *7« 1*1*1 zog er hin- 
ab an der Berghohe. Statt der allerdings dunkeln Worte hat der 
Chronist: D,~l*OEb NXn 1 Chron. 14, g, was auf keine Weise 
den Sinn der älteren Lesart richtig wieder gibt, vgl. de TT r ette% 
Beyträge. B. 1. S. 67- 

2 Sam. 5, 24: y*inn TN dann spute dich, vgl. yiin fleifsig, 
betriebsam. Dia nur hier vorkommende Bedeutung des .Verbi 
mochte früh aufhören, geläufig zu seyn, daher die Uebersetzer 
den Sinn nur rathen. LXX. tuxTißyffq •*■<?<>$ ixCtovc. Vulg. tunc 
inihis praelium. Chcld. Syr. confortaberis , sumes animos. — So 
1 Chron. 14» i5-" nonStti Nun IN , welches Einige unrichtig alt 
genaue Erklärung des ersteren ansehn. 

2 Sam. fi, 1 : David nahm HTpN.T 3H5D DN den Armzaum von der 
Hand der Philister, d. i. brachte sie unter seine Botmäfsigkeit. 
Vgl. die arabischen Phrasen bey Schultens zu Hiob 30, 11. — 
1 Chron. iß, 1 steht dafür nTlISa*) TS (die Stadt) Gath und die 
umliezenden Dörfer; wie dieses aber eine richtige Deutuilg von 
n*3Nn ine seyn könne, ist noch keinem Ausleger zu zeigen ge- 
lungen. S. Glassii Philologia Sacra ed. Dathii. pag. 785« 

2 Sam. 8» ^8 werden die Söhne Davids Q*Onb Priester genannt, 
welches wahrscheinlich von nicht -levitischen Haus- und Pallast- 
priestern des Königs zu verstehn ist, die offenbar als höhere Kron- 
beamten vorkommen. Vgl. über Ahimelech V. 17 niit 1 Sam. 
$1, 2. 22, g. -— Die Chronik, welche keine nichtlevitische Prie- 



schlechteste Hebräisch, das wir haben. Wahrscheinlich war zu 
seiner Zeit die Sprache schon ganz ausgestorben." Die obi_t.i 
Beyspiele werden dieses Unheil theil» bestätigen , theils ruudi- 
ficiren. 



42 Abschn. I. Gesch. d. hcbr. Spr. bis zu ihrem Aussterben. 

ster duldet (vgl. auch über Samuel 1 Sam. i, 1 mit 1 Chron. 6, ig), 
gibt zur Erklärung: ?|Snn- I^J BSJfcH#*1!l i Chron. 18, 17, wie 
auch der Chaldäer 1 Mos. 41, 45. Ps. 110, 4 jnS durch N3*l prin~ 
ceps übersetzt, was sich schwerlich vertheidijjen lafst. Hier leite- 
te den Erklärer zugleich eine seiner herrschenden Ansichten, vgl. 
de Wettet Beiträge zurEinleit. in dasA. T. B. 1. S. Qi. ß2. 

2 Sam. 23, 11 : rff» Stück Feld voll Ü*W1V Linsen. 1 Chron. 
11, 15: D'H'iVii' Gerste. Sollte das letzte auch keine (falsche) 
Glosse für das erstere seyn, so ist es doch ein Quid pro quo, ein 
Substituiren des Bekannteren für das Unbekanntere. Auch der 
Samaritaner 1 Mos. 25, 54 verändert das ihm unbekannte Wort 
Qtuny in CU) IV, welches der sam. Ueberi. , mir Unverstand. 
lieh, durch ÜVV IV übersetzt. 

Nach lKon. 10, 21 bringt ein Tarsisschiff (ttJ*ttf-tP •Om) ä. i. 
ein grofses Meerschiff alle drey Jahre Gold und Silber, Ellenbein, 
Affen und Pfauen (wie aus 9, 2ß erhellet) aus Ophir: und nach 
2 Kön. 22, 49 gehn Tarsisschiffe von Eziongeber aus nach Ophir. 
— Der Chronist , dem es unbekannt war , dafs Tarsisschiff für 
grofses Kauffartheyschiff überhaupt stehe, lost jenen Ausdruck auf 
in: Schiffe, die nach Tarsis gehen ttJitthB Plr>Sh MOM, und läfst 
an beyden Stellen die Schiffe nach Tarsis gehen; da aber an der 
zweyten Stelle ausdrücklich Ophir angegeben war, wird dieses, 
um keinen Widerspruch zu erregen, — ausgelassen. S. Bredcw über 
Ophir und Tarsis, in dessen Untersuchungen über einzelne Ge- 
genstände der alten Geschichte, Chronologie und Geographie. St. 2. 
S. 260-303, bes. 293-95« 

Ebend. 10, 13: Salomo gab der Königin von Saba alles, uas sia 
wünschte und hegehrte, außer dem was er ihr gab fltthti T|S>3n "PS 
wie es dem Koni« Salomo zukam d. i. aufscr den eines Salomo 
würdigen Gastgeschenken. Die Chronik gibt für den letzten 
wahrscheinlich nufsvcrstandenen Ausdruck etwas, obendrein Un- 
passendes : , nSra , 5 WOB -\V)t* 13^ außer dem, was sie dem 
Könige brachte. 

Ebend. V. 14: 3"lBi1 *oSö wahrscheinlich nach dem Cbald. 
Könige der Hülfs- oder Bundeivülker. fi Chron. 9, 14 dafiir: 
ra*1t* *oStt Konige Arabiens. Diese passen aber hier, wo nur von 
Untei tlianen Salomo's die Rede zu seyn »cheim, schwerlich. Vgl. 
«nein hcbr. Wörterb. u. d. W. 3")V S. Qgo. 

2 Kön. 2fl, 13. 17 steht für den etwas ungebräuchlichen Aus- 
druck: in»n nrivO mein Zorn ist entzündet, 2 Chron. 54, 2i der 
gewöhnlichere n "^PP mein Zorn iit ausgegossen, an der letzten 
Stelle aber «o unpassend, Jafs der Zuiatz P33P K*|l und uird nicht 



Q. 1 2 . Bearbeit. älter. Abschn. bey spät, Schriftstellern. 43 

auslöschen geblieben ist. Der Chronist roufs die etymologische 
Bedeutung der letzteren Phrase nicht mehr gekannt haben. 

Ebend. V. 13: M"hv aWS-h**ba3 nach allein, was um (.farin) 
vorgeschrieben. 2 Chion 34, 21: rtfil *»B02 SinSn - ^DS nach 
allem, was in diesem Burhe geschrieben stand. Der Ausdruck 
\V an3 vorschreiben war dem Ueberarbeiter vermuthlich fremd, 

4. Jene unvollkommene und unkritische Kenntnifs ei- 
ner Sprache , die doch noch nicht einmal ganz aufgehört 
hatte , Muttersprache zu seyn , könnte auf den eisten An- 
blick befremden. Allein sie wird dieses weniger, wenn man 
erwägt, dafs grammatisch- kritische Kenntnifs der Mutter- 
sprache und ihrer Etymologie nie die Sache der Alten war, 
selbst nicht, so lange die Sprache lebte. Cicero's und Var- 
ro's verunglückte Etymologieen lateinischer Wörter sind be- 
kannt genug. In dieselbe Kategorie gehören eine Anzahl 
etymologischer Angaben, die schon in den altern historischen 
Büchern vorkommen, und die man eben so wenig für rich- 
tig erkennen oder rechtfertigen wollen muh , als man sie 
den Verfassern als grobe Fehler anrechnen darf. 

i Mos. 5» 2 9 : er nannte seinen Namen nj, denn er sprach: die- 
ser wird uns trösten (!|Jcn3i). 19, 37 wird 3N1» durch 2Nö 
vom Vater erklärt. 22, y. 14 wird auf den Namen nob, milE 
so angespielt, dafs man sieht, der Verlasser wolle ihn von nN"i 
ableiten, dasselbe geschieht deutlich 2 Chron. 3, 2. t Alos. 29, 
32 heifst es zur Etymologie von pWl (d. i. sehet ein Sohn! ): 
sie nannte seinen Namen Rüben, denn sie sprach: •»•»jya Hin 1 ' nN*l 
Jehova hat mein Elend angesehn, 2 M^s. 2, 2 2 wird Diu"! 3 -iurch 
*l3 Fremdling erklärt, und auf 0& wahrscheinlich gar keine Rück- 
sicht genommen. Die übrigen Etymologieen des Pentateuchs 
S. in Vater 's Comment. üb. den Pent, Th. 3. S. 666". 

Am gezwungensten sind solche Etymologieen, wenn 
der Geschicbtschreiber gewisse Nomina propria mit Mythen 
in Verbindung setzt, von denen sie ursprünglich unabhän- 
gig waren, oder überhaupt, wenn er ihrer zu mythisch-histo- 
rischen Zwecken gebraucht. In demselben Fälle sind auch 
griechische und römische Dichter und Mythographen am 
kühnsten. 



44 Abachn.I. Gesch. d.hebr. Spr. bis zuihrem Aussterben. 

Vgl. z. B. die Etymologieen von Janus Ovid. Fast. 1, 125-127. 
Ton Maius ehend,$, uno, Lcmuria §, 4#i, Agonalia 1, 320 ff. 

Ö- «3- 
Aussterben der Sprache. 

1. Das Verhältnifs der in der letzten Epoche neben ein- 
ander bestehenden und verwandten Volks- und Schiiftspra» 
che kann man sich mehr oder weniger durch die Analogie 
des Altgriechischen bey den Neugriechen, des Slavisciien 
bey den Russen, selbst durch die deutschen Volksdialekte 
neben der hochdeutschen Schriftsprache verdeutlichen , nur 
dafs in dem letzteren Falle der Schriftdialekt der neuere ist. 
Die letztere Vergleichung pafst aber vorzüglich, insofern min- 
dersorgfältige deutsche Schriftsteller, besonders schwäbische, 
schweizerische , hier und da auch die Eigenthümlichkeiten 
ihrer Volkssprache durchblicken lassen; auch zeigt das Bey- 
spiel unseres Volkes, wie man einen Dialekt (den hochdeut- 
schen) ziemlich gut verstehn könne, ohne ihn selbst zu 
reden. 

Wie lange übrigens da» Althebräische noch nebenbey 
lebende Sprache blieb, ob dieses vielleicht in einzelnen Ge- 
genden und bey den Vornehmern, Gebildeteren länger der 
Fall war, kurz das Mehr und Weniger läfst sich nicht näher 
bestimmen; nur soviel ist gewifs, dafs zu Nehemia's Zeit 
das Volk noch hebräisch redete (rmirp Nehem. 13, Cß), dafs 
man zu Antiochus Epiphanes und der Makkabäer Zeiten ne- 
ben dem Aramäischen noch herrschend hebräisch schrieb 
(vgl. Daniel und die Münzen des makkabäischen Zeitalters), 
dal» dagegen um jene Zeit und schon kurz nach Alexander 
d. Gr. das Aufholen der lebenden Sprache, selbst einem ge- 
lehrteren Hebräer bey dem Verständnils schwieriger Stellen 
älterer Schlitten im Wege war (S. %. 12, 3 über di« Chronik). 
Die Herrschaft der Seleucidcn und der neue Einflufs eines 
aramäischredtiiuen Volkes scheint allmählich die letzten 
Spuicn vertilgt zu haben. 



$. 13. Aussterben der Sprache. 45 

S. Auf jeden Fall übertrieben und unricbtig ist die Vor- 
stellung der Talmudisten 4b ) und der jüdischen Grammati- 
ker, z.B. des Ephodaeus, Elias Leuita, J^imchi 49 "), welchen 
Hottinger, Walton, Buxtorf u. A. s °) folgen, dafs die Ju- 
den schon im Exil die ältere Sprache völlig vergessen hätten 
und sie schon unmittelbar nach demselben als gelehrte Sprache 
von Priestern und Schriftkundigen hätten erlernen müssen. 
Sie alle stützen sich vorzüglich, wie es scheint, auf eine 
falsche Auslegung von Nehem. ß, Q. Dort heilst es: und 
sie (die Priester und Leviten) lasen im Buche, im Gesetze Got- 
tes 'iJni2ö wörtlich oder treulich, genau, und gaben das Ver- 
ttändnifs , und erklärten das Gelesene. Dafs das Wort fc'ISC, 
auf welchem hier das Meiste beruht, so aufgefafst werden 
müsse, zeigt zunächst die Parallelstelle Esra 4» x 8' Dort 
sagt der König von Persien: der Brief, den ihr an mich ge- 
sandt habt, ^"O i*^ enac ist wörtlich vor mir gelesen wor- 
den. Für die Bedeutung des Wortes cns genau, bestimmt 
angeben, vgl. aufserdem 3 Mos. 24, 21. 4 Mos. 15, 3> 51 ). 
Man hat sich hiernach ein wörtliches Vorlesen der Schrift 
zu denken, mit Erläuterungen des Schwierigen und wahr- 
scheinlich mit religiösen Anwendungen , alles in derselben 
Sprache. 

Anders die jüdischen Ausleger. Sie fassen tfisc nach 



48) Gtmara, tr. Megilla Fol. 3, col. 1. Nedarim Fol. 37, 
col. 2. 

49) Ephodaei grammat. c. 7. Eliae praef. lib. Methurgeman. Kim- 
chi praef. ad Michlol. Buxtorf diss. philol. pag. 157. 

50) Hottingeri thes. philol. p. 279. PValtOn Prolegg. III. §. 24, 
Buxtorf L C. 

51) In den Targg. daher öfter für 3p2 (s. Buxtorf Lex. chald.) 
besonders aber Exod. 2ß, 11. Jes. #, 1 : t ; "12ö 2H3 deutliche 
Schrift. Unter den alten Uebersetzern drückt der Syrer beym 

Esra den Sinn am Besten aus durch Aj( r * r .» fideliter , denn 
das distineto, manifeste der Vulg. konnte auch auf deutliche 
Stimme geh». 



46 Abstlui. 1. Gesch. d. heb/ . Sjjr. bis zu ihren* Aussterben. 

rabbinischem Sprachgebrauch: erklärt, mit Erklärung 52 ), 
und verstehn dieses von einer hinzugefügten Uebersetzung 
in die chaldäische Sprache. Ihnen folgen unter den neuern 
auch Rambach (in /. H. Michaelis not. uber.) t Clericus, Da- 
the, welche es selbst aufEsra4, 18 ausdehnen, und dort von 
einer Uebersetzung des Briefes in die persische Sprache ver- 
stehn. Allein dagegen ist i) der eben erläuterte Sprachge- 
brauch von ttha, welches selbst im Rabbinischen nicht von 

- T 

Uebersetzungen in eine andere Sprache vorkommt. Dieses 
ist b3°lt1 Esra 4, 7. 18- 2) Die ausdrückliche Angabe, dais 
die Juden damals noch hebräisch redeten, Neh. 15, 2ß. 

Elias J-evita a. a. O. Cum ex terra sua emigrassent et in Baby- 
loniam venissent , penitus obliti Juerunt linguae sua», sicut scri- 
ptum est in libro iV ehemiae. 

Die Talmudisten a. a. O. erklaren : DlilD Nin \y*naa. Eben 
so Bertholdt (Einleit. in das A. und N. T. S. 992). Das Buch Co- 
svi (P. Hf. S. 15) setzt aber hinzu: Interim tarnen manebat in quo- 
rundam animis cognitio legis et lingua conservata fuit in corde 
sacerdoturn et judicum, ut docerent judicia justitiae. Selbst TJ al- 
ton, wiewohl er im Ganzen der Meinung der Juden folgt, gibt 
doch zu : non tantum sacerdoies et Levitae linguum sanctam reti- 
vuere, sed et inter populum multi ex primoril.us Omnibus postea 
temporibus lin^uam anüquam coluerunt. Imo reliquias ejus quas- 
dam apud populum remansisse haud invitus concessero. Die rich- 
tigere Ansicht haben auch Pfcijfer , Löscher u. A. bey Simonis 
(Introduct. in ling. Kehr. S. 33). Vgl. Carpzor Critica Sacra S. 215. 
Ueber die palästinensische Landessprache im Zeitalter Jesu, 
a. Pfannkuche in Eichhorn's allgeni. Bibliothek der bibL Litera- 
tur. Th. 3. S. 560 ff. Nebenher ward auch Griechisch geredet, 
wodurch aber die Landessprache, zumal bey den Eingebornen 
keinesvveges verdian^t wurde, wie Einige wollten. S. Paulus: 
l'erosimilia de Judaeis palaestinensibus Jesu et /-Ipostolorum tempore 
non aramaea dialecio , sed graeca quoque locutis, gegen Diodati 
(de Christo graece loquaue) und de Rossi della lingua proprio di 
Lhristo. Parma 1772. 4* 

Auf welche Weise sich die Kunde der althebräischen 
Sprache nach ihrem Aussterben fortpilanzte und wie diese 

5O Mau erinnere sich des U'^SJOT Ottf, und des O^IBÜ"! tth 
sunt, qui explicent auf j^ier Seite dor hebräischen Ausleger. 



$. i^. Reichtkum und Umfang der alten Sprache. 47 

beschaffen war, suchen wir unten (Abschn. 2. Periode 1) zu 
zeigen. Jetzt benutzen wir denRuhepunct, welchen der Ge- 
genstand gewährt, um noch einige allgemeine Untersuchungen 
über Reichthum und Umfang der alten Sprache, dialektische 
Verschiedenheiten derselben, Aufnahme fremder Wörter 
und Uebereinstimmung mit anderen Sprachen herzubringen. 

Reichthum und Umfang der alten Sprache 53 ). 

Dafs in unsern Ueberresten der althebräischen Litera- 
tur nicht der ganze Vorrath der alten Sprache enthalten 
seyn könne, versteht sich von selbst. Indessen darf man 
das Verlorengegangene doch nicht allzuhoch anschlagen, 
am wenigsten durch Berechnung aller möglichen Zusammen- 
setzungen zu Radicibus trilitterls ; wornach wir freylich kaum 
den sechsten Theil der ehemals vorhandenen Stammwörter üb- 
rig haben würden 54 ). Die erhaltenen Reste der Sprache rei- 



53) Einige, aber wenig erschöpfende, Bemerkungen enthält: 
Com. van JS[ r aenen de linguae hebraeae pomoeriis ampiian- 
dis , praes. J. J. Schaltens. Leid. 1759, m ^ er ^Y^Oge dis- 
sert. suh praesidio Schuhensii et Schroederi editarum, S. 7 1 9 ff. 

54) Alb. Schul tens de defectibus hodiernis linguae hebraea» 
§. i2: Omnes qui aliquid in literatura Hebraica vident, mecum 
consciscunt , magnam veteris linguae partem intercidisse, atqv.s in 
uno codice sacro , liaud sane voluminoso , neutiquam omnrm ejus 
amplitudinem seso conspiciendam pracbere. Er berechnet hierauf, 
dafs, die radices quadrilitteras abgerechnet, ungefähr 12000 ra- 
dices trilitterae möglich seyn, von denen nur »egen 2000 vor- 
kommen, und dafs daher, wenn man auf jeden Stamm nur 30 
Derivata rechne, mindestens gerechne»:, 300000 hebräische 
Wörter verloren wären. Vgl. Simonis introd. in linguain hehr. 
S. 16. Welch 1 ein Schlufs von der Möglichkeit so vieler Zu- 
eammensetzungen auf ihre Wirklichkeit! Die ohne Vergleich 
reichere arabische Sprache hat kaum die Hallte der möglichen 
Stammwörter; auch müssen ganze Reihen abgerechnet werden, 
insofern gewisse verwandte Buchstaben sich nicht unmittelbar 
hinter einander dulden, z. B. VH. S. Michaelis Supplem. 
S. 109. Vgl. über da» Arabische Sacy gramm.arab. T. I. S. 30. 



40 Abschn. I. Gesch. cl. hehr. Spr. bis zu ihrem Aussterben. 

chen hin, uns beurtheilen zu lassen, dafs das Volk, in wel- 
chem diese Sprache lebte, sich in einem ziemlich beschränk- 
ten Kreise von Ideen bewegte, unter denen die religiösen 
Ideen die ausaebildetsten waren , und dasselbe zeijjt sich in 
der Sprache, die in der Bezeichnung religiöser Begriffe noch 
am meisten Reichthum und Gewandtheit hat. Einen gro- 
fsen Reichthum an sinnverwandten "Wörtern gewann sia> 
auch durch die Beschaffenheit der Poesie, wo der Paralle- 
lismus der Glieder oft verschiedenartige Ausdrücke dessel- 
ben Gedankens verlangte **). Vergleichungsweise läfst sich 
behaupten, dafs sie, wie überhaupt, so auch in Rücksicht 
auf ihren Reichthum, in der Mitte stehen möge zwischen 
der reichern arabischen und der noch armem syrischen 
Sprache. 

Es lassen sich indessen selbst noch einige Quellen aus- 
findig machen, welche mehr oder weniger bedeutende Bey- 
träge zu dem in der Bihel enthaltenen Sprachgute, liefern, 
und aus welchen Grammatik und Wörterbuch noch einige 
Bereicherungen oder Erläuterungen schöpfen können. Da- 
hin gehören 

i. die Nomina propria, welche hier, wie in allen Spra- 
chen, ursprüngliche Appellativa sind, und in denen sich be- 
sonders viel aus der ältesten Sprache vor ihrer uns vorlie- 
genden Ausbildung derselben erhalten haben mag 5 * 5 ). Wir 
gewinnen daraus eine ganze Reihe grammatischer Formen, 



Die in der Bibel vorkommenden hebr. (und chald.) Worter 
zählt Leusden auf 564a, im Griechischen nimmt man gegen 
ßo.ooo an. 

55) So hat man bemerkt, dafs es an 16 Verha frangendi, 10 />r- 
ba quaerendi, i.\ für den Begriff des Vertrauens auf Goit n. s. \v. 
gebe. In Gegenständen , welche dem roorgenlandischen Hir- 
ten nahe liegen, ist die Sprache sehr begreiflieh reicher, als 
die gebildeteste der europäischen j 1. B, an Bezeichnung für dio 
verschiedenen Alter das Vich's, der wilden Thiere. Vgl. Gmrp* 
zov Critica Sacra. S. 201. 

56; Vgl. VuttT"» Comment. üb. d«n Peuutcuch. Tb. 5. S. 67a. 



(J. 14. Reich thum und Umfang der alten Sprache. 40 

neue Verba und Nomina, welche wir aus dem Arabischen 
und Syrischen kennen, die gewiis aber auch hebräisch wa- 
ren; Urformen, wovon nur noch Derivata da sind, und wel- 
che dadurch verdeutlicht werden u. s. w. 

In andern Dialekten sehr bekannte slppellativa sind: Vtt?"» 

(Brücke), pn'i (zwey Brunnen), ]12 (Fisch), ,~|2D (Gesetz), 

» ? " * 
HIO^C, |ZjüiAiß (Schlachtordnung), }*p (Schmidt); besonders 

die Thiernamen : ]*}H (Gemse), n»*^ (Taube), nhln (Rebhuhn), 
]f\V (Löwe), D^Slttö (Füchse). Aus den Nomm. provr. mit N 
allein lassen sich über 30 solcher Stammwörter sammeln. Ge- 
schehn ist dieses in Ev. Scheidii Lex. hebr. ed. Gronenoud, jedoch 
noch nicht ganz vollständig. 

Bey mehrern ist die Etymologie allerdings dunkel, allein ge- 
nauere Betrachtung kann noch manches aufhellen. So ist dV^IT» 
gewifs nicht componirt aus cbu? WY> Besitz des Friedens, son- 

5 ^ / 
defn s. v. a. Leute, Volk des Friedens, **l "? = (C «» gleichbedeutend 

J o5 
mit Vjbf» DTDÖ» vielleicht sogar : Zelt, Wohnung des Friedens, 
wenn 11 S im Hebräischen diese modificirte Bedeutung hatte (vgl. 
*jnk Zelt, arab. Vibf Leute, auch rPS Haus, Leute). Eben so 
ist Sm*^V ^"H* Wohnung Gottes (Name einer Wüste). Man- 
che schwierige Namen erklären die Schriftsteller selbst, z. B. Dni3K 
1 Mos. 17, 5 > YHV 25> 2 5» bey andern gelingt ihnen aber die 
Etymologie nicht s.§. 12,4; ähnlich Sn;e\£7 nach 1 Sam. 1, 20 von 
!?CW und Sn (besser: Name Gottes, JiOttJ st. constr. von Qiy, wie 
^N, "ON von 3N); D^lXB Sdn nach \ Mos. 50, 11 Trauer Ae- 
gyptens (besser: Platz, Tenne Aegyptens). Anderswo reicht aber 
auch wohl unsere Kenntnifs nicht hin, eine Anspielung auf die Ety- 
mologie ganz zu verstehn, z. B. Jer. 20, 3 bey "|!)rV£'3 , -welche» 
TVohlseyn zu bedeuten scheint. Vgl. J. D. Michaelis Comment. 
zu d. St. 

Grammatische Formen, die in der gewöhnlichen Sprache selten 
oder gar nicht vorkommen, sind: der St. emphat. der Aramäer, 
in mn*V (Stadt), xhy (Joch); die Dualformen auf D— , J— und 
Ht (vg'l. $.21,5); die arabische Form der Nom. segol. wie in n*iN ; 
die chaldäische Form des Tut. wie »*JH (er räth), VJr&n (er versam- 
melt) ; das Part, wie S^lN (Kameeihirt), v°l. *l*:cin haltend, 
Ps. 16, 5 ; das häufige Jod compaginis, wie in ^^O ^2"ilrt u. s. w. 

Besonders wichtig sind aber die alten Singularformen, wovon 
jetzt nur der Plural vorkommt, z. B. *ih = *iri Berg (vgl. 1 Mos. 

ü T 



ÖO Abachn. I. Gesch. d. hebr. Spr. bis zu ihrem Aussterben. 

4pf 26), -|1? Stadt, wovon der Plur. C*»*ii-*; endlich mehrere von 
der Form 13 H , wovon nur Plurale, wie n*Oi* vorkommen, als 
*3N?KP (Ts°; Gottes), wo 5ö*»=?nB i », D' der Sing, von Q'TZ' ist; 
nStynnö, SMUhn&t wo Wo — 110 oder n» (äthiop. met) M Tili 
und Sing, von Q^nü ist. Von derselben Form sind SN1JJT, 
bM^IÖSf, wo !)öty = Dvy, ffif\ === T\V1 , in ist 57 ). 

2. Eine andere, nicht immer hinlänglich berücksichtig- 
te und henutzte Quelle für einzelne ältere Sprachfonnen 
liegt in den Varianten des Chethib , da die Urheber des Kri 
Unter dem, was ihnen incorrect schien ((). 21,3) und eini- 
gen wirklichen Schreibfehlern auch manches alte und ech- 
te Sprachgut heraus conigirt haben. Schon nach dem al- 
ten kritischen Canon, dais bey gleicher Auctorität der 
schwierigem Lesart der Vorzug gebühre, würde das Ueber- 
gewicht auf Seiten des Chethib seyn, wozu hier noch häu- 
fig die Analogie verwandter Dialekte kommt, und das be- 
kannte Streben der IVIasorethen nach ihren Grundsätzen 
zu berichtigen 58 ). 

Einige seltenere PVörter und Formen des Chethib, welche das 
Kri getilgt hat, und sonst nicht vorkommen , sind: Sna wahr- 



57) Die Literatur zur Erklärung der Komm, prOpr. s. in TJ'olfii 
Biblioth. hehr. II, 565. llist. Lex. p. 219 IL Doch ist noch 
aufseist viel zu ihun übrig. Am brauchbarsten sind Simonis 
Onomast. V, T. Halae 1741- 4* -^ Hilleri Onomast, sa- 
crum. Tubingao 1706. /\. 

53) Eine alphabetische Zusammenstellung des Chethib und Kri 
gibt : Jo. Simonis analysis lectionum masoretliiiarum Kethihan 
et Krijan vulgo Jiclarum. Ilalae i r, 5 2, 8- ^ n gewisse Klassen 
sind sie geordnet von J\I. I filier: de Aromt, K*thib et Kcri libri 
duo. Tubingae 1692. ß. lieber den Vorrang der Chethib und 
cur Erklärung derselben: J. A. Damit sinceritas scriptarao 
V . T. praevalcnte Kri racillans. Jenaej.713. 4., wieder ab- 
gedruckt in J. Ikenii tlies. philol. novus. F. Tsepregi 
tliss. de aut hent ia stlcctiorum Chetlubim, Partei II. Francqucrae 
1725, wiederabgedruckt in der Jfj tlog* Jissertatt. (No. 50) 
T. I. No. '2. 3. J. F. Froriep Jiss. de utilitate linguae am* 
in defendendu nunnulus fofctl rei Chiihil. Lips. 1767. 4« 



§. 14« Reichlhum und Umfang der allen Sprache'. 51 

sclieiiilich V2E13 »eizig seyn, er°eizen Sprüchw. 20, 2i (vgl. 
A. Schultern zu d. St.) ; nTÖMSErV)** Feuer Jer. 6, 29; pin — pTl 
Busen Fs. 74, 11; D"hTJ = D*U2 noch nicht Ruth 3, 14; Dil"" 
gesetzt werden, Neutr. von Ü^'Ü) (wie -njf, 12f) 1 Mos. 24, 33. 
Rieht. 12, 5 (ohne Kri nur 1 Mos. 50, 26); DMlia f. Qina Dör- 
fer Esth. 9, 19, und nach derselben Analogie D^ttflN Syrer 2 Kon. 
16, 6, DVTiin Walder Ezech. 34, 2.5, •ll'SMJ'IÄÜJ Jer. 49, 2Q. 
Esra 2, 1, für B*a*TJ* f V "}S*.'!, ^SMa/lSÜ*) j Sll^X f. "PS«« klein 
Jer.' 14, 3. 4ß, 4; jlttrun sr= ^1TÖH*1 Hiob iS.V- Jos. 21, 10 
(herrschend im Sain. Texte) ; rniNIO f. niNC 2 Kön. n, 4.9. 10. 
15» vgl. das arab. ^w u. s. w. In grammatischer Rücksicht: 
Imperative, wie "»311*1 =r "»El*! fs. 5,3, 21; I'articipia, wie 
D^lii'J* 1 Sam. 2-">, iß. 2 Kön. 23, 4; doppelte Plurale oder 
Duale, wie Cninat» 2 Cliron. 54, 5; «»nläM*» 1 Kun. 6, 16; 
Duale auf 0— Ezech. 25, 9. 46, 19. 

Der Zahl nach weit mehrere Sprachbereicherungen bie- 
ten die Varianten des samaritanischenrentateuchs. Bey dem 
durchaus correctorischen Charakter dieses Textes kann aber 
selbst das, was nicht offenbar das Gepräge aramäisch -sama- 
ritanischerForm, mithin jüngerer Umgestaltung trägt, auf die- 
se Auctorität allein nicht für altes echtes Hebräisch genom- 
men werden (Q. 24). Derselbe Fall ist mit den Varianten 
der hebräischen Manuscripte , deren etwanige Abweichun- 
gen mehr das Schwere und Seltene der Texteslesart zu he- 
ben suchen , als dafs darin etwas Neues und sonst Unbe- 
kanntes zu finden wäre. 

Einige Aufmerksamkeit verdient die Variante fitnlllttr **<3 Hiob 
24, 11 f. DnlllttJ **0 , nach der Analogie von D^n1»H. In ei- 
nem eingeschobenen Verse nach Ps, 14» 3 steht das ««; As-yo/ug- 
vov *j"iö Gestirn f. Geschick. 

3. Auf den jüdischen Münzen des makkabäischen 
Zeitalters kommen keine Glossen vor, welche man nicht 
auch im altern Hebraismus fände, aufser auf einigen: 
p*^ ninS oder minS auf die Befreyung Zlons, lies: minS. 

Bayer de nummis hebr. pag. 21. Ekhel doctrina numm. vete- 
Tum. Vol. III. S. 469. In der Mischna und den Targg. ist "iVn 
M*V**n, PVin häufiger, und verwandt mit *l1n über, in"enuus. 
Falsch ist die Ableitung von nin swlpsit. 

D a 



52 Ab sehn. I. Gesch. d. hehr. Spr. bis zu ihrem Aussterben. 

4. Einige wenige Wörter des spätesten Hebraismus fin- 
den sich in den griechischen Apocryphen , wo jedoch, da 
sie mit griechischen Buchstaben geschrieben sind, schon die 
EntziiFerung meistens groise Schwierigkeit macht. So z. B. 
die Ueberschrift des ersten Buches der Makkabäer: TBugßvS 
Tugßocvit^ d. i. Sm "0 3 "»liö naitt? Geschichte der Fürsten der 
Söhne Gottes y9 ); MuKiußccto; , wahrscheinlichst *0£» Häm- 
merer, vgl. Carl ÄIarte/l So ) ; 'AitkLigi = D**pön die from- 
men Anhänger Jehova's (vgl. Ps. 70, 2) ; Avo*v oder Av*f«y 
i Makkab. 2, 5 als Beyname des Eleazar (Jbramen, podex 
brutorum, vgl. 1 Makkab. 6, 43-46? 61 )); 'hn(povs, ebend., 
Beyname des Jonathan (yj'&n libertus?) 6 -). Einigen an* 
dem, z. B. den Sectennamen <£af>/9-«»or, 'Etrtrxtos sieht man die 
Entstehung aus dem syrisch- chaldäischen Landesdialekte 

an; ersteres ist aus \.M.j t d separatus, letzteres wahrsch. ^<Am 
piuSi 

5. Nicht wenig althebräischer Sprachvorrath hat sich 
ohne Zweifel in der Sprache des Talmud , insbesondere der 
Mischna, erhalten, die sich nach Alter und Sprache zunächst 
an die jüngsten Bücher des Canons anschliefst. Wer mag 
es indessen unternehmen, das Alte von dem Neuhinzuge- 
kommenen zu scheiden? Wenn man jedoch aus der Ana- 
logie anderer ausgestorbenen Sprachen schliefsen darf, so 
mag man annehmen , dafs zwar sehr viele Derivata alter 
Stammwörter und neue Bedeutungen derselben späteren Ur- 
sprungs seyn mögen, (natürlich alle, welche sich auf später 
aufgekommene Ideen bezichn) ; allein neue Stammwörter 



59) Michaelis Orient. Bibl. Th. 12. S. 11 2. Auilere gezwun- 
genere Erklärungen von lluctius und 11 enisdcrf s. in liertholdts 
Einleit. in das A. und N. T. S. 10 .)". 

(k>) BertholJt a. a. O. S. 10/(3. 

61) J. D. Michailis Suyplem. ad Ltx. Iicbr. S. CgG. 

<>2") Hie Komm, propr. findet nun in Ja, SitHOnU OnOmmt, A". T. 

IIA*': l?Ö2, .). 



Q. 14. Keichtlium und Umfang der alten Sprache. 53 

zu bilden, ist nicht die Sache derer, die eine ausgestorbene 
Sprache handhaben, und hier mag daher meistens etwas Al- 
tes zum Grunde liegen, zumal, wenn der Gebrauch des 
Wortes vom Syrischen abweicht. Mit einiger Sicherheit 
mag man z. B. ein gewisses Alterthum von den zahlreichen 
Bezeichnungen von Thieren, Pflanzen u. dgl. annehmen, 
welche in der Mischna vorkommen, und deren Bedeutung 
sobald verloren ging, dafs sie schon in der Gemara 63 ) einer 
Erklärung bedurften, meistens auch nur mit dem Arabischen 
übereinstimmen. Der negative Beweis, welchen man aus 
dem Nichtvorkommen derselben im A. T. führen möchte, 
hat wenig Gewicht, weil es bey der Beschaffenheit jener 
Bücher an Gelegenheit dazu fehlte. 

Eine grofse Anzahl derselben liefert z. B. der Tractat Kilaim, 
Surenliusii Mischna, T. I. S. 109, von denen, die fremden abge- 
rechnet, viele in Palastina eiuheiniisch und alt zu seyn scheinen. 

Z. B. t^CJN arnb. (J^V^-f , (JoV^.f , auch ^JoVsnJf Bir- 

5 * o * 
nen (in andern Dialekten des Arab. : Pflaumen); b*l*in, jO/A» 

Senf; nySl, syr. ]A:^2 Kürbis; n*1t Salat; nWüp Hülsen- 
fruchte u. s. w. 

6. Wortbedeutungen ) welche im Althebräischen Statt 
fanden , auch durch die Analogie der verwandten Dialekte 
bestätigt sind, wofür aber jetzt keine Beyspiele mehr vor- 
kommen, finden sich hier und da in den ältesten Ueberset- 
zungen , besonders den L/XX ($. 22, 2). 

7. Bey der sehr engen Verwandtschaft des Hebräischen 
undPhönizischen mag endlich auch unter denUeberbleibseln 
dieses Dialekts (Excurs 1) Einiges erhalten seyn, was zu- 
gleich Hebräisch war, aber in den uns erhaltenen Urkunden 
nicht vorkommt. 



63) Ueber das Alter dieser beyden Theile des Talmud s. unten 
§. 21, 2. 



54 Jibschn. I. Gesch. d. hebr. Spr. bis zu ihrem Aussterben. 

0. 15- 

Dialekte in Her hebräischen Sprache selbst 64 ). 

I. Dafs in der hebräischen Sprache, während sie eine 
lebende war, einige dialektische Verschiedenheit Statt ge- 
funden haben möge, würde schon die Analogie fast aller 
Sprachen wahrscheinlich machen, wenn sich auch keine be- 
stimmten Spuren davon fänden. Uebrigens darf diese» in ei- 
ner armen Sprache, welche selbst erst Dialekt eines grö- 
fsern Sprachstammes ist, nicht zu hoch angeschlagen wer- 
den. Die Vergleichung der griechischen Dialekte ist also 
ganz unpassend; auch gehen alle wirkliche Spuren blofs auf 
Verschiedenheit der Aussprache. In der Büchersprache fin- 
det sich nichts, was mit überwiegender Wahrscheinlichkeit 
für Provinzialismus zu halten ist 6y ); noch weniger darf 
man die Eigentümlichkeiten des zweyten Zeitalters auf die 
Rechnung provinzieller Idiotismen setzen wollen 66 ). 



64) Jo. Kiessling de dialectis Hebraeorum -puris diss. 11. Eich- 
horns Einleit. in das AT. §. 11. Tb. 1. S. 48 (51). Nachti. 
gall in Eiclihorn's Biblioth. der bibl. Literatur. B. 9. S. 235. 

65) Eichhorn a. a. O. ». Bey alle dem ist doch ein zusam- 
mentreffender Charakter im Ausdruck bey Schriftstellern aus 
Einem Canton unverkennbar , der sie von Schriftstellern aus an- 
deren Cantonen deutlich (?) absondert." ,,Man vergleiche die 
Samaritanismen im Arnos und Iloseas, z. B. Arnos 6, 3 2NPÖ 
Statt 2VTV2. Ho». Vif ß "JNDNÖN, in dem männlichen Suflixurn 
der zweyten Person, d::s der samaritanische Pentatcuch oft *jn 
schreibt." Wie wenig die erste Behauptung aus solchen Bev- 
spielen hervorgehe, bedarf keiner Erinnerung; und wo sind 
beweisende«? Uebrigens bildete sich das Saniaiitanische und 
dessen Einfluf» auf den Pentatcuch viel zu ipäl , um hier An- 
wendung zu leiden. — - Spuren eines inoabitischen Dialekts 
wollte Pereser im Buch P«uth linden; am weitesten aber gebt 
Jiiestlin™ (No. 61), der eine Menge anomaler Flexionen dial« k- 
tisch seyn htfst, z.B. die Kcmininalendung R-r- pliilistaisch und 
idumaisch, vgl» tY»nH, T\*\l % nS , »M .; ]Z für p nach d. Dialekt 
v. Inda u. s. w. Vgl. Simonis Unomast. CT. S. 40. 

CO) So re.let Kathtigall (So. 61) von einer ost- und nordjorda- 
niieheu Mundart, welche sich vornehmlich durch den Idiotie 



5.15. Dui'ehte in der hebräischen Sprache selbst. 55 

£. Die vorkommenden Spuren sind: Rieht. 12, 6, wor- 
nach die Ephraimiten sich durch eine habituell gewordene 
Aussprache des ty als ty auszeichnen (wie etwa die Xieder- 
sachsen Stuhl und Swein f. das obersächsische Schtuhl, 
Schwein aussprechen); Nehem. 1J, 23. 24, wo der eifrig pa- 
triotische Landpfleger zürnt, dafs sich statt des ächtjüdi- 
schen ein asdoditischer Dialekt in Jerusalem eingeschlichen 
habe; nach einigen endlich Facht, iß, 3> wo es heilst, dafs 
die Daniten die Stimme (Slp) eines levitischen Jünglings er- 
kannt hätten. .Allein Ausdruck und Zusammenhang machen 
es wahrscheinlich , dafs keineswege6 von einem Dialekt 
(?.*>.<a) 67 _), sondern der individuellen Stimme des sonst 
schon bekannten Jünglings die Rede sey. 

Da die als philisiaisch vorkommenden Orts- Personen- und 
Götteraamen ganz hebräisch gestaltet sind (z.B. rtfi*, 313? Sl?3, 
^^ö^3K), so mag sich dns Dialektische liier auch vornehmlich 
auf die Aussprache bezogen haben. Ein eigcntliüinliches Wort 
scheint z. ß. |12 Fürst. Syrisch ist der Name eines Idols von 
Gaza Mocgvxs (Steph. Byz. s. v. VxZ,*) d. i. *^'3 *iö dominus /iOhii- 
num, allein di-^cs kann auch aus späterer Zeit seyn. S. Bocharti 
Geogr. s. lib. I. c. XV. p. 60. 68 ) 

3. Dafs neben der Schriftsprache in der ganzen zwey- 
ten Periode eine davon verschiedene, aber verwandte, Vul- 
gärsprache herrschte, ist oben ($. 10. 15, l) gezeigt worden. 
Indefs mag schon früher die Sprache des gemeinen Debens 
in einzelnen Formen abgewichen seyn , und es findet sich 



mus -VJ =: *V- N bezeichne, und wohin er die meisten Eigen- 
tümlichkeiten des zw eyten Zeitalters rechnet. Auf diese Wei- 
se vindizirt er Koheleth, das Hohelied, einen Theil des Jona 
dem ersten Zeitalter; aber ohne irgend befriedigenden Beweis. 

67) S. Drusius zu d. St. u. A. 

63) Dafs sich Petrus (nach Matth. 26, 73) durch die Sprache 
verräth, geht auf die unreine Aussprache der Galiläer, gehört 
aber nicht hierher, da von der svrisch-chaldäischen Landesspra- 
che die Rede ist. — Von einer vermuthlich verschiedenen 
Aussprache des Althebräischen bey den palästinensischen und 
alexandrinischeu Juden, s. unte.n die Geschichte der Schrift. 



56 Ahschn. I. Gesch. d. hehr. Spr. bis zu ihrem Aussterben. 

manches, was minder aus dem Einflufs des Syrischen, als 
solchen Incorrectheiten des gemeinen Lebens zu erklären 
ist, welche denn auch wohl in die Büchersprache ein- 
schlichen. 

Dahin gehören wahrscheinlich die vielfachen Incorrectheiten 
und Nachlässigkeiten eines Ezechiel (§. n, 3); der zuweilen nach- 
lässige Gebrauch des Genus, besonders bevm Pronomen, z. B. PN 
als fi'Iasc, t3PH als Fem. (so gebraucht der gemeine Araber 
£_jXj| auch als Masc.) 69 "); das Verwechseln und Verschmelzen 
verwandter Formen, wie DTil3ty1n f. DTOtüin Zach. 10, 6 7 °), 
die Conj. Nithpael, der häufige Gebrauch des überflüssigen Dat. 
commedi *»b , l£p (vgl. die Umgangssprache des Terenz und das 
Horazische : quid mihi Celsus agis?), vielleicht die abgekürzten 

* c y c * c ^ yo , 

Formen, wie JNIjD (vgl. im Arabischen ^L»,£), »mig. • . aX/JL)) 

u. s.w. 71 ). Manches dahin gehörige scheint im Rabbinischen 
aufoewahrt zu seyn, 2. B. -VJ , SttJ, die Conjugation JSitlipa'al 
u. 5. w. 

<5. 16. 

Verhältnifs der hebräischen Sprache zu den verwandten Dialekten. 

Für die einem jeden, welcher über die Anfangsgründe 
hinausgehn will, unerläfsliche Benutzung der verwandtenDia- 
lekte (Q. 4> 3) ist es sehr wichtig, sich einen richtigen Be- 
griff von der Art des Verhältnisses zwischen denselben zu 
machen. Es ist dieses zwar mehr Sache der Hermeneutik, 
in deren Gränzen wir hier nicht eingreifen wollen, indessen 
wird hier eine doppelte Bemerkung nicht am unrechten Orte 
stehen. 

1. Die hebräische Sprache steht in aller Rüchsicht 
(;iuch geographisch) in der Mitte zwischen dem reichen ara- 
bischen und dem ungleich ärmern aramäischen Sprachstam- 
me. Dieses zeigt sich in der Orthographie, der Vocalset- 
zung, und dem gröfsern oder geringeren Ileichthum an gram- 



6p) S. mein hehr. Wörterb. u. d. W. nrN. 

70) S. meint hehr. Grammatik, ft. <>u, 2 über Jörn ae mixtas, 

71; ll'eikherlins hebt. Lesebuch. £>. ' 



$. i6. Verhällnifs ders. zu den verwandten Dialekten. 57 

matischen Formen und Sprachvorrath. Der Araber hat 
schon im Alphabet 6 Buchstaben mehr, indem er gewisse 
.Nuancen in der Aussprache des *i (t), n, E, i.', s, n durch 
die Schrift bezeichnet, der Syrer hat noch das ty weniger, 
als der Hebräer, indem er dafür immer o schreibt; der Ara- 
ber ist reicher an Vocalen als der Hebräer, der Syrer ärmer, 

vgl. VX3, 'rtfrpi ^hO'-< im Arabischen ist der Reichthum an 
grammatischen Formen viel gröfser , es hat i o regelmäfsige 
Conjugationen mit ihren Passiven, aufser den seltenern, ei- 
nen Dual imVerbo, eine bestimmtere Trennung der\erba ^3 
und 19, ">h und iS u. s. w. Der Syrer hat noch die Conj. 
JVip/ial weniger, keine Veränderungen des Futur i , und im 
unregelmäfsijjen Verbo fliefsen die Verba nS und PiH, 11* und 
*•», "'s beyder Classen, die im Hebräischen noch geschieden 
waren, in einander. 

Oft hat ferner das Hebräische eigenthümliche Bildun- 
gen der beyden übrigen Stämme vereinigt. Der Araber bil- 
det alle Passiva durch dunklere Vocale, der Syrer durch 
Vorsetzung der Sylbe on, der Hebräer bildet Pyal und Ho- 
phal auf die erste, das Reflex, Hithpael auf die andere 
Weise. 

2. Das Hebräische trägt den Charakter einer altern Spra- 
che , als das Arabische und Syrische in ihrer gegenwärtigen 
Gestalt. Daher ist im Hebräischen die Etymologie öfters noch 
sichtbar, wo sie in den andern Dialekten verwischt ist, und 
man kann darin mehrere Bildungen und Bedeutungen entstehn 
sehn , welche in dem gegenwärtigen Syrischen und Arabi- 
schen schon feststehn. So ist im Hebräischen die Entste- 
hung der Personen des Praei. aus angehängten Pronomm. deut- 
lich, in beyden übrigen Dialekten viel verwischter und kaum 
noch erkennbar; nc was? wird in Wendungen gebraucht, 
wo es eine Negation umschreibt (Hiob iö, 6. gl, i. Sprüchw. 
20, 24), dann geradezu negativ (Dan. 1, 10), so im Syri- 
schen und Arabischen ; der Hebräer sagt löWJ n« iWti sei- 



58 Abschn. I. Gesch. d. hehr. Spr. bis zu ihrem aussterben. 
nen Verstand verstellen, sich wahnsinnig stellen, der Syrer 

7 

kürzt die Phrase ah: }i* wahnsinnig seyn; im Hebr. ist 
nVn irren, abgeirrt seyn, besonders in religiöser Hinsiclit, 
daher r\Vp Götzendienst treiben, \^, Vxls ketzerisch 
seyn. Es wird hiermit nicht geleugnet, dafs die Bildung 
der arabischen Sprache an die der hebräischen oder selbst 
höber hinaufreichen könne, auch finden sich umgekehrt im 
Arabischen Grundbedeutungen zu hebräischen Wörtern 
(z. B. j-V-C das Wasser trüben, hebr. betrüben; vH ä» 
verfehlen, hebr. sündigen), indessen ist das Aufsuchen der 
Grundbedeutungen im Arabischen von der holländischen 
Schule sehr übertrieben worden , und mufs man hier vor- 
sichtig seyn , um nicht etymologische Combinationen für 
Thatsache zu nehmen. 

3. Am meisten Ausbeute für den Sprachforscher mag 
allerdings verhältnifsmäfsig das Arabische gehen, wegen sei- 
nes Reichthums, und der Reichhaltigheit der Quellen, für 
die Kenntnifs der Sprache; indessen ist nicht zu verkennen, 
dais das Aramäische dem Hebräischen oft näher liegt, wie 
sich durch Geschichte und Geographie eine engere Berüh- 
rung der Hebräer mit den aramäisch-, als mit arabisch- re- 
denden Völkern beurkundet. 

Interessant ist öfter tlie r,eobaclitun:i der Modificationen , wo- 
mit aramäische Wörter in das Hebr.üsclie aufgenommen worden 
sind. So bezieht der Hebräer alle Wörter« die der Syrer auf 
Gottesdienst bezieht, auf Götzendienst, weil der Gottesdienst der 
Syrer ihm als Abgötterey und falsche Religion erschien. Z. 1>. 
D^IES svr. Priester, hebr. Götzenptiester ; *J3D niederfallen, im 

Hebr. vor Götzen; DOp syr. /O^ß weissen, hebr. wahrsagen, 
von falschen Propheten ; fj" SVI - beten, hebr. zaubern; U-'^T. 
DtJlp Geweihter, Geweihte, behr. imhlcr, in. Daher in der 
lYschito r^EIN BTtMcfa f. htydu 



5.17. Aufnahme voti Glossen aus fremden Sprachen. 59 

<5- 17. 

Aufnahme von Glossen aus fremden, nicht semitischen Sprachen. 
/ 

Da die Israeliten, während die hebräische Sprache leb- 
te, mit mehrern auswärtigen Nationen, in deren Ländern 
sie «um Theil lebten, in eno;er Verbindung standen, so konn- 
te es kaum fehlen, dafs nicht einzelne Wörter aus den sonst 
nicht verwandten Sprachen derselben in das Hebräische auf- 
genommen wurden , und , zuweilen mit leichter Umgestal- 
tung , Bürgerrecht darin erhielten. 

1. Vornehmlich während des Aufenthalts in Aegypten 
mag man wohl eine kleine Anzahl von ägyptischen Wör- 
tern aufgenommen haben, namentlich Bezeichnungen dort 
einheimischer Gegenstände. Zur Erklärung derselben dient 
uns die heutige koptische Sprache, eine Tochter der alt- 
ägyptischen, aber jetzt ebenfalls schon ausgestorben, und 
nur noch als Kirchensprache üblich 72 ). Mit den semitischen 
Sprachen steht sie durchaus in keiner Verwandtschaft 73 ). 

Bcyspiele: VM* ägypt. <*X' Nilgras; 1H*| ägypt. hxqo, ttqo Flufs, 
Nil; die Npmm. propr. z.B. ntt"lQ kopt. (J>au<?9 Kunig, vielleicht 
. einige Monatsnamen, z. B. näfi kopt. ruß/. Man hat auch die 
Namen der Edelsteine für ägyptisch ausgeben wollen, aber ohne 
es nachweisen zu können. Auch hat man zufällige Uebereinstim- 
mung für Verwandtschaft genommen , z. B. "OiN kopt. «vox. ich, 
D^ kopt. iw/a Meer; D^SIP und D^3*1UJ Serapis u. A. 

Mehrere solcher Wörter gaben denn auch mit leichter Verän- 



72) S. Ouatremere recherches sur la languc et les antiquith de VEgyp- 
te. lftoQ. 4. Adelungs Mithridates. Th. 5. Ign. Rossii (eines ge- 
lehrten italienischen Mönchs) Etyrnologiue aegyptiacae. Romae 

i8<>8- 4« 

75) Man hat diese Behauptung häufig dem Ilierontmus zuge- 
schrieben, welcher (im Comment. zu Jes. 19, ig, lib. Vif, 
cap. 19) die canaanitische Sprache in die Mirte zwischen die 
ägyptische und hebräische stellt. Allein Michaelis (Orient. 
Bibl. Th. 5. S. 50 ff.) hat genügend gezeigt, dafs man die Stel- 
le nur aus ihrem Zusammenhange gerissen und mifsveistandeu 
habe. Deutlich unterscheidet diese Sprachen schon 7rigenes 
(contra Celsum III. p. 115 al. 45 1 )« 



60 Abschn. I. Gesch. d. hebr. Spr. bis zu ihrem Aussterben. 

derung im Hebräischen eine Etymologie, so dafs man ihren wah- 
ren Ursprung nachmals übersah. Z. ß. OH kopt. XHMI Aegvp- 
ten, wobey der Hebräer wohl an Südland dachte; MOD3 Nil- 
pferd (wahrscheinlich p-ehe- mout der Wasserochs); ?p3N d.i. 
Ape-rcih bücket das Haupt. 

Schon die Rabbinen geben manches Wort für ägyptisch aus, 
aber blofs nach vagen, meistens falschen Vcrmuthungen , z. B. 
*inb s. Aben Esra zu 1 Mos. 39, 20; ]JD was i Ilascuni zu 2 Mos» 
16» 15; n1Süit3 nach den Talmudisten, s.Kinichi Lex. u. d.W. 
5JT1SS nach Aben Esra zu Exod. g, 1 im Aegypt. das Krokodil. 
Auch bey HTt'O »oll nach Josephus , r/ülo und einigen Kirchen- 
vätern eine ägyptische Etymologie zum Grunde liegen. 

Von neuem SchTiftauslegem haben sich Bochart und Pfeiffer 
(Dubia Vcy.nta) , vorzüglich aber P. E. .Jubionski durch Anwcn- 
düng des Koptischen auf die Erklärung solcher Ausdrücke ausge- 
zeichnet. Minder gefällig sind die Erklärungen von J. R. Ernster 
(Mantissae aegypt. ad Uhr um dp bytSO antiquorum ; epist. ad J. D. 
JVlichaeletn) , vgl. auch J<J / ahi , s Magazin für alte, besonders nior- 
genländische mül biblische Literatur. Th. 1 — 5. 

Die beste Zusammenstellung und Erläuterung aller wirklichen 
und vermeintlichen ägyptischen Glossen gibt P. E. Jablonski in 
seinen Opusc. ed. te Waler. T. I, aus dessen Papieren schon S<. holz 
(Repert. für bibl. und morgenländische Literatur. Th. 15. S. 1 — 
51) seine Erläuterungen entlehnt hatte. 

2. Tri eine weit spätere Periode, die der persischen 
Herrschaft, fallt die Aufnahme der persischen Wörter. Es 
sind besonders solche, die sich auf von dorther entlehnte 
Gegenstände, auf persische Nationalämtef , Würden u. dgl. 
beziehen. Der im eigentlichen Persien damals herrschende 
Dialekt heifst Parsi ; aus ihm sind auch die im Hebräischen 
und in den gleichzeitigen griechischen und römischen Schrift- 
stellern erhaltenen Wörter entlehnt; indessen stimmen auch 
die älteren Dialekte Zcnd und PchL-i häufig bey, und in 
den meisten Fällen mufs die nicht allzuveränderte neupersi- 
sche Sprache den Mangel älterer Quellen ersetzen. 

Ueber die Sprache des titCH Perstans: Anquetil du Perron im 

Zend-Avesta, deutsch von Kicuker. Th. 2. S. 21/ ff., vorzüglich 

die Wörterbücher von Zend und Pehlvi Th. 3. S. 13- EL, vgl. 

Kleuktrt Anhang zu Zcnd-Avc.ua, B. 1. Th. 2. Ein rolUtlndige- 

nd- und Pehlyiwöiteibuch soll OuseUy mitgebracht haben. 



(J. 17. Aufnahme von Glossen ans fremden Sprachen. 61 

Um die Erklärung dieser Wörter haben sich in neuern 

o 

Zeiten Bochart, JJ. Pfeiffer, de Dien, Hottinger, Rehoid 74 ), 
in den neuesten Jahn und Lorsbach 15 } verdient gemacht. 
Noch immer aber ist Mehreres dunkel, und bleibt der 
Wunsch, dafs ein der persischen Sprache vorzüglich kundi- 
ger Gelehrter diese Glossen nochmals seiner Untersuchung 
unterwerfe. 

Man findet die Appellativa zusammen in Simonis. Arcanum 
Form. S. 659, die Nom. propria in dessen Onomast. V. T. 

C s * i,c£ 
S. 567. Beyspiele sind: n*mN Brief, vgl. 8rA>Oj etwas Ge- 

c • ^ 

schriebenes; rn» ota Gesetz, Pelhvi Dadha, Zend Daetie ; S^ölS 

\[ , ' . wurmroth d. i. karmesin; D">ErH3, Parsi pardo- 

mim die Vornehmen, vgl. pardom in Pehlvi der eTSte ; DJtnS pers. 
pedam, peigham Wort, Spruch, Edict; nn£, NPlüin Statthalter, 
11. s. w., welche letztere Worte noch nicht hinlänglich erklärt sind. 
Nomina proprio: NPtrt'nW^N Artaxerxcs d.i. im Zend: Arta 
Schetrao grofser König ; tt/T)2 Sonne; DIIDD von der Mithra 
gegeben u. s. w. 

Einige Wörter hat zwar das Hebräische mit dem Persischen 
gemein, aber sie können dessen ungeachtet semitischen Ursprungs 

seyn, z. B. M3, ti» Schatz, peis. (^IA=D, Pehlvi gan d). Strei- 
tig ist DH'ia. 

Im älteren Hebraismus sind persische Wörter zweifelhaft, z. B. 
pttJEi eine Art Zeug, arab. K-£*»*Kü, iW*^CJ Arnos 5, 12, 

vielleicht von *<_> Faden, und i3, 1 , .> Seide, vielleicht aber 
von piysn Damascus. 



74) Bocharti Phaleg 1 , 15; A. Pfeiffer! Dubia vexatu zu vielen 
Stellen, besond. der Bücher Daniel und Esther, überhaupt in 5. 
Opp. philol. L'ltraj. 1674« 4« de Dieu Critica sacra; Hottinger 
smegma Orient, p. 75 — ßo ; lleland de vetcri lingua pers. in Jen 
dissert. miscell. Vol. II. p. 97. 

75) Jahns Einleit. in d.is A. T. und Biblische Archäologie, an 
vielen Stellen. LorshaiK 's Archiv f. morgenlänciische Litera- 
tur. Th, 1, 2, und iu andern zerstreuten Abhandlungen. 



6z Abschn. 1. Gesch. d. hebr. Spr. bU zu ihrem Aussterben. 

5i .Schwieriger ist die Untersuchuno;, welcher Spracht 
die assyrisch- bubyluni >chen Götter- und Personen-, beson- 
ders Königsnamcn •' .\ebo, Xebueadneza?-} angehören, die 
schon in den Schriften vor dem Exil, und aufserdem bey 
den Profanschriflstellem vorkommen 76 ). Fast einstimmig 
erkennt man darin Ueberbleibsel der eigentlich assyrischen 
Sprache, und es fragt sich nur, welchem asiatischen Sprach- 
stamm diese angehöre. 

Mehrere ältere Sprachforscher, denen Adelung, Heeren, 
Eichhorn 7 "' ') wiederum gefolgt sind, halten sie für einen 
semitischen Dialekt, welcher sich an das Ostaramäische der 
Bahylonier angeschlossen habe. Man stützt sich hev die- 
ser Behauptung auf Jes. 56, 11, wo der Assyrer Rabsake 
aufgefordert wird, aramäisch zu reden; auf die Benennung: 
assyrische Schrift für: chaldäische Quadratschrift; endlich 
auf die öftere Verwechselung von Syrien und Assyrien bey 
den Klassikern, und hat in Folge dieser Annahme jene Na- 
men ans den semitischen Dialekten erklärt 78 ). Allein 
schon das völlig Fremdartige dieser Namen, und jene mifs- 
lungenen Erklärungsversuche können hinreichen, diese An- 
nahme zu verwerfen, um so mehr, da sich den übrigen 
Gründen leicht begegnen läfst. Dafs nämlich Rabsake auf- 
gefordert wird, aramäisch zu reden, beweist nicht, dafs die- 
ses seine Muttersprache war; denn auch der persische Hof 
bediente sich dieses Dialekts als Vehikel der Mittheilung an 
die Provinzen diesseit des Euphrat (Esra j, 7). Die Benen- 
nung: assyrische Schrift beweist nur für eine wahrscheinli- 



76) Man findet sie zusammen im Kanon des Ptolemäati v^l. 
Semler in den Erläuterungsschriften zur allgemeinen Weltlii- 
storie. T. III. S. 105 ff. 

77) Löscher de causis ling. hebr. S. 4 1 - Simonis Onomast. V. T. 
p. 567. Adelungs Mitlnidai. Tu. 1. S. 330. Heeren Com- 
meut. (s. §. 4, j) §. 15. L'uhhorns Gc»clucht« der neuern 
Spraclienkuiule. Th. 1. S. 4 l 7» 

78) S. Löscher, Simonis, Adelung a. a. O. 



§. 17. Aufnahme pon Glossen ans fremden Sprachen. 63 

che Identität der Schriftzüge. Die unkritische Verwechse- 
lung jener in den motgenländischen Sprachen gar nicht ähn- 
lichen Namen im Griechischen und Lateinischen (Syria, As~ 
syria) kann aber gar nicht in Betracht kommen. 

Noch unglücklicher und verwerflicher ist ein anderer 
auf /. D. Michaelis Veranlassung von /. R. Forster gemachte 
Versuch, diese Namen aus den slavischen Dialekten zu er- 
läutern 79 ). Ei geht von der ganz grundlosen Meinung aus, 
dafs die D*nii>S der Bibel die nordischen Chaldäer des Xeno- 
phon und Sirabo seyn , wobey der Zusammenhang zwischen 
der assyrischen und babylonischen Dynastie ganz übersehn 
ist 80 ). 

Als höchst wahrscheinlich kann dagegen angenommen 
werden, dafs diese Namen und überhaupt die assyrische 
Sprache dem medisch- persischen Stamme angehören 81 ). 
Aeufserst ansprechend und gefällig sind wenigstens die Deu- 
tungen, welche Lorsbach 82 '') nur aus der abgeleiteten Quel- 
le der neupersischen Sprache zu geben wufste, und aus der 
Geschichte und Erdbeschreibung, in welcher Assyrien und 
Medien stets eng verbunden sind, wird man schwerlich ge- 
gründete Einwendungen hernehmen können. 

Götternamen sind: iü, *>3*T2), "H^llö (}2)Of^0 homunculus ?\ 

Die Königsnaruen sind mit diesen meistens zusammengesetzt, als: 

ISiOnms:] ( /-*m J I vAl^ *A J Nepu deorum prineeps) , \Z1ui^5 
- - ■■ ;J ^ 1...- . 

(^vama^.*.-*..) Nebo's "Verehrer), Nebusaradan, Nabortassar, Na- 
bopolussar U. S. w. ; IMerodacli Jialadan, Evilmerodach , Mardo- 
cempadus ; *l2fV» wahrscli. r »*J \sQ Schatzmeister. Für d 



J 



79) Michaelis Spicileg. Geogr. Hebt; exterae. T. II. S. 102. 
ßo) Gegen Michaelis und Sehlözer, s. Adelungs Mithridat a. a. O. 

Mein hebr. Wörterb. u. d. W. DPI«». Vgl. liosenmiiller zu 

Habac. 1, 3. 

31) Jablonskii Opusc. ed. te Wflter, T. III. S. 12Q. 
82) a. a. Q. (not, 72) Th. 2. S. 247. 



ÖA Ah sehn. I. Gesch. d. hehr. Spr. bis zu ihrem Aussterben. 

persischen Charakter dieser Namen zeugt sehr evident die- Art der 
Zusammensetzung, nach welcher der Genitiv den eisten Theil de» 
Comvositi ausmacht, wie z.B. in Nebuschasban, Melzar. 

A. Da nach den Siegen Alexanders d. Gr. ein so bedeu- 
tender Verkehr zwischen Griechenland und Vorderasien ein- 
trat so ist hiebt zu verwundern, dafs bald auch einzelne 
griechische Wörter in die dortigen Landessprachen aufge- 
nommen wurden. Ohne Widerspruch ist dieses in den 
chaldäischen Abschnitten des Daniel geschehen, und es er- 
scheint hiernach als sehr möglich, dafs dasselbe in den 
gleichzeitigen hebräischen Schriften der Fall sey. Wirklich 
haben auch mehrere Ausleger theils griechische Glossen, 
theils Gräcisinen oder aus dem Griechischen entlehnte Wen- 
dungen und Bedeutungen darin entdecken wollen. Allein 
beydes hält keine genauere Prüfung aus. 

Für griechische Wörter im jüngeren Hebraismus halten viele 
Erklärer die schon oben für persisch erklarten: D^on*V2 =t£ot<- 
uoi , -rot(>ccTi[j.oi , und DiinS (pStyixot Wort, Sache. Allein man 
hat mit Recht erinnert, dafs beyde Wörter im Griechischen selbst 
nicht in den Bedeutungen gewöhnlich sind, welche im hebräi- 
schen Sprachgebrauche Statt finden 83 ). 

Gräcismen in nicht geringer Zahl, analog denen der Peschito im 
N. T. , wollte Zirkel (Untersuchungen über den Prediger. Würz- 
bur<* 179 2 - S. 46 — 56) im Kohelet nachweisen, und aus dersel- 
ben Quelle nimmt Bertholdt einige Erläuterungen zum Daniel, 
z. B. 11» 20. Den ersteren haben Eichhorn (Riblioth. der bibl. 
Literatur. B. 4. S. 904 ff.) und J.E.Chr. Schmidt (Salomo's Pre- 
diger. i7Q4« S« 2 83 "*•) im Allgemeinen genügend widerlegt, 
und auch bey dem letztern ist diese Annahme, genauer erwogen, 
nicht zulässig. Er übersetzt die Worte : niD^W Ylfl tolJ "Patf» 
der einen Beytreiber der Reichsabgaben aussenden wird, so dals 
•^-,-1 —^ tx/üi>) Tribut, Abgabe wäre, und von ir'13 regiert wurde. 



ß3) Drusius zu Esth. 1, 3, Simonis (im Lex.), Eichhorns EinUit. 
§.614, 2. Dagegen Jahns Einleit. in das A. T. Th. 2. S. <>27, 
mein Wb. 11. d. W. Am mindesten zulässig ist, was Bertholdt 
zu Dan. 1, 3 behauptet, dafs Pardumim in l'^rsi erst von dem 
griechischen irgoTtfJioi entlehnt sey. 



g. 17. Aufnahme von Glossen aus fremden Sprachen. 6j 

Allein uniJ bedarf keines Nomrnis recti, wohl aber "TOI?» , wel- 
ches die älteren Ausleger richtig mit 10 l^fl verbanden. D.iher: 
i?er £i'«<?ra [Tribut-") Beytreiher die Krone des Reiches durchzieht 
läfst, wo 'ü "n.1 = V. «6 ist. Vgl Zach. 9,3. So wol- 
len es auch die Aecente. Dafs in demselben Verse O^SNa ohne 
Beyhülfe des griechischen ofyjj klar sey, 'sieht man von selbst. 

Mit rnelirerem Grunde hat man zwey schon im ältesten 
Hebraismus vorkommenden Wörtern einen griechischen Ur- 

sprung zugeschrieben: "PS 1 ?, syr. |j-j.£iL^_i Äa^^af, und 
B^Vä, WlVa chald. Xnp ; .V»ä, *aXX«#, n«X"kt;i, nxWecxis , pel- 
tex* Beyde sollen früh von den Griechen zu den Phöniziera 
übergegangen seyn 84 ). Allein '^^S scheint wirklich viel- 
mehr aus dem polygamistischen Morgenlande zit den Grie- 
chen gekommen zu seyn (wogegen die von Michaelis benutz- 
te Nachricht des Herod. 1. ö- l2 - wenig Gewicht hat), 
auch sind die etymologischen Gründe nicht ganz über- 
Eeujiend. 

tyuSs hat zwar keine einleuchtende Etymologie; allein diefs 
ist bey vielen Quadrilüterii der Fall. Das griechische *äl\\et%, 
Tr<xkk^~ hat sie dagegen eben sowenig, und pellex ist nicht apeU 
licendo , sondern unmittelbar aus dem Griechischen. Bey VS 1 ? 
hat der griechische Ursprung mehr für sich, doch ist im Arabi 
sehen vA+J splenduit. 

ö- 10. 

Uebereinstimmung des Hebräischen mit den abendländischen 
Sprachen. 

Schon oben (§. 6, 2) ist bemerkt worden , wie die alte* 
ren Sprachforscher einen Hauptgrund für die Ursprün^lich- 
keit der hebräischen Sprache aus dem Urnstande hernahmen, 
dafs sich Spuren davon in den meisten bekannten Sprachen, 
namentlich den abendländischen, erhalten halten. Vieles 
davon beruht auf sehr gezwungenen und schiefen Combina- 
tionen. Was davon wahr oder sehr wahrscheinlich ist, 

84) Michaelis Supplem. ad Lex. hehr. U. d. W.W,, dessen Ei» 
leit. in das A. T. S. 166. 

E 



66 Abschn. I. Gesch. d. hehr. Spr, bis zu ihrem Aussterben. 

nebst dem Grunde der Uebereinstimmung wird man unter 
folgenden Rubriken übersehn. 

a 

i. Aus dem Hebräischen oder Phönizischen sind in das 
Griechische, und aus diesem in mehrere oder wenigere 
abendlandische Sprachen übergegangen : 

a. Eine bedeutende Anzahl von Pflanzen- oder Gewürz- 
namen und ähnlichen Produkten, welche mit der bezeichne- 
ten Sache von den Morgenländern zu den Griechen kamen, 
al» : DiSriN »y «.Wovor, 21TN v^o-u^cw, nSi2 ßdtXktov. v?3 ySvs-aw, 
(nSsn *«/«5>7?), D^an I/Sevcs-, niaSn ^«Xß«^, J1ß3 xvuwv, 
isb xvxgos, b913 carbasus, nibS yjruv (leinener) Rock, Un- 
terkleid, miS "KtßotvoTti, rot, C'S \v$ov, 113 vagjor, )» Manna, 
IC pvccu, iro i-arfof, nitrum (wiewohl die verwandte Form 
X/7pov auch eine griechische Etymologie gibt), n3£ canna, 
r\V*Xp casia, l"i»3p. xnyufttufiov (vgl. ausdrücklich Herod. 3, 
m), JttfattJ o-ovaov. 

b. Die-Buchstabennamen, s. unten. 

c. Die Namen einiger musikalischen Instrumente und 
Edelsteine, als: b22 vußXu, nablium , ii32 xiyvpx (*}h f tv,«.**- 
>ov?), nEVL)'', na\L^ Jaspis, V50 trurHptipet , liötü r/«j><f (?). 

c/. Einige andere sind: S»3 xupi{kos } 13 xk^ji, cadus, fi5 
x«vav (Opfei buchen) , ^nb^ xXwßor, xXovßos Käfich, OC $ 
(Kornwurm), S31C vugxßx^oc^ Saraballa , Oberhose; li--,- 
Kftjußwv (Handgeld), wahrscheinlich ein Ilandelsausdruck 
der Phönizier, *]1p xnxos Affe, 13 Weideplatz, Weideland, 
eben so x«f, x«j>a, xapvoi bey den Jonicrn, pc.* rotxxof (grobes, 
härnes Zeug, dah. Sack, Durchschlag), tSc^aX^, maltha 
Mörtel; r\3jz j)inna Mauerspit/.e u. s. w. 

e. Nur die "iiechischredenden Juden haben auch die 
Bezeichnungen Cur Maafs und Gewicht uufgenommeu, z. B. 
ff<x>.6f, xofof, r«™», auch /S«^>k = nV3 Burg. 

Andere Wörter lind ml im Mittelalter und aus d«m .Arabi- 
schen in die abend Kindischen Sprachen gekommen, z.B. ;:rv 



§. 1 8- Uebereinstimm. de« Hehr, mit den abendl. Sprach. 6"J 

c *&£ 

arab. y.AXj*»^ arm, daher mesquino, mesquin; /\ XAl^i^ 
/'./J2.S cotton, Kattun (vgl. ytr-^v"). 

2. Folgende Beyspiele von Uebereinstimmung tbeils 
mit mehrern, theils mit einzelnen abendländischen Sprachen 
gehören entweder zu den wenigen noch übrigen Spuren ei- 
nes dereinstigen näheren Zusammenhanges zwischen jetzt 
völlig getrennten Sprachstämmen, oder sind in einzelnen 
Fällen Spiele des Zufalls : 

YV*t ^jf^ Erde; \>*, o/vo?, n'nam, Wein; *ie*3, 3?B (auch 
im Syr. und Arab.), fxiayto, misceo, mischen, pers. /". AAdbl..C| 

amichten, pöbln« mieszam; rp*i riechen; yv\l) kz , sex, sechs; 

5 c/. 
V3ü; Septem, sieben; lity p *$ rave-o; ; *iö umarus u. s. w. 

3. Wenn die Identität dieser Glossen, besonders der 
unter No. i, nicht zu bezweifeln ist, so ist man dagegen 
viel zu weit gegangen, wenn man aus ähnlichen Wendun- 
gen und Phrasen in der griechischen Dichtersprache und 
der hebräischen auf einen wirklichen Zusammenhang zvvi- 
sehen denselben hat schliefsen wollen. Alle Sprachen, die 
auf einer ähnlichen Stufe der Kultur stehn, pflegen in ein- 
zelnen Puncten sich zu ähneln. 

Jo. A. Ernesti de vestigiis Ungnae hebraicae in lingua graeca 
(Opusc. philologica et critica. p. 17g) sagt sogar: „Neque vald« 
repu»naverim , si quis Homerum doctissimum horninem, et aliot, da 
tnore illorum temporum, pcre°rinatos per Asiam, ineidisse in libros 
Hebraicos, et inde hausisse , putet." Aehnlich Hezel in: Grie- 
chenlands älteste Geschichte und Sprache. Weifsenfeis 1795 3» 

Die Aehnlichkeiten des Griechischen und Hebräischen in Rück- 
sicht auf Spiachgebranch und Stiuctur zeigen: P. M. (Jgerii Zi« 
hellus de graecae et latinae Unguae cum hebraica aßinitate. Venet. 
1 7^3- 8« (Bo gani) Homerus cbraizatis. Ox.f"rd. i6$Q. Lake- 
mac her observatt. philol. P. III. p. 500. Bauer Hermeneuti.a 
sacra V.T. S. »38« Rink de linguarum Orientalium cum graeca- 
mira convenientia, Regiomonti, 4. 

E a 



6Q Abschn. 1. Gesch. d. hebt. Spr. bis zu ihrem Aussterben. 

Bej-spiele von griechischen Ausdrücken , die Ilebraismen ähn- 
lich sehn, findet mau (nur für einen andern Zweck) auch in P/o- 
cheiiii Diatr. de linguae graecae N. T. -puritate, z. B. yivwexut, lat. 
cos>wsco, als Euphemismus f. coeo, wie V*n ; wi«{ 'Ajja/cuv, 5ycr>ju)v 
-rai&t? f. Achäer, Unglückliche überhaupt, wie im Hebr. Söhne 
der Reichen, Armen f. Reiche, Arme; rt^nfxt setzen f. zu etwas 
machen , wie OW t rPUJ ', iöwv *;6wy ich habe gar wohl gesehn 

U. 8. W. 



6 9 



Zweyter Abschnitt, 

Geschichte der hebr. Sprache als einer ausgestorbenen, 

oder 

Geschichte der hebräischen Sprachkunde. 
Erste Periode. 

Traditionelle Sprachkunde bis zum Anfang der gramma- 
tischen Bearbeitung. 

ö- 19- 
Uebersicht. 

J_Jie hebräische Sprachkunde dieser Periode hat den eigen- 
thümlichen Charakter, dafs sie ohne grammatisches System 
und lexicographische Sammlungen, lediglich durch Tradi- 
tion der gelehrtern Juden fortgepflanzt wurde. Von diesen 
lernterj auch die wenigen Christen, welche einige Kenntnifs 
von dem Urtext des A. T. nahmen. Aus Mangel an gram- 
matischer Bearbeitung der Sprache fehlt es den Uebersetzern 
und Auslegern dieser Periode vorzüglich an grammatischer 
Gründlichkeit und Kritik, aber besonders die altem und die 
Palästinenser erhalten ein bedeutendes Gegengewicht durch 
den geringen Zeitraum, der zwischen ihnen und dem Aus- 
sterben der Sprache verflossen war, mithin durch das Un- 
mittelbare und Reinere ihrer Tradition 1 ). Die letzten Jahr- 
hunderte dieser Periode, das Qte und (pte , sind die dunkel- 
sten, in welchen eigentliches Sprachstudium des A. T. nicht 
allein ganz ruhete, sondern auch gewifs bedeutende Rück- 
schritte that. 



l) Clerici diss. de Hng. hehr. No. VII. Michaelis Orient. Biblioth. 
Tu. 5- S- 22 2. 



7<i Abschn. IL Gesch. d. hebr. Sprachhunde. Per. I. Tradit. 

ß. 20. 
Palästinensische und babylonische Juden. 

l. Beyde weiden am füglichsten mit einander verbun- 
den, weil sie bey geringer Verschiedenheit die gröfste 
Aehnlichkeit an Charakter und Gelehrsamkeit offenbaren. 
Wiewohl sie geistlos und ängstlich an den Buchstaben und 
ihren Ueberliefcrungen klebten, deren viele auch philolo- 
gisch-exegetischer Art waren, und wiewohl sie bald das 
Studium gesetzlicher Ueberlieferungen zum Nachtheil fies 
Bibelstudiums mit unverhältnifsmä'fsigem Fleifse und be- 
schränkter Einseitigkeit betrieben, so haben doch ihre Schu- 
len leicht auf die gewissenhafte Erhaltung und das richtige 
Verständnifs der althebräischen Urkunden am woLlthätig- 
sten eingewirkt z ). Besonders förderlich waren ihnen bey 
dem Studium derselben ihre verwandten Landessprachen, 
zuerst das Syrochaldäische, dann nach den Eroberungen der 
Chalifen das Arabische. Ein mehr oder minder mit Chaldais- 
men gemischtes Hebräisch ist ihre Gelehrtensprache , nir- 
gends mehr Sprache des Lebens 3 ). 

Jene jüdischen Schulen oder Akademieen (nltrilE *P3, 
J33*l •'»na, nla^ttrO blühten schon kurz vor und zu Christi Zeit 
in Jerusalem, wo sich die des Hillcl, welcher von Tlabylo- 
nien herübergewandert war, und des Schammai wechselsei- 
tig den Rang streitig machten *). Nach der Zerstörung der 
Hauptstadt bildeten sie sich von Neuem in Jabne (Jainuia), 



2) Ueber ihre abweichenden Gewohnheiten s. II ot tinger thes. 
-plülül. pag. 21. Salinas. de lingua hellenistica. p<lg« -30. 

5) Theodoret : ra aß^arixa ira/bi« o\j tv| 'Eßja/uwv tvnv IUMIV ti^if 
Mi X? > '/ jtsl,a ^P 0UV 5J » <*XXa tvj sxsiViuv , irxq QU i'ysvv>)5>j!TAv • um 
fAttq&Kta ytvofxEva, 5ibaev.6T«< rwv y£aft/4ftTwv rouj j^apaxT^pn;* 
/jiavB'iwii hs lux rtjv yQOtfAfiaTnv t>jv Dtiav •ypavp-.jv rv; sß^at&t ■y*- 
yoa/x[AlVi)v iQwvy. 

4) Geigßt Commrnt. de Hillel et Schammni , in Ugolini tlirs. anti- 
quit. heb). XXI* No. 16. Il'olf Ihblivth. hebr. 11. S. 0*4. 



Spracht;. $.20. Palästinensische und babylonische Juden. 71 

Ziphoria, Lydda, Cäsarea, vornehmlich aher zu Tiberias f ). 
Die Mitglieder der letzteren Schule waren in dem Rufe der 
reinsten Ueberlieferung, namentlich auch in Rücksicht auf 
die Aussprache 6 ). Ihre höchste Blüthe dauerte bis zum 
Jahr 250 vor Christi, wo die gröfste Zierde derselben, 
R. Juda der Heilige, starb, und zwey seiner vornehmsten 
Schüler Rab und Samuel, denen der Ruhm ihres Lehrers 
folgte, nach Babylonien übergingen. Von nun an blühten 
dort am Euphrat die Academieen von Sora, Pumpeditlia, 
Nahardea. Neben ihnen erhielten sich aber auch die palä- 
stinensischen in verdientem Rufe; nicht ohne wechselseitige 
Eifersucht. Von palästinensischen Juden lernte im 4 ten 
Jahrhundert Hieronymus, und Tiberias wird noch in der fol- 
genden Periode erwähnt 7 ). Indessen klagte man besonders 
das ßte un d ote Jahrhundert des vernachlässigten Sprach- 
und Bibelstudiums an, im loten gerieth auch Sora in Ba- 
bylonien in allmählich immer tiefern Verfall. 

Die Verfassung jener Schulen war den Zünften ähn- 
lich, mit Graden (D^sn socii d. i. Schüler und jüngere Rab- 
binen, D"031, o^jenn Lehrer), zu welchen man mit gewis- 
sen Feyerlichkeiten befördert wurde, Vorstehern oderRecto- 
ren (rfiMthri ''ttrWI 1 *arf<«f>;c«t) , Privilegien und Dotationen, 
die zum Theil durch Beyträge der ganzen Judenschaft zu- 
sammengebracht wurden 8 ). 



5) Buxtorfii Tiberias. Cap. V. 

6) R. Jona bey Elias L.evita de accent. Cap. II. 

7) Vorzüglich wichtig ist Epiphanius contra liaares. T. 2. p. 60. 
Zu Aben Esra's Zeit wird es genannt Schalschtlet Hakkabala. 
4 1 » «• 

8) Ursini antiquitates hehraicae scholastico- academicae. Heub- 
neri diss. de academiis Hebraeorum ; beyde in Ugulini thes. 
XXI, No. 12. 13. Alting historia academiarum judaicarum, 
Opp. T.V. S. 240. PVolf Bibl. Kehr, II, S. 919 ff. H ot- 
tin g er i hist. eccles. N. T. Saec. 1-X. Verschiedene Genera- 
tionen: Gannaei, Seburaei, Geonaei, 



72 Abschn. II. Gesch. d. hehr. Sprachlunde. Per. I. Tradit. 

Den gemeinsamen Bemühungen dieser Schriftgelehrten 
verdanken wir die Targums, den Talmud, die Masora und 
die Vocalsetzung des Textes, 

Ö. 21. 
T a r g ii in s , Talmud, M a s r a. 

i. Als die hebräische Sprache sich unter dem Volke 
gänzlich verloren hatte, mit der Einrichtung der Synagogen 
aber die Vorlesung de» A. T. Sitte geworden war, machten 
es sich die Schriftselebrten zunächst zum Geschäft, der Vor- 
lesung des Originals Uebersetzungen in der Landessprache 
folgen zu lassen, welche anfänglich aus dem Stegreife gege- 
ben, nachher aber schriftlich entworfen wurden 9 ). Dieses 
der Ursprung der Targums , oder der sogenannten chaldäi- 
schen Paraphrasen, welche in ihrer fragmentarischen Gestalt 
gewils über Chr. Geburt hinaufreichen, wenn gleich die 
Sammlung und Redaction derselben zum Theil viel später 
angesetzt werden mufs. Aus ihnen ersieht man die bey den 
Palästinensern und Babyloniern- reeipirte Erklärung des 
Grundtextes, welcher man in vieler Hinsicht das Lob treu 
bewahrter Tradition nicht streitig machen kann, und vorzüg- 
lich von ihnen gehen auch die Rabbinen des Mittelalters bey 
der Bestimmung ihrer Bedeutungen aus. Besonders die jiin- 
gern sind freylich auch sehr reich an geschmacklosen Gril- 
len. Der Preis unter ihnen gebührt dem Onkelos über den 
Pentateucli, der vielleicht noch vor Chr. Geb. gesammelt 
ist; Jonathan, ben Usiel über die Propheten kann dagegen 
erst im 2 teil bis "5ten Jahrhundert, Pseudojouathan über d< n 
Pentateucli erst im tften bis oten seine gegenwärtige Gestalt 
erhalten haben. Die letzteren beyden und \\.\i Tnrgum von 
Jerusalem sind palästinensischen Ursprungs, das Targnin 
des Onkelos dagegen wird allgemein für ein babylonische« 



oj VittingA d >ja vetere. S. 1015. Batholdt Eiuloit, 

in das A. und N. T. S. 671. 



Sprach künde. <3- 21. Targums, Talmud, Jlfasora. 73 

Product gehalten. Die Uebereinstimmung der Receptlon ist 
jedoch im Allgemeinen sehr grofs. 

Zu Christi Zeit waren diese Targums in Palästina gleich- 
sam als kirchliche Uebersetzungen reeipht. (Matth. 27, 46). 

Bey der persischen Ueb< rsetzung, die etwa im Qten Jahrhun- 
dert zu Tus in Pcrsien von Jacob ben Joseph mit ängstlicher 
Wurtlichkeit nus dem Grundtexte verfafst ist, liegt vorzüglich 
Onkeios zum Grunde, zum Beweis«, dafs die persischen Juden 
sich der Abstammung und Manier nach an die palästim nsischen 
und babylonischen ansclilossen. & Rosenmüllori do version» 
Pentateuchi persica Cüinmentutio. lipsiac 1Q1 5. 4. 

2. Eine zweyte Arbeit, velcher sich diese Gelehrten 
unterzogen, bestand in der Sammlung und Aufzeichnung der 
mündlichen pharisäischen Sitzungen in ein aus mehrern 
Theilen bestehendes Ganze, den Talmud. Der ältere Theil 
desselben, die MiscJma, u-ard um das Jahr 190 oder 220 n. 
Chr. zu Tiberias durch R. Juda den Heiligen redigirt lü ). 
Für unsern Zweck ist dieselbe vornehmlich von Seiten der 
Sprache wichtig, da viele ihrer Fragmente über Christi Ge- 
buit hi.iaufjiehn, und sie in einer noch ziemlich rein hebräi- 
sehen Sprache verfafst ist, in welcher ohne Zweifel mehre- 
res althebräische Sprachgut enthalten ist (§. 14, 5). Ihr Styl 
hat dabey etwas Concises , wodurch ihre Auslegung selbst 
dunkel wird. 

Den Wortvorrath derselben findet man (wiewohl nicht ganz 
vollständig, und nicht ganz befriedigend erläutert) in liuxtorfii 
Lex. cliald. et talmudi um: bey weitem reichhaltigere und gelehr- 

* J DD 

tere Erläuterungen liegen aber in der trefflichen Ausgabe von Su- 
renhusiuK, Amstelod. 1605 - 1702. 6 Voll. Fol. Bey Bestimmung 
der Bedeutung seltener Wörter und überhaupt zur Erläuterung 
des alten llebraismus ir-t sie ein noch keineswegs erschöpfte? 
Hülismittel ? *). Die neueste Probe davon liefern J. Th. Hart' 
mannt Supplementa in Oeseuii Lexicon hehr. JMischna petita. Ro« 
stochii i U 1 3. 16 S. 4. 



10) pVotfii Biblioth. hebr. P. IL p. 674. 

11) Vgl. Faber zu Harmars Beobachtungen. Th. 2. S. 17a u. öfter. 



74 Abschn. II. Gesch. d. hebr. Sprachkunde. Per. I. Tradit. 

Ein<* der schätzbarsten, auch in meinem Wörterbuche übersehe- 
nen, Bemerkungen dieser Schrift, dafs das biblische ni3U7N p s. 113, 
7. 1 Sam. 2, 6 nicht Singular, sondern ein Plural von nat^N sey, 
welches besonders T. IV- p- 155 der Mischna ed. Surenh. entschie- 
den für fimetum steht, hat schon Faber (zu Harmnrs Beobachtun- 
gen. Th. 1. S. 232) hergebracht, doch ohne sie zu benutzen. 

Minder wichtig i&t uns der zweyte spätere Theil des 
Talmud, die Gemara, welche Erläuterungen und Ergän- 
zungen der Mischna enthilt. Die erste Abtheilun^ dersel- 
ben, die Gemara von Jeru-.alem, soll um das Jahr 230 oder 
270 von Rabbi Jochanan zuTerusalem gesammelt seyn, nach 
andern beynahe ein Jahrhundert später ,2 ). Die Redaction 
der zwevten, der babylonischen Gemara, soll von R. Jose 
(See. VI. init.) herrühren 1 3 ). Die Sprache in beyden ist schon 
weit verderbter, und einzelne Zusätze scheinen in ein noch 
tieferes Zeitalter herabzugehn. In andern jüdischen Schrif- 
ten, welche um jene Zeit verfafst seyn mögen, z. B. Pirke 
Abot , Seder Olam u. s. w. ist der Styi bald mehr bald min- 
der rein und dem biblischen nachgebildet 14 ). Die Gemara 
hat wenigstens einige Spuren von grammatischer Bearbei- 
tung der hebräischen Sprache 1 *), und den Anfang der kri- 
tischen Bearbeitung des Textes, die wir vollständiger in der 
Masora besitzen. 

3. Auch diese ist das Werk der palästinensischen, vor- 
nehmlich aber der tiberiadischen Schriftgelehrten. Wie 
schon von den Talmudisten geschehen war, verglichen diese 
fortdauernd Handschriften der Bibel, urtheiltcn über Les- 
arten, merkten seltene Formen an, oder erlaubten sich Con- 
jeeturen über schwierige Worter, die mit ihren Begriffen 
von Sprachrichtigkeit nicht zu vereinigen waren; anderer 
spielenden Beschäftigungen nicht zu gedenken. 



12) Wolf a. a. O. S. 68 j. 

15) ebend. S. 6$6. 

l/f) Luscher S. 87- 

»5) ö. §. 28, 2. 



Sprachkunde. Q. 2i. Targums, Talmud, Masora. 75 

Die vorgezogene Lesart wurde, da sich schon ein Tex- 
tus receptus gebildet hatte, zwar nur an den Rand gesetzt, 
erhielt aber den Namen "»"ip lectum oder legendum , die Tex-» 
teslesart dagegen 3Ti2 .scriptum. Die einzelnen Bemerkun- 
gen dieser Art sind zum Theil älter, als der Talmud, allein 
zu einem Ganzen wurde sie eist im sechsten Jahrhunderte 
verbunden. Auch hier aber galt die Sammlung nicht für ge- 
schlossen, und noch immer kamen neue Bemerkungen hin- 
zu. Sie erhielt den Namen Jfasora (mira d. i. Ueberliefe- 
rung. oder vielleicht mbo correctorium), den jedoch die spa- 
teren Juden mehrfach mifsdeuteten. Die Verfasser dersel- 
ben heifsen Masoreihen (nvfcn "»Vtfa). 

Die sogenannte grofse Masora s. in Buxtorfs rabb. P.ibel am 
Rande und am Ende; die kleine, welche sich vorzüglich auf das 
Kri und Chethib beschrankt, an dem Rande fast aller BibtLus. 
gaben. 

Wichtig für die Sprachgeschichte ist vornehmlich das Ver- 
fahren der IMasorethen bey Auswahl und Beurtlieilung der 
Lesarten. Offenbar verfuhren sie dabey nach gewissen 
grammatischen Prinzipien, die sie sich, wenn sie gleich nir- 
gends zusammengestellt sevn mochten, abgezogen hatten, 
und hiernach conformirten sie den Text, und suchten seine 
Unregelmäfsigkeiten und vermeintlichen Fehler zu entfer- 
nen. Sie legen dadurch ein in derThat genaues Studium an 
den Tag, setzen aber alle Rücksicht auf Verschiedenheit der 
Schriftsteller, und manches Schwankende in der Orthogra- 
phie und Grammatik einer lebenden Sprache aus den Augen, 
auch war ihnen manche jetzt bekanntere Spracherscheinung 
nicht klar geworden. 

Beyspiele sind: Wo die Wörter >nn und it'J im Pentateuch 
als Fem. »lehn, wird NTl und mj>3 daffir substituirt ; eben so 
für die Pionomina 1— , n\. TtM du f. , -C , V3M (Jer. 42, 6) be- 
ständig die gewöhnlichen Formen V—, i, PN, 1, im;« 16 ); 



16) Hiller Arcanum Kethib et Kri. S. 47« 74* * 75« 



j6 Abschn. II. Gesch. d. hebr. Sprachkunde. Per. I. Tradit. 

wenn nS für \xS steht, wird dieses hergestellt, und umgeKehrt 1 7 ) ; 
ungewöhnliche Lesemüttcr werden getilgt , z.B. D^STn Ezech. 
s 7> *5> M"OV« 2 Chron. g, 16 ; statt ungewöhnlicher Genera wird 
das gewöhnliche gesetzt 2 Sam. 17, 12. 23, g. lEün. 19, 4. IIo- 
hesl. 4, 10 u. s.w. Besonders waren ihnen gewisse syntaktische 
Abweichungen fremd, z. B. wenn ein Land für die Bewohner, 
und duch mit dem Sing. Fem. steht Jer. 13, 20. 48' 20« 50, 11, 
wenn der Plural distributiv steht Prov. 3, 2g. 24, 17. Kohel. 4, 
g. Ezech. y, 5 u. a. m. Ueberall wird die leichtere gewöhnli- 
chere Form vorgezogen, z.B. D'^'"'' f. DÄF»* 1 Mos. 24, 55, N"0» 
f. "OJD 2i, 11, auch Gl ossen werden aufgenommen z.B. Prov. 20, 
20 nS"»S IVVX Zeit der Nacht f. nVb li'i^S* Augapfrl der Nacht. 
Als (Quelle dieser erleichternden und LOiris.irenJ.en Lesarten des 
Kri müssen theils schon emendirte Cudd., theils grammatische Con- 
jeeturen angesehn werden. Auf jeden Fall hielt man das Che- 
thib für felilerhafr, mochte man den Fehler (wie Abarhanel will) 
auf die Schriftsteller selbst, oder auf die Abschreiber schieben 18 ). 
Die Kii's anderer Art gehören nicht hieher. 

4. Eine Anzahl von Bemerkungen der Masora beziehen 
sich auf die Punctation , und zwar auf die volle Yocalset« 
zung der heutigen Ausgaben. Gehören diese auch gleich 
zu den jüngsten Beyträgen zu dieser Sammlung, so ist doch 
auch anders woher klar, dafs diese gegen das sechste Jahr- 
hundert Ichhaft betrieben, und im gten oder c;ten schon auf 
die heutige "Weise fixirt gewesen seyn müsse. (S. unten Gesch. 
der Schrift). 

ö- 22. 
Hellenisten, vorzüglich Alexandriner. 

1. Bey weitem unvollkommner erscheint die Sprach- 
kunde der griechischredenden Juden, von welchen die ägyp- 
tischen und alexandrinisohen einen vorzüglichen Theil aus- 
machten I9 ). Das wichtigste Document darüber liegt uns 



17"; Ebend. S. 61. 

ig) lue verschiedenen Vor«ielliingen über das Kri und Chetlüb 
s. in 11 ol f Bibl, hebr. 11 . C''")- Carpxov Critica smera S. 3 1 ~>. 

ig) Ueber die dortigen Schulen s. die N - .1 üi 11 ot- 

tin g, thes. philo!. S, 28. Vgl. RcmatuTs Geschichte der Aus- 
breitung des Judcnlhums. $. 10. 11. 



Sprachk. (J. 22. Hellenistan, vorzüglich Alexandriner. JJ 

in der alexandrinischenUebersetzung vor, welche von meh- 
rein Uebersetzern herrührend, unter PtolemäusLagi mindern 
Pentateuch begonnen, aber erst bedeutend spater vollendet 
und zu einem Ganzen geordnet wurde. Dafs bey ihrer Ab- 
fassung palästinensiscbe Juden zuRathe gezogen worden 20 ), 
oJer dafs man gar chaldaische Targums dabey benutzt 
habe 21 ), ist schon deswegen ganz unwahrscheinlich, weil 
sie wenig Spuren von der kritischen und exegetischen Ge- 
nauigkeit der Palästinenser enthält, und in ihren Worter- 
klärungen sehr wesentlich von der Reception derselben ab- 
weicht. Da die alexandrinischen Uebersetzer jedoch dem 
Leben der hebräischen Sprache, wenigstens als Schriftspra- 
che, noch gar nicht fern waren, so mufste bey ihnen viel Rich- 
tiges und Wahres aufbewahrt sevn, nur wird ihr Mangel 
an grammatischem Sinn, an Vorarbeiten aller Art u. dgl. oft 
nur zu sichtbar. 

Eine sehr brauchbare Uebersicht der Bedeutungen, welche die 
Alexandriner den hebräischen Wörtern an den verschiedenen Or- 
ten geben, s. in Trommii Concore!, paecis LXX. intpp. T. II. 
und in dem Lexico hebraeo ad Origenis Hexapla ed. IMontfau- 
con. T. II. p. 4 01 ff- J^i ß abweichenden Deutungen der an 
Sprachkenutnifs sehr verschiedenen UebexsetzeT der einzelnen Bü- 
cher S. in Hody de bibliorum Textibus criginalibus p. 204 ff. 
Die Vergleichung der erstem Lexica lehrt, dafs sie öfter seltene Wür- 
ter nach censtanter und fichtiger Tradition deuten, (s. unter Aleph, 
h^t*. 1K)N , ritt}"««?*«, nätTN), dao,e°cn bey bekanntern häufi» 
schwanken, (z.B. V2N , JÜÖ^N). Schwierige YYürter bleiben 
öfters ganz unübersetzt, z. B. b^N (als architektonischer Aus- 
druck) CClX. 

2. Eine bedeutende Anzahl von Wörtern übersetzen 
die Alexandriner so, dafs sie eine wenigstens jetzt nicht 



20) S. Bertholdt Einleit. in das A. und N.T. S. 526. Dagegen 
Houy de bibl. textibus origin. S. 1Q0. II olf a. a. O. II, 44 1, 

2i) Diese Vermuthune; haben einige Piabbinen (s. Schalschelet 
Hakkabala. Fol. 24, 6), unter den Neuern rjaiuikuche (in 
Eichhorns Bibl. Th. 8. S. 427). 



78 Ahschn.I], Gesch. d.hebr.S/.rachkunde. Per. I. Tradit. 

mehr als hebräisch vorkommende Bedeutung, die sich aber 
in den verwandten Dialekten findet, ausdrucken. Es sind 
hier zwey Fälle denkbar, die aber auch nebeneinander be- 
stehn können. Entweder waren den alexandrinischen Ju- 
den diese Bedeutungen anderswoher als hebräisch bekannt, 
oder sie besaisen einige Kenntnils der Dialekte, was beson- 
deis in Betreff des Aramäischen sehr nahe liegt. Sehr häu- 
fig sind solche Bedeutungen am unrechten Orte angebracht, 
welches aber um so beweisender ist 22 ). 

Beyspiele aramiiischer Bedeutungen sind : Ps. 60, 10 : "<2Sn*i *i*iD 
Afß*)? t>)$ sXti&o? ijlov (vgl. yn*l hoiTen) ; Jes. 53, 10: IJOT KaSa- 
qiaou avro'j (vgl. NDT=:nDJ rein seyn); Jes. 4, 2: P!OX ,"Pn tx<- 

Xa^a (vgl. l^^C* Glanz, Abglanz); 1 Mos. 1, 6 ff. X^pl en- 
qtw//.a, mehr nacli dem aram. Vp_"l compressit, als dem hebr. Vp*1 
expansit. 

Beyspiele arabischer Bedeutungen : Ilobesl. 4, 1 "jna^S IVSö 

tvtroj t>jj ff>)u)7n)ff£w; cov (vgl. .jo taub seyn, schweigen); Je«. 
7, 6 n3aCp3 f;uXXaX>)ffavTS5 avroi; (vgl. /vaAaJ erzählen) ; Arnos 
0, 13 D*23>> I^T Tf^Kaffsi ij aratpvXi} die Traube habt sich (vgl, 
^5pO reiten, s. Faber zu Harmars Beobachtungen Th. 1. S. 92); 

1I3& ygixfjifxaTivi (nach -i2.w- scripsit ) richtiger: Vorsteher 

kl/ 
.a.m/ vorstehn); 1 Mos. 23, 16 12» tjj^ 

inoS «fytfiov ooy.tfxov zp-wogots (vgl. /•££ examinavit nummos, 

allerdings passend!); 2 Kön. 11, 6'. Ps. 90, 10 u. s. w. 

3. Die bey weitem schwächste Seite ihrer Sprachkennt- 
nifs zeigt sich in Hinsicht auf Etymologie, Grammatik und 
Orthographie, wovon sie ebensowenig genaue Kenntnils 
besitzen, als sie auch nur Sinn dafür offenbaren. 



22) Ho 1 1 in n er 1 (lies, phllol. S. 566. Olear ius de JAy/ß N. 
T. ed. Schwarz (Coburg 17Ä») S. 503 ff. IWichailit Beurthei- 
lung der Mittel, die hebr. Sprache KU lernen. S. 1 »9 ff. 1 26 ff. 
*3}J U - 3 2 i« *« £> lubi'r detcriptio commentmrü in JLXX iiu 

idfs. Uiss. 1. II. Gott. t"H',i. (J 11 a l> diiiutieattO aniii/ua' 
tum liuseue vtruü.iuin. V. I. II. Tubingac i^i£, 



Spracht. (J. 22. Hellenisten, vorzüglich Alexandriner. 79 

Daher vielfältige Verwechselungen verwandter Verba, z. B. 
NV und HN1 Malach. 1, 13 23 ), überhaupt ähnlicher Wörter, 
z. B. "inSN^öD sv tvj ß(x<Ti\i«x txvrov (im^So^) 1 Chron. 4, 23; 
MW« «?X* 10 ? (ifl"»«) Jcs. 23, 17 ; ntt?>t ™p Ps. 58, 9 (vgl. jedoch 
Jer. 6, 2y im Cbethib); "l l , »ni.*T< Eiro<//avcv a* ("pn^S?*l, wo zugleich 
eine Verwechselung des "1 und *i Statt hat); ähnlicher Buchsta- 
ben z. B. Wii fft/xßoiXsuffa? (Vyi^) J es - 53» 1 9' <"12£VN svicr^ttrut 
(wie von VJi = 17J>) Ps. 52, ß; D^nSÜ /wayt/^o« (DTOü) Klagel. 
2, 20; -pn j».oA.tcj «utwv (cpiri) Hos. y, 1 ; t3tt?p to?ov (nwp) 
Ps. 60, 6; 2a\ü und BDtt; 1 Chron. 17, 6. £8> *• 2 San». 7, 7. 
Micha 4» *4> insbesondere der qiiiescirenden Buchstaben, z. B. 
PI^ÖN «Dfijffc/xsv (NJfEN oder N2££3) Zacli. 1 2, 5 ; der Gutturalen, 
als T2nS s<< SouAs/av (n^V 1 ?) Estli. 7, 4; nNI ßoffnt (njn) 1 Kon. 
12, 16; nnJJ <ru 2 Sani, ig, 15 u. s.w. 

Ganz falsch haben Cappell us (Crit. sacra ed. Vogel- Schar- 
fenberg lib. IV. cap. 4 sc {-) u « A. diese xind ähnliche Fälle auf 
Rechnung von Varianten gebracht. Richtiger Grabe diss. de 
LXX interpretibus cap. 1, Carpzoo Crit. sacra S. 516. 

4. Der geschickte Hermeneutiker wird aus solchen Be- 
obachtungen leicht ersehen, von welcher Seite vorzüglich 
Gewinn von dieser Uehersetzung zu hoffen, von welcher sie 
mit Mistrauen und besonderer Vorsicht zu gehrauchen sey. 

Eine sehr richtige Miuelstrafse zwischen den Ueberschätzungen 
dieser Version durch ls. I ofs , und eine ungerechte Zurückset- 
zung derselben durch Andere treffen R. Simon (Jiist. crit. du V. T. 
S. 237 ff.) und Cltricus de lingua hebraea no. 7, vorzüglich 
letzterer. 

Von der eigenthümlichen Aussprache der Vocale, die 
bey den Nomm. propriis der LXX zum Grunde liegt, 
s. unten. 

5. Von den griechischen Uebersetzern Aquila, Symma~ 
ehus , Thevdolion, welche See. 2 n. Chr. blühten, und nur 
in Fragmenten enthalten sind , verräth der erstere am mei- 



23_) D;diin gehört auch, dafs sie D^lö 1 Mos. 22, 6 und n*Tlö 
lS, ü durch -Jif>j/te? fibersetzen. Sie leiten es von nx*) oder 
n*T»=nN"! ab, und geben ihm den Sinn ueit^esehn, welchen 
Aqu. etymologischer durch noTa(f)«v>jj ausdrückt. 



&o Absclin. II. Gesch. d. hebr. Sprachhunde. Per. I. Tracht. 

sten etymologische Sprachkenntnifs , die er auch in seiner 
Uehersetzung ausdrückt. Seine ängstlich wörtliche Manier 
gehört weniger hieher. 

S. die Lexica von Tromm und Moni faucon , welche auf diese 
Fragmente zugleich Rücksicht nehmen, vg\. Dathe de Aqui- 
lae reliquiis iuterpretationis Hoseae, in dessen Opusculis ed. Rosen^ 
midier, no. 1. §.7. g. Auch er ist indessen nicht fiey von gro- 
ben Verwechselungen ähnlicher Wörter, z.B. Hos. 5, 1 iü^M 
irakocia (vjynyi), welches Dathe a. a. O. S. 51 fälschlich für ein© 
Variante halt. 

5. 23. 
J o s e p h u s und Philo. 

Nach der Verbreitung dieser griechischen Versionen 
wurde da» Studium des Originaltextes bey den griechischen 
Juden immer seltener, und verlor sich bey dem \ olkc ganz- 
lich. Las man auch in einigen Synagogen, wie zu Alexan- 
drien , neben den LXX den hebräischen Text vor 24 \ so 
verstand ihn doch das Volk so wenig, als das chiistl che 
jetzt die lateinische Messe. Selbst von der Mrschria scheint 
eine griechische Uehersetzung (ksurtfutTtf) exSstirt eü ha- 
ben 25 ). Wie unvollkommen die hebräische Sprachkunde 
selbst der gelehrtesten unter den griechischredcndcn Juden 
beschallen war, zeigt Joscphus, und noch mehr Philo. 

1. Der erste, ein gelehrter Pharisäer von pri. stei liebem 
Geschlechte aus Jerusalem, lebte in dem Zeiträume, in wel- 
chem in seinem Vaterlande nächst der. aramäischen Landes- 
sprache auch die griechische bedeutenden Eingang gewon- 
nen hatte 20 ), und neben den ai.iin lischeu TargUttM auch 
der Gebrauch der LXX gewöhnlich geworden war 27 . Er 



a,^) Simon hist. crit. liv. 2, cliap. lj. Ci-rpzovii Crit. sa» 

cra S. 522. 
ß/}) Juttinian. Novell. i.'|6. Vgl« l ÖSchef S. (jr). 
S.t>) Vgl. Paulus an oben (3. i< ) Ulgef. Oite. 
47) Eine gewisse Herabsetzung derselben brv den Jaden gehört 

ju eine spalcic Zeit der 1'oleiuik »wichen ihnen und den Chii* 



Sprachhinde. Q. 2 3- Joseplius und Philo. Qi 

legt die letztere daher bey seiner Archäologie verhältnifsmä- 
fsig am meisten zum Grunde, wiewohl er daneben allerdings 
auch den hebräischen Text befragt, und nach der bey ihm 
üblichen philologisch-exegetischen Tradition wiedersieht 28 ). 
Aufser seiner aramäischen Muttersprache wird man ihm auch 
einige althebräische 5prachkenntnifs nicht streitig machen 
können 29 ), indessen fehlt es ihm , wie den Alexandrinern, 
vornehmlich an etymologischer Kenntnifs, an Genauigkeit 
und Gründlichkeit, vorzüglich grammatischer Art. Auch 
sein patriotisch - apologetischer Hauptzweck mochte eine ge- 
wisse Oberflächlichkeit in dem alterthümlichen Theile sei- 
ner Werke hervorbringen. 

Die erwähnte schwache Seite seiner philologischen Kenntnifs 
zei^t sich namentlich in den ziemlich zahlreichen Deutungen he- 
bräischer Nomina propria, auch anderer gleichsam technischen 
Wörter in der Archäologie (vgh Hieron. Opp. ed. Martian. T. II. 
S. 170 ff. 

Da findet man 
ä) mehrere nur nach dem Griechischen ohne Kenntnifs derhebr. 
Orthographie ersonnene Etymologieen , z. B. I, 5 'AßgA. (San), 
*£v5o? (nach b^N, oder SäK) ; I, »9. §-8 ^ovßtjkog (hebr. fiäÜn. 

aber LXX. Pouß*jÄ, syr. VSOi) , hi" ort x«-' iktaw ivrvj tsu äiovi 



sten. Breitingeri Trolegg* zu den LXX. T. II. no. 5. Wolf 
bibl. hehr. T. IL S. 441. 
23) Die Beweise für beydes s. in Spittler de usu versionis alexan* 
drinae apudJosephum. Gott. ljjg. 4. Schar fenberg de Josephi 
et versionis alexandrinae consensu. Lips. 1 7$o. Vgl. Ernesti 
Opusc. philol. crit. ed. II. JLugd. Batavorum 1776. S. 365 ff. 
Michaelis or. Bibl. Th. 5. S. 221 ff. Th. 7. S. iQq. Benutzung 
gewisser (verloren gegangenen) Targums vermuthen aufserdem 
Pfannkuche a. a. O. und Bertholdt (Einleit. in das A. und N. T. 

§• 21 9> 
£p) Dieses thaten z. B. Salmasius, Capellus (crit. defens.") „in lin- 
quu hebraica plane inJans fuit* si modo quid onfpino hebraieb 
seivisse dicendus est." Dagegen 11 ol\; Bibl. hebr. T. I. S. 547. 
Jiody a. n. O*. S. 222. Michaelis a. a. ü. und Vorrede zu dorn 
Spicileg. Geogr. Hebr, externe. S. X. 



82 Absc/in. IL Gesch. d. hebr. Sprachhunde. Per. I. Tradlt. 

ytvcito, wobev er wahrscheinlich an hi*5 i"!N1 (angesebn von 
Gott) dachte 30 ); 

b) and< re wenigstens sehr ungenaue, auch wohl auf Mifsver- 
Btändjnisse beruhende , z. B I, i §. 4 : Aiy kaS (d. i. nbjn, chal« 
däischer Nan.e des Tigerstroms), ro /^sr« ertvsTjjrof o^v (eine 
Etymologie, die zum '1 heil auf das hebräische Sp^tn, gar nicht 
auf jenen Namen pafst); I, iß : c>)f if«{ (l'^c) r^r/vi^x ^ncii« 
ti^tr: behaaret); T, t q : Htviecpiv, hia ryv pevvqv, eine Ver« 
Wechselung mit •OlM-p Sohn des Schmerzes (i Mos. 55, »8)» 
V, 2. §. 2 i 5 w v i, xusiec (st. mein Herr); Ilf, |o: T>; Tsvrsiie« 
(rr'fl, >jv Eßf aic/ äcraf Sa (NrnifXJ) HSfAevfli, <r /) /u a i v t / (.') ö£ mr$ 
*f>rs zoctijv; 

c) wahrscheinlich ganz falsch« und aus dem Zusammenhang« 
geratheiie, als III, 12. §. 5 iwßykcc (S3i\ Jubeljahr) ikivStfi*; 
V, g. §. 4 c«yuy wvj loyup«?; V, 1. §. n -yaX-yaX O'c?^)" 
eXiuSjpioc (vielleicht nach einer Verwechselung mit SfO, wie die 
I.XX Rieht. i,ii n^3 durch kvroMd; ausdrückt, sonst n^Nfl) ; 
^aßouAwn, ^va^u^ftffjttevD$ , oppignorätus (Verwechselung mit 
pb2n?). Vgl. Carj'zovii Crit. Sacra S. 9>i. 

Michaelis (Orient, Biblioth. Th. 5. S. 221) meint zwar, dafs 
Josephüs, wie die LXX, als dem Alissterben der hebräischen 
Spruche näher, Bedeutung«) gekannt habe, die zwar nicht bib- 
lisch, aber doch alt und richtig, und umch die Auetoritat d i" 
verwandten Dialekte bestätigt wären; allein durch das einzige 
von ihm angeführte Beyspiel (s. Note 3;), ist dieses nicht wanr- 
scheinlich zu machen. Man hat auch den Josephüs zur Unter- 
stützung gewisser neuen Erklärungen aus den Dialekten ange- 
führt, die er offenbar nicht kennt. So z. F>. Ffil atr'ö 1 Mosi 
6. 1 1 77 eiileland , vgl. Archäol. 2, 7. §.6. (Jahrfs Arclu.l. 
Th. 1. B. 1. S. 103) Aber enthält denn so diese Stelle eine Erklä- 
rung von o ? 

Nichtbiblische Wöi ter, die er als hebräisch anführt, und die es 
ohne Zweifel auch waren, sind z.B. die Monatsnamen mpp£ov«lU| 
5= pumo (I, 4)'tind ffaßß«, viell. ißßa*=2H, DSM (IV, 4) vgl. 
Bemurä und Spanheim eu d. St. Aus seiner aramäischen Landes- 
sprache ist es aber genommen, wenn es III, 7. $. 3 heilst: 

X * S v tc A«vov yfxtie v.akcv/jtt*, was vomgjiischen ^JlA3, nicht 
m> genau von njr>2 ^ilt. 



50J Bernard zu d. St. veimnthet, dafs Josephüs sich Sm 3^m = 
hu oim gedacht habe. MuhaUu (Orient, ßibl. Th. y. c. itft\ 

* .c * 
denkt au \t\ rp^i f vgl. das arab. O* r sich erbarmen. 



Sprachluncle. Q. 23, Josephus und Philo. 83 

2. Tief unter Josephus steht in dieser Hinsicht sein ge- 
lehrter Zeitgenosse , der denkende Religionsphilosoph Philo 
von Alexandrien. IMan hat noch keine Stelle mit einiger 
Wahrscheinlichkeit angeführt, wo er aufser den Siebenzig 
auch den hebräischen Text benutzt hat 31 ). Aus den Deu- 
tungen aber, welche er den hebräischen Nominibus pro- 
priis theils hier und da in seinen Werken 32 ), theils in ei- 
nem eigenen zum Theil verloren gegangenen Onomasticoni 
Li'.wtix cßgxncuiv oiofxuru,v 33 ' giebt, erhellet, dafs er sich zwar 
einige Wort- und etymologische Kenntnifs zutrauet, nicht. 
minder aber, wie aufseist schlecht diese beschaffen sey, und 
zuweilen unter aller Kritik stehe 34 ). 

Neben einzelnen richtigen Deutungen (selbst da, wo Josephus" 
irrte, z.B. Hftautv, u/o? •/j/ugftw) finden sich hüclist gewaltsame, 
dem Zusammenhange widersprechende , z. B. Dni^N, irtxr^n 
Iv.Xekto? v)X 0V 'S C von a ^' * 1 - 3, 2ü); llyy, voiy/xoc 11. s.w.; andere 
ohne Kenntnifs der hebräischen Orthographie errathene, z. ß. 
"Xa^av (pn) epimrif (wie von n*l3 graben) ; selbst griechische 
Wörter mit liebräischen Etymologiecn und umgekehrt, z. B. 
Tldukog, $avutx7To<; (wie von iihü) i <f> 1 \ it tt c s , <tto/xx k«fx- 
iroibo; (wie VHlb s 3) '■> Mavts&wv, Orientalin (mpo); dagegen 



31) Was ttody (de hihliorum Textibus original, p. 223) anführt, 
beweist nichts weniger als dieses. Uebri^ens ist er weit ent* 
fernt, dem Philo eine grofse hebräische Sprachkenntnifs virulU 
ziren zu wollen, wofür er von Eichhorn (Einleit. in das A. T. 
Tli. 2. S. 2) zitirt wird. 

32) Eine Zusammenstellnn^ nach dem Alphabete s. in Hieron. 
Off. ed. IMartianay T. II. S. 95. 

55) Von dem griechischen Original sind nur noch Fragmenio 
vorhanden. Martianay a. a. O. S. 110 ff. Origmus und Hu* 
ronymus haben es nachmals vervollständigt und verbessert (a. ,1. 
O. S. 1 ff. u. S. ß" 7 ff-) jedoch nrit wenigem Fleifs. Aus diesem 
Werke sind übrigens auch die Deutungen hebräischer Wörter 
bey llesychius und Suidas geflossen* 

34) Vgl die Urtheile von Scaliger, Cupellut, Morinus u, Ä. bey 
llody a. a. O. Vgl. Euhhorns Emleu. in das A. T. Th. *. 
S. x. a, 

F 



tf 4 Abschn. IL Gesch. d. hehr. Sprachhunde. Per. I. Tradit. 

(Jjjktjwv Qlüfa). §<■* t&v tynciaSxt , andere abgerechnet, wo man 
den Brklärungsgruad durchaus nicht absieht, z.B. ai5iwn«i 

T«Ti<»Wff(J '*)• 

Ö- 24. 

Samaritaner. 
x. Ton der Kunde und Gestaltung des Althebräischen 
bey den Sainaritanern haben wir ein merkwürdiges Denk- 
mal an ihrem Peutateuch , bekanntlich der einzigen Schrift 
des A. T. , welche diese Separatisten anerkennen. Sie er- 
hielten ihn wahrscheinlich gleichzeitig mit der eigentlichen. 
Entstehung der SeCte, und der Errichtung ihres INational- 
cultus auf Garizim, nach einer Recension , welche von der 
gegenwärtigen abweichend, derjenigen sehr ähnlich war, 
welche bald darauf in Alexandrien ins Griechische übersetzt 
wurde , und sich im .Allgemeinen durch erleichternde Ver- 
besserungen schwieriger Lesarten bezeichnete 36 ). In die- 
sem Geiste fuhren sie fort, ihren Text zu behandeln. Sie 
vertauschten schwierige Wörter und Formen gegen die ge- 
wöhnlichen, nahmen Glossen in den Text auf, conformir- 
ten und vervollständigten ihn aus Parallelstellen, und er- 
laubten sich selbst gewaltsame Aenderungen zum Besten ih- 
res Nationalcultus 37 ). Hierzu kommt die merkwürdigere 
Eigentümlichkeit, dafs sie, fast unbewufst, das Althebräi- 
sche ihres Pentateuchs mit den Formen und Woltern ihrer 
aramaisirenden Landessprache versetzten; fast auf ähnliche 
Weise, wie sie auch in ihren übrigen hebräisch geschriebe- 
nen Briefen beständig solche Formen einfliefsen lassen 38 ), 



35) Vgl. auch Cterici Quaestiones Hieronymianae. S. 396. 

36) Es sey mir erlaubt, mich iu diesem Abschnitte ein für alle 
Mal auf eine gleichzeitig erscheinende Schrift: Jr Verität: uJ .> 
Samaritano, ejusque indole et auetoritate. llalae lfti .j. .j. /.u be- 
rufen. Ueber die oben ausgedrückte Meinung s. §. £. 3. 

37) S. a. a. O. § 9- i.f. 16. 

3'ö) EyUtolae Sichemitwum ad Job. LuJoljum al. C. Ceüariut, 
Cixae 1653. I- l'"(>'ii. iur bibl. und inorgeuUndische Lit*p 
ntor, lh. 13. ö. 877. 



Sprachhin de. (j. 2^. Samaritaner. 85 

und wie neuere Rabbinen das Althebrä'ische nur selten ohne 
Einflufs von Chaldaismen und Rabbinismen schreiben, nur 
mit dem Unterschiede, dafs die»e ihren Text davon rein er. 
halten haben. 

Die Verbesserungen vermeintlicher Fe'iler, die Glossen und 
erleichternden Conjucturen haben Aehnlichkcit mit den Lesarten 
des Kri, nur sind sie willkührliclier und ohne Vergleich häufiger. 
Sie schreiben meist pleno, wo der gew. Text defectiv ist; bcvm 
Pronomen vertauschen sie regelmäfsio; die seltenem Formen "Ons, 
Hin (m.), on, ?Nn, rj gegen die gewöhnlichen 13H3M, N\1, "150 1, 
~S>*"1, 1 ; im Verbo wird das Futurum apoc. gegen das gewöhn- 
liche vertauscht, z. B. Mö'l, fW?»'" für nn, MI*!; paragogi- 
«che Buchstaben werden gestrichen, z. ß. MO?M f. WO*?M 2 Mos. 
»5, 16 u. s. w. Meine Comment. §. q. Für |1'i'MT steht im- 
mer das etymologische p'i'*-N**i ; für *3 Qneia Mundj "»^a ; für 
^caa — D-»-^D (Sohn der Tage); ein neugebildet. s Wort ist 
mSbnn laudrs 5 Mos. 32, 10. 

Für die Anerkennung und Erläuterung der wirklich sa- 
maritanischen Formen ist bisher von den Kritikern und Aus- 
legern äufserst wenig geschehn, nur hier und da hat man dar- 
auf aufmerksam gemacht. Unsere mangelhafte Kenntnifs 
des Samaritanischen macht, dafs nicht alle Formen, die 
wahrscheinlich dahin gehören, im Samaritanischen nachge- 
wiesen werden können, indessen erkennt man diese wenig- 
stens sogleich als aramäisch an, wodurch es höchst wahr- 
scheinlich wird, dafs sie einst auch samaritanisch waren. 

Die Orthographie bezeichnet sich im Allgemeinen durch höchst 
nachlässigen Gebrauch der Gutturalen , auch der quieseireuden 
Buchstaben, z.B. t*m f. 131*1«; 3n3, SrO f. iH3, bn3 u. s w. 
11. s. w. Aufserdem werden öfter zwey zusammengehörige Wor- 
ter in eins verbunden, besonders UT'UI'l 5 Mo». 11, 29. 27, 
4. 12. 

Im Tronomen kommen als abweichend vor: *ON du f., 'Vii* 
ihr, und die Siifftxa "\H t T,*< für ?]— , "1—, HO einige Mal für O. 

Im l'erho ähnlich •OpnX für PpnX (z. B. 1 Mos. 13, iß), 
*j*tniWV fiir (n^ifftf (2 Mos. 1, iß). Im Futum und Imp. der r\h 
stellt gern 1 statt n , und wird nicht apocopirt , daher *<"jrU'rW*<1 

für , »nr»c*M. 

In den Formen der Nomina weichen manche durchgehends, 



{)ö Abschn. IJ. Gesch. d. hehr. Sprachkunde. Per. I. Tradit, 

anuere häufig ab, z.B. T^lp, S'np, Ü\"in für ttfltp , Slip, 
Dnin; VSN, JoSö für Ssn, nS». Andere Bey spiele samaritani- 
scher Formen sind rO.TO f. p2h3 1 Mos. 3, 22 und immer, eben- 
so "iö*n f. nc'n 11, 3j jrnN f. |1dn 49, 11 ; *lV f« iS » Mos. 17, 
iß; *nbtt> f. iSiy 2 Mos. 16, 15. 

Samaritanische Wörter oder Bedeutungen sind: ppT mustern 
1 Mos. 14, 14; in ob 34, 21; ]n wenn, ob 30,34« 5 Mos 4*82! 
JJDT beginnen, vornehmen 1 Mos. 11,7; *1QSJ Wein 5 Mos. 32, 
%£; nniiJ, wovon nntyo starr 1 Mos. 24, 21 u. s- w. 

Deutlich aramiüsche sind: riöV Tage 5 Mos. 32, 7; 2UJ3 bla- 
sen 2 Mos. 15, 10 ; *13V£? Schönheit 1 Mos. 40, 21; 2N1Ö "»DD 
Ebenen Moabs 4 Mos. 24, 17 (vgl. das chah!. NTtia). Nur im 
Arabischen findet sich dagegen D' , '"|2, ftj.r^* osse ^s 1 Mos. 49» J 4» 

Formen, die sich wenigstens jetzt Hiebt mehr nachweisen las- 
sen, sind: RfTp wahisclieinlich : versammeln 1 Mos- 40, 10; rfVJfl 
f. *<Sn Köcher u. s. w. Ausführlicher in meiner Comnuntutio 

%i 13. 

Nur ein Jo. Mor'mus, voll Eingenommenheit für die von ihm 
bekannt gemachte Abschrift, konnte hiernach wohl behaupten: 
„Samaritanorum fiebern liebraicae livguae idiotna sincerius iudaicii 
servasse" 39 ). 

2. Die Aussprache des unpunetirten Textes bey den heu- 
tigen Samaritanern ist reicher an Vocalen, als die in der ge- 
genwärtigen Punctation, und nähert sich dem Arabischen. 
Vielleicht ist diefs jedoch mehr dem Einflufs der dortigen 
arabischen Landessprache, als altem Herkommen zuzu- 
schreiben. Poslellus erwähnt einer hebräischen Grammatik 
jn arabischer Sprache mit samatitanischer Sein if t, die er von 
den Samaritanern erhalten, und mit nach Frankreich ge- 
bracht habe; es scheint indessen nichts weiter davon be- 
kannt geworden zu seyn 40 ). 

In dem Briefe an Lmlolf schreiben die Sichcmiten : *VJtO MM3M 



59) Fxercitatt. eccles, in uirumquc Sani. Tentateuihum, exenit. !\ , 

r. 10. 
40) Alphabet*!* dual, linguurum, vgl. Simon, hist. ait. du l . I . 

S. 8$. 



Sprachkunde. fj. 25. Syrer. Peschito. 87 

mus Barasch ith per Fatha, Uli autem ( Tuduei) Bereschit per, 
Chutli-ph. Für Diy sprechen sie S.hima* 1 ). 

5. Von eigener, selbstständiger Schriftforschung findet 
sich bey ihnen keine Spur. Im Gegeutheil mufsten die \ er- 
fasse!* beyder aus dem Sam. Text verfaisten Uebersetzunaen 
jüdische Vorarbeitungen benutzen; wie denn bev der ei- 
gentlich samaritanischen Uebersetzung das Targum des On- 
kelos, bey der arabischen des Abusaid die des Saadias zum 
Grunde liegt, wenn gleich beyde auch ihr Eigenthümliches 
haben. Zum Verständnifs der von ihnen ühersetzten l\e- 
cension thun beyde noch nicht genug benutzte Dienste, 
wenn sie gleich in einzelnen Fällen oifenbar auch ihre ei- 
genthümlichen Lesarten niifsverstehn. 

Z. B. 1 Mos. 4.9» x 4 2**1^ IIOD, nach der Sam. Uebersetzung 
D^'in asinus peregrihorum, statt: asinus osseus. 

S- 25. 
Syrer. Peschito. 
Von dem Sprach- und Bibelstudium der Syrer besitzen 
wir ein treuliches Zeugnifs an der aus dem Hebräischen ver- 
fertigten Version (Peschito), welche schon im 3ten Jahrh. all- 
gemeines kirchliches Ansehn bey den syrischen Christen 
hatte. Bekanntlich ist es noch problematisch, ob sie ein 
Werk der jüdischen Schulen in Syrien und Mesopota- 
mien 42 ) sey, oder von den ältesten syrischen Christen her- 
rühre, welche bis Ephräin ' gegen die Gewohnheit der übri- 
gen Christen der hebräischen Sprache kundig gewesen seyn 
sollen 43 ). Sollten sich aber nicht aus ihrem Charahter 
noch nähere Entscheidungsgründe ausfindig macheu lasse.i? 



41) Epist. sam. Siohemifarmn ad Job. Ludolfam. Cizae 1688- 4* 
S. 5. 12. 

42) Brucker hist. philos. 11, S. 486. Bartoloccii biblioth. rab' 
bin. T. III. p. 6r. 5 . 

45) Sie sollen das \. T. in hebräischer Sprach" vcnrg< 1 »«I 1 abeo, 
was eist durch Bphräm abbestellt wurde, ö. i o>uJic yruef. ad 
Joe/, aus Alta.riti. 



ftß Abschn. II. Gesch. d. hehr. Sprachkunde. Per. I. Tradit. 

Für eine Abfassung von jüdischer Hand ist Simon hitt. crit. p. 
272 , von christlicher fast alle übrigen Critiker. Eichhorn will 
die verschiedenen Bücher unterschieden wissen. 

Die Annäherung an die LXX kann von Benutzung derselben 
oder von Interpolation aus derselben herrühren. Wahrscheinliche! 
fast erstens. Ihr exegetisches Verdienst ist nicht gering, vgl. vor- 
züglich J. G. Carpzovii Critica Sacra S. 61 6 ff. Verwechselungen 
verwandter Verba sind seltener, als in den LXX, aber kommen 

doch vor, z. B. Gen. 3, 10 NVN1 A*V**0 et vidi; dagegen 42, 1 
•5N*inn timetis (wie INVnn), 49j 24 113^1 et dissipata sunt (wie 

0. BÖ, 
Christliche Schriftsteller. 

Den christlichen Schriftstellern dieser Periode ist he- 
b r ä'ische Sprachkenntnifs in der Regel ganz fremd. In der 
griechischen Kirche hielt man sich an die griechische, in der 
lateinischen später an die lateinischen Uebersetzungen, wel- 
che dem Grundtexte gewöhnlich gleichgeachtet, von einigen 
ihm selbst vorgezogen wurden* 4 ). Die meisten gestehn da- 
her ihre Unkunde offen 4 '), andere berufen sich zwar, be- 
sonders zum Behuf der Folemik mit den Juden, hier und da 
auf den Grundtext („hebraica veritas"), und setzen diesen 
den L.XX entgegen, aber sie bedienten sich hierbey mei- 
stens nur der wörtlicheren Uebersetzung des Aquila 4<s ); las- 

44) Z. B. von Epiphanias, vgl. Hody da hihliorum Textihus 
Qrig. S. 311, der überhaupt S. 277 ff. vollständige Sammlun- 
gen für den Gegenstand enthält, wiewohl er die Kenntnifs des 
Grundtextes bey den Vätern im Allgemeinen zu hoch an- 
schlägt. 

45) A u « u s t i n. Locut. sarrar. ad Ger?. ,",. 9: locutio est, quam 
■propterea llehraeam puto, quia et l'unirae lin°uue familiari<ü- 
ma est, in qua multa invenimus Hebraeis verbis consnnantia. 
Confess. ii, 3: si Imbrar.ä VOCJ ioqueretur , frustra pulsaret sen~ 
tum meum , nee inde meutern mram quidquam tangeret, Epist. 
131: .\eque enim <\ ] • a,d lin^uä , quam ignOrO cet, 
Uebcf Origenes s. Anm, 5t* 

/J6) Daher 6 'Eß^ioq. So Jmiin in dial. c, Tryphone. Eben 



Sprachkunde. Q. 2.6. Christliche Schriftsteller. 89 

sen sie sich auf Spracherläuterungen ein, so geht gerade dar- 
aus ihre Unkunde hervor 47 ). 

Hier und da pflegte sich wohl einer hey gelehrten Rab- 
hinen Raths zu erholen, was aher von andern wieder gemis- 
billigt wurde 48 ). Auch wird manchen von anderen Schrift- 
stellern eine Kunde der hebräischen Sprache zugeschrieben, 
die sie nach andern Anzeigen nicht besafsen 49 \ Charakte- 
ristisch ist, dafs selbst diejenigen, welche alsProselyten aus 
dem Judenthume einige Kenntnifs des Hebräischen besafsen 
und besitzen mufsten, wie Epiphanius 5 °), oder deren Mut- 



SO kennt Eusehius die Abweichungen der Chronologie (Gen. 
V. XI) bey den Samaritanern gewifs nur aus der griechisch- 
6amaritanischen Version. S. Hody S. 504. kk okenius de Sa- 
maritanis Eusebiunis. Viteb. 1731» 4* 

47) Justin d. Märtyrer (dial. c. Trypb. Opp. p. 277. eil. Sylb.) 
erklärt Si**!^ : I ff % a vj A. avS-ourroc, viv.wv Svva/xtv. ro yxo 1 c q * 
ttvSpaiirof teri , to hk II X owatnig. Ueber Theodoret s. Hosen- 
muller hist. interpretationis librorum sacrorum. Tli. 4« S. 39. 
Doch scheint diesem, bey manchen Irrthümern, die Grundspra- 
che nicht ganz fremd zu seyn, 

48) Zu seiner Rechtfertigung sagt Hieronymus {adi\ Rufinum 1, 
3) : Origenes et Clemens et Eusehius, atque alii complures, quem- 
do de Script uris aliqua disputant, et volunt approhare quod di- 
eunt , sie solent scribere : referebat jlühi Hebraeus ; et audivi ab 
Hebraeo , et, Htbraeorum ista sententia est. Harte Vorwürfe 
gegen diese Erkenntnifsquelle von Theodorus Mopsuest. s. bey 
Phot. cod. 177. Auch Origenes vermied Berufung auf das He- 
bräische in populären Schriften. Hieron. praef. ad Ouaest. hebr. 

40) Schon von den apostolischen Vätern behauptet Hiaron. (ibid.) : 
apostolici viri scripturis utuntur Hebraeis : was sieb aus ihren 
Schriften nicht bestätigt, und zu jener Selbstapologie gehurt. 
Ueber Lucianus Murtyr und Apollinarius s. Hody a. a. O. S. 
502. 318; über Origenes unten. Aufserdem werden Julius 
slfricanus (Hieran, de Script, eccles.) und Eusebius von Emesa 
(Cat. ad Gen. 4» 26) genannt. 

50) S. Hody a. a. O. S. 312.313. Seine hier und da vorkom- 
menden Etymologieen ( z. B. baeres. x/\. 16.) sind rich- 
tig. Eine Aufmerksamkeit verdienende Erklärung; von dS 2 



90 uibschn. IL Gesell, d. hebr. Sprachkunde. Per. I. Tradit. 

tersprache die verwandte syrische war, wie Theodoret** ) und 
JL'vhräm der Syrer, von ihrer hebräischen und syrischen 
Sprachkenntniis fast gar keinen Gebrauch bey ihren exegeti- 
schen Arbeiten machen, die sich der Sitte geuiäfs lediglich 
auf Erklärung der Versionen beschränken. 

5. 27. 

Origencs. Hieronymus. 

Von diesem allgemeinen Urtheil pflegt man gewöhnlich 
zwey Männer als Kenner und Erklärer des Grundtextes ausr 
zunehmen, Origcnes und Hieronymus , aber nur den letzte- 
ren mit vollem Recht. Von beyden hier etwas Näheres. 

1. Origenes widmete bey seiner vorzüglich zu polemi- 
schen Zwecken entworfenen Zusammenstellung der griechi- 
schen Bibelversionen in den Ilexaplis zwey Spalten dem he- 
bräischen Grundtexte (Ißouty.ov fJ*(£o$) , wovon die eine mit 
hebr j'ischen Charakteren, die andere in den griechischen um- 
geschrieben war. Auch bey seinen Erklärungen beruft er 
sich öfter, als andere christliche Ausleger, auf denselben, 
und auf die Erklärungen, welche ihm darüber befragte Ju- 
den, namentlich ein jüdischer Vorsteher (,,**Tpi«^»;«") Huil- 
lus, gegeben hatten f2 ). Dieses in seinem Zeitalter unge- 
wöhnliche Zuriickaehn auf das Hebräische erwarb ihm zwar 
bey seinen solche Kenntnifs anstaunenden Nachkommen ei- 
nen gewissen Ruf in diesem Fache 53 ); aber thcils seine ei» 

m 

Ps. 139, 16 6. haeres. XXX. §.31. vgl. JlluJia'Jlis Supplcm. 

S. 5'5- 
ßi) Eine ganz willkommene Anwendung des Syrischen auf das 
11 braisclie findet sich jedoch z. ß. zu Dur. ß, 13. 

62) Hit'ion. adv. Rufm. I, 3. Vgl. Body a. a. O. S. i85- 
53) Euteb.'K. Gesch. 6, i(i: TOf-xury ös H<>jyiT0 r«p Slfiysvtt twv 
Stiwv AcyjjJ awqnat&Wßtvy isCraffif, ü>; k.u t>jv t^aiSa yk»TTa* 

t/'x-> UV i ra; ts wa»a rzi; Isiö.iisk suifncufva< too/Totvitouc 
«ur«ic E3«fttwv öto.'/S'C;; yooi(f^m(, xtijuä i&ic ro< }?,<$m. Jli?- 
1 Kpl ', i /'.( .. ■••;. Ol 1 ein lota in Orig na iniriUur, in 

pnu.is nun duam uuwibui , sed dtebui, vfctfj'0 Hcbraaaa lin»uae 



Sprach künde. Q. 27. Origenes. Hieronymus. 91 

genen Aussagen 54 ), tlieils die Proben, die er davon ableg- 
te ' 5 ) , machen diesen Ruf sehr zweydeutig. Huetius und 
Clericus 55 ) haben ibin hiernacb jede Kenntnifs der hebräi- 
schen Sprache , selbst des Schrift -Charakters, absprechen 
wollen , und meinen , dafs er bey jener Umschreibung des 
hebräischen Textes in den griechischen Charakter, so wie 
bey den Etymologieen seines Ono/nastici sich sclavisch der 
Hülfe eines Juden bedient habe; vielleicht besals er aber 
wirklich eine ganz oberflächliche Kunde der Sprache , wie 
sie der Unterricht von einigen Wochen geben mag 57 ), be- 
diente sich dessen ungeachtet gewifs bey jener Umschrei- 
bung des Textes, auch sonst zuweilen, der unmittelbaren 
Hülfe eines Juden oder Judenchristen 58 ). Auf jeden Fall 
hat man in neuern Zeiten zuweilen sein Lob, als eines kri- 
tischen Schriftkenneis, viel zu sehr übertrieben 59 ). 



dijficultates. Idem in Catalog. Script, eccles. et quod tantum 
in Scripturls divinis habuerit studii, ut etiarn hebraeem linguam 
contra aetatis gentisque suaa naturam edisceret. Das Wort 
aetas in dieser Stelle ist beyru Suidas dahin gedeutet, als ob er 
erst im buhern Alter hebräisch erlernt habe. 

54) Homil. in Num. XIV. ahmt ergo, qui hebranas literas le- 
S.unt , in hoc loco, Deus rton sub signo tetraoramitiaii esse pesi- 
tum : de quo, qxii potest, requirat. Contru Cetsum I, 

Opp. T. 1. S. 552 ed. Ruaei : v) /ugv \iii$ v) ak/xcc xsitjk, 

»5 (paci, m«i ev rw &rjTtqo'JopnM^ ovrjjf iy_z\.cx' tav n -y^v^-ra« 
trat; (22, 25) n. r. k. Am a. O. steht aber nS"ir>3 mVJ, und 
nöSl? kommt im ganzen 5 R. M. nicht vor. 

55) Vorzüglich gehört dahin seine Erklärung der neutestamerit- 
lichen Namen als roitsetzung des pailonianischen Werks 
(§. 25, 2). Etvmolojieen, wie xoXsbvi«, avsv.svtaXv/fuEvvj 
(rplSi?), y.oXofftxsi; (fwvvj; ysvo/UEV>j; (*"\pV Olp ? ) 1 sind 
darin nicht selten. 

56) Iluetii Origeniana , lib. II. cap. 1. Clerici quaest. Hierony- 
mianae II, S. 2g-Jj3. Vgl. Löscher S. 77. 

67) Vgl. Anm. 53. 

58) Tychsens PIvpothese, dafs Orig. nur einen cod. hebraeo-graecus 
abgeschrieben habe, würde dieses freilich noch leichter erklaren. 

59) Erncrti opusc. philol, crit. p. 2yy. JVhsIiäUh Beurteilung 



92 Abachn. II. Gesch. d. hebr, SpracMunde. Per. I. Tradit % 

2. Weit über ihm und allen altern christlichen Gelehr- 
ten steht in dieser Rücksicht f ■' ieronymus 60 "). Inrlem er das 
schon als Jüngling nach Anleitung eines Judenchristen be- 
gonnene Studium der hebräischen Sprache lebenslang mit 
grofsem Eifer fortsetzte, hat er darin in der That geleistet, 
Was sich nur überhaupt bey jenem gänzlichen Mangel an 
Vorarbeiten leisten liefs. Zu Quellen der Worterklärungen 
dienten ihm die griechischen Versionen der Hcxa/Ja , mehr 
noch der mündliche Unterricht gelehrter Juden aus Tiberias 
und Lydda, die er zum Theil theuer erkaufte, namentlich 
eines Barabbas oder Barabbanus, der, um den Verfolgungen 
«einer Landsleute zu entgehn, sich des Nachts zu ihm stahl, 
und den er vorzugsweise seinen Lehrer nennt 61 ). Später 
erlernte er auch die chaldäische Sprache, Kenntnifs der ara- 
bischen und syrischen aber hat er nie besessen , wenn sich 
gleich eine Stelle seiner Schriften den Schein davon geben 
möchte 62 '). Er wurde hierdurch das Orakel der ganzen 
christlichen Welt, und weit und breit, selbst aus dem fern- 
sten Norden gelangten Anfragen an ihn 63 ), die er in sei- 
nen zahlreichen Briefen beantwortet. 

Seine in der lateinischen Uebcrsetzung ausgedrückten 
und in den Commentarien weiter ausgeführten Erklärungen, 
schliefsen sich hiernach eng an die Reception der Juden an, 
und haben Vieles aufbewahrt, was sonst verloren gesangen 



S. 152, Hezels Gesch. der hebr. Spr. S. 66. Da^e^en Rosen- 

muller hist. interpretationis librorum sauorum l\l , S. 21 II. 

61 IT. 
60) (Engelstoft) Hieronymus Crit'uus, exegeta etc. Hauniae 1797. 

g. Rosenmidlcr .1. a. O. 1 1 f, S. 329. 
.61) S. die Stelle seiner Schriften b. y HoJy a. a. O. S. 359 und 

Moritiut (ixrrcitatt. bibl, 111. Cap. 2. S. il). 

62) Vrarf. in Job. 

63) Opp- T. 2. S. 190. ed. JMartian. Unter seinen Anhängern, 
denen er Vorliebe fnr den Urtext und einige Keuatnifa dessel- 
ben, beygebTMUt hatte, waren auch einige gelehrte I'raueJiziin- 
111 er, Paula, Suiua, l'retelu. 



Sprachkunde. ß. 27. Origenes. Hieronymus. 95 

sevn wurde. SeineYerdienste um dieses Fach bleiben daher auf 
jeden Fall grofs , v\ enn gleich nicht selten Inconsequenzen, 
YViderspi iiche und ungenaue, voreilige Angaben in seinen 
Schriften gerügt werden können, welche eines Theils einer 
gewissen \ ergeishchkeit des gelehrten Polygraphen , ande- 
ren Iheilb seiner Condescendenz zu herrschenden, orthodo- 
xen iNieinungen und einer gewissen Ostentation, wovon et 
nicht iiey war, zugeschiieben werden müssen 64 ). 

AU Belege d*s obigen Tadels mögen dienen: Zu Zeph. 2, 14! 
im Urbraeo ponitur 2*in , qued seeundum Lectionis diversitatem vel 
siccitast Pel °ladius, vel corvus aeeipitur. (Verwechse- 
lung mit 2-\V). Zu Z pii. 5, ig übersetzt er "Oi3 durch nugae (!). 
Epist. ad Fabiouuti! verbutn iam suph ex mari et rubro compo' 
situm t-it, Suph emm et rubrum (?) et scirpus vocatur. Zu 
Jes. 2, ig wird bemerkt, dafs ttHW*W das hebräische Wort für 
IVleer, C aber eigentlich Syrisch sey. Manches rührt oilenbar 
von drillen seiner Lehrer her, z. B. die Bemeikung zu Galat. i f 
dafs nSiy (mit Vau) oeternitas', dS*I? die Zeit des Jobeljahres be- 
deute, «tie Erklärung d« s ^C"! Hab. 3,4 durch diabolus u. s. w* 

Von üer Vocalsetzun-* ues Hieron. s. unten die Gesch. d. Schrift. 



Zweyte Periode. 

Ursprung und Blüthe des grammatischen Studiums bey 
den Juden. 

Uebev sieht. 
1. Tm loten und 1 rten Jahrhundert eilten die jüdischen 
Schulen des Üiients mit schnellen Schritten ihrem Untergän- 
ge entgegen, welchen ihnen besonders die "\ erfolgungen 

64) Zu grofses Lob seiner Sprachgelehrsarnkeit s. in Mariianay 
Proltfgg. zu tlieron. Opp. 1. 11. Dagegen Cler'ui quaest. Hie 
ronyntiunae. IV-Vll, der ihn aber nach zu überspannten For- 
dtiungen beurtheilt, Vgl. Lii-u^u philol. Sacra p. 524 (ed. 
Buddei j. huber zu ilarmai-'s Beobachtungen. Th. 1. S. 39. 14g. 



94 uäbschn.II. Gesch. d.hebr. Sprachkunde. Per. II. Gramm. 

von Seiten der Christen und Muhammedaner bereiteten« 
Zeugen desselben waren R. Saadia, R. Hai, besonders Ren 
yf scher und Ren Naphtcdi, welche letztere im i iten Jahrhun- 
dert den Texius receplus in Palastina und Babylonien mit ein- 
ander verglichen. Jüdische Chroniken führen die Namen 
der babylonischen Lehrer bis zum Jahr iojo fort 1 *. Der 
Hauptsitz rabbinischer Gelehrsamkeit wurde nun auf beyna- 
he 4 Jahrhunderte Spanien, wo sich die Schulen von Gra- 
nada, Toledo, Barcellona u. s. vv. bildeten, daneben die Kü- 
ste von Africa , auch Frankreich, erst späterhin Deutsch- 
land. Nach dem Beyspiel der Araber, in deren Gebiet jet^t 
bey weitem die meisten Juden lebten, und deren Sprache 
sie als Muttersprache redeten, legten sie sich hier auf man- 
cherley Wissenschaften, namentlich auf Philosophie, Astro- 
logie, Arzneywissenschaft, u. dgl. 

2. Für unseren Zweck ist es am wichtigsten, dafs ih- 
nen die Araber auch mit ihrem Eifer für die Bearbeitung der 
Muttersprache vorangingen, und ihnen Lehrer eines me- 
thodischeren Studiums wurden , welches die vorige Periode 
nichtkannte. Vermischte grammatische Bemerkungen hegen 
zwar in der Masora (ö-2i, 3)> auch die Punctation des Tex- 
tes, die in jener Periode vollendet worden war, setzt gram- 
matische Begriffe voraus; allein in dem Zeiträume zwischen 
Vollendung der Punctation und Masora und der eisten syste- 
matischen Grammatik waren unstreitig durch allgemeine 
liaibarey und übermäfsige Verehrung des Talmud viele 
Rückschritte geschehn, und die späteren Grammatiker reden 
nicht mit Unrecht von einer formlichen Wiederherstellung 
desselben im loten Jahihuiulert z ). Die Spuren von gram- 



i) Zemach David, ad anntun ']~0~' Schalschelet HukLabbala. 
Ful. 59. 

2) Ktmchi praef. od MiJttcl. Lüschcr Ö. ".;. Hot tinger Smeg- 
ma Orient. . S. Ol« Wenn Js. I ofs uml li. Simo ' Sefrx 

iiruMvn, if I 1 sie il.:i lim 1 neu ; sliel en l ntergang, der seinem 
Tradition folgern t so bftbsn &ic d.'.s Beyspiel eines SamiÄ* (.'«» 



Studium. Q. 29. Grammatiker <. $$ 

inatischen und lexicographischen Zusammenstellungen aus 
jener Feriode sind theils ungewifs, theils unbedeutend. , Von 
den Christen kann hier fast nur negativ die Rede seyn. 

Die babylonische Gemara erwähnt die Namen einiger Pinbbi- 
nen, welche über einzelne Partikeln geschrieben haben sollen (i^ö- 
scher S. 91). Nach IWoses Kaehmanides (Lomment. super Jezira» 
Iol. 61) soll ferner Rabbi Asse im 4ten Jahrhundert ein Buch ds 
arcanis punetationis verfafsc haben. Eine, jedoch sehr vage Nach- 
richt von einem Lexicographen J. Juda um das J. 400 s. in Bar' 
toloccii bibl. robb. P. III. S. 71, Vgl. aber J-J o'f bist. Lex. habr. 
S. 29. 

Bey den Arabern finden sich grammatische Schriftsteller schon 
kurz nach MuliammeJ. Zuerst wird genannt slbul-eswed HLuli; 
der berühmteste scheint Saibujah (st. 79^) i Vf. des ersten Lexici 
ist Alzobaidi (st. 941). Den Pieidithnm Üet Araber an »ramraa. 
tischen Schriften ersieht man z. B. ans Casui bibl. Escurial. T. 1. 
S- l -53- Für die Juden war es wohlthatig , Grammatiker eines 
30 verwandten Dialekts als Muster vor sich zu haben. Den er- 
sten Aiabern, die nur die Griechen zu Vorgängern hatten, war es 
nicht so gut geworden, daher sie auch fremdartige Bestimmui _ n 
£z. B. die Declination der Nomina durch Einiformen) in die Spra- 
che brachten. 

Um die Verdienste der Juden als ein Ganzes zu übersehn , ist 
Elias Levita aus See. XV mit hieher gezogen worden ; der noch 
etwas frühere Reuchlin u. a. Restauratoren der hebräischen Lite- 
ratur unter den Christen sind dagegen aus demselben Grunde erst 
bey der folgenden Periode abgehandelt worden, 

Grammatiker 3 ). 
1. Als den ersten, welcher grammatische Gegenstände 
mit einiger Vollständigkeit zusammenstellte, nennt man //. 



loten J.ihrh.) und die Ucbereinstimmung der rabbinischen Aus- 
legungen im Mittelalter mit denen der tibeiiadischen Juden bey 
Ilieronymus gegen sich. 
3) Ueber die älteren s, die Vorreden des Aben-Esra, Kimcbi und 
Ephodüus zu ihren gramm. Werken. Ein ei-enes Verzeichnifs 
von 55 älteren Grammatikern, nach einem hebr. Mamisc. s. in 
Simon bist. crit. du V. T. S. igg. Woij. Bibl. hebr. II , S. 
595. David Kimdü ist hier der üiste. Ein anderes vollstän- 



o(S Abschn.II. Gesch. d. hehr, Sprachkunde. Per. II. Gramm. 

Saadia Gaott , den berühmten Verfasser einer arabischen Bi- 
belübersetzung ((). 30, 4). Er und der fast ein Jahrhundert 
spätere R. JudaCiäug, den die Juden gewöhnlich den ersten 
ihrer Grammatiker (o-'plp"^:! tt»o) nennen, unifdiste die 
Gegenstände eines grammatischen Systems in meinem ara- 
bisch verfafsten Schriften, aber noch ohne Einheit, Voll- 
ständigkeit und Methode. In allen diesen Rücksichten 
übertraf sie R. Jona ben Gannach, Welcher ganz nach dem 
Muster der Araber, deren Eifer für die Muttersprache er 
seinen Landsleuten empfiehlt , zuerst System und Methode 
eingeführt zu haben scheint, und an welchen sich nachmal» 
vornehmlich die Gebrüder Kimchi anschlössen. Jarchl und 
Abbti Esra sind berühmter als Commentatoren , denn als 
Grammatiker, 

B. Saadia Gaon aus Phitom in Aegypten , Vorsteher der Aca- 
demie zu Sora (geh. 892. gest. 942) schrieb 1) über collectionis, 
fi) /. linguae Sanct., 3) liber elcgantiae, die mir noch aus den An- 
führungen der Rabbinen bekannt sind. Sie scheinen indessen 
nicht tiey von kabbalistischen Subtilitäten. fl elf LibL hebr. I, 

S. 933^ IV, 936. . 

iL Juda Cliiug (eig. Bar David Passi) Arzt aus Fes (um das J. 
10A0). Seine Schriften de literis quiescentibus, "eminatis, de pun- 
etatione u. s. w. liegen noch im Ms. zu Paris und Oxford. Mose 
Gekatilia (um 1148) übersetzte sie aus dem Arabischen in das 
Hebräische. Auszüge und Anführungen daraus S. in Simon bist, 
erit. I, cap. 31, Morini Exercitatt. bibl. p. 45 * ""•» v gl Opusc. 
hebr. Sam. p. 10. /? olf I, ,' f 25- UIj 307. 

Ü. Jona ben Gannach (auch sJbu-ualid Martin), Arzt zu Cor- 
dova (um 1121)« Seine Grammatik (ncpl.T 15D opus ph/ygio* 
nicum) wurde von 4 verschiedenen Rabbinen ins Hebräische über- 
setzt, am bekanntesten von Aben Tibbnn (See. .XIII) einem arhr 
thatigen Uebersct/er aus dem Arabischen. Sie ist schon nach den 
3 Redetheilen geordnet. Mss- davon liegen zu Rom , Paris und 
Oxford, z. ß. No. 5377 der P.oJleyisclien Mss. Proben und Aus- 
züge bey Simon a. a. O. Morin&S S. 5 2 7« Vgl. Pococke piatf. 
ad portam Mosis p. £< // olj I, S. 47*}. III, 371. IV, 8 le- 



digeres von U olf in dessen hibl. Leb;. T. II. S. 59-. T. IV- 
S. 271. Vgl. Morini Exercitatt. fahL S. 10O il. 4~<i iL 



5 

v Studium. (J. 29. Grammatiker. 97 

\^ 

^ > Jarchfs (§. 30, 2) Grammatik: lingua eruditorum ist ebenfalls 

eingedruckt. Die von Äben Esra (§.30, 2): State/ a liäguao San- 
\.~^tae erschien dagegen Veiiet. i5-f6. Q. Auch seine Cormnen tauen 
Enthalten viel nützliches für Grammatik 

V ii. Joseph Kimchi (Vater zweyer berühmten Söhne, lebte zu 
■Jarbonne um 1160): liber memoriae , ist nur noch im Ms. auf 
*^er Oppenheimerschen Bibliothek in Hamburg. 

R. Mose Kimchi, dessen älterer Sohn (um lipo). Seine 
Grammatik, die sich den neuern schon weit mehr nähert, ist öf- 
^er gedruckt, am besten unter dem Tite! oboiircptx, mit den Erläu- 
terungen von Elias Levita , und Noten von VEmpereur. Leiden 
.1631. Auch von Minister 1531. 1536. Vgl. Wolf I, 5. 892. 
U, 810. 

2. Alle jene Vorgänger verdrängte aber am Ende öVs 

Cvölften Jahrhunderts David Kimchi, indem er ihr Gutes zu 

ereinigen, und es ihnen an Vollständigkeit und lichtvoller 

)rdnung zuvorzutliun wufste. Als Grammatiker und Lexi- 

ograph erlangte er bey den Juden ein beynahe klassisches 

knsehn, und es ward sprichwörtlich: min p« nop p,y. 

Vuch bey den ältesten christlichen Grammatiken liegt er 

jielir oder weniger zum Grunde. Mehrere Jahrhunderte 

lang hatte er keinen bedeutenden Nachfolger , erst später 

fand er einen fast erklärten Bestreiter an Ephodaeus. Der 

Preis von allen jüdischen Grammatikern gebührt aber wohl 

dem Elias Levita , einem Deutschen, welcher mit vorur- 

theilsfreyem Geiste Scharfblick und Gelehrsamkeit verband. 

Er lehrte zuerst unter den Juden die Neuheit der Vocalzei- 

chen, wurde aber für solche Neuerungen und den Umgang 

mit Christen auch von seinen Eandsleuten verketzert. 

R. David Kimchi (pT"0 um HQO Sein grammatisches Werk 

Voö umfafst Grammatik und Wörterbuch (D^"^)» wiewohl 

: ■ tt \ 

man gewöhnlich nur die erstere so nennt. Sie erschienen zusam- 
men Constp. 1513.31. Venet. 1529. 45.46. Wolf I, 2yg. III, 
lß9- IV, 8°5« Köcheri nova bibl. hebr. I, 40. 

Ephodaeus (eig. R. Isaac ben Mote , auch |NTn Ü3**lS d. i. 
■perprtuo durans, letzteres wahrsch. als Proselyt) fuhrt gewohnl. je- 
nen Namen von seinem Werke: *ll£)M nit'l'O 1 welches noch im» 
gedruckt, aber von Morinus und ßuxtorj häufig benutzt worden 

G 



98 Abschn. IL Gesch. d. hehr. Sprachhunde. Per. II. Gramm. 

ist. Man warf ihm Neucrungssucht vor. Löscher S. »05. 
Wolf I, S. 994. 

Abraham de Bulmes , ein neapol. Arzt, schrieb peculium Abra- 
hami, Venet. 1523. 4, mit einer lat. Uebers., die von ihm selbst 
herrühren soll, aber dunkel ist. Wolf III, 45. 

Elias JLciita (geb. 1469 im Baireuthischen , lehrte zu Rom, 
Venedig und Pauua, war -der Lehrer von Fa^ius, Münster u. A. 
st. 154g). Aufser Commentarien über Mose Kimchi gehört hie- 
lier : sein V.rOn ISO, eine vollständ. Gramm., mit Münsters Ver- 
sion, Basel 1525. g.; ini^X "»p*l£) eepita Eliae, genauere gramm. 
Abhandlungen; rä2>*lhn ISO Über compositienis , ein erklärendes 
Verzeichniis der anomalischen Formen, alphabetisch geordnet und 
herausgegeben r. Münster 1536« 8-J Masoreth Hammasoreth, 
übers, von Semler 1772, in deren 31er Vorrede er die Neuheit 
der Vocal/.eichen behauptet. (Vgl. Sei. Münster §. 33). S. H'olf 
I, S. 153. III, S. 97. Köcher i novo. bibl. htbr, I, iß. Simon 
Jiist. crit. S. 199. 

3. Da die ersten hebräischen Grammatiker sich ganz 
nach dem Muster der arabischen bildeten , ist es kein Wun- 
der, dafs sich auch der Zuschnitt und die Methode derselben, 
selbst in willkührlichen Dingen, eng an jene anschliefsen. 
Daher die Eintheilung in Nomen, Verbum und Partikel, die 
meisten grammatischen Kunstausdrücke, die vocts memoria- 
/es, wie ln^N, nS0*T33 u. s. w. Manches, was man als min- 
der passend erkannte, wurde auch bald wieder abgeschafft. 
So hat schon Moses Kimchi statt Vl>3 das Paradigma ips; 
auch schickte man aus guten Gründen die Lehre vom Verbo 
der vom Nomen voran, was erst Neuere mit Unrecht wie- 
der aboestellt haben. Eben so scheinen schon die ältesten 

o 

Grammatiker die Conjugationen auf die heutige Weise, mit. 
hin verschieden von den Arabern, zu ordnen. 

Allerdings hat die grammatische Behandlung der hebräi- 
schen Sprache nachmals durch klassisch -gebildete und mit 
oelehrter Kcnntni/s der Dialekte ausgerüstete christliche Gc- 
lehrte gewonnen ; allein gar nicht selten hat man auch nicht 
zum Vortheil des Studiums die früheren Bestimmungen mit 
andern vertauscht, die dem Charakter der hebräischen Spra. 
die weit minder angemessen sind. Auf jeden Fall wird der 



Slud. {J.30. Lexicographen } Commeniatoren,Uebersetzer. 99 

gelehrte Grammatiker und Exeget die Lesung eines Kimcfii 
und Elias Levita , die ihm schon zur vollständigen Umsicht 
nothwcndig ist, in mehreren Rücksichten, als der blofs hi- 
storischen, unterrichtend finden. 

Uebev ihre von den Arabern entlehnte Methode s. Hoaing. 
Smegma Orient. S.- 110. 

Grammatische Ausdrücke, die den arabischen nachgebildet 

* * . , r 

sind: Suis , \*-* Verb um , ^22, *V-0 Conjugation , 121CH, 
5 «>.-' -> . 5 - c 3 

*XX»A*-/ I der Anredende, d.i. erste Person, inci, &Q^ ^ er 

Verborgene, d. i. dritte Person, liplD, pO^ta.* (Quelle) Infini- 
tiv u. s. w. Andere Ausdrücke sind aber älter und kommen 
schon in der Masura häufig vor. 

6- 3o. 

Lexicograpben , Commentatoren, Uebersetzer. 

1. Die zuvorgenannten ersten Grammatiker legten auch 
den Grund zur Lexicographie. Diese bestand Anfangs nur 
in Zusammenstellung auserlesener schwerer Wörter, mit 
beygesetzter arabischer Bedeutung. Die ersten Zusammen- 
stellungen aller Stammwörter kennt man von Menahem ben 
Sarug , und Salorno Parchon. Auf ihre Schultern trat vor- 
züglich David Kimchi , ■welcher auch als Lexicograph eben 
so sehr den Ruhm seiner Vorgänger verdunkelte, als ihn 
keiner seiner Nachfolger zu verdrängen vermochte 4 ). 

Erklärungen einzelner schwierigen Wörter von Saadia und 
Juda Chiug hegen im Ms. zu Oxlord (cod. Huntington S. 73, 
394). 

R. Jona (29, 1) erklärt in seinem mit der Grammatik verbun* 
denen 0*tth\ü "\ZD vorzüglich Namen aus der Naturgeschichte, 
Ton Maafs und Gewicht u. dgl. nach der Meinung älterer Lehrer 
(namentlich der Geonaeer). 

R. Juda ben Karis>.h in Fes sab vorzüglich Erläuterungen auf? 
dem Arabischen, deren mehrere recht glücklich sind, ff elf bibl. 



4) Wolf hist. lexicorum hebraicorum. Viteb. 1707. 8- Biblioth. 
hebr. 11, S. 546. IV» S. 231. 

6 a 



»oo Abschn.II. Gesch. d.hebr. Sprachkunde. Per. II. Gramm.» 

hehr. III, 311. Auszüge aus einem Oxforder Ms. von Schnurrer 
s. in Eichhorns Biblioth. der bibl. Literatur. B. 3. S. 951 ff. 

JWenahem ben Saruk lebte See. XI. Anf. in Spanien. Sein Wör- 
terb. ni^anE findet sich im Ms. zu Wien, Rom, Berlin. S. M^olf 
I, 771. III» 6921 woselbst auch eine Probe. 

R: Salomo Parchon schrieb ein Wörterbuch, unter dem Titel 
des vorigen, wovon unter andern Je Rossi ein Ms. besitzt, aus 
welchem er in seinen Fmrüs lectionibus hier und da Auszüge ge- 
geben hat. Wolf I, S. 1057. 

R. David Kimclii (§. £9, 2). Sein Dittnty ISO erschien zuerst 
zu Neapel 1490, auch Venet. 1522 ; dann öfter mit der Gramma- 
tik zusammen. Das Verzeichnifs der aufser den Targumisten und 
Talmudisten von ihm benutzten älteren Ausleger s. vor Pugnini 
thes. Vgl Wolf hist. Lex. hehr. S. 35 ff. 

R. Joseph Caspi : Catenae argenteae , noch ungedruckt. Er 
suchte Grundbedeutungen zu bestimmen, aber nicht immer mit 
Glück. Löscher S. 109. Simon S. 198. Wolf bibl. I, 540. 
IV, 855- hist. Lex. S. 49. 

R. Mardochai oder Isaac Nathan ist Verf. der ersten hebr. Con- 
cordanz , die bey Calasio und Buxtorf zum Grunde liegt. S. 
Buxtorfs Vorrede zur Concordanz. Wolf bibl. 1,631. 111,607. 

Elias Levita (§. 29, 2) : sein UWf) enthält eine ausführliche 
Erläuterung (712) schwerer Wörter der Bibel und des Talmud. 
Basel 1529. Mit Fagius latein. Uebers. 1541. 4. Wolf hist. 
lex. S. 57. 

Ueber Synonymen der hebräischen Sprache schrieben Abraham 
Bedersensis, Salomo Meschullam, s. Wolf I, 34. 1079. 

3. Andere gleichzeitige Ausleger legten ihre Worterklä'- 
vungen in Commentarien y ) nieder, in welchen sie sich frey- 
lich oft in einem geschmacklosen Schwalle von Sacherläute- 
vungen gröfstentheils 'allegorischer, kabbalistischer Art ver- 
lieren. Die geschätztesten Commentatoren sind: 

R. Salomo Jarchi (richtiger R. S. Isaac, gewöhnl. abgek. *\y^ 
Ras^hi) zu Troycs in Frankreich, st. um 1170, dunkel durch 
Kürze und Piäcision, und neuer Erklärungen bedürftig. Seinen 
Comment. über die ganze Pibel s. in Buxtorfs rabb. Bibel, lat. mit 
Anm. von Breithaupt, Gotha 1710-1 4, 4. 3 Bände. Wolf bibl. 
I» »o57. Hl» »042. Bayle dut. u. d. \Y. 



5) 1. F. Euddti Isagog« ad thool. univ. S. 1433 ff. Simon ÜB» 
urit. III, c. 5. 6. 



Stud. 5.30. Lexicographen,Commentatoren,Uebersetzer. 101 

Aben Esra (eig- Abraham ben Meir A. £.) „der grofse Weise", 
zu Toledo (st. 1167), durch Reisen gebildet, in vielen Wissen, 
schaffen erfahren , aufgeklärter als viele seiner Zeitgenossen , und 
daher oft Vorgänger des Elias Levita. Sein Comment. (dSiU 1*10) 
ist oft noch dunkler, als der des Raschi. JVolf i, S. 7i-ßi. 
III, 46. IV, 764. Simon a. a. O. üb. III, chap. iß. 

Von David Kimchi ist besonders der Comraentar über die Pro- 
pheten häufig gedruckt. 

R. Tanchum v^on Jerusalem (Ungewissen Zeitalters, aber -nach 
JVlaimonides) , schrieb arabische Commentarien über das A. T. , 
welche angedruckt auf der Bodleyanischen Bibliothek liegen. 
Eine Probe daraus gab Schnurrer. Tübingen 179L 4* 

R. Bechai ben Ascher (um 1291): Comment. über den Penta- 
teuch. 

L.evi ben Gerson aus der Provence (st. 1370), schrieb Ausle- 
gungen über die meisten Bücher des A. T. (in der rabb. Bibel). 
Auch einen Comment. über Aben Esra zum Pentateuch. 

Isaac Abarbeitet aus Lissabon (st. l^oß), mehr Sach- als Wort- 
erklärung. Seine Comment. sind einzeln gedruckt, s. IVolf I, 
627. III, 54o. IV, 375. Köcher nova bibl. I, 72. 

R. Salomo ben Melech aus Fes (See. 16), schrieb *3l* SS3Ö, 
die Quintessenz der Worterklärungen von Kimchi und A. in ge- 
drängter Kürze mit vieler Klarheit vorgetragen. Beste Ausgabe 
Cst. 1635. Fol. mit Abendanas Zusätzen. fPotf IV, p87« Kö- 
cher I, 123. Der Jonas als Probe mit einer lat. Uebers. von Fa- 
bricius erschien zu Gottingen 1792. ß. 



Von Moses Maimonides , dem gröfsten Denke/ der jüdischen 
Nation (st. 1205), kann nur sein D*Ol22 ,~HlO (Lehrer der Her- 
umirrenden) wegen vieler brauchbaren hermeneutischen Bemer- 
kungen hieher gerechnet werden. S. Simon a. a. O. S. 421 ff. 
Rosenmidier s Handbuch der Kritik und Exegeso des A. T. Th. 4. 
S. 124 ff. 

3. Der Werth, welcher diesen Worterklärungen zu- 
kommt, ist abhängig von den Quellen, aus welchen jene 
Rabbinen schöpften. Dieses sind folgende: a) dieTarguins, 
b) das Chaldäische und Talmudische, dessen sie Alle und c) das 
Arabische, dessen wenigstens dieAelteren als Muttersprache 
mächtig waren, und welches sie fleilsig benutzten. Dazu 
kam d) Tradition , deren Constanz (selbst in willkührlichen 



102 Ab sehn. II. Gesch. d.hebr. Sprachhunde. Per. II. Gramm. 

Erklärungen) bey Wieronymus, Saadias und den Neuern Auf- 
merksamkeit verdient. Wo diese nicht ausreichten, mufs- 
te endlich e) Conjectur zu Hülfe kommen. Allerdings ist 
es hier übel, dafs das Errathene nicht immer sicher vom Tra- 
ditionellen zu scheiden ist, und die Conjectur eines Aeltern 
auch wohl bey den Spätem schon den Schein einer gewissen 
traditionellen Auctorität hat; allein die Vergleichung der 
verschiedenen Rabbinen unter sich, und der älteren jüdi- 
schen Auctoritäten (als LXX, Targg. , auch mittelbar des 
Hleronymus) werden hier meist das Urtheil richtig leiten, und 
man hat diesen Punct zum Nachtheil der rabbinischen Wort- 
bestimmungen wohl zu sehr urgirt 6 ). 

Der vorsichtige Ausleger wird aus ihnen unbestreitbar 
viel Wahres und Gutes zu nutzen wissen ; und Fertigkeit 
im Yerstehn dieser Quelle sollte wohl jeder Interpret 
von Fach ganz unerlüfslich besitzen. Unter den vorhande- 
nen ist Sal. ben Me/ech, auch als Einleitung zu diesem Stu- 
dio, ganz vorzüglich zu empfehlen; einige ältere, z. B. H. 
Jona, Tanchum , Parchon verdienten aber noch näher ans 
Licht gezogen zu werden. 

U^ber die Beschaffenheit der damals möglichen Sprachkenntnifs 
urtheilt sehr richtig und bescheiden Maimonides in JVlore nebo- 
dum I, c. 67. 

Am tiefsten stehn alle Erklärungen der Rabbinen, weiche Sach- 
kenntnisse voraussetzen, z. B. geographische, historische, nntur- 
historisohe, daher wirklich traditionelle und allgemein reeipirte 
Erklärungen, wie i33ttJN Deutschland , n£nx Frankreich, *nso 
Spanien. 

4. Vorzüglich im Anfange dieser Periode, wo die ara- 
bische Muttersprache die Kenntnifs des Hebräischen bey 
vielen .luden so sehr verdrängt hatte, dafs man selbst eine 
arabische Uebersetzung des Talmud wünschte 7 ), wurde 



6) Mihailis Bcurtheilung der Mittel S. 38» Jahns Einleit. in 
das A. T. Th. 1. S. »53« 

7) PocOihe praej. ml JVlaimonidis portam Alosls. 



Stud. {J. 30. Lexicograplien, CommenCaloren, Ueberselzer. 105 

auch eine arabische Bibelübersetzung Bedürfnifs. Ihm ge- 
nügte R. Saadia Gaon (g. 29,1) auf eine Weise, welche 
hinlänglich zeigt, dafs selbst in jenem dunkelsten Zeitalter 
gelehrtes Studium und brauchbare Tradition noch nicht er- 
loschen war 8 ). Minder wichtig, aber nicht ohne Sprach- 
kenntnifs verfafst, und nicht ohne eigentümliche Erklärun- 
gen ist auch der sogenannte Erpenische Penlateuch (London 
1622. 4.) von der Hand eines maurischen Juden im i3ten 
Jahrhundert. 

Noch gehört hieher die griechische Uebersetzung der 
Marcus-Bibliothek zu Venedig (wovon der Pentateuch und 
mehrere Hagiographa gedruckt sind) , die einzige Probe der 
Schriftgelehrsamkeit bey den griechischen Juden dieser Pe- 
riode. Der sich an die rabbinische Reception anschliefsen- 
de Charakter ihrer Exegese 9 , ihre ängstliche 'Wörtlichkeit 
und die widerlich geschmacklose Anwendung griechischer 
Wortgelehrsamkeit spricht für die Abfassung derselben von 
einem, vielleicht byzantinischen, Juden des ßten bis uten 
Jahrhunderts. 

Alle bisher genannte Arbeiten geboren der herrschenden Secte 
der Rabbaniten. Von denen der Karaiten kennt man einen unge- 
d ruckten Commentar von Abraham ben Juda , und Gramm, und 
Comment. von Aharon ben Joseph, deren Inhalt noch genauer« 
Untersuchung verdiente. S. IVolf Bibl. hebr. I, 121. III, 36. 
74. Ejusd. notitia Karaeurum praef. p. 13. In manchen Ausle- 
gungen weichet die ganze Sekte von der der Rabbaniten ab, so ist 
z. B. 00*1!? p3 nach den Karaiten (und Samaritancrn) die Zeit 
zwischen Sonnenuntergang und dem Dunkelwerden, nach den 
Rabbaniten die von dem Neigen der Sonne bis zum wirklichen 
Untergänge. 

Ein besonderes Verdienst um die Verbreitung de3 A. T. haben 



g) Ueber den Umfang dieser Uebersetzung s. die Einleitung?- 
Schriften von Eichhorn und Beriholdi. Mehrcres zu ihrer War- 
digung in Carpzov Crilica sacra V. T. S. 646 ff« 

g) Amnion diss. de versionit V. T. graeeae Venetae usu , in- 
dole et aetate, Sect. II. 



104 Ahschn. II. Gesch. d. hebr. Sprachkunde. Per. II. Gramm. 

die Juden dieser Periode noch durch die Besorgung der ersten 
Drucke desselben. Das erste gedruckte biblische Buch ist ein 
Psalti-r (zu Bologna) 1477» die erste vollständige hebr. Bibel er. 
schien zu Soncino 1488* 

Ö- 3x. 

Christliche S ehr i fts tel ler. 

1. Bey den Christen lag die Kenntnifs des Hebräischen, 
wo möglich, noch tiefer darnieder, als in der vorigen Perio- 
de. Den scholastischen Theologen war selbst der griechi- 
sche Urtext fremd, und den unwissenden Mönchen galt he- 
bräische Sprachkunde fast für jüdische Ketzerey 10 ). 

Charakteristisch, auch für die excerpirten Schriftsteller, ist die 
Erklärung der hebräischen Wörter des N. T. , die man aus lat. 
Vätern ^!) schöpfte, wovon hier eine Pmbe stehn mag. Duran- 
dus gibt zu Apoc. 19, 1 folgende Erklärungen von Halleluja : Aw 
°i"tinus sie exponit : al i. e. salvum, le i. e. me, lu i. e. fac, ia 
Domine. Hieronymus sie : alle i. e. cantate , lu i. e. laudem , ia 
ad Dominum. (Unrichtig ! denn H. erklärt das Wort ganz rich- 
tig: T. 5. S. 64 (ed. Fiancof.) Gregorius sie: Alle pater, lu 
ßlius, ia spir. S. vel alle lux, lu vita, ia Salus. M. Petrus 
antisidorensis sie: al altisnmus, le levatus in cruce , l u lugebant 
apoitoli, i a iam returra7.it. 

2. Einzelne des Hebräischen (aber freylich mehr des 
Rabbinischen, als der Bibelsprache) Kundige, wie Roymi'iid 
Martini , benutzten es vornehmlich zum Behuf der Polemik 
mit den Juden, und der Bekehrung derselben, zu welchem 
Zwecke auch zunächst 1311 auf dem Concilio zu Vienne die 
Errichtung morgenländischer Professuren auf den Universi- 
täten verordnet wurde * '). Auf die Schriftauslegung wurde 
es nur von 6ehr wenigen angewandt, besonders von Aicolaus 
(/c Iyra y der zur Auslegung des A. T. aus dem Grundtexte 
bey den Christen den Ion angab. 



10) Claudius Lspencaeus (Commcnt. ad 2 Tim. 3): in aueferibut 
latinis graece nnste suspectutn , hebraice autem paene Interet'u um 
fuit. Vgl. Schudt del'uine hebr. philologieao p. 2{Ji. Hut- 
tinncr Snu-gma Orient. S. iq IT. 

11) Cf. Sixti simamae Antibarb. bibl. p. 23c/ ff. 



Studium. Q. 31. Christliche Schriftsteller. io,5 

Raymundws Martini, ein spanischer Dominicaner (früher Jude? 
tt. 1 2#4)« Sein Werk : pugio fidei adv. Mauros et Judaeos, zeugt 
von vieler Belesenheit in jüdischen Schriften, ed. Carpzov. 1637« 
Fol. Vgl. Wolf I, roi 6. III, güg. Bayle dict. 11. d. W. 

Nicolaus de Lyra, ein Exjude (woran andere noch zweifeln), 
Franziskaner zu Paris, doctor planus et utilis (um 1520), schrieb 
Postilla perpetua in universa bihlia. Sprichwort : nisi lyra ly 
rastet, totus mundus dclirasset, nach andern : Lutherus non saltas- 
set. Letzterer hat ihn nämlich sehr benutzt. Wolf I, 963. 
Zusätze dazu lieferte 

Paulus Burgensis, ebenfalls ein bekehrter Jude (um d. J. 1390). 

Als einzelne Kenner des Hebräischen zu verschiedenen Zwek- 
ken nennt man im i5ten Jahrhundert: Jo. PT^essel in Köln, Hei- 
delberg, Basel (st. 1489); Pico, Graf von Mirandola (st. 1494); 
M'ilhelm Raymund und Conrad Summenhart in Tübingen, lie- 
ber letztere , die Lehrer von Pellicanus , s. Schnurrer biographi- 
eche und literarische Nachrichten von ehemaligen Lehrern der he- 
braischen Sprache in Tübingen. S. 2. 



Dritte Periode. 

Anfang des hebräischen Sprachstudiums bey den Christen. 
{See. XVI -XV II med.) 

5- 32. 
Uebersicht. Charakter der Periode. 

1. Mit dem Anfange des sechszehnten Jahrhunderts 
ging das Studium der hebräischen Sprache zu den Christen 
über, und die Juden, die mit einem Elias Leuita ihren Cul- 
minationspunet erreichten, treten von nun an fast ganz in 
den Hintergrund. Aufser dem allgemeinen Geiste der Zeit, 
welcher auf Hervorziehung der Kenntnisse und Schätze des 
Alterthums drang, fand die hebräische Sprachkunde ein 
Hauptbeförderungsmittel an der Reformation mit ihrem 
Grundsatze, die Schrift aus der Ursprache zu erläutern'). 
Dabey hatten aber die ersten Lehrer des Hebräischen unter, 
den Christen noch mit mehrern Schwierigkeiten zu kämpfen. 

1 ) Meyers Geschichte der Schrifteiklärung. II, S. 1 fh 



io6 Abschn.II. Gesch. d.hebr. Sprachkunde. Per. 1 IT. Anfang 

Sie mufsten ihre Kenntnifs erst aus dem mündlichen Unter- 
richte habsüchtiger und geheimnifs voller Rabhinen schö- 
pfen 2 ), um sich dann aus den ohnehin schwer habhaften 
grammatischen Schriften der Juden weiter belehren zu kön- 
nen, und einigen, z.B. Reuchlin, wurde wohl obendrein 
noch Verfolgung und Verketzerung zum Lohne. Auf ihren 
Grund baueten aber andere um so schneller und leichter 
fort. 

Schon zu Luthers Zeit (1517-46) war hebräische Sprachkun- 
de, vornehmlich unter den Protestantischgesinnten , nicht mehr 
selten, und dieser empfiehlt sie zum Behuf der Exegese und Polemik 
mit seiner eigenthürolichen Kraftsprache (Comment. in Ps. 45) : 
Sacpe mortui, ut linguam hehraeam disceretis , nee eam ita neglige- 
retis. Arbitror nos habitüros religionis nostrae hoste* Hispanos, 
Gallos, Ilalos, Turcas etiam , ibi certe cognitione linguae hebreeae 
opus erit. Scio enim, quantum mihi contra hostes meos profuerit, 
quare hac quantulaeunque cognitione inßnitis aurcorum mülibus ca- 
rere noliin. Et vos ergo dabitis operam, ut harte quoque linguam 
discatis , si non pecora campi et indoctum vulgus haberi inltis. 
Nach 15*70, liefs sich selbst Churffirst August von Sachsen durch 
llutter im Hebräischen unterrichten. 

Bey den KathoUken gaben die obscurar.tischen Mönche noch hier 
und da eine hemmende Potenz ab. Noch in der Mitte des löten 
Jahrhunderts hörte Conr. He r es b ach (Orat. de laudihus Ute- 
rar, graec. Fol. 26) einen Mönch von der Kanzel sagen : man hat 
eine neue Sprache aufgebracht, die heifst die griechische, vor 
dieser hat man sich sorgfältig zu baten, sie veranlafst lauter Ke- 
tzereyen ; hier und da haben auch die Leute in dieser Sprache ein 
Euch, das N.T. genannt, dieses Bach ist voll Steine und Ottern ; 
es trill noch eine andere Sprache aufkommen, die hebräische ; die 
diese lernen, werden Juden. Aehnliche Stimmen heften sich selbst 
xu Trident vernehmen. Im Ganzen ist auch die Zahl der hebr. 
Puilologen unter den Katholiken in dieser Periode verhältnifsmä- 
fsig nur gering. 

S. Im Allgemeinen besteht der Charakter der hebräi- 
schen Philologie in dieser Periode in Anhänglichkeit an 
Tradition und Manier der jüdischen Ausleger, und das Ver- 



2) Vgl. Reuchlini Rudimenla. S. 670. JJ'olf bist. Lex. S. 79. 



d. hebr. Sprachstud. hey d. Christ, §. 32. Charakter d. Per. 1 07 

dienst der meisten Gelehrten beschränkt sich darauf, das 
aus den Rabbinen Geschöpfte zugänglich, geniefsbar ge- 
macht und weiter verbreitet zu haben. Nächst ihnen wur- 
de höchstens noch die Vulgata , seltener die LXX, benutzt. 
Kur an Anordnung, Klarheit und Methode thun es Viele 
ihren jüdischen Vorgängern zuvor. Einige, die sich zur 
Unzeit von jenen Führern losmachen wollten, geriethen auf 
noch gröfsere Abwege; die wenigen aber, welche durch 
Empfehlung der verwandten Dialekte der folgenden Periode 
vorangingen , hatten wenigstens noch keinen Einflufs auf 
die herrschende Methode. Nach dieser allgemeinen Anga- 
he hielten der Anbau der Grammatik, der Lexicographie 
und der philologischen Erläuterung ziemlich gleichen 
Schritt. 

Die Juden machten sich fortdauernd am verdientesten durch 
Ausgaben des A. T. Jacob ben Chajjim (aus Tunis, st. 
1 5 2 5) : biblia Bombergiana II. Venet. 1515; Juda Arje (Leo 
JVIutinensis) zu Venedig , st. 1612; Joseph Athias (in Am- 
sterdam): Biblia hebr. Amstelod. 1661 . g. Unter den christli- 
chen Ausgaben sind am berühmtesten : die v. Seb. Münster 1536", 
V. El. Hutter (zuletzt Inhaber einer hebr. Druckerey in Nürnb.) 
1 58 7 ! Buxtorfs rabbin. Bibel 16 iß« ^Gxg. Polyglotten: die 
Complutensische von Fr. Ximenes 1514-»?; die Antwerpische 
von Ar ias Montanas 1569-72; die Pariser (von le Jay} 
1629-45. 

Grammatiker 3 ). 

Als den Vater der hebräischen Sprachkunde bey den 
Christen verehrt die Geschichte den auch sonst um sein 
Zeitalter hochverdienten Reuchlin , -wiewohl er, genau ge- 
nommen, nicht der erste Grammatiker ist. Seine vornehm- 
lich auf Kimch'Cs Mlchlol gebaueten Rudimenta linguae he~ 



3) Alphabetisches Vcrzeichnifs der christlichen Grammatiker bi» 
1730 s. in U'olfii Biblioth. hebr. II, 600 ff. IV. 260 fl. Dazu 
Köcher II. 139 IT. 



loß AbscJin.IL Gesch. d. hebr.Sprac?ihunde. Per. III. Anfang 

braicae (1,506) wurden bey aller Unvollkommenheit die 
Hauptquelle für die Hebiäischlernenden in Deutschland; 
bis sie (seit 1556) durch .Seb, Munster 's, und (seit 1609) durch 
ßuxtorf's allerdings weit vollkom innere grammatische Arbei- 
ten verdrängt wurden. Nur etwas später, als Reuchlin in 
Deutschland, lehrte in Italien Santes Phgninua , dessen Ar- 
beiten zwar auch nur Auszüge aus den Rabbinen enthalten, 
aber die Reuchlinschen an Vollständigkeit und Belesenheit 
in denselben weit übertreffen. Aufser diesen stellten auch 
die übrigen europäischen Länder ihre Grammatiker auf, die 
jedoch, wenn gleich für ihre Zeit und ihren Wirkungskreis 
nützlich, zu keiner dauernden Celebrität gelangt sind 4 ). 

Vorzügliche Auszeichnung verdient noch gegen das 
Ende der Periode Sal. Glafs wegen seiner noch heut von 
wenigen übertroffenen biblischen Syntax: ein um so wichti- 
geres Werk, weil die bisherigen Grammatiker diesen Theil 
ganz übergangen, oder ihn nur bey der Formenlehre stück- 
weise und unbefriedigend abgefertigt hatten. 

Die erste, aber sehr unvollkommene und -wenig bekannt ge- 
wordene, Grammatik unter den Christen schrieb : Conrad PeL 
ii can in: de modo legendi et intelli^endi Hebraea. Basil. 1503. 
4. Der Verf., damals ein 22jähriger Mönch zu Tübingen, hatte 
sie ohne irgend ein Hülfsmittel, als hebräische Bibel und lat. Ue- 
berset/.iui^ , zusammen gestellt. Eben so hatte er ein Wortregi- 
ster entworfen. Vgl. M. Adami vitae germanorum Theologo- 
rum (1620). S. 262. Björnstahls Briefe B. 5. S. 543. Schnur- 
rer a. a. O. S. 4- 

J o. Reuchlin (geb. 1454, st. 1511) ward erst von einem 
jüdischen Arzt Loans Üi Wien, dann zu Born von Obadja Jacob- 
son Sphomo, einem genannten jüdischen Gelehrten 5 ), im Hebräi- 
schen unterrichtet 6 ) , wo er jede Stunde mit einem aureus be- 



4) Pauli Colomesii Gallia orientalis. Haag i66"5- 4« B.iusd. 
Ilalia et Ilispania orientalis, ed. J o. Chr. II olf. llamb. 
1730. 4. 

5) II olf bibl. hebr. I, 939- IH QB6. IV, 939. 

6) Nach Melanchthon zuerst von // Mt$l in Basel, wovon er ab«r 
seihst (Pracf. ad iiudimcnta) nichts erwähnt. 



d.hebr.Sprachstud.bey d. Christ. §. 33. Grammatiker. 109 

zahlte. Als schwäbischer Bundesrichter schrieb er hierauf seine 

lib. HI. de rudimentis hebraicis ad Dionysium fratrem iuum ger. 

manum. 1506. 62 1S. gr. 4. oder kl. Fol.» am Schlafs mit den 

Worten: exegi monumentum , aere perennius. (Verb. Ausg. von 

Seb. Munster. Basel 1537. Fol.) Auf eine kurze Anweisung zu 

den Elementen folgt ein Wörterbuch in 2 Büchern, dann als 

3tes Buch eine Grammatik. In der Zuschrift an seinen Bruder 

nennt er sich den Gründer dieser Literatur unter den Christen. 

In der Grammatik erkennt man leicht die rabbinischen Muster, 

aber er hat nicht soviel Schule als jene, dagegen sucht er manches 

durch classische Analogieen deutlich zu machen. Von ihm sind 
o 

ohne Zweifel die meisten grammatisch- technischen Ausdrücke, 
als conjugatio (in dem Sinne des hebr. pJ3), Status absolutus und 
Status regiminis, ajjixum u. s. w. ; wahrscheinlich auch die we- 
nigstens in Deutschland reeipirteste Aussprache des Hebräischen, 
des t durch „a obliquum" , dos Kibbuz durch ü. t das gänzliche 
Ausbissen des V. Manches schon von den Rabbinen richtig Vor- 
getragene war ihm allerdings nicht klar geworden, so rechnet er 
(S. 7 und öfter) mit Hieronymus PI und if zu den Vocalen, und 
nimmt (S. 559) die Dualendung D*'- = - eben so gut für einen un- 
regelmäfsigen Plural , alsNin, OD; tl%t f DT13. In Rücksicht 
auf lange und kurze Vocale ist er überhaupt sehr nachlässig. 
Vom Wörterbuch unten. Aufserdem: de accentibus et nrthogra- 
phia. 1518. 4» Einige andere Schriften zeugen von Anhänglich- 
keit an kabbalistische Philosophie. Sein Eifer für die hebräische 
Literatur wurde besonders von den Cölnischen Obscuranten ver- 
ketzert. Vgl, Meiners Lebensbeschreibungen berühmter Männer 
ans den Zeiten der Wiederherstellung der Wissenschaften I, 97 ff. 
Jo. Reuchlini vita descripta a J. H. Aiaio. 16QJ. Q. Adami 
und Schnurr er a. a. O. 

J o. B ö sehen stein, Prof. zu Wittenberg ( Prosely t ? geb. 
»472, st. nach 1530). Elementale introd. Augsb. 1514* 4« Hebr. 
grammat. institutiones. Viteb. 15 13- 4* ^ n ^ er er * ten von Me- 
lanchthon besorgten Ausgabe sind aus Mangel an Typen die he- 
bräischen Wörter im Drucke ausgelassen und nachher mit rother 
Dinte an den Rand geschrieben. Vgl. Hirt's Orient. Bibliothek. 
Th. 6. no. 21. Meusels lit. Magazin. St. 1. S. 103. Er heifsc 
bey Luther apostata, weil er zur römischen Kirche übertrat, 
nicht als Exjude l 

Seb. Münster (geb. 1489» gest. 1552 als Prof. in Heidel- 
berg, auch Geograph und Mathematiker, daher Germanorum 
Esdras Straboquc'). Er schliefst sich ganz an Elias Levila an, den 
er sehr verehrt, und mit Recht allen übrigen Grammatikern vor- 



na Abschn.II. Gesch. d. hebr.Spraohkunde. Per. III. Anfang 

rieht. Er übersetzte dessen grammatische Schriften in das Latei- 
nische (§. 29, 2) und stellte nach mehreren kürzen* Versuchen 
(15^5. 5*') eine vollständige Grammatik daraus zusammen: 
öS'iin pllpin rDS<Sp opus grammaticum ccnsummaium ex variis 
libris Elfanis concmnatmm. Basil. i544* 1 9° S. 4. Die Lehre von 
der Flexion des Nomen ist schon sehr klar und genau. Die Vor- 
rede erzählt seine Bildungsgeschichte und den damaligen Zustand 
der hebr. Gelehrsamkeit. Lieber die Frage, ob er, wie E. Levita, 
die Neuheit der Vocalzeichen angenommen habe, s. StangSs theo- 
logische Symmikta. Th. 2. S. 553 ff. 

Otto Gualtper zu Marpurg (st. 1 624) erwarb sich einige Ver- 
dienste um die Syntax. Grammut. hebr. Viteb- 159c. 
• Jo. Buxtorf d. Aelt. , seit 1591 Prof. zu Basel, st. 162g, 
verdient und berühmt durch die ausgebreitetste Belesenheit in der 
hebräischen Literatur im weitesten Umfange. Sein thesaurus 
grammaticus linguae Sanctae. Basil. 1609. 8- und rifter (19. 29. 
63) übertrifft an Ausführlichkeit, Genauigkeit und Methode alle 
frühem und die rabbinischen Grammatiken weit, wenn man 
gleich an Materie und Form die Bildung des Vfs. nach den letz- 
tern erkennt. Die Syntax ist schon ausführlich behandelt, aber 
vieles dahin gezogen, was der Formenlehre geholt. Kürzere Ab« 
risse erschienen 1605. 13- 16.29. 

Jo. Buxtorf d. J. s. unten. 

Jo. Drusius (eig. i'cm der Driefsche , Prof. zu Franecker, sr. 
1616): Gramnwt. hebr. Franeck. 1612. Opuscula, quae ad 
grammaticam spcctant 1609' 4" 

IVilh. Schickard (Prof. zu Tübingen, geb. 1592, gest. 
1635) denkender Mathematiker, und Kenner der verwandten Dia- 
lekte, fast am bekanntesten durch seine unbedeutendeste Arbeit: 
Horologium hebraeum zuerst 1623. l2 » dann über 30m.1l wieder 
gedruckt. Sie wurde besonders wegen fruchtbarer Kürze ge- 
schätzt. Vgl. Schnurrer a. a. O. S. »60 ff. 

Matth. PT^asmuth, Prof. zu Kiel (geb. 1625, gest. 168Ö) 
ein Schüler Buxtorf s, an dessen Grundsätze und Manier er sich 
anschließt. Sein Hebraismus facilitati et in.'egritati restitutms. 
Kilon. 1 666. 4. und öfter, enthält besonders vollständige und 
brauchbare Beobachtungen und Sammlungen über die Voealvcrän- 
derung und Accentuation. Vgl. Thiefs biographische Nachrich- 
ten von den Lehrern der Theologie in Kiel (Kiel i^oo). S. 50 IT. 

Sal. Glafs (geb. 1593* Prof. zu Jena, st. zu Gotha 1656): 
Philologfa sacra, Lips. 1623 4* ^ 10 Graminatica tacra. welch« 
B. 3 u. 4 einnimmt, ist für die syntaktische Beobachtung der bi- 
blischen Diction klassisch . und setzte zuerst die Analogie der alt* 



d. hebr. Sprachstud. bey d. Christ. Q. 34. Lexicographen. 111 

und neutestamentlichen Sprache in ein deutliches Licht. Neuere 
Ausgaben c. praef. Buddei 1713. 43« ' n ^er Umarbeitung de» 
Werkes von Dathe ( — ÄjV temporibus accommodata) Lips. 1776. 
2 Bde. g. ist nebst manchem Ueberfliissigen auch ßraucbbares 
ausgelassen, und dns Eigenthum des Vis. von dem des Herausge- 
bers nicht geschieden. 

Unter den erstem Kennern und Bearbeitern der hebr. Sprache 
unter den Deutschen , die jedoch ohne besondern Eiuflufs auf die 
Wissenschaft als solche blieben, nennen wir noch Zwingli, Oeco- 
lampadius und Aurogallus (st. »543)» Carito (st. »542), Schrek- 
kenfuchs (st. 1.579), Bibliander (st. 1564), Luc. Oslander (st. 
1604). S darüber Löscher Sr 109 ff. Hezel S. 158 IT. 212 ff. 
Von Luther S. §. 35, 2. 

Aufser Deutschland wurden am berühmtesten: in Italien: San- 
tes Pagninus (Dominicaner aus Lucca, (jeb. 1471 > st. 154 1 zu 
Lyon): Institutionum hehraicarum, libri IV. Lugd. 1526. 4. Paris 
1.549.56. Kern der jüdischen Grammatiken von Jona, Ahen Esra, 
Kimchi, Ephodiius. 

In Frankreich: Ant. Rud. Chevalier (Prof. zu Strasburg, st. 
1572): gramm. liebr. 1559. Q. 

In den Niederlanden : Jo. van den Campen (Prof. zu Löven 8t. 
1538) Gramm, hebr. Lovan. i52ß. 4* 

In England: Rud. Baine (Bischof zu Coventry, 31.1564) Com- 
pendium Jvlichlol Kimchii. Paris 1 554* 4* 

* * 

# 

Von Juden , aufser Elias Levita und de Balmes (§. 2g, £) : R. 
Asaria zu Feirara. Sein JVIeor Enaim, enthält mehrere philol , be- 
sond. paläographische Beobachtungen, wobey der Vf. Studium der 
Classiker und d. christlichen Ausleger vevräth. S. Kücheri n. bibl. 
hebr. I» 109. 

5- 54- 
Lexicographe n 7 ). 

Ungefähr gleichen Schritt mit der Grammatik hielt auch 
die Lexicographie , und die meisten der oben genannten 
Grammatiker bearbeiteten auch diesen Zweig der hebräi- 
schen Spiachkunde. \ on Reuchlln bis Buxtorf blieben 
zwar die Bestimmungen der Rabbinen und die Vulgata die 

7) Wolf bist. Lexicorum hebr. p. 73 ff. Biblioth. hebr. II, S. 
548 ff. IV» 233 ff. Vgl. Köcheri aova bibl. hebr. II, 129 ff. 



Ai2 Ab sehn. II. Gesch. d.hebr. Sprachkunde. Per. III. Anfang 

alleinige Quelle der Wörterbücher, allein in Rücksicht auf 
Vollständigkeit und Methode ist schon ein erfreuliches Fort- 
schreiten sichtbar. Vornehmlich fehlte es nur an geschick- 
ter Anordnung der Bedeutungen, und Ableitung derselben au* 
einander. 

Trotz der Mangelhaftigkeit und Einseitigkeit jenes 
Principii cognoscendi führte es doch der Wahrheit unendlich 
näher, als die Hypothesen eines Forster und Buhle, welche 
die Auetoritat der Rabbinen verwarfen , aber nur den Zu- 
sammenhang und die willkührlichsten etymologischen Phan- 
tasieen an deren Stelle zu setzen wufsten. Weit gemäfsig- 
ter ist 31. Marino , der zugleich den ersten Versuch durch- 
aus alphabetischer Anordnung machte. 

Benutzung der verwandten Dialekte für Wortforschung 
findet sich zuerst bey Postellus und Guichard , nur höchst 
vag * Und unkritisch; aufserdem bietet aber diese Periode 
schon an Schindlers Pentaglutlon das erste Beyspiel einer 
vollständigen Durchführung dieser Vergleichung durch das 
ganze Wörterbuch. Das Zeitalter wulste aber dieses Ver- 
dienst noch nicht zu würdigen, und das Buxtrßsvlie Wör- 
terbuch erhob sich zu weit gröfserem Ansehn. 

Unsichere Spuren von hebr. Lexicis der Christen vor Reuchlin 
s. Flolf bist. Lex. hebr. S. 73. — Holocke (um 1410); Hono- 
rius , tin Cistercienser (um 1452); Jo. Jleham zu Ulm, er soll um 
1490 e.'m Lexicou und andere grammatische Schriften aus dem He- 
bräischen ins Deutsche übersetzt haben, deren sich Pellicanus und 
Reuchlin bedient haben. 

J o. Reue hl in (s. §. 33). Der lexicographische Theil seiner 
RuJimenta enthält nur die Stammwörter vollständig, die Deriva- 
ta fehlen meist; seltene Citate und nur nach Capiteln ; die Bedeu- 
tungen nach Kimchi ungeordnet neben einander, nicht ohne rab- 
binische Grillen, z.B. S. 3. rOl^aM voluptas , inJe per apocopen 
ultima« literae ]iON pauper , eo quod, qui caret fine voluptalis, 
d'uitur pauper. i\eue Ausgabe von S. Münster «537. Fol. 

Seb. Mtinsfr: Lexicon hebraeo-chalJanum- Basil. 1 5 2 3- 
25. und öfter. 8- Lexicon trilingue 1550. 35- (beyde selten). 
Er nimmt auch den biblischen Chaldaismus in den Plan auf, hat 
aber auch zuerst den verkehrten Titel L,. lubraeo-clutlJaium. Zu- 



d.hebr. Sprachslud.beyd. Christ. Q. 54. Lexicographen. 113 

erst vollständige Angabe der Derivata. Uebrigens seine erste un- 
vollkommenste Arbeit. 

S. Pagninus: Thesaurus linzuae sanetae, in quo Judaeos spe- 
ciatimque JLimchium in libro radicum secutus est. Lu^d. 152g. Fol. 
Nene Ausgabe von Robert Stephanur, Paris 1548- 4' von JVIerce- 
rus u. A. 1575. 1614. Fol. Quintessenz der wichtigsten rabbi- 
nischen Ausleger mit Angabe der Auctoritäten , genauen Citaten, 
Erklärung schwieriger Stellen. 

J o. B ux torf : Lcxicon hebraicum et chaldaicum. Basil. 1607. 
Fol. Vieie Ausgaben, die cilfte 1 710. 8- Auszog 161 Ä. 12. u. 
öfter. Es empfiehlt sich durch zweckmäßige Anordnung und 

Co 

Auswahl; hier und da ist das Syrische benutzt. Aufserdem : 
Concordantiae bibliorum hebraicae , ed. Jo. Duxtorf Fil. Basil. 
1652. Fol. 

Phil. Aquinas: rO"li?ö T»"U?D. Paris 1629. Fol. umfafst 
auch das Chahiaische und Rabbinische. 



J o. Forst er, Schüler Remhlins (»eb. i495> st. 1556 als Prof. 
zu Wittenberg) : dict. hebr. novum, non ex Rabbinorum commen.~ 
tis , nee nostratium Doctorum stulta imitatione descriptum, sed ex, 
ipsis thesauris s. Bibliorum. ... depromtum. Basil. 1557. Fol. Mit 
Beseitigung der Rabbinen sey die BibeL aus sich selbst zu erklä- 
ren. YYiilkührliche Versetzung und Verwechselung verwandter, 
auch nur der Figur nach ähnlicher (!) Buchstaben. Uebrigens 
manche Vorzüge, z. B. Aufmerksamkeit auf Synonymen. VgL 
Hirt orient. Biblioth. I, S. 45 R- Schultens origg. hebraeae. p. 291. 
Löscher S. 155. *3 l « Dagegen Caloiii bibl. illust. proleg. pag. 16. 
Noch einen Schritt weiter «ins; 

J o. Avenarius : lib. radicum, 1568- Fol., indem er auch 
griechische, lateinische und deutsche Wörter auf solche Weise mit 
den hebräischen verglich. 

Sam. Bohle (st. 1639 zu R° st ock) : XIII diss. de formali si°-- 
nißcatione S. S. eruenda. 163" 7 . Er suchte die verschiedenen Be- 
deutungen der Worter unter eine allgemeine, meistens abstracte 
zu ordnen; mifsbrauchte dabey oft willkührlich den Zusammen- 
hang. 

M. Marino, aus Brixen : Area Koae. Venet. 1593. Fol. 
Er ordnet alphabetisch, ab^r übertrieben z.B. alle Hiphil unter n, 
Niphal unter 3, versäumt aber die etymologische Rücksicht nicht. 
Et achtet ferner auf Phrasen, nimmt die Nomm. propria auf u. 
t. W. TVolf bist, lexic. hebr. S. 112. 

* " 

H 



n4 -Abschn.ll. Gesch. d.hebr.Spraohhunde. Per. III. Anfang 

T-Vilh, Po stellus (gelehrter Abentheurer, st. zu Paris 1 53 1) 
de originibus s. de linguao hebraeue et arabicae antiquitatc, uFFmita- 
te cet. 1553. 4- 

St. Guichard: V harmonie etymologique des langues hebrai- 
que , chaidaique , syriaque, grecque , latine , franpoise etc, Paris 
1606. Q. 

Val. Schindler (Prof. zu Wittenberg , dann zu Hclmstädt, 
st. 1610): L-exkon -pentaglotto;i. Hruinov. 1612. 49. FoL Der 
liebr. Theil des Werkes enthalt zuerst durchgängige, wenn gleich 
noch nicht vollkommene, Benutzung aller Quellen der Lerdcogra- 
phie, der Dialekte, der Versionen, wenigstens der LXX. f'ulg. 
Targg., bessere Anordnung der Bedeutungen, Piücksicht auf Con- 
struetion der Wörter u. s. vr. Vgl. Andenken an Schindler von 
Brun?, in Stäudl'uu theol. Bibliothek. B. 4« S. 1. 

Eine Zusammenstellung und Erläuterung der Synonymen ent- 
hält: 

J o. Plantavitiux (Bischof in der Narbonne) : thes. synony- 
micus hebr. chald. rabbinicus. Lodovae i6/L£. Fol. 

5- 55. 

Philologische Commentarien und Ucbersetznngen aus dem 
Grundtexte. 

1. Welt weniger kommt es verhältnifsmäfsig in Be- 
tracht, was durch Commentarien in philologischer Rück- 
sicht geleistet wurde. Zwar besafsen fast alle protestanti- 
sche Exegeten von einigem Namen (als Luther t Zwingli, 
Oecolampadius , Calrin , noch mehr Brenz, Pelikan, Bu/lin- 
ger") Kenntnifs des Hebräischen, aber sie machten sie nicht 
zur Hauptsache, und die philologische Auslegung tritt in ih- 
ren Commentarien zu sehr in den Hintergrund 8 ). Unter 
denen, welche vorzüglich auf Spracherlauterung sahen, nen- 
nen wir: 

Fr. Vatablus eig. Vatable (st. zu Paris 1547): Anmerkk. 
aus seinen Vorlesungen nach seinem Tode gesammelt, hinter der 
Vulgata von Hob. Supkaaut 1557. 2 Voll. Fol. 



ß) Vgl. Meyers Geschichte der Schrifterklärung. B. 2. S. i-f> ff. 
355 ff« Eichhorns Gesch. der neuem Spruchenkunde. Ablli. I. 

S. 539 ^ 



d. hehr. Sprachstud. bey d. Christ. Q. 35. Philol. Comment. 1 15 

Seb. Münster (§. 5 j) : kurze Anmerkungen zur lat. Ueber- 
setzung des A. T. 

Paul Fagius (Prediger und Inhaber einer liebr. Diuckerey 
zu Jsny in Schwaben, wobey ilirn Elias Levita hülfieiche Hand 
leistete, st. 1550): Comment. über den Pentuteuch, über die 
Targg. 

J o. le Mercier (zu Paris, st. 1570): Comment. in Gen. 1598« 
über Hiob, Proverbb. etc. 1675. Fol., über mehrere kleine Pro- 
pheten. 1698. 4. 

J o. Drusius: über schwierige Stellen des Pentateuchs. 1617. 
4-, der bis torischen Bücher 1618- 4* Ueber die LXX. 

Wie die Lexicographen , beschränken sich auch diese 
Erklärer fast lediglich auf die Rabhinen, nur Merctrus und. 
Drusius machen einen ausgebreitetem Gebrauch von den 
^ ersionen, ersterer auch schon von den Dialekten. 

Das Wichtigste von den angefühlten Auslegern ist zusammen, 
gedruckt in den Criticis sacris. Lond. 1660. 9 Voll. Fol. (v. loh. 
und R. Pearson, Scattergood , und Gouldmami). Diese und an. 
dere , auch die altern, in eine Uebersicht gebracht von Matth. 
Polus (Poole) : Synopsis Criticorum. London 1669. 5 Voll. Fol. 

2. Uehersetzungen gehören hieher nur, in sofern sie 
mit Kenntnifs des Grundtextes und aus ihm verfertigt, ein 
Zeugnifs von der hebräischen Gelehrsamkeit ihrer Urheber 
ablegen. 

Santes Pagninus: Riblia. Lugd. 1528. 4* Vgl. Simon 
hist. crit. du V. T. 2, 20. Carpzov Critica Sacra, p. 7i2. — Bey 
JVL. Luthers Uebersetzung (von 1522-54) liegt der hebr. Text 
nach der Brescer Ausg., die LXX. Vulg. und die hebr. Ausleser 
(nach Xicolaus von Lyra) zum Grunde. L.'s Lehrer im Hebräi- 
schen war Aurogallus , sein späterer Ratbgeber in Piücksicht auf 
genauere Sprachkenn tnifs Creuziger, Melan < lnl:nn mehr im Griechi- 
schen. Er verwarf die Auctorität der Vocalzeichen, aber deshalb 
nicht die der Fiabbinen überhaupt in philol. Rücksicht, wie ihm 
R. Simon (hist. crit. III, 2.) vorwirft. Beyspiele von bald voll- 
kommnerer, bald mangelhafterer Sprachkcnntnifs, auf die er aber 
grolsen Wcrth legte (s. oben §. 52, 1), geben die Anmerk. zur 
deutschen Uebersetzung. Vgl. Meyers Gesch. der Schrifterklärung 
II, 206 ff. 547 ff. — Seb. Munster 's lat. Uebers. bey der hebr. Bi- 
bel (§. 52, 2). Carpzov S. 721. — Em. Tr emellius (Exjiule, 

H 2 



II 6 Abschn.II. Gesch. d.hebr. Sprachkunde. Per.lV. Blidlie 

st. i5ßo zu Heidelberg), und Franc, lunius (st. zu Leiden 1602): 
Libri canonici V. T. latini recens ex Ilebr. facti. Francof. 1579. 
Fol. 



Vierte Periode. 

Bliilhe des hebräischen Sprachstudiums , besonders durch Be- 
nutzung der verwandten Dialekte. 

(See. Xf^II. med. bis auf unsere Zeit). 

ß. 36. 

Anfang eines barmoriischen Sprachstudiums bis auf Scbultens. 

1. Ein vielseitigeres und fruchtbareres Studium der he- 
bräischen Sprache begann erst um die Mitte des siebzehnten 
Jahrhunderts , wo mehrere treuliche Gelehrte sich um die 
Wette beeiferten, die indessen immer mehr bekannt gewor- 
denen verwandten Dialekte mit dein Hebräischen in Harmo- 
nie zu setzen, und zur Erläuterung desselben anzuwenden, 
ohne dafs sie deshalb (wie Schulte?^-) das Wahre in den bis- 
herigen Erkenntnifscjuellen verkannt und dieselben über Ge- 
bühr vernachlässigt hätten. Vorzüglich war es die Benu- 
tzung des arabischen Sprachstammes, welche hier als neu 
(vgl. jedoch Q. 30, 3) hinzukam. 

Das Bekanntwerden der arabischen Sprache unter den Christen 
fällt ungefähr mit dem der hebräischen Sprache zusammen. Nach 
den unvollkoinnmcn Versuchen eines Posiellus (1550O u. A. er- 
hielt dieses Studium im Anlange des 17. See. einen vorzüglichen 
Anstofs durch die Missionsanstalten , welche eiiigebohine, zum 
Thed gelehrte Morgenlander (slsseniani, Amira, Gabriel Sionila) 
nach Europa brachten, die dann die Lehrer europäischer Gelehrten 
wurden. Von solchen leinte z. B. van Erpe (VI. der geschätztesten 
arabischen Grammatik. 1615. 5O) ; Poi.cii.ke und Golius erwarben 
eich ihre Kenntnisse in Syrien und Arabien selbst. Der letztere 
und Giagei bearbeiteten ihre berühmten Wörterbuch» aus ein- 
heimischen Lexicogt.iphen. Auf den Bibliotheken zu Paris, Rum, 
Oxford, Leyden , war auch ein Schatz von Handschriften zusam- 
mengebracht, die nun zum Theü durch den Druck bekannt zu 



d. hehr. Spraclisiucl. b. d. Christ. %. 3<5. Harmon .Spraehslud. 1 17 

raach?n anfing. — Wenigere Bearbeiter fand die angleich ärmer« 
syrische Literatur. Im Aethiopisclien blieb Hiob Ludolf bis auf 
die npuesten Zeiten der einzige tiefere Kenner, der aber auch nicht 
Versäumte, die erforderliche Anwendung auf das Hebr.iisclie zu 
machen. Lexicon aethiopico-latinum. 1661. 4« Ccmmcnt. ad 
hist. acihiop. S. 202 ff. — Vgl. überhaupt Schnurr er bibl.cra- 
bica S. 3 ff. Eichhorns Gesch. der neuem Sprachenkuude. Th. I. 
S. 452 ff. 60,-5 ff- 

Zu den schon erwähnten Polyglotten , durch welche beson- 
ders der Gebrauch der \ ersionen allgemeiner Gemacht und er- 
leichtert wurde , kam 1657 die (mit Zuziehung von Hyde, 
JLightfoot, Pococke u. A.) von PZalton besorgte Londner hinzu. 
6 Voll. Fol. 

2. Der Nutzen der Dialekte für die grammatische Be- 
handlung wurde am schicklichsten dadurch ins Licht ge- 
setzt, dafs man die Grammatiken einiger oder aller Dialekte 
ganz in einander verwehte und harmonisch darstellte, oder 
wenigstens in derselben Manier gearbeitet mit einander ver- 
band. Der gründliche und selbstdenkende de Dien ging 
durch Zusammenstellung des Hebräischen und Aramäischen 
voran, ihm folgten Hol tinger, Senheri u. A. ; alle Dialekte, 
selbst das nichtverwandte Persische verband Castelhcs vor 
seinem Heptaglotto zu einer grammatischen Uebersicht. 
Der Einflufs, den dieses alles auf die Gestaltung der hebräi- 
schen Grammatik hatte , war indessen noch nicht so grofs, 
als man erwarten sollte. 

Lud. de Dieu (zu Leiden, st. 1642): grammatica linguarum 
orientaliuni Htbraeorum, Chaldaeorum et Syrorum inter se collata- 
rum. Lugd.Bat. 1628. 4« ex 1CC - CLodii, Francof. ad M. 1683. 4* 

1. H. Hottinger (gelehrter Orientalist und Kirchenhistoriker, 
zu Züich und Heidelberg, st. 1667): grammatica- c/uatuor lingua- 
rum, hehr, chald. syr. et arab. harmonica. Tiguri 1649. 4 # 

Andr. Sennert (in Wi:tenborg, st. 1689): hypotypous har- 
monica linguarum orientaliuni, cliald. syr. et arab. cum matre he- 
braea. 1653. 4. 

Georg. Othonis (iu Marpurg;, st. 1715): Synopsis institu- 
tionum samaritanarum , rabbin. arab. aethiop. et persicarum. Alt 
Anbang zu Altings Grammatik. Francof. 1717. 



i?8 Abschn.II, Gesch. d.hebr. Sprachkunde. Per, IV. Bülthe 

,5. Fühlbarer war dieser Einflufs auf das Lexicalische 
der Sprache. Die Ausheilte, die schon der Zeitraum vor 
Schaltens in dieser Rücksicht gewährt, ist ungemein grofs, 
wenn oleich gerade nicht Viele ihren Forschungen eine ei- 
gentlich lexicalische Gestalt gaben. Nach Schindler (Q. 34) 
geschah dieses zuerst von Hottinger mit manchen eigentüm- 
lichen Bemerkungen, dann mit gröfserer Vollkommenheit 
v»n Edrii. Castle, einem Manne von Talent, umfassendem 
Blick und einer wahren Fülle von Sprachgelehrsamkeit, der 
in seinem Reptaglotton, einem Werke 17jährigen ange- 
strengten Fleifses , das Hebräische mit den 5 verwandten 
Dialekten zusammenstellte, und die Erläuterung aus densel- 
ben theils selbst gab, theils durch jene Zusammenstellung 
dem künftigen Forscher erleichterte. Nicht blofs im He- 
bräischen , sondern fast in allen übrigen hier vereinigten 
Wörterbüchern trug er den Preis vor seinenVorgängern davon. 
Vorzüglich aus den hier gesammelten Materialien gab Cel- 
larius einige Beobachtungen über den lexicographischen Ge- 
brauch des Arabischen, und Kroinayer brachte den Nutzen 
desselben in eine Art von Theorie, deren Anwendung er am 
Buche Hiob zeigte. Eine nützliche Ergänzung der Wörter- 
bücher lieferte, auch ISolde durch sein Spezialwörterbuch, 
über die Partikeln. 

I. II. Hottinger: Smegma Orient ale (MeidelbeTgae 1653). S. 
116 iL Etymologicum Orientale s. Lexicon hannonicunx heptäglot* 
ton. Francof. 1661. 4. Er beschrankt sich blofs auf die Stamm- 
wörter. 

Edm. Castle, gew. Cas tellus (zu Cambridge, st. 1635): 
Lexicon Hepta°lotton t hehr, chald. syr. sam. csthiop. arab. con- 
iunctim et persicum separat im. Lond. 1669. 2 Voll. Fol. ein An- 
hang zur Loudner Polyglotte. Sieben sprach<;elehrte Gchillfen, 
unter denen Light f 00t war, unterstützten ihn bev der fast herku- 
lischen Arbeit, die ilim den Gebrauch seines Gesichts und oben- 
drein den gröfsten Tlnäl seines Vermögens kostete. Die benutz- 
ten Schriftsteller s. in der Vorrede. Eine Würdigung des Wer- 
kes s. in jyiichailii Abhandlung von der syrischen Sprache S. 1 19. 
Auf desselben Veranstaltung ist der hebräische Theil wieder abge- 



d. hehr. Sprachstud. b. d.Christ. §. 36. Harmon.Sprachslud. 1 19 

druckt (od. Trier) Heimst. 1*790. 92. 2 Voll. 4« D a » Ganze soll 
vor Kurzem in England wieder herausgekommen seyn. 

Christ. C c llarius (zu Zeiz und Halle, st. 1707): sciagra- 
■phid -philologiae sacrae , ed. II, usu Arubismi etymciogico aucta. 
Jenae iß/78« 4- 

J 0. Ab rah. Kr o may er (zu Ohrdruf in Thüringen, st. 1733): 
filia inntri obstetricans s. de usu linguae arabicae in addiscenda Lin- 
gua tbrara. Francof. et Lips. 1707. 4. 

Christ. Nolde (zu Latul-cron und Kopenhagen, st. 1633): 
Concordantiae -particularum ebraeo •chaldaicarum V. T. 1679. 4* 
In den Annotatt. und Vindiciis am Ende des Werkes liegen gute 
Bemerkungen zu schweren Stellen. Neue Ausgabe mit Anmer- 
kungen nach Danzens Grundsätzen von J. Tympe. Jenaci734« 

6 r - 4- 

* * 

* 

Dan. Fessel (in Ciistrin, st. 1673): Advcrsaria Sacra. T. I. 
II. 1650.53. 4* Vermischte philologische Untersuchungen, fast 
durch<rehends lexicogrnphischer Art, in denen vorzüglich der 
Sprachgebrauch des A. und N. T. gut parallelisirt wird. 

4. Andere legten ihre philologischen Untersuchungen 
theils in fortlaufenden Commentarien oder in Erklärungen 
einzelner schwerer Stellen nieder, theils in Werken, worin 
sie gewisse, besonders schwielige, Partieen der alttesta- 
ra entliehen Sprach- und Sachkenntnifs, mit erschöpfender 
Gelehrsamkeit zu erläutern suchten. Unter diesen ist der 
grofse Scijii. B oc hart , dessen Ilierozoicon einen seltenen 
Schatz von philologischen Materialien enthält, besonders 
insofern die Worteiklärung durch Natur- und Sachkenntnis- 
se des Alterthums bedingt ist. An Fülle klassischer und 
morgenländischer Gelehrsamkeit thaten es ihm wenige 
gleich, und selbst, wenn er irrt, gewährt er oft reiche Ee- 
lehrung. 

Ed. rococke (gebildet durch einen 6jährigen Aufenthalt zu 
Aleppo, seit 1656 Prof. zu Oxford, st. 1691): conwyntaries ort 
Hosea, Jo'il, Micah and Malachi. Oxf. 1635. Fol. Notae mis- 
cellaneae ad Maimor.idis fOrtam Mosis. Oxon. 1655. 4* 

de Dieu: Cvitica sacra s. animadversioncs in lom quaedam dif- 
ßcilicra V. et N. T. Amstelod, 1693. 



120 Abschn. II. Gesch. d. hehr. Sprachkunde. Per. IV. Bliiihe 

■dug. Pfeiffer (zu Leipzig und Lübeck, st. 1693) : Dubia 
vexata S. S. Lips. i685- 1 7 1 5- 4« Die Bemerkungen zu einzel- 
nen Stellen zeugen von ausgebreiteter Keimtnifs, selbst des Kopti- 
sehen und Persischen, gelm aber greisen Tbeils auch von dogma- 
tischen Vorurtheilen aus. 

Die Commentarien des Clericus, wiewohl nicht ohne Sprach- 
kenntnifs und richtigen exegetischen Tact £.eschrieben , zeichnen 
sich doch mehr von Seiten der Sacherläuterung und kritischen An- 
sichten aus. S. jedoch die lndd, 

* * 

* 

Sam. Bochart (Schüler von Erpenius , Prediger zu Caen, 
St. 1667): Geographia sacra s. Phaleg et Canaan. Caen. 1646. 
Fol. Hierozoicon s. de animalibus S. S. Lond. 1663. Fol. (Letz- 
teres vollendeter und minder reich an Hypothesen). Opp. omnia. 
1692. 1707. 1712. Das Hierozoicon wieder abgedruckt mit An- 
merkungen von Roser.midler. 4- Lips. 1 795 - 95- 

J o. Braun (zu Grüningen, st. 1709): de vestitu sacerdot. He- 
hraeorum. Amstelod. i6ßo. 4« 

Hadr. Relund (zu Utrecht, st. 1713): dissertatt. miscella- 
neae. T. I-III. 1707. 1708- 8* Palaestina ex monumentis vett. 
illustren a. Ultraj. 1714« 

Ö- 37- 

Andere Schulen hebräischer Philologie (Cappelle, Buxtorf, Danz). 

So ausgebreiteten Eingang die eben beschriebene Me- 
thode auch im Ganzen bey allen bessern hebräischen Philo- 
logen gefunden hatte, so bestanden dessen ungeachtet 
gleichzeitig mit denselben noch mehrere zum Theil sehr an- 
gesehene Schulen hebräischer Philologie, welche die in den 
Dialekten neu hinzugekommene Erkenntnifsquelle tbeils 
verschmähten, tbeils zur Seit ■ liefsen, indem sie ihre Aui- 
merksamkeit auf andere Gegenstände der hebräischen Sprach- 
kundc lenkten. 

1. Da die von Elias l.cviht (■$. 29, 2) angeregten Zwei- 
fel an dem Alter des heutigen Punctationssysteins in der vo- 
rigen Periode im Ganzen wenig Eindruck gemacht, wenig- 
stens auf die Behandlung der Grammatik und Lexikographie 
keinen Einflüfs gehabt hatten, so machte es nicht geringes 



d. hehr. Sprachsturf. b.d. Christ. (3- 57. C.appellc, Buxiorf. 121 

Aufsehn, als Lud. Cappelle zu Saumur (1624) mit Elias Levi- 
ta den neuern Ursprung desselben behauptete, und , somit 
auch die Richtigkeit desselben, wenigstens in einzelnen Fäl- 
len, in Anspruch zu nehmen schien. Trotz vielfachen, aber 
meist einseitigen, Widerspruches traten ihm viele bey, vor- 
züglich sein Landsmann 7t». Morinus , und es bleibt ihm das 
Verdienst, die entgegengesetzte , selbst zum religiösen Vor- 
urtheil gewordene Meinung mit siegenden Gründen bestrit- 
ten zu haben, wenn gleich die Wahrheit gewissermaafsen 
in der Mitte liegen mochte (s. Abschn. 3. Kap. 2 '. "Vor Ue- 
bertreibung und Tvlisbrauch ist freylich nichts gesichert, und 
allerdings -war es diels , wenn mehrere seiner spätem An- 
hänger unter den Franzosen so 'weit gingen, die ganze Punc- 
tation als neue willkiihrliche Erfindung der jüdischen Gram- 
matiker, die ohnehin das Erlernen der Sprache erschwere, 
zu verwerfen, und sowohl in Grammatik und Wörterbuch, 
als in der Kritik des Textes gar nicht zu berücksichtigen. 
Zu den letztern gehören Masclef und der beynahe berüch- 
tigte Kritiker lloubigant. 

Lud. Cappelle (zu Saumur, geb. i5S^> st - x ^58) : -Arca- 
nurn punctationis revelatum ed. Erprn. Lugd. Bat. 1O24. 4. 
Zweyte Ausgabe an den Comment. in V. T. ed. Jac. C'uppeilus. 
Amstelod. i6gg. Fol, 

J o. JVloTini E±ercitatt. bibl. (Paris. 1669, Fol.) lib. IT. 
exercit. 1 2 ü . 

Orammat. hebr. a punctis aliisque inventis masorethicis libera. 
Paris. 1716. 1731. ß. Statt der hergebrachten Vocale -wählt der 
Vf. (Fr. JMasclt'f zu Amiens) für jeden Consonanten den Vocal, 
mit welchem er nach seinem Namen im Alphabet ausgesprochen 
wird , z. B. Bera Alaitn ut esimim u. s. w. 

C. Fr. Houbi gant (zu Paris, geb. 1636, st. 1733): racines 
hebraiques saus powts voyelles, ou d'utionnaire liehruique. Pari» 
t-IS 2 ' 3' Vgl. dessen Biblia liebr. c. not. tritt, et vers. lat. Paris, 
1753. 4 Voll. Toi. 

Noch Neuere, die sich zu dieser Schule bekennen, s. unten. 

2. Einen erklärten Bestreiter fand Cappelle an dem jun- 
gem Buxiorf, welcher aber nur einen schon von seinem 



122 Abschn. II. Gesch. d. hebr. Sprachkunde. Per. IV. Bliithe 

Vater entworfenen Plan ausführte. Er behauptete Untrüg- 
lichkeit, selbst Inspiration des Vocalsystems, so wie über- 
haupt des jüdischen lexlus repepim , und bezeichnet so den 
Character einer Schule, die sich an die erste Periode an- 
schliefsend, noch geraume Zeit fortdauerte. Aufser IFas- 
niutk (6 Q. 33.) und A. kann namentlich Coccejas als Lexi- 
cograph hieher gerechnet werden. Er hat sehr grofse Ver- 
dienste um die vollständige lexicalische Darstellung des alt- 
testamentlichen Sprachgebrauchs , benutzt aber unter den 
Versionen nur die LXX und die Targg. , die Dialekte fast 
gar nicht. 

J o. Bux tor f d. j. (st. lßß.j): de punctorum voealium et ac- 
centuum in libris V. 2\ origine , antiquitate et anctoritate. Basil. 
16/jß. 4. Dissertatt. philol. theologicae. 1662. 4. Anhänger 
Buxtorfs £;egen Cappellus : Sirwon de JVIuis, de Boot, Stcph. I\lo~ 
rinus. 

J o. Coccejus (eig. Coch, «ins Bremen, st. 1699 zu Leiden): 
I^exicon et commentarius serm. hebr. Lugd. Bat. 1669. Fol. Die 
Vergleichung der Dialekte wurde in eüier neuen Ausgabe nachge- 
tragen von J. H. JVlajus, 1714- Fol. » zum Theil umgearbeitet 
mit vielen Nachträgen von J. C. F. Schulz. Lips. 1777. ed. IT. 
1795. g6. 2 Voll. ß. Die ihm eigenthümliche typisch-mystische 
Auslegungsart , die in der ersten Ausgabe viel Plats wegnimmt, 
ohne gerade der eigentlich philologischen Auslegung zu schaden, 
ist in den folgenden immer mehr weggeschnitten. 

3. An jene Euxtorfische Schule schliefst sich endlich 
eine dritte, welche man am zweckmäfsigsten die systemati- 
sche oder philosophisch- demonstrative nennen dürfte. Ihr 
Jlauptcharacter bestellt darin, das in grammatisch-kritischer 
und lexicalischer Hinsicht von jener Schule Recipirte als ein 
Gegebenes zum Grunde zu legen, und nur durch mancher- 
ley Hypothesen zu beweisen und zudemonstriren. In gram- 
matischer Hinsicht gehört dahin vorzüglich Danz (seit 1636), 
•welcher in Rüchsicht auf Ansehn und Einfluls in Deutsch- 
land das wurde, was Alling (seit 16J4) ^ ur die niederländi- 
schen Schulen gewesen war. Bevde besafsen niorgculäu- 
dische Gelehrsamkeit uud Kenntniis der Dialekte , aber sie 



d.hebr. Sprachstud. b.d. Christ. Q. 57. Alling, Banz. 123 

machten zu wenig; Gebrauch davon, und besonders Danz 
schadete durch seine pedantische ?»Iethode einer liberalern 
Behandlung des hebräischen Sprachstudiums ungemein, und 
mehr noch, als er selbst, geistlose Schüler und Nachahmer, 
die an dem Buchstaben seiner Regeln klebten. Ueber ein 
halbes Jahrhundert konnten sich die deutschen Schulen der 
hebräischen Sprache nicht von seinen lähmenden Fesseln 
losmachen. 

Jac. Alt 'mg (zu Groningen, st. 1679): fundamenta puncta- 
tionis linguae sunctae. Gronin°;ae 1 654. 8- ec b H» 1 675> dann öf- 
ter, zuletzt 1717 mit des Vfs. institutt. chald. et tyr. und Othonis 
Synopsis (ft. 36, 2). Am Ende der Grammatik eine sehr brauch- 
bare U'bersicht der Syrinsmen, in derselben grofse Aufmerksam- 
keit auf Ton und Accentuaticm. 

J. A. Danz (geb, 1654, aller semitischen Dialekte, auch des 
Persischen kundig, im Arabischen ein Schüler von Pococke, st. 
zu Jena 1727): Nucifrangibulum. Jenae i6q6. Q; darauf unter 
dem Titel: pTpT50 s. litoator ebraeo-chaldaeus, plenam utriusque 
linguae l\ T. institutionem harmonice ita tradens, ut cuncta fir- 
mis supcrstructa fundamentis innotescant seien tifice. 161)6. 
8- Die Syntax unter dem Titel: ]»3Tin s. interpres ebraeo-chal- 
daeus. 1696. Q. Beyde öfter. Die Syntax ed. Tympe. 17 55. 4« 
Auszug ans beyden ed. Zopf. 1773. 8« Andere Bearbeitungen 
und Uebersetzune,en von J. F. /law, Kypke , Zenkel u. A, Der- 
selben Methode fol^t 

Spinozae compend. gramm. hehr. 1677« 8* 

H. t B. Stark (zu Leipzig): Lux grammaticae hebraicae. 1705. 
ed. Bosseck. 17G4. Q. 

Eine gemeinschaftliche Eigenthümlichkeit dieser Lehr- 
bücher ist das zuerst von Alling vorgetragene, und von 
Danz weiter ausgeführte syslema morarum, welches bey der 
Wahl der langen und kurzen Vocale des hebräischen Textes 
zum Grunde liegen soll. Nach der einfachem Darstellung 
von Alling macht jede Sylbe einen Takt von zwey einfachen 
Zeiträumen (morae) au6 , mit der Ausnahme, dafs die Ton- 
sylbe einen mehr und einen weniger haben kann. Ein lan- 
ger Vocal nimmt zwey irwras , ein kurzer oder ein Conso- 
nant am Ende der Sylbe nimmt eine ein , daher £ 2 morae, 



124 Ab sehn. IL Gesch. d. hehr. Sprachkunde. Per.IV. Bliithe 

^ü 2 morae. Danz zählt auch den einen oder die zwey Con- 
sonanten im Anfange der Sylbe als eine tnora , und setzt 
hiernach drey Moren als Eifordernifs einer Sylbe fest (sj- 
stema triwn moraruin). Indem er dieses durch alle Formen 
und Ausnahmen der Grammatik durchführt, gibt er dersel- 
ben einen Schein von Einfachheit, Notlnvendigkeit und 
Consequenz, der ihm viele Anhänger verschaffen mufste. 

Wenn alle unbefangene Beiutheiler schon damals zweifelten, 
dafs ein so künstliches System, wie Danz voraussetzt, der leben- 
den hebräischen Sprache zum Grunde gelegen haben könne (Carp- 
zovii Crit. Sacra V. T. S. ip?), so hat dasselbe neuerlich an Bei' 
lermann (Versuch über die Metrik der Hebräer. Berlin igi^. 80 
wieder einen scharfsinnigen Verteidiger gefunden , welcher es 
wenigstens als Grundprinzip der masorethiseben Prmctation gel- 
tend zu machen und die dagegen erhobenen Einwürfe (s. Vaters 
hebr. Sprachlehre, Vorrede S. 31 ff.) zu entkräften gesucht hat. 
S. a. a. O. S. 6 ff. 22 ff. Alhin es kann noch immer bezweifelt 
werden, oh 1) ein solches Prinzip die iYIasorethen geleitet habe, 
oder 2) ob durch die Annahme desselben auch nur als t^otz; irai' 
Ist*; etwas gewonnen werde. Ein bedeutendes Argument £egen 
das Erste kann wohl davon hergenommen werden , dafs keiner 
der älteren jüdischen Grammatiker auch nur mit einem Worte ei- 
nes Systems und seiner Terminologie eedenkt, das doch ein Grund- 
prinzip der von ihren Vorfahren aufgestellten Vocaüsation gewe- 
sen seyn soll. An dem andern läfst sich zweifeln , weil a) die 
Kenntnifs, wenn ein langer oder ein kurzer Vocal zu setzen sev, 
immer nur einen ganz unbedeutenden Theil der Formenlehre aus- 
macht, und b) nicht einmal diese durch das systema morarum 
vollständig erreicht wird, denn die Ausnahme, dafs die Tonsylbe 
eine Mora mehr oder weniger haben künne, hebt wieder alle Re- 
gel auf. Die formae segclatae lauten, wie TjSö (mit einem kur- 
zen Vocale in der Tonsylbe), aber auch wie MO, "ISO, K7*tp (mit 
einem langen), ohne dafs ich diese MD , \t)"ip schreiben darf. 
Nach dem Morensystem ginge diefs ebenfalls an, aber eben des- 
halb reichen seine Bestimmungen nicht aus, und kann es nicht 
als ein alle Erscheinungen erklärendes Prinzip angesebn werden. 
D3n und Q3n, Se[t3 und St3j:3 sind beyde nach dem Morensy- 
■tern richtig, aber ich gewinne dadurch wenig, wenn ich nicht 
erfahre, dafs das eine die Form des Praeteriti, das andere die des 
Participü* oder Adjectivi veibalis se\ . 

Solche Ausstellungen heften sich aber in Menge machen. 



d. fiebr. Sprachstud. b. d. Christ, $• 37. Gousset, Neumann. 125 

Noch stärker und wirklich nachtheiliger zeigt sich jene 
Vernachlässigung der Dialekte, mit vvillkührlichen Hypo- 
thesen verkünden, in der gleichzeitigen Bearbeitung, des le- 
xicographischen Gebiets. Wie früher Forster und Buhle 
(Ö- 34)5 so verwarf Gousset ("1702) nicht blofs die Rabbinen, 
sondern auch Dialekte und Versionen, und wollte alles 
(selbst «*■«£ biyojutMotl') aus dem Zusammenhange und Paral- 
lelstellen dechifriren; im Grunde wurde aber doch häufig nur 
das dechifrirt und bewiesen, was die Reception des Buxtor- 
fischen "Wörterbuchs , über welches er commentirt , an die 
Hand gab. Um Beobachtung des biblischen Sprachge- 
brauchs, sofern er aus sich selbst erkannt werden kann, hat 
er dessen ungeachtet sein Verdienst. Eben so Stock (171 7), 
dessen streng logische Anordnung der verschiedenen Ge- 
brauchsweisen eines jeden Wortes noch jetzt in gewissen 
Fällen beym Nachschlagen willkommen seyn kann. 

Kühner und fast abentheuerlich war die Theorie, wel- 
che um dieselbe Zeit JSeumann aufstellte, und durch einen 
Theil des Wörterbuchs durchrührte. Er ging Anfangs von 
der vollkommen, richtigen Bemerkung aus, dafs bey vielen 
zwevsylbigen Stammwörtern nur Eine wesentliche Stamm- 
svlbe gewesen sev, und dafs diese der Form und Bedeutung 
nach verwandt oder dieselben seyn, wie Diu, 3c*< ; it^E, 
U-'il'C u. s. w. *). Eine übertriebene Ausdehnung derselben 
führte ihn aber zu der Behauptung, dals alle zweysylbige 
Stämme auf einsylbige zurückgeführt werden müfsten, und 
aus diesen und durch Zusammensetzung derselben entstan- 
den seyn; und vollkommen abentheuerlich wurde sein Ver- 
such, als er noch weiter, auf die ersten Elemente zurück- 
gehen wollte, und die Bedeutung der Wörter aus denen der 
einzelnen Buchstaben ^welche er nach ihrem Namen , ihrer 



1) Mein hebr. Wörterb. Vorrede zum 2ten Tli. S. XIII. XIV. 
Hebr. Grammat. S. 110 ff. Vgl. Loscher p. 139 ff. 256 ff. 
Carpzovii Crit. sacra S. lßy. 



12(5 Ahsc1in.lL Gesch. cl. hehr. Sprachkunde. Per. IV. Bllilhe 

Gestalt, ihrem Laute u. s. w. bestimmte) zu deduciren an- 
fing. Die hebräischen Buchstaben wurden nach diesem hie- 
roglyphischen System nach Art der sinesischen decbifrirt. 
Abgesehn von der letzten Operation gleicht ihm Rümelin, 
der durch mancherley Versetzung und Verwandlung der 
Buchstaben den ganzen Sprachschatz auf 15 Grundwörter 
zurückführt. 

Jac. Gousset (7.11 Poitiers und Groningen, st. x^o^: Com- 
mentarii ling. ebraicae. Amstelod. i7o2. Fol. (~d. Clcdius Lips. 
1 745- g 1- "fO- ^ er I r ° rm Iiric h ein Commentar aber huxto f\s 
kleines hebr. Wb., 3111 Werk ^oj^brigen, aber nicbt zyyeckaiäfsig 
verwandten, Fleifses. Vgl. Michaelis Beurtbeil. S. 53. 

Chr. Stock (zu Jena, st. 1755): Clavis linguae sanetae f. T. 
Jenae 1717. Q. und öfter, zuletzt ed. J.F.Fischer. Lips. 1753. g. 

Casjy. Neumann (in Breslau, st. 1715): Genesis linguae 
sanetae V. T. Norimb. 1696. 4- Exodus ting. s. 1697-1700 in 
4 Stücken. Clavis domus Hebttr. P. I-I1I. 1712-15. 4. Nach 
ihm ist N Zeicben der Activität, Bewegung, 3 bildet den Cubus 
und dessen dreyfacbe Messung, dali. 2N der Raum, aus welchem 
sich ein innerer Trieb ausbreitet, Liebe, Valerliebe. Da^e^en 
Chr. B. Jfflchß'elis de seminibus bilitteris et significatu vocum hiero- 
glyphico. Halae 170p. 4. TkhYAa^/i'j Beurtheilung S. QQ. Schon 
vor ihm lehrte ähnlich Chr. Fiave (delineatio analogiae hebraicae. 
Amst. 1647. '[•)• 

G. Burch. Rämelin (im Wirternbergischen, st. 1746): £.«• 
xivon critico - sacrum. Tubingne 1750. 

Unter solchen Bizarrerieen mag auch tan der Hardt's 
Hypothese genannt werden, der die hebräische Sprache aus 
der griechischen abstammen liefs. 

Herrn, v. d. llardt (zu Helmstädt , st. 1746): dissert. da 
graecae et Orient alium linguarum harmonia. 1714. sirabia graeca 
— Syria graeca. 1715. Dagegen Chr. B. Michaelis in nichrcrn 
Disseriatt. Vgl- Brunt Verdienste der Helmstadter Professoren. 
S. 29. 

ö- 50- 
Ho 1 1 ä n d i s cho Schule seit Alb. Schultens. 

1. Schon durch van Erpe , Golius und deren Schüler 
waren am Ende des siebenzehntcu und im Auf. des acht- 



d. hebr. Sprachslud. b. d. CJirist. Q- 58- ffol/änd. Schule. \2J 

zehnten Jahrhunderts die niederländischen Academieen ein 
vorzüglicher Sitz , wie griechischer und römischer , so' auch 
morgenländlscher Sprachgelehrsamkeit geworden. Noch 
mehr wurde dieses der Fall, seit Albert Schultena (von 1713 an 
zu Franecker, seit 1729 zu Leiden, st. 1750) durch Lehre 
und Schrift den Eifer für hebräische und arabische Literatur 
von Neuem zu beleben wufste. Unterstützt durch die Schä- 
tze der Leydner Bibliothek an arabischen Scholiasten, Gram- 
matikern und Lexicographen widmete er sein ganzes thäti- 
ges Leben dem grammatisch-etymologischen Studium der se- 
mitischen Sprachen, vornehmlich der arabischen und he- 
bräischen, und machte es sich zum Geschäfte, auf ein harmo- 
nisches Studium derselben zu dringen, welches Männer, wie 
Gousset , Driefsen , in Verfall gebracht hatten. Es mufste 
seiner Polemik bald gelingen , solche Gegner zu stürzen. 

DO 7 o » 

und er ward so der Gründer einer neuen Schule hebräischer 
Philologie, die durch eine eigentümliche Manier bezeich- 
net, gewöhnlich die holländische genannt wird. 

2. Für das grammatische Studium lieferte Schultens das 
erste ausführliche, mit tiefer Einsicht in den Bau der semi- 
tischen Sprachen, besonders der arabischen, zugleich mit 
richtiger Sprachphilosophie abgefafste Werk, auf den Grund 
der Altingschen Grammatik gebaut. Seine zahlreichen lexi- 
cographiscben Untersuchungen dagegen liegen in seinen ver- 
schiedenen Schriften und Commentarien , die meist nur die- 
sen Zweck haben, zerstreut, da die Verarbeitung derselben 
zu einem eigenen Wörterbuche durch seinen Tod verhindert 
wurde. Sie sind aus einer reichen Belesenheit in grofsen- 
theils ungedruckten, arabischen Schriftstellern und Gram- 
matikern geschöpft, und haben zum Hauptzweck, mit Hül- 
fe des Arabischen überall die sinnliche, oft specielle, Grund- 
bedeutung auszumitteln, welche in den wenigen Ueberbleib- 
selu des Althebräischen nur selten erhalten seyn könne, 
aus diesen die übrigen herzuleiten, und überhaupt die Bil- 



123 Absclai.il. Gesch. d. hehr. Sprachkunde. Per. IV. Blütlie 

der, Phrasen, Tropen des hebräischen Sprauchgebrauchs 
aus der verwandten Sprachweise der Araber zu eil aUfin. 
Wenn das Verdienstliche einer solchen Behandlungsart 
leicht in die Augen fällt, so mufs man sich auf der andern 
Seite die individuellen "Mangel der Schultensischen Methode 
um so mehr vergegenwärtigen, weil nur so ein walner 
Gewinn von dem Studium jener Schriften zu erwarten ist. 
Dahin gehören zu einseitige Benutzung des arabischen Dia- 
lekts auf Kosten der übrigen , namentlich des aramäischen ; 
Vernachlässigung des Zusammenhanges und des individuel- 
len hebräischen Sprachgebrauchs (welchen \ ersionen und 
Rabbinen oft richtig wiedergeben), um arabische Bedeutun- 
gen anzubringen, daher oft gezwungene, uallkührliche, ge- 
schmacklose Auffassung einzelner Stellen; zu w eit herge- 
holte etymologische Hypothesen und Combinafcionen ; e.ni- 
lich übertriebene Emphasen, insofern man sich den Grund- 
begriff immer auch noch zu den abgeleiteten hinzudenken 
soll, was doch in einer lebenden Sprache durchaus undenk- 
bar ist. Dazu kommt noch ungemeine Weitschweifigkeit 
und Geschmacklosigkeit des Vortrags. Mehreres Uebertiie- 
bene und Verbildete seiner Manier scheint mit der Zeit zu- 
zunehmen , weshalb seine curae secimdae (z. B. beym liiob) 
selten wahre Verbesserungen enthalten. 

Seine Grammatik : Institutiones ad fundamenta ling. hehr. Lugd. 
Lat. 1737. 4- Auszug daraus, holländisch 175O) Ut Bremen 
1753. Theorieen der hebr. Philologie: de utiiiiati' ling. urab, 
in interpretanda S. S. 1706. De defa.tibus hodiernu Lingua» lubr. 
1753. Vetus et regia via hebraixandi. i7.5b- Llw is dialeito- 
rum. 1633 ( hinter der Ausg. von Erpen. «ramm. «/-«/>.). O'igi- 
nes hebraeae. P. I. 1723. P. II. 1737- ed. II. 17:11, nebst den 
v'mdiciis dieses Werkes liegen Driefsen. — Comnit-iitniit-n : ani- 
madversiones philol. in Job um. »7°8' Animadverss. ad iana loca 
y, 2*. 1700 (beyde in den Opp. minoribus »76g. 4\ Comnunt* 
in Jobum 1737. 4' '" i' r <"'"/'" J , 748« ■)• — LexicOH /.:■/'/•. (nur 
einige Bogen in 4). lYIehreres auch in den Noten 7:1 lh- i 11t.cn. 
sessus und den poet. Exccrpten hinter Erpen. arab. Grammatik. 

C»748)- 



d. hebr. Sprachstud.b.d. Christ. Ö.3Ö« Holland. Schule. 129 

3 Alle diese Vorzüge und Mängel erbten auch auiSchul- 

tens Schüler fort, wiewohl sie sich natürlich bey einem jeden 

auf eine individuelle Art modifizirten. Während Einige 

o 

(wie Venema, Lette) oft nur die Schattenseite der Schulten- 
sischen Methode ergriffen, und dem hebräischen Sprachge- 
brauche gesuchte arabische Bedeutungen, Etymologieen und 
Emphasen aufdrangen, wufsten Andere (wie Schröder, Seb. 
JR.au) die Einseitigkeit ihres berühmten Vorgängers glück- 
lich zu vermeiden, und nur das Gute desselben beyzubehäl- 
ten. Ein fast allgemeiner Vorzug der Schulen bleibt eine 
Fülle ausgebreiteter Gelehrsamkeit in der klassischen, rab- 
binischen und morgenländischen Literatur. 

Als Grammatiker hatte Schultens einen trefflichen Nach- 
folger an Schröder, welcher seine Institutionen in einen 
freyern Auszug brachte, und mit einer vorzüglichen Syntax 
bereicherte. Die lexicalischen Bemerkungen liegen in vie- 
len Commentarien zu biblischen (auch arabischen) Schrift- 
stellern und in Monographieen zerstreut. Eine von Sc/ieid 
angefangene, von Gronewoud vollendete kurze Uebersicht 
der lexicographischen Resultate (ohne alle Nachweisung der 
Quellen undHülfsmittel), kann nur für eine Andeutung zum 
Theil sehr unhaltbarer etymologischer Hypothesen gelten, 
lind hat keinen bedeutenden Werth. 

Grammatik: N. lV t Schroetter (zu Groningen, st. 179g) in* 
stitutt. ad /und. ling. hehr.' Groningae 1766 und öfter, zuletzt 
Ulm 1792. 8. 

Lexica: Schroeder observatt. ad origines hebr. Gron. 1755. 
56. 62. Ev. Scheidii observatt. ad ling. hebr. stirpes, Spec. 
I-V. Härder. 1772. 4. Lex. hebr. et chaid. manuale in cod. sa» 
crum V. T., cura Ev. Scheidii et J; J. Gr oenewoud. P. I. II. 
igo5. 10. Bis paj von Scheid. 

Commentarien und pbilol. Observationen : Lette observatt. in 
Deborae et mosis Cantica. 1 748» Eius d. animadv. ad text. hebr* 
1 759« Observatt. in loca selecta S. cod. 1765. 8- Herrn* 
Venemae Comment. ad Psalmos. Leovard. 1762-67. 6 Voll. 4. 
in Jeremiam. T. II. 1765. Ev. Scheidii diss. ad cant. Hiskiae. 
1769» N, G. Schroederi comment. de vestitu mulier um hebr* 

I 



»30 Abschn. II. Geach. d. hebr* Sprach Lunde. Per. IV. Bliitke 

ad Jes. in. 1748« 4« «S^k üöu Exercitatt. philol. ad Honhi- 
gantii Prolegg. und a. m. — Sammlungen von Monogra- 
phieen : Sylloge diss. ph'dol. exeget. sub praesidio Alh. et J. J. 
Schulten* et SJiroederi edltarum. P. I. IL 1772. 75. 4. Balgii 
literati opuscula tust, philol. theoL ed. Oelrichs. T. I. IL 1774« 76. 
u. s. w. 

6- 39- 
Neueste Bearbeitung der hebräischen Philologie in Deutschland. 

1. Während jene Holländer sich um die Belebung eine* 
gründlichen Sprachstudiums die entschiedensten Verdienste 
erwarben, bildeten sich auch in Deutschland einzelne Schu- 
len für hebräische Sprachforschung. Wenn gleich ihren 
Mitgliedern oft die Fülle holländischer Gelehrsamkeit ab- 
ging, so vermieden sie doch auf der andern Seite auch die 
Fehler derselben, und indem sie das Wahre, welches bey 
den so divergirenden Methoden eines Buxtorf , Gousset und 
Schidtens zum Grunde lag, zu vereinigen suchten, gelang 
es ihnen, die verschiedenen Erkenntnilsquellen zur Erläu- 
terung des Hebräischen (jüdische Tradition in Versionen 
und Rabbinischen Commentaren , Dialekte, Context und 
Parallelsteilen) in ein richtigeres Verhältnifs zusetzen, als 
jene. Einen schönen Grund dazu legte die Hallische Schu- 
le unter /. H. und Clir. B. Michaelis. Aus ihr ging ( um 
1750) /. JJ. Michaelis hervor, der durch vieljährige Vorträge 
(seit I73y zu Halle, seit 1745-1791 zu Göttingen) und zahl- 
reiche Schriften, die ausgebreitetste Aufmerksamkeit für das 
biblisch-morgenländische Sprachstudium zu erregen wufste, 
und noch jetzt in berühmten Schülern fortlebt. Mehrere 
derselben, wie Eicfihorn und Herder, wufsten dieses Studium 
vornehmlich auch von Seiten des Geschmacks zu empfehlen. 

£. Grofse Verdienste um den Anbau der Grammatik er- 
warb sich zunächst der gründliche ihr. B. Michaelis , der in 
seinen ungemein schätzbaren Dissertationen die sorgfältigste 
und feinste Beobachtung des hebräischen Sprachgebrauchs 
mit umfassender Anwendung der Dialekte, besonders de* 



d. hehr. Sprachstud. b. d. Christ. Q. 39. Neue deutsche Bearb. 13 1 

Syrischen, für Formenlehre und Syntax verbindet. Die 
grammatischen Monographieen von Simonis und Hirt stehen 
diesen an Werth gar sehr nach. Der letztere schliefst sich 
noch an die Danzische Methode, eben so Meiner, der dem 
sjstema morururn eine eigenthüinliche Wendung zu geben 
versuchte. Dagegen lieferte Storr (1779) ein ideenreiches 
grammatisches Werk für Formenlehre und Syntax, ganz im 
Geschmacke der Holländer, mit den Vorzügen, aber auch 
mit manchen eigenthümlichen Mängeln jener Schule. Au- 
fserdem machten sich noch Ilezel (1777) durch passende Be- 
nutzung der Dialekte, Vater (1797) insbesondere durch An- 
ordnung der Declination , IVeckherlin (ißo5) durch eine 
brauchbare Syntax verdient. Wie sehr eine gründliche 
Kenntnifs der Grammatik vor unvorsichtigen Versuchen in 
der Kritik bewahrt, zeigte Stange in mehreren kritisch-pole- 
mischen Schriften und Aufsätzen, gröfstentheils gegen Mi- 
chaelis und dessen Schule. 

Chr. Beiied. Michaelis (der Väter von J. D. , st. 1764): 
lumina syriaca pro illustrando Hebraismo sacro. 1756. (wieder 
abgedruckt in Pott sylloge comment. theo!. P. I. S. 170). Diss. 
qua solcdcismus casuuni ab ebruismo s. cod. depellitur. 1757. Diss. 
qua soloecismus generis ab syntaxi cod. ehr. depellitur. 1737. 
Diese und mehrere andere verdienten noch einmal zusammen ge- 
druckt zu werden. — J o. Simonis (zu Halle, st. 176$): htm 
trod. gramm. crit. in ling. hebt: 1 753» Arcanum formarum nomi- 
num linguae fiebraeae. 1735» 4* •?• Fr. Hirt (zu Jena, st. 
*783) : synt. observatt. philvl. crit. ad linguam V. T. pertinentium. 
Jenae 1771. 8* J» I? ' Mainer (zu Langensalze) die wahren 
Eigenschaften der hebr. Sprache. Leipz. 1743. Dess. Auflösung 
der vornehmsten Schwierigkeiten der hebr. Sprache. 1757. (Vgl. 
Vaters hebr. Sprachlehre, Vorrede S. 20 ). Gottl. Christ. 
Storr (st. zu Stuttgardt 1804): Observatt. ad analogiam et syn» 
taxin hebr. pertinentes. Tubing. 1779. 8» PV. Fr. üeze/j aus- 
führliche hebr. Sprachlehre, mit Ver£leichun£ der übrigen mor- 
genländischen Dialekte. Halle 1777. (Auszug 1787 » n d öfter). 
/. S. Vaters hebr. Sprachlehre. Leipzig 1797. (Auszug 1798. 
4 8°7)' C C. Fr. TVeckh erlin s hebr. Gramm, für Anfang. 
Ausg. a. 1798« ater Theil, Syntax. i8°5- i Th, Stange (io 

1 2 



ij2 Absehn. II, Gesch. d. hebr. Sprachsünde. Per.IP» Blüiht 

Halle): Anticritka in locos quosdam Psalmorum a C.itkis sollicita- 
tos. P. I, II. »79 1 - 94- 8- 

Andere neuere Grammatiken, nicht ohne einzelne eigenthümli« 
che Vorzüge, hat man von Hasse (i7S6)> !• M- Hartmann 
(*79ö)» 3°' I ann (5 te Ausgabe, in lat. Sprache, Viennae iß 9) 
u. A. Des VJs. (kleinere) Grammatik, die Grundlage eines bald 
nachfolgenden ausführlichen grammatisch -kritischen Werkes, er- 
schien in Halle igr 3. 8- 

3. Verhältnifsmäfsig noch wichtiger möchte die Aus- 
beute seyn, welche für richtige Auffassung und Bestimmung 
des JLexicallschen gewonnen wurde. Einen nicht unbedeu- 
tenden Vortheil gewährte es hier unter andern, dafs man 
sich durch Studium morgenländischer Reisebe^chreibungen 
eine möglichst lebendige Anschauung von dem physischen 
und gesellschaftlichen Leben des biblischen Schauplatzes zu 
erwerben gesucht hatte, und die genauere Kenntnifs der 
Sachen nun auf die Erklärung anzuwenden wufste. 

In Anwendung der Naturkunde auf Schrift; rklärung gingen 
(nach Bochart, §. 5G, 4) mehrere schwedische Gelehrte voran, vor- 
züglich Ol. Celsius (geb. 1670, gebildet durch Reisen in 
Deutschland, Holland, Frankreich, Italien, st. 1756 zu Upsala) 
bekannt durch sein Hitrohotanicon. Upsal. 1745. 47« 2 Voll. Q., 
und Sum. O edmann (zu Upsala): Vermischte Sammlungen aus 
der Naturkunde zur Erklärung der heil. Schrift. Aus d. Schwe- 
dischen. 1786-95. 6 Hefte. 8- — 1° archäologis her Rücksicht 
sind am reichhaltigsten: J o. Jahns biblische Archäologie. 5 
Theile in 5 Bänden. Wien 1797- »8°5- 8« ^ c ll'ette's Lehr- 
buch der hebräisch -jüdischen Archäologie. Leipz. i8 x 4- S. 
Meyer s Gesch. der Schrifterklarnng. Th. 5. S. 16. Eichhorn s 
Gesch. der neuern Sprachkunde. Th. \. S. 502 ff. 

Der aufsern Form nach müssen wir die Worterklärung 
in Com.nent arten und in eigentlichen Jf'örterbüchern unter- 
scheiden. Den Character der erstem kann man im Ganzen 
eklektisch nennen, aber in einem Sinne, wo dieser Ausdruck 
keinen Tadel einschliefst, sondern die gleichförmige und 
prüfende Benutzung aller für acht erkannten Erkenntnils- 
quellen bezeichnet. Dieses gilt schon von den beyden Hai- 
fischen Michaelis f deren giölstes Verdienst jedoch in glück- 






d. hebr. Sprachstud. b. d. Christ, ß. 39. Neue deutsche Bearb. 133 

licher Benutzung der Parallelstellen und älteren Ausleger 
besteht, bey gewissen für den unterrichteten Leser unschäd- 
lichen Mängeln. Ihnen voran gingen Geier und Seb. Schmidt, 
ebenfalls sorgfältige Beobachter des Sprachgebrauchs. Nach 
der Schultensischen Periode machte /. D. Michaelis Epo- 
che, der aber wenig eigentlich philologische Commentarien 
hinterliefs; und Männer, wie Schnurrer und Roeenmüller 
wissen holländische Gelehrsamkeit mit deutscher Vielsei- 
tigkeit, Umsicht und Geschmack zu vereinigen. Erste- 
rer in wenigen , aber ausgesuchten, exegetischen Arbeiten, 
letzterer in einer ganzen Reihe gehaltreicher Commentarien. 
Vater nützte vornehmlich durch exegetische Skepsis. Zu 
kühne Benutzung des Arabischen auf Kosten des Zusam- 
xnenhangs und eigentlich hebräischen Sprachgebrauchs ent- 
halten einige Commentarien von Paulus. 

Mart. Geier (st. zu Dresden 1 6go) : Comment. in Psalmos. 
ed. II. 170g. Fol. Scb. Schmidt (st. 1696 zu Strafsbur^) : 
Commentarien über die meisten BB. d. A. T. 168 f - 9 3 . 4. /. //. 
Michaelis (st. zu Halle 1738): Biblia hebr, c. not. (bes. zu den 
Propheten) 1720. Q. dazu: Annotatt. uberiores philo!, exeget. in 
Hagiographos V. T. lihb. Voll. III. Halae 1720. 4. (v. Chr. ß. 
Michaelis sind dieAnmerkk. zu Jerem., Daniel, Arnos, Micha und 
den Proverbien). J. D. Michaelis: Observatt. in Jeremiae va- 
ticinia et threnos, ed. Schleusner. 1793. Chr. Fr. von Schnur' 
rer: Observatt. ad vat. Jeremiae. Tub. 1703-97. (auch in Veit- 
husen commentatt. theol. P. I-III). Desselben disserlatt. philol. 
crit. 1793. £. F. C. Rosen m älller: Scholia in V. T. Voll. 
VN. (Pentateuch, Jesaias, Psalmen, Hiob, EzechieL. kl. Prophe- 
ten). 1797-1814« de TJ'ette Commcntar über die Psalmen, 
Heidelberg lßi». Vater s Comment. über den Pentateuch. 3 
Bde. Halle 1503. 5. H. E. G. P a.ulus philul. Clavis über da» 
A. T. Die Psalmen 1791. Jesaias 1793. 

Andere mehr oder minder eigenthümliche und scharfsinnige 
Beyträge zur philologischen Auslegung enthalten aufserdem die 
philologisch - exegetischen Schriften von Arnoldi , G. L. Bcu?r, 
Dathe , J. E. Faber, Gaab , J. Th. und J. M. Hartmann , Hasse, 
Hensler, Hezel, llgen, Justi, Koppe, Pfeiffer, Ruperti, S.hleufsner, 
J. C. F. Schulz , Ziegler und A. , welche namentlich aufzurühren 
der Raum verbietet. 



134 '-dbschn.il. Gesch. d.hebr. Sprachkunde. Per.IV. Blilthe 

Die ersten lexicallschen Arbeiten von Wichtigkeit ka- 
men von zwey Zöglingen der Hallischen Schule, Simonis 
und /. D. Michaelis. Der erstere suchte besonders nach, 
dem Beyspiel der holländischen Schule die Grundbedeutung 
der Stammwörter zu erforschen, und die der Derivata ge- 
schickt davon abzuleiten , wobey er die Analogie der Dia- 
lekte und anderer alten Sprachen oft glücklich benutzte, und 
den Gebrauch der holländischen Vorarbeiten mit eigenen, 
etymologischen Versuchen verband. Dazu kam eine sorg, 
fältige Aufstellung und Erklärung aller wirklich vorkom- 
menden grammatischen Formen (nach Buxiorf) , und eine 
reiche Literatur, wodurch aber der Raum zu der eigentlich 
lexicalischen Darstellung und Belegung der Bedeutungen ei- 
nes Worts versperrt -wurde. Der andere sammelte die ein- 
zelnen philologischen Bemerkungen, die er sich während 
eines 5 2 jährigen schriftstellerischen Lebens selbst abstrahirt 
hatte, oder einer neuen Empfehlung bedürftig hielt, zu ei- 
ner Sammlung von Ergänzungen der Wörterbücher, und lie- 
ferte hier manche schöne Untersuchungen, wiewohl man in 
Materie und Form des Werkes hier und da die consequente 
Haltung der Grundsätze vermifst, die der Verfasser selbst 
in der Theorie aufgestellt hatte. In der neuen Ausgabe des 
Simonis von Eichhorn wurden die Arbeiten von Michaelis 
und mehrern Holländern excerpirt, und in den ersten Buch- 
staben manches für Phraseologie und Construction nachge- 
tragen, was aber weiterhin aus Mangel an Raum unterblieb. 
Moser 's kleines Wörterbuch gibt manche selbstständige ety- 
mologische Ansicht , aber zuviel Willkührlichcs , und alles 
zu kurz angedeutet. Dindorf'a unvollendet gebliebenesWerk 
enthält endlich eine Compilation aus vielen Wörterbüchern 
und Commentarien, aber ohne festen Plan und alles Eigen- 
thümliche. Von welchen Gesichtspunkten der 7 r erftu ser be> 
Abfassung seines Wörterbuchs ausging, ist in den Vorreden 
zu Th. 1 und 2 kürzlich dargelegt worden. Es waren vor- 
nehmlich folgende: möglichst richtige Schätzung und prü- 



d. hehr. Sprachstud. b. d. Christ. Q, 39. JSleue deutsche Bettrb. 135 

fende Benutzung aller Quellen der Lexicographie ; richtige 
Auflassung des Verhältnisses zwischen dem Hebräischen und 
den verwandten Dialekten , um jenem nicht einen ihm frem- 
den Sprachgebrauch anzudichten ; vollständige Angabe und 
Erläuterung der Constructionen und Phrasen, die mit einem 
Worte gebildet werden ; strengere Scheidung dessen, was 
in das Gebiet des Wörterbuches, oder in die Grammatik, 
oder in exegetische Commentarien gehört; Aufmerksamkeit 
auf die verschiedenen Classen der Diction (poetische, spä- 
tere) ; vollständige Aufnahme der Nomin. propria. 

J o. Simonis (zu Halle» st. 1768): Lexicon manuale hehr, et 
chald. Halae 1752. ed. II. 1771. ed. III. ed. J. G. Eichhorn. 
1795. 8- Onnmasticon V. T. Halae 1741- 4« 

/. D. Michaelis (geb. 1717 zu Halle, st. zu Göttingen 
1791): Supplementa ad Lexx. hebraica. Partes VI. Gottingae 
1792. 4. (eig. 178.5-92. Die letzten Bogen von Chr. Th. Tych- 
sen, aus M.'s Papieren). Andere Sprachbemerkungen in dessen 
Alter und Neuer Orient. Bibliothek (24 und 8 Theile) , Spicile- 
gium Geographiae Hebraeorum exterae , und in dessen verschiede- 
nen Commentatt. Vgl. seine Leben sbesclueibunü von ihm selbst, 
herausgegeben von Hassencamp. Rinteln und Leipz. 1793; über 
seinen literarischen Character von Eichhorn in der Bibliothek der 
bibl. Literatur. Th. 3. S. 8^7. 

P h. U. Moser (j.u Ulm, st. i7q2) Lexicon manuale hebr. et 
chald. praef. est Gottl. Chr. Storr. Ulmae 1795. 8- 

G. J. Dindorj (st. zu Leipzig 1812): novum Lexicon lin\- 
guae hebr. et chald. , commentario in libros V. T. , dialectorum in- 
primis cognatarum ope, animadi-ersionibus praestantissimorum inter- 
pretum locupletatum. P. I. II. Lipsiae 1801. i8°4> 8« (**-3). 

VT T . Ge seniu s hebr. deutsches Handwörterbuch über die 
Schriften des A. T. 2 Theile. 8» Leipzig 18 10. 12. 

Eine grofsentheils unrichtige Anwendung der Dialekte für die 
Etymologie machte Boysen (Beyträge zu einem richtigen System 
der hebräischen Philologie. 3 Bände. Chemnitz 1762), so wie 
Hczel (Kritisches Wörterbuch der hebr Sprache. Halle 1795, 
[Buchstab N j ) einen übertriebenen Gebrauch von der Buchsta- 
benversetzung und Verwechselung machte. Etymologische De« 
duetionen in holländischer Manier enthalten Funk symbolae ad 
interpretationem s. cod. Hafniae 1768. 8» 



136 Abschn. IL Gesch. d. hebr. Sprachk. Per. IV. Bliithe etc. 

Theorieen der Worterklärung enthalten: J. D. Michaelis 
Beurtheilung der Mittel, welche man anwendet, die ausgestor- 
bene hebräische Sprache zu lernen. Göttingen 1753. L F- 
Schellin g Abhandlung vom Gebrauch der arabischen Sprache 
zu einer gründlichen Einsicht in da3 Hebräische. Stuttg. 1771. 8« 
G. IV. Meyer s Versuch einer Hermeneutik des A. T. Th. t, 
Lübeck 1799. 



*37 



Dritter Abschnitt. 
Geschichte der hebräischen Schrift. 

ö. 40. 

Von der Schrift der Semiten überhaupt *). 

I. Öo sehr der erste Ursprung der Buchstabenschrift über- 
haupt sich im Dunkel des Alterthums verliert und dadurch 
jeder genauem Untersuchung entzieht, so ist doch soviel 
un bezweifelt, dafs das Alphabet eines semitischen (oder we- 
nigstens semitisch- redenden) Volkes, der Phönizier, die 
Mutter vieler rnorgenländischen, und aufserdem durch das 
Griechische aller abendländischen Alphabete geworden ist 2 ). 
Aus den semitischen Buchstabennamen und der Natur dieses 
Alphabetes erhellt es ferner deutlich , dafs dieses auch von. 
einem semitischen Volke erfunden sey, und schon hierdurch 

1) Wir besitzen darüber kein vollständiges und befriedigendes 
Werk, wiawohl hier noch Vieles zu untersuchen wäre. 
Vgl. Ed. Ber nar di literatura orbis eruditi a characters Santa* 
ritico dedueta. 1689. ec ^ Carl Mortem. 1759. Pf alt an Ap- 
parat bibl. Proleg. II. Biit tner figurae variaeque fonnae li- 
terarum hebr. syr. arab. Gott. 1769. Fol. Desselben Verglei- 
chungstafeln der Schriftarten verschiedener Völker. St. 1. Göt- 
tingen 1771. St. 2. 1779. 4. (unvollendet). Die 3 Kup f cr- 
tafeln nachjrestochen in Eichhorns Einleit. in das A. T. Th. f. 
PVahV s Skizze einer rnorgenländischen Graphik in dessen all- 
gem. Geschichte der rnorgenländischen Sprachen. S. 585 ß- taD « 
7-10. Paulus archäologische Beobachtungen und Vluthma- 

fsun^en über semitische, besonders hebräische Lesezeichen, in 
o 

dessen Memorabilien. St. 6. S. 102 ff. Neues Lehrgebäude der 
Diplomatik. Aus dem Franz. (mehrerer Benediktiner) von /. 
Chr. Adelung. 4. Th. 2. S. 90 ff. 
ß) Zu den Gründen, die in der Sache selbst liegen (§. 43), kom- 
men die einstimmigen historischen Zeugnisse von Herodot 
(5. 98). PHnius (N.G. 7, 56), Tacitus (Amul. XI, 14)- 



I3Ö Absehn. III. Geschichte der hebräischen Schrift. 

erhalten die beyden Sagen des Alterthumsj welche diese Er- 
findung den Phöniziern selbst 3 ) oder den Aramaern 4 ) zu- 
schreiben, ein entschiedenes Uebergewicht über eine andere, 
aber auch weit minder verbreitete, welche diese Ehre den 
Aegypliem zueignen will 5 ). 

2. Bey aller Verschiedenheit der vielen älteren und 
neuern semitischen Alphabete haben sie doch alle zwey 
Hauptcharactere gemeinschaftlich, dafs t) nur die Konsonan- 
ten und die drey langen Hauptvocale (n, ■>, *) in der Reihe 
stehen , die kurzen Vocale aber durch kleine Zeichen über, 
unter oder an den Buchstaben bezeichnet, oder ganz wegge- 
lassen werden ; und dafs 2) von der Rechten nach der Lin- 
ken zu gelesen wird. Von der letzten Eigenschaft, "wel- 
che allen alten morgenländischen Schriftarten eigen ist 6 ), 
macht hier nur das Aethiopische eine Ausnahme, welches 
aber auch gewifs nicht zu diesem Stamme gehört, und eine 
offenbar spätere durch griechische Einflüsse gebildete Schrift 
ist 7 ). Von Bustrophedon kommt keine sichere Spur vor. 

Das Aethiopische ist eine mc/itsemitische Schrift, so wie um- 
gekehrt semitische Alphabete oft auf nichtsemitische Sprachen 
übergetragen wurden. 80 im Alteithume das fhonizijche auf 



3) Plin. H. N. V, 12. Lucan. Pharsal. 3, 220. 

4) Diod. Sic. V. 24. und Wesseling zu dieser St. Plin. 7, 56. 
Vgl. Th. Chr. Tychsen in der Bibliothek der alten Literatur. 
St. 5. S. x ff. 

5) Plin. a. a. O. Cic. de nat. deor. 3, 23. Plut. quaest. sym* 
pos. 20, 3. Vgl. Walton II, 3. Buttner a. a. O. S. 12. 

6) Ueber die Aegyptier s. Herodot. 2, 36, über die Griechen 
Montfaucon palaeogr, gr. S. llQ, über die Hetrusker die 
eugubinischen Tafeln mit altgriechischer Schrift in Gruteri 
Thes. inscript. T. I. S. 143. Vgl. Clüshull antiqu. asiat. S. 
24» und (Fahricy) Censoris thtologi diatribe, qua l'ibliographiae 
antiquariae et sacrae critices aliquot capita illusti antur , hinter 
de hossi Spec. variar. lectionum (ed. Schnurrer). S. 26g ff. 
Nur die Keilschrift und ägyptische Bildersehlift machen eine 
Ausnahme, s. Grotrfend in Heerens Ideen. Th. 1. S. 937. 56. 

7) LudolJ hist. aethiop. üb. II. c II. Wahl a. a. O. S. 632. 



(). 4°» f^ ü}i wtr Schrift der Semilen überhaupt. 13p 

das Griechische, später die arabische Schrift auf das Persische, 
Türkische und Aegyptische. 

3. An den altsemitischen Alphabeten, wiewohl sie aus 
Einer gemeinschaftlichen Quelle geflossen sind, läfst sich 
vornehmlich ein zwiefacher Character unterscheiden: 

1) Der phönizische Schriftcharacter. Dazu gehört a) die 
eigentlich phönizische Schrift auf den Inschriften zu Cy- 
pern, Malta, Carpentras und den Münzen von Phönizien 
und seinen Colonieen. Sie hat keine Vocale, bald Wortab- 
theilung, bald nicht 8 ), h) Die jüdische Münzschrift Q. 41, 
2). c) Die phönizisch- ägyptische Schrift, welche Cayhis 
auf Mumienbandagen entziffert hat, mit drey Vocalr.ei- 
chen 9 ) Von der ersten stammen cf) die samaritanische 
Schrift (Q. 41, 3), und e) mit Uebertragung auf einen ganz 
andern Spraciistamin die altgriechische Schrift, bald von der 
Hechten zur Linken, bald umgekehrt, bald ßovrrgo^tj^o» ge- 
schrieben *° }. 



ß) Nach den frühern mangelhaften Versuchen, dieses Alphabet 
zu entziffern, von Scaliger, Rlienjerd, liochart und Montjaucon 
(Palaeogr. gr. S. 122 ff.) machten sich vorzüglich Barthelemy 
und Swinton um dieses Geschäft verdient, und Dutens und Butt' 
ner (tab. 2. no. 1.) brachten das von ihnen Erforschte in eine 
leichte kritische Uebersicht. Die vollständige Literatur 8. in 
Ekhel doctrina nummorum vett. T. III. S. 403. Das Alphabet 
von Dutens (Expiration de quelques medailles grecques et 
phenkietmes. 1776) ist nachgestochen in Michaelis Orient. Bib- 
lioth. Th. Q. S. 17., Jahns Einleit. in das A. T. Th. 1, und 
dessen Gramm, hebr. ed. III. Noch ist Manches zu verbessern 
und zu ergänzen übrig. Einige Versuche dieser Art , welche 
Anfangs hier mitgetheilt werden sollten, hat des Vf. zurückge- 
halten, um ihnen noch mehr Pveife zu geben, da sie ohnehin 
hier nicht hinlänglich an ihrer Stelle gewesen wären. Um 
nicht schon nachgestochene Copieen nochmals, ohne dafs etwas 
Bedeutendes dafür geleistet werde , zu wiederholen , ist auch 
die Anfangs für dieses Buch bestimmte Tafel semitischer Al- 
phabete weggeblieben. 

9) Caylus Recueil d'Antiquites egypt. T. I. S. 65 ff. T. V. S. 
77 ff. Buttner tab. 2, no. 2. Th. Chr. Tychsen a. a. O. (Anro.4). 

10) Montjaucon ». a. O. S, 122 ff. 



140 \Abschn. III. Geschichte der hebräischen Schrift. 

2) Der hebräisch- chaldaische Schriftcharacter. Dazu 
gehört a) die Quadratschrift K Q. 41, 1), &) die palmyrenische 
Schrift, wie es scheint, eine Art von Cursivschrift der er- 
stehen, ohne Vocale und "Wortabtheilung, aher mit Ligatu- 
ren 1 * ). Nur etwas entfernter verwandt sind die ganz gebun- 
denen Schriftarten, c) die altsyrische Schrift, Estrangelo 12 ), 
und d) die altarabische, Kufische, eine Tochter der vorher- 
gehenden, nicht die älteste Schrift der Araber (das Alphabet 
der Jlamjaren), welche vielleicht eine mit der hebräischen 
oder phönizisenen war I3 \ 

fi. 4*- 

Hebräische Schrift. Alter und verschiedene Charactere derselben. 

Die Relationen der Genesis enthalten noch nicht die 
mindeste Spur von Schreibkunst; nicht einmal die Tradition 
(die sonst so gern wichtige Erfindungen höher hinaufsetzt, 
als die historische Kritik zugeben kann) scheint also jener 
Kunst ein solches Alter angewiesen zu haben 14 ). Im Ge- 
gentheil finden sich dort dieselben Mittel, das Andenken an 
merkwürdige Begebenheiten zu erhalten , welche man auch 
sonst hey uncultivirten Völkern vor Erfindung der Schreib- 
kunst antrifft, als Steinhaufen, Bäume, Altäre u. s. w. , die 
von einer Begebenheit benannt werden (1 Mos. 21, 33. 3i> 



11) liartheletny reßexions sur V aiphabet et la langue , dont an so 
servoil autrefois ä l'almyre. Paris 1754. Suinton in den Phi- 
lo*, transactions. Vol. ^tf. T. I. p. 690 ff. Büttner tab. 1. 
iio. 1. Die Kupfertafel bey Michaelis gramm. syr. Die älte- 
ste Inschrift gehört ins Jahr Chr. 49, die jüngste ins 3te Jahr- 
hundert nach Chr., die Sprache ist syrisch. 

12) Mihadit grammat. syr. S. 14. 

13) Niebülls Arabien. S. 94 ^ Fococke spec. hist. Arabum. 
S. i55- 

14) Von der rabbinischen Fabel, welche diese und andere Künste 
■choq Ad.im iuid den Patriarchen zuschreibt (s. Munster ad 
Gen. 2) kann hier nicht die Rede seyn. 



5 . 4 l • ~dü er u - verschied. Charaktere d. hebr. Schr ; ft. 1 4 1 

4ö. 35, 7. 5o, 11) **). Die erste Spur hebräischer Schrift 
ist in den steinernen Gesetztafeln Mose's (2 Mos. 51, 13) 
enthalten, aber auch zugleich so beschaffen, dafs sie die 
Gewähr historischer "Wahrheit in sich selbst zu tragen 
scheint. Hierauf folgen dann immer häufigere Erwähnungen 
von Schrift; die Inschriften am hohenpriesterlichen Schmuck 
(2 Mos. 2ß, 9.), auf dem Berge Ebal (5M0S. 27, »2 ff Jos. 
8, 52), selbst gröfsere schriftstellerische Aufzeichnungen 
(4 Mos. 35, 2. 5 Mos. 31, 24. Jos. 18, 9. 24, 26), weiche 
letztere aber, so wie einige frühere (2 Mos. 17, 14. 24, 4) 
von der historischen Skepsis besonders deswegen in An- 
spruch genommen werden dürfen 16 ), weil die Analogie an- 
derer alten Volker lehrt, wie vonKenntnifs und erstem noth- 
dürftigen Gebrauch der Buchstabenschrift bis zu fertiger 
Handhabung derselben und zur Schriftstellerey ein sehr wei- 
ter Schritt sey, zu dem oft Jahrhunderte er; orderlich sind 17 ). 
An den letzteren Angaben dürfte also die Ansicht der spä- 
teren Concipienten bedeutenden Antheil haben. 

Eine frühere Spur hat man in den Namen gewisser Beamten 
der Hebräer in Acgypten , 0">*lwU>» zu entdecken geglaubt, da 

die LXX. dieses durch Schreiber übersetzen, vgl. das arab. ,V\tM 
schreiben (MichaZlis mos. R.echt Th. 1. $.51)» allein die Verbin- 
dung, in welcher sie überall vorkommen, führt durchaus nicht 
auf ein Geschäft des Schreibens, sondern unterstützt eine andere 
Etymologie, wornach das Wort Vorsteher, Beamter heifst. V"e;l. 
Vaters Comment. über den Pentat. Th. 3. S. 537. Mein Wör- 
terb. u. d. W. Weit eher möchte der ausdrücklich als alt ange- 
führte canaanitische Städtename ISO TP^p (Bücherstadt) Jos. 15, 
15 für den frühen häufigen Gebrauch der Schreibkunst bey den 
Phöniziern angeführt werden. 

Da die erste sichere Spur von Schreibkunst sonach erst 

15) Vgl. Goguet Ursprung der Gesetze. Tb. 1. S. 17a der 
deutschen Uebers. 

16) Vaters Comment. über den Pentateuch. Th. 3. S. 522 ff. 
de Wette Lehrbuch der hebr. jüdischen Archäologie. S. 546. 

17) Wolf Prolegomm. ad Homerum. p. L\IU sq. LXVI ^ 



142 Absclin. III. Geschieh e der hebräischen Schrift. 

nach, der ägyptischen Periode fällt, so lag allerdings die 
Vermuthung nahe, dafs die Hebräer ihre Buchstabenschrift 
in Aegypten erhalten hätten, besonders wenn man dieses 
Land für die Wiege der Buchstabenschrift, oder wenigstens im 
frühen Besitz derselben hielt. Man war daher geneigt, die 
obenerwähnte phönizisch- ägyptische Schrift für das älteste 
Alphabet der Hebräer zu halten 18 ). Allein der Gebrauch 
jener Buchstabenschrift in Aegypten ist vor dein persischen 
Zeitalter durchaus unerweislich, bey der herrschenden Hiero- 
glyphenschrift selbst unwahrscheinlich 19 ); und es ist daher 
bey weitem glaublicher, dafs die Buchstabenschrift um diesel- 
be Zeit von den auch der Sprache nach verwandten Stämmen 
der Ararnäer oder Canaaniter zu den Hebräern übeieing, 
zumal da es nicht unwahrscheinlich ist, dafs während 
der Dienstbarkeit in Aegypten andere Stämme der Hebräer 
mit nomadischer Freyheit an den Glänzen jener Völker 
streiften (1 Chron. 7, 21). 20 ) 

Der Schriftzüge, in welchen wir heut zu Tage althe- 
bräische Denkmäler besitzen, gibt es drev, wovon einer 
zum hebräisch- chaldäischen , zwey zum phönizischen Cha- 
rakter gehören. Einige allgemeine Notizen darüber mögen 
der Untersuchung über ihr gegenseitiges \ erhält nifs voran- 
rj.ehn. Es sind folgende : 

1. Der gewöhnliche Charakter der jüdischen Bibelhand- 
schriften, von der Form der Buchstaben rain ans Quaurul- 
schrift , gewöhnlicher n**lNE)M SHÄ assyrische Schrift, ge- 
nannt 21 ). Als Grund dieser Benennung gibt der Talmud 
(Gem. Sanhediin Fol. 21, col. 2) richtig an: Dn»y iSvitf 



ig) Nach R. Simon, Deyling und A. i. Eichhorns Einleit. in das 

A. T. Tlu 1. S. 147. 
19) Dessen Geschichte der Literatur (1 805). Th. 1. S. 14. 
ao) Bertholdt Einleit. in das A. und N. T. S. 160, vgl. S. 4. 

de PJ etto^s Archäologie S. 31. 
•21) Buxtorf Lex. talmud. p. 241. Dessen diss. philol. theoh 

S. 335- 



$.41. Alter u. verschied. Charaktere d. hehr. Schrift. 143 

*Mtyxö weil sie (diese Buchstaben^ mit ihnen (den Hebräern) 
aus Assyrien heraufkamen. Assyrien ist aber hier inrwei- 
tern Sinne von Chaldäa und Babylonieh zu verstehn , wie 
öfter in der Bibel und den Classikern 22 ,), daher ebenfalls 
richtig: chaldäische Quadratschrift. Neuere Juden, z. B. 
R. Juda der Heilige 23 ) , misdeuteten die : enennung durch 
n^NK beata, beatificata, welches ebensowenig zulässig ist, 
als jede andere etymologische Auffassung, z. B. d;e von Mi- 
chaelis versuchte, ob es nicht gerade, geradlinichte Schrift 
bedeuten könne (von -ittJN gerade seyn , mithin eben soviel 
als Quadratschrift 24 ). In den jetzigen Handschriften er- 
scheint sie theils mit einem sehr zusammengesetzten Vocal- 
system, theils ohne alle Vocale. 

2. Der Schriftzug der hebräischen Inschriften auf den 
unter dem maccabäischen Fürsten Simon (aer. Seleücid. 170. 
71. 72) geschlagenen jüdischen Münzen; ohne Vocale; der 
Aehnlichkeit wegen mit No. 3. oft fälschlich samaritanische 
Schrift genannt, richtiger jüdische Münzschrift. Die Ent- 
zifferung des Alphabets ist erst seit Barihelemy und Swinton 
zu wahrer Vollständigkeit und Sicherheit gediehen ; indessen 



2a) 4 Mos. 24, 22. 24 (vgl. Bertholdt a. a. O. S. 793). Herod. 
if 78- 10 5* Strabo V» p. 743. Selbst Persien wird von spä- 
tem Schriftstellein darunter begriffen, z. B. Esra 6, 26. Hier- 
durch hebt sich der Einwurf von Michaelis (Orient. Biblioth. 
Th. 22, S. 117) und Seb. hau (Exercitatt. in Houbigantii Pro* 
leg. S. i2ö)- "~ * A<Tffvf<« und ^«ASam« y^<x/j.fji,aTa. kommtauch 
bey den Alten promiscue von demselben (von unserem ?) Schrift- 
zuge vor. So heifsen die Buchstaben einer Inschrift am Grabe 
des Sardanapal chuldäisih (Athen. XII, p. 529), dieselben aber 
assyrisch (Athen. XII, p. 469. Arrian. expedit. Alex. II, 5. 
§. 4). Die assyrische Schrift auf den Säulen am Bosporus 
(Herodot. \, ß7) heifst aber beym Strabo (XV, p. 502) per. 
sisch. Vgl. Jablonskü Opusc. ed. te Water T. III. p. 130. 

23) Buxtorf a. a. O. 

24) Orient. Biblioth. Tb. 22. S. 153. 



144 Abschn.III. Geschichte der hebräischen Schrift. 

kommen die Figuren von 4 Buchstaben (», e , 0, ö) nicht vor, 
die von 3 ist zweifelhaft 2,5 }. 

S. Der Schriftzug der Samaritaner, womit diese nicht 
hlofs den hebräischen Pentateuch, sondern auch ihre eigent- 
lich samaritanischen und arabischen Texte schreiben. Man 
erkennt darin eine Abart des vorigen, in einzelnen Zügen 
verkünstelt , was aber auch in dem handschriftlichen Cha- 
rakter 26 ) weniger der Fall ist, als in dem gedruckten. Die 
Samaritaner nennen diese Schrift hebräische Schrift, im Ge- 
gensatz der Quadratschrift, welche sie die Schrift Esras 
nennen 27 ). Denselben Sprachgebrauch kennen aber auch 
die Rabbinen, bey welchen sie ri;a» S.JJ3 heifst 28 ). Ein 
anderer Name desselben Charakters nioa^b aro ^Gein. San- 



25) Der altern Meinung von dem vorexilischen Alter dieser 
Münzen begegneten schon Hottinger und lieland. Die beson- 
ders von O. G. Tychsen (die Unächtheit der jüdischen Mün- 
zen. Rostock 1779) angefochtene Aechtheit derselben veithei- 
digt mit siegenden Gründen F. R. Beyer, der Hauptschi iftstel- 
ler über diesen Gegenstand : de iiummis hebraeo - Samaritanis. 
Valentiae 178'« 4* Nummorum hebraeo -Sam. vindicatio. 1790« 
A. Legitimidad de las monedas hebraeo • samaritanas. 1793« 
"Vgl. Ekhel doUrina nummor. vett. T. III. S. 458 fF. und Th. 
Chr. Tychsen in den Comment. Soc. Gotting. Vol. VIII. (1786). 
Vol. XI (1789). (Vollständige Literatur bey Rasche a. a. O. 
S. 1729» auch in pT^ahVs Erdbeschreibung von Ostindien. 
S. 404). Das erste Alphabet aus denselben sammelte R. Asa» 
ria (in Montfaucon Palaeographia gr. S. 122 (i.), unter den 
Neuern nach Frühlich, Barthelemy, Suinton am besten. 
Beyer de nummis hebr. Sunt. p. 224. (nachgestochen in hasch» 
Lex. rei nummariae T. IV. P. I. p. 17» 5 &J uncI in der ^ ''"" 
die. p. 120 (woraus der Nachstich bey Ekhel a. a. O. S. 4°4)* 
Das Alphabet von Fröhlich (Annales Syriae tab. iS) ist nach- 
gestochen in Jahns Archäologie I, 2 , tab. 1 , dessen Gramm, 
hebr. ed. III. Einleit. in das A. T. Th. 1. 

2G) Proben s. z. B. in Cellarii epist. samarit. S. 1. i^an lloten Specim. 
cod. sam. Lugd. i 8°5- Blanihini eraiigel. quadrupl. p. 60 j, tab. 2. 

27) Jntiquitatt. eccles. Orient, p. 125. 130. Repertorium für 
bibl. und morgenldudisclie Literatur. Th. 13. S. 288- 

28) Buxtorf dissertatt. p. 828. 



(}. 42. Gegenseitiges Verh&ltnifs der Charaktere. 145 

iedrin, Fol. 21, 2) ist dunkel; R. Salomo in einer Glosse 
erklärt es aber durch eine grofse Schrift, die von der assyri- 
schen ganz verschieden, auch von Juden zu Anmieten und 
Mesusoth gehraucht werde 29 ). Sie hat keine Vocale, aber 
ein diakritisches Zeichen , und Abtheilung der Wörter und 
Sätze. 

Bey den nun folgenden Untersuchungen über die Ge- 
schichte der Schrift und der Alphabete, verlangt die Natur 
des Gegenstandes , dafs die Lehre von den Consonanten 
von der von den Yocalen getrennt werde. 

ö- 42. 

Gegenseitiges Verliältnifs jener Cbaiaktere. Verschiedene Meinungen. 

Nach dem Bisherigen entsteht nun die für alttestament* 
liehe Kritik nicht unwichtige Frage, welches von jenen Al- 
phabeten das ältere und ursprüngliche der Hebräer, und 
von welcher Art überhaupt ihr gegenseitiges Verliältnifs ge- 
wesen seyn möge? Da man den Schriftzug der samaritani- 
schen Handschriften als eine blofse Spielart der IYT ünzschrifb 
für eine mit derselben ansehn kann, oder nach unten anzuge- 
benden Gründen vielmehr von der Untersuchung ganz aus- 
zuschliefsen hat, so bleibt nur noch das Verhältnifs der Qua- 
dratschrift und der Münzschrift zu berücksichtigen übrig. 
Es wird nicht unzweckmälsig seyn , diesen ehedem vielfach 
bestrittenen Gegenstand 30 ), den einige Neuere mit Unrecht 



2q) Buxtcrf a. a. O. S. 220. Löscher {de causis ling. hebr. S, 
2io) erklärt dieses durch scripeura gentium Libanum adhabi- 
tantium. Eine noch ungeniefsba-rere Etymologie gibt Buxtorf 
aus Schihe Haggibborim. 

50) S. die darüber gewechselten Schriften in TVolfBibl. hebr. 
II, 420. IV, 164. Rosenmiiller Lit. der bibl. Kritik und Exe- 
gese. Th. 1. S. 564. Andere Schriftsteller bey Löscher S. 
200. 215. Carpzovii Crit. Sacra V. T. S. 227. 253. Die mei. 
sten stellten den (sehr unkritiseben) Streitpunct: ob das chal- 
däische oder das samavitanische Alphabet das Uralpbabet oder 
wenigsten* das Alphabet Mo-e's gewesen sey? wo sie wohl 

K 



1^6 Abschn.III. Geschichte der hebräischen Schrift. 

für gauz abgethan anzusehn scheinen, nochmals naher zu 
betrachten, und die verschiedenen möglichen Ansichten dar- 
über nach ihren Gründen, (doch mit Uebergehung des vie- 
len Unkritischen , was hier von den streitenden Parteyen 
vorgebracht worden ist) dem Urtheil des Lesers vorzufüh- 
ren. Die verschiedenen Meinungen lassen sich auf folgen- 
de drey zurückführen : 

1. Ging man von der sich leicht darbietenden Erschei- 
nung aus, dafs die Quadratschrift nur als Schrift von Reli- 
gionsurkunden, die Münzschrift nur in einem mehr profa- 
nen, bürgerlichen Gebrauche vorkommt, so lag die Vorstel- 
lung sehr nahe, den Hebräern eine neben einander bestehende 
doppelte Schrift zuzuschreiben, eine heilige, priesterliche 
(die Quadratschrift), und eine andere für Gegenstände des 
bürgerlichen Lebens (die Münzschrift). Nach dem Vorgange 
einiger jüdischen Gelehrten 31 ) wurde diese besonders von 
denjenigen christlichen Kritikern begierig ergriffen , welche 
es für apologetische Pflicht hielten , jede noch so unbedeu- 
tende Außenseite der heiligen Bücher als heilig und uralt 
darzustellen. Dahin gehört vorzüglich der jüngere liitx- 
torf iZ ) y welcher diese Meinung mit dem hohen Alter der 
Quadratschrift auf folgende Weise in Verbindung setzt. Die 
Quadratschrift sey zwar die älteste, und das Uralphabet der 
Hebräer j schon vor dem Exil sey aber neben derselben auch 
der samaritanische Charakter in Gebrauch gewesen , erste- 
rer für heilige Dinge, letzterer für das gemeine Leben. Im 
Exil kultivirten hierauf die Priester und der gelehrtere Theil 
des Volkes vornehmlich die heilige Schrift, während die iu 



beydo Unrecht hatten, und zum Theil mit sehr stumpfen Waf- 
fen kämpf len. 

31) übad. Bartrnora ad Mischnam trat. Jadaim , Cap, 4, 110. 5. 
R. Jacob in En Israel, fol. 4 1 3» Gedalja in ScJialschelet Hak- 
kabbtda, l'ol. $y. 

32) De liierarum hvbraicarum genuina antiijuitate, in seinen disser» 
tatt. yhilol. th*ol. (Hasileac 1062. 4.) no. 4, 



$. 4 2 - Gegenseitiges Verhältnifs der Charaktere. 147 

Palästina Zurückgebliebenen, aus denen die Samaritaner 
hervorgingen, sich an die gewöhnliche Schrift hielten. Esra 
brachte jene aus dem Exil mit, und verbreitete sie immer 
mehr, daher sie den Namen assyrische d. i. chaldaische 
Schrift führt; diese erhielt sich vorzüglich bey den Samari- 
tanern, ward aber auch noch bey den Juden hier und da, 
z.B. auf den Münzen, gebraucht. Von den Chaldäern 
ward nie eine Schrift angenommen, sondern nur die Spra- 
che; die eigentliche chaldaische Schrift kennen wir nicht. 
— Diesem Vorgänger folgten \iele 33 ); Sleph. Morinus aber 
und Löscher'**} gaben der Hypothese nachmals noch eine 
eigenthümliche Wendung, indem sie die Münzschrift für 
einen, lediglich aus der Quadratschrift entstandenen tachy- 
graphischen Charakter erklärten, was aber wegen des ganz 
phönizischen Charakters fast aller Buchstaben , wohl gera- 
dehin verwerflich ist. Man vgl. nur 2, 1, n, 1, V, *) u. s. \v. 

"Wie gewisse lüeblingsmeinungen und judaisirende Vor- 
urtheile von einer Heiligkeit des Quadratalphabets auf jene 
Büxtorfische Ansicht wirkten, ist nur zu sichtbor. Dessen. 
ungeachtet Heise sich vielleicht die einfach gefafsre Mei» 
nung, dals neben dem gewöhnlichen (heiligen) Charakter, 
noch ein anderer (profaner) in Gebrauch gewesen sey, viel- 
leicht noch durch einige Gründe empfehlen. 1) Durch die 
Analogie anderer morgenländischer Schriftarten. .So hatten 
die Aegypter späterhin eine doppelte Schrift, eine heilige 
und eine Ivpistolarschrift , nach andern eine dreyfache, eine 



33) Alling fund. punetationis §. 2. 7J r asmuthi vbulicuw s. hehr* 

Script, pag. 35 ff. Cussetii Comment. ting. hrbr.s.i. *)SlO pa£. 

567. llottinger Exercitatt. Antimor. pag. 33 iL Fröhlich An- 

riales Syriae, Pi olegomm. p. 75. G. O. Tysbsen tentamen S. 63. 
54) Steph. Jl'lorinus de lins;ua primaeva p- 271. Löscher de cau- 

sis ling. litbr. S. 207. 20g. Vgl. Curpzov Crit. s. V. T. S. 236. 

Eben so J. E. Faber in einer nachgelassenen iingedriiclsten hebr. 

Grammatik, die ich durch die Güie des Hrn. Prof. liosenmüller 

besitze. S. 176, 

K 2 



l4S "jibschn. III. Geschichte der hebräischen Schrift. 

priesterliche, heilige und Epistolarschrift' 5 ); die Keilschrift 
der alten Perser und Meder ist wahrscheinlich eine heilige 
Schrift für Denkmäler, neben welcher die Zendschrift für 
das gewöhnliche Leben gebräuchlich war 36 ); und über» 
liaupt ist es Sitte der Morgenländer, sich verschiedener 
Schriftzüge neben einander für verschiedene Zwecke zu be- 
dienen. So schreiben die Araber, Perser und Türken gern 
mit anderem Charakter Briefe , mit anderem Poesieen , mit 
noch anderem historische Schriften 37 ). Allein eine Analo- 
gie dieser Art kann nur ein sonst schon wahrscheinliche* 
oder gesichertes Factum erläutern, nichts beweisen. 2.) Durch 
die Stelle Jes. 8» i • nimm dir eine grofse Tafel und schreib 
darauf JiMON B*ll?ä mit menschlichem Griffel , d. i. mit gemei- 
ner, jeder Menschenart lesbaren Schrift. Vgl. uoßftos av-fy»- 
ttov Offenb. 13, iß» fAirgov uvSgwnuv 2i, 17. Nicht ohne Schein 
hat man dieses im Gegensatz einer nicht jedermann lesbaren, 
etwa heiligen oder Priesterschi ift verstanden 38 . Allein 
die Parallelstelle Hab. 2, 2 : *|*$M JlT.n 3h2 schreib das Ge- 
sieht auf, und zwar deutlich, führt darauf, es auch dort von 
deutlichen , genau und kalligraphisch gezeichneten Buchsta- 
ben zu verstehn, die auch der Ungeübtere lesen könne. 
So auch der Chaldäer: uns» aro deutliche Schriß , auf 
die obige Art. Noch weniger könnte man sich 31 auf 
eine Stelle des Irenäus 10 ) berufen, welche von einer Prie- 



35) Für eine zwiefache Schrift Bicd. Sic. III, c. 4. T. I. p. 176 
ed. JVesseling (vgl. HelioJ. Aethiop. IV, p. l74)« F" 1 " em « 
dreyfache Clemens Alex. Stiomat. i'. T. II. p. 057 ed. Voller. 
Vier verschiedene Charaktere statuirt nach einem arab. Schrift« 
Steller Kircher (Obelisc. Pamphilian. II, 1). 

363 Grotefend in Iherens Ideen über Politik und Handel der 
Alten (i.te Ausg.) Th. 1. S. 956. 

37) Kämpfen Amotmitatt. exet. p. 145. "Wohls arabisches Ele- 
iir iii.ii buch S. 76 IT. 

38) Michaelis Supplem. ad Lsxx. hehr. S. 919. Jihns bibl. 
Aicha. >1. I. 1. S. 4 1 3* Ftkber a. a. Ol 

39) Adi\ havrts. II, 2.j ; Ipsae omni aiitiquae et prima 6 He- 



$.42. Gegenseitiges Verhältnifs der Charaktere. ifä 

sterschrift zu reden scheint. Diese Angabe steht dort ne- 
ben zwey andern, eben so zweifelhaften, die zum Theil die 
Natur der Sache gegen sich haben, und die Auctorität eine» 
der hebräischen Sprache unkundigen Kirchenvaters kann 
nicht hinreichen, solche sonst einzeln stehende Nachrichten 
zu der Glaubwürdigkeit eines historischen Zeugnisses zu er- 
heben. Es bliebe hiernach als einziger Grund dieser An- 
nahme der Umstand übrig, dafs die einzige aus dem bürger- 
lichen Leben erhaltene Schriftprobe der Hebräer einen von, 
den Bibelhandschriften verschiedenen Charakter habe ; auf 
welchen einen allgemeinen Schlufs zu bauen, doch voreilig 
seyn würde. Selbst jener Grund kann aber zweifelhaft er- 
scheinen, -wenn man bedenkt, dafs die Sekel von Priester- 
fürsten geschlagen sind, und auch dem Gewicht nach heili- 
ge Sekel zu sevn scheinen, auf welchen die heilige Tempel- 
und Priesterschrift nichts Unerwartetes seyn würde. 

2. Auf eine andere Vermuthung mufste die Betrachtung 
führen, dafs wir die Quadratschrift als ausschliefsliches Ei- 
genthum der Juden, den andern Charakter vornehmlich bey 
den Samaritanern, den Abkömmlingen des alten Reichs 
Israel, antreifen. Es könnte nämlich schon vor dem Exil 
zwischen den Reichen Juda und Israel jene Differenz in An- 
sehung der Schriftzüge Statt gefunden haben 40 ), wobey sich 
allenfalls die Bemerkung zu Hülfe nehmen liefse, dafs sich 
das Reich Israel auch in anderer Hinsicht öfter zu der Sitte 
der benachbarten Phönizier hinneigte. Allein, wie ist dann 
zu erklären, dafs derselbe Charakter auf den zu Jerusalem 



braeorum literae sacer do tale s nuneupatar decem qu'nlem sunt 
nume.ro , scribuntur autern quoque per quindeeim novissima litera 
copulata primae. Et ideo quaedani seeundum suhsequentiam scri- 
bunt , sicuti et nos : quaedani uutem retrorsum a dextra parte in 
sinistram retorquentes literas. Vgl. §• 44» »■ 

40) Paulus a. a. O. S. 114. 



l5<> Abschn. III. Geschichte der hebräischen Schrift. 

geprägten Münzen erscheint? Woher die Namen hebräische, 
assyrische Schrift (9.4 1 » *• 3)? 

3. Es bleibt hiernach vornehmlich nur eine dritte An- 
sicht übrig;, nach welcher jene Schriftarten bey den He- 
bräern nach einander bestanden, so dafs eine die andere äl- 
tere allmählich verdrängte, wie dieses z. B. im Arabischen 
mit der altern Cufischen und der heutigen INischischrift, im 
Syrischen mit der Estrangelo und der jetzt gewöhnlichen 
Schrift der Fall ist. Hier stehn sich nun zwey Parteyen 
gerade entgegen, wovon die eine dem Quadratcharakter, 
die andere der phönizisch- Samaritanischen Schrift den A or- 
rang zuschreiben will. Die Vorstellung der ersteren , wel- 
che die Auctorität der meisten spätem jüdischen Gelehrten 
für sich hat, ist schon oben angegeben worden; ihr steht 
aber eine andere, ältere rabbinische Ansicht oder Sage ent- 
gegen, welche dahin geht, dafs die Hebräer sich vor dem 
Exil einer alten, und zwar der samaritanischen Schrift be- 
dient hatten , welche aber nach demselben durch Esra mit 
der gegenwärtigen Schrift, welche einen assyrisch- chaldäi- 
schen Ursprung habe, vertauscht worden sey. 

Betrachten wir zuerst die Sage selbst in ihren Quellen, 
um sie dann einer unparteyischen Prüfung zu unterwerfen. 
Sie findet sich theils im Talmud von Babylon und Jerusalem, 
theils bey Qrigenea und Hieronymus s welche sie von ihren 
rabbinischen Ecbrem erhielten. In dem ersteren heilst es 
(Gem. Sanhedr. Sect. 2. Fol. 21, col. 2. Fol. 22, col. 1): 
prineipio data est lex Israeli tis scriptum hebraea et lingua san- 
cla: Uterum vero iis data est diebua F.srae scriptum assyriaca 
st lingua aramaea (?); elegernnt atitcni sibi Jsraelitae scriptu- 
rani assyriacam et linguam sanetam et reliqueritnt idivlis .scrip- 
turam hebracam et linguam aramaeam. Quin am idiotae. R. 
Chasda inquil : Samarilani. Ibid. cap. 1: licet non data est 
lex per nuinuni eins (£srae) , mutata Linien est per tnanum 
eius scriptnra , ejuu/n vueatur nonien eins r>**HWM , quia ascen- 
dit cum iis ex Assyria. Vgl. Gem. Hieros. 3Iegilla, Fol. 71, 



ß. 42. Gegenseitiges Verhältnifs der Charakter*. i^I 
col. 2. Aus derselben Quelle sagt Origcnes (zu Ezech. 9^ 

A ) : TOC U^X, uiX VTOf/JHOt IptptflS t%ttV T0 TKV TW TOV (TTti'jpCV ^UQOIX* 

mgt , und anderswo 41 ) erzählt er, dafs in gewissen Hand- 
schriften der LXX. das Wort nifP mit althebräischer Schrift 
geschrieben stehe, mit dem Zusätze: <p<xtrt y«g rov EcrSgoiv tn- 
gots (jygotjit/u.xffi) xfWXvSctt /uitu ryv ui%,uothü)<Tia.r. Ist es gleich 
ein Irrthum des in hebräischer Sprache und Schrift nicht 
sonderlich bewanderten Kircbenvaters (9.27, 1), dafs nin> 
hier mit der alten d. i. 6amaritanischen Schrift geschrieben 
war (Q. 46,1), so bestätigt doch die Stelle die Bekannt- 
schaft des Verfassers mit jener Sage. Deutlicher und 
kecker spricht diese Hieronymus aus, der sie entweder aus 
Origenes oder unmittelbar von seinen rabbinischen Lehrern 
entlehnte. }> Ce?tum est, ÜJsrani Scribam legisque doctorem 
pusl captam Hierosolymam et instaurationem templi sub Zoro- 
babel alias litcras repe risse } quibus nunc uiiinur } cum ad 
illud usque tempus iidem Samariianorum et Hebraeorum fue~ 
rint characteres 4Z ). Dieselbe Tradition liegt endlich zum 
Grunde, wenn die Samaritaner die Quadratschrift scripturd- 
Esrae nennen ($• 41, 3). 

Abgesehn davon , dafs Hieronymus nach seiner bekann- 
ten Manier 43 ), für gewifs ausgibt, was Origenes nur als 
Sage und Meinung erwähnt, und den Esra eine Schrift er- 
finden läfst, die er nach der Meinung der Juden nur einge- 
führt haben soll, enthält die Sage, so wie er sie ausdrückt, 
noch einen Widerspruch in sich selbst, indem die alte Schrift 



41) Hexapla T. I. S. Q6. ed. Montfaucon, T. II. S. 94 ech 
Bahrdt. 

42) Prolog, galeat. ad Hb. Regum, Opp. T. IV. p. 7. Eine Stel- 
le in Eusebii Chronicon ad a. m. 474°» welche dasselbe aus- 
sagt, findet sich nicht im griech. Original, und scheint ein Zu- 
satz des lat. Bearbeiters. S. Siullger zu d. St. SpanJiem. de 
usu numism. Opp. T. I. S. 65. Vobrowsky a. a. O. (Not. 44) 
§. 6. 

43) §• 2 7> 2. Vgl. Faier zu Tiarmars Beobachtungen. Th. I. S. 
39. 148. 



15* Ahschn. III. Geschichte der hebräischen Schriß. 

ein kreuzförmiges n haben, und doch auch die der Samari- 
taner seyn soll, von deren n dieses keinesweges gilt. Man 
sieht daraus, so wie aus andern Aeufserungen, dafs er seihst 
die samaritanische Schrift nicht kannte, und nur etwas halb 
Verstandenes nachsprach. Der Widerspruch hebt sich aber, 
sobald man an die Münzschrift denkt, welche die Juden 
auch samaritanische Schrift nennen, und welcher die Schrift 
der samaritanischen Handschriften damals noch näher kom- 
men mochte. Dieses mufs also wohl als der Sinn der jüdischen 
Referenten angesehn werden; und es fragt sich nun blofs, 
in wiefern die Relation nach jenen nothwendigen Modifica- 
tionen, durch anderweite Bestimmungsgründe bestätigt oder 
zweifelhaft gemacht werde. Nähere Prüfung wird zeigen, 
dafs Mehrere, deren man sich häufig bedient hat, nichts we- 
niger als beweisend sind, doch möchte das Resultat seyn, 
dafs sie verhältnifsmäfsig noch am meisten Wahrheit enthal- 
te, wenn sich gleich bey der Unvollständigkeit der vor uns 
liegenden Akten offenbar nie zu einer historischen Thatsache 
kommen läfst, und der Eeyfall, -welchen sie bey vielen 
neuem Kritikern gefunden hat, zu unbedingt und ent- 
schieden, zuweilen voreilig und unkritisch gewesen seya 
mag 44 ). 



44) I^ er erste jüdische Gelehrte, welcher sich in neuem Zeiten 
wieder dafür erklärt«, ist 21. Joseph Alba (um 1400) im Se- 
ylicr ILkarim III, 16. Fol. fyl, 2, dann wurde es eine Lieblings- 
aoeinung der antibuxtorfUchen Schule (§. 37, 1), welche sich für 
starke Corruption des hebr. textus reeeptus und den Vorzug des 
sam. T. und der Versionen erklärte, s. Jo. jVIorini Exercit. in Pent. 
sam. p. g t ff. Jos. Scaliger animadverss. ad Euseb. Chron. p. 62. 
Lud. Capelli arcanum punet. I, (). diatribe de veris et amiquis He- 
hrueorum literis. Amstelod. 1645. II alton Prolegomm. III, 
3° f. Kennicot diss. I. S. 527. Houbigantii Prolegomm. S. /jo. 
Jo. Dobrotvsky de a'itiquis Hebrat; omni charaetcribus. Pragae 
l 7ÖÖ« 8- Unter den Neuem s. Eichhorns Einleit. in das A. T. 
$. 64. Jugustis Einleit. 3. 35. Bertholdfs F.inleit. $. 49. 
50. Hugs Geschichte der Buchstabenschrift. S. 0. 



§. 4-- Gegenseitiges J'erhällnijs der Charaktere. i^3 

a. Einen Hauptbeweis entlehnten gleich die ersten Ver- 
theidiger dieser Meinung von dem samaritanischen Penta- 
teuch, welcher in gerader Linie von Mose abstammend, und 
seit Rehabeam von allem jüdischen Einflüsse entfernt, die 
alte Schrift am treuesten bewahrt habe. Allein wir können 
aus anderswo näher entwickelten Gründen 45 ) die Existenz 
des samaritanischen Pentateuchs vor dem Exil nicht anneh- 
men, und müssen denselben für eine (.um die Stix r tungszeit 
des samaritanischen Cultus) in samaritanischer Schrift um- 
geschriebene Kopie eines jüdischen Originals halten. Die 
Samaritaner schrieben den hebräischen Codex in ihre heimi- 
sche Schrift um, wie sie noch heut zu Tage auch das Arabi- 
sche in diesem Charakter schreiben, wie die Syrer das Ara- 
bische mit syrischer Schrift, und die Juden von jeher ara- 
bisch, persisch, selbst spanisch und deutsch in ihrem Cha- 
rakter schreiben 46 ). Dessen ungeachtet erklärt sich das 
Daseyn dieser Schrift bey den Samaritauern verhältnifsmä- 
fsig am leichtesten, wenn diese schon die. Schrift ihrer he- 
bräischen Vorältern war, welche bey den Zurückgebliebe- 
nen treuer bewahrt wurde, als bey den aus der Fremde zu- 
rückkehrenden Juden. 

Mehrere haben hiermit noch die Hypothese in Verbin- 
dung gesetzt, dafs den LXX im Pentateuch ein mit samari- 
tanischer d. i. der alten Schrift geschriebenes Original zum 
Grunde liege, und dieses vornehmlich aus der Verwechse- 
lung von Buchstaben zu erweisen gesucht, die nur im sa- 
maritanischen, nicht im chaldäischen Alphabete ähnlich 
sind 47 ). Allein man darf diese Beyspiele nur mit geringer 
Aufmerksamkeit prüfen, um zu sehen, dafs auch kaum Ei- 



45) S. meine Comiv.ent. de Yentateucho sam. §. 2. Vgl. diese 
Geschichte. %. 2.f\, 1. 

46) Simon hist. crit. du V. T. I, 10. S. 75. 

47) Hassencamp diss. dp Tentctcucho IjXX. intpp. graeco von ex 
Jiehraco, sc-d ram. te'xiu crr.re,<o. 1765- 4« LiüMonCs Einleit. 
in das A. T. §. 3^ß, 5. 'Ih. 2. S. 170. 



15 > Abxchn. III. Geschichte der hebräischen Schifft. 

nes die mindeste Beweiskraft habe. Ein ■xgmTov ^tvios liegt 
hier vornehmlich auch darin, dafs die neuern samaritani» 
scheu Buchstaben zum Grunde gelegt sind. Nach des Ver- 
fassers Untersuchungen führen die Varianten der LXX, wel- 
che aus Verwechselung ähnlicher Buchstaben entstanden zu 
seyn scheinen, im Pentateuch, wie in den übrigen Büchern, 
auf Quadratschrift 48 ). Von einem (noch nichtigem) Grun- 
de s. unten $. 46, *■■ 

b. Mehrere Buchstabennamen erklären sich nur, wenn 
man die Figur derselben im phönizisch-samaritanischen Al- 
phabete vor Augen hat, nicht durch die Figur des Quadrat- 
alphabets , zeigen also, dafs dieses älter und dem Uralpha- 
bete näher sey. So offenbar Ain (o) Auge, Resch (P, ?) 
Kopf. Allein dieselbe Bemerkung läfst sich bey andern 
Buchstaben, als Vau Nagel, Sain YV äffe, Caph Krümmung, 
hohle Hand, zu Gunsten des Quadratalphabets machen 49 ); 
bey noch andern pafst weder die eine noch die andere Figur 
zu dem Namen. Der Umstand beweiset also lediglich, dafs 
beyde Alphabete in verschiedenen Linien von dem Uralpha- 
bete abstammen, bey welchem ohne Zweifel jene Ueberein- 
stimmung fast durchgängig war; und dafs beyde gewisse 
Ueberbleibsel davon erhalten haben, die dem andern feh- 
len yo ). Für den frühem Gebrauch des einen oder des an- 
dern Alphabets bey den Hebräern folgt daraus wenig. 
Wichtiger für das Alter des phönifcischen Charakters ist 

c. dafs wir denselben in der Geschichte weit höher hin- 
auf verfolgen können, als den Quadratcharakter. Einen 
sehr frühen und sichern Zeugen dafür besitzen wir an der 
davon abstammenden und sich eng an die phönizische Schrift 



4fj) S. nieine Comment. S. i2. 

40) In Ansehung des Van macht sie schon die Gemara (.VTe^illa, 

cap. 1), zu weit -wird sie ausgedehnt von lihcnferd (U/>p.phi- 

loU ed. Millius 1722. 4. p. 225 iL) 
50) Simon Inst, crit. du V. T. I, 13. Michail*, Orient. Btblioth. 

XXII, Ö. 122 II. Paulus a. a. 0. S. 117. 



$. 42. Gegenseitig?* VerhäUnifs der Charaktere. 155 

anschliefsenden altgriechischen Schrift auf den Inschriften 
von Sigeu/n, Amyclae u. s. f. 51 ). Dagegen kann man den 
hebniisch-chaldäischen Charakter auf historischen Monumen- 
ten (hier den palmvrenischen Inschriften) nicht über Chri- 
sti Geburt, durch Comhination nicht über das Zeitalter der 
LXX hinaus verfolgen (s. unten Seite 158). Für das höhe- 
re Alter jenes Charakters entsteht hieraus eine bedeutende 
Wahrscheinlichkeit, wiewohl Stillschweigen historischer 
Zeugnisse auch noch nicht gegen den Gebrauch der Quadrat- 
schrift bcy den Hebräern beweisen könnte. 

Offenbar konnten alle bisherige Gründe, besonders a 
und c höchstens den frühern Gebra.uch des phönizisch- sa- 
maritanischen Charakter bey den Hebräern eine allgemeine 
Wahrscheinlichkeit geben. Etwas näher führt 

d. eine Beleuchtung der Sage selbst. In Rücksicht auf 
die äufsere Auctorität steht ihr zwar eine andere entgegen, 
für welche sich der Zahl nach weit mehrere jüdische Lehrer 
erklärt zu haben scheinen (s. oben no. 1}; allein diese ist 
die ältere, welche zu Origenes und Hieronymus Zeit herr- 
schend gewesen zu seyn scheint: die bestimmte Notiz über 
die Gestalt des n enthält ein historisches Factum , -welches, 
wenn gleich entstellt, nicht wohl aus der Luft gegriffen 
seyn kann: die andere jüngere rabbinische Sage dagegen hat 
mehr ein apologetisches Ansehn, und scheint das Erzeugnifs 
einer Zeit, wo man schon einen Werth darauflegte, auch 
in der äufsern Gestalt der Bibel etwas Heiliges und Uraltes 
zu finden. 

e. Vielleicht das wichtigste Moment liegt aber endlich in 
den Namen der beyden Schriftarten (assyrische Schrift, 
Schrift Esra's von der Quadratschrift, hebräische Schrift von 
der samarkanischen\ Bevde sind wahrscheinlich älter, als 



51) S. Chithull antlquit. asiat. p. 2. Nenes Lehrgebäude der 
Diplomatik. Tli. 2. S. 66. Andere Schriftsteiler in Ut/llcr- 
mannt Archäologie. S. 60. 



I5<5 Äbschn. 111. Geschichte der hebräisrfien Schrift. 

jene Tradition, und unabhängig von derselben, wie in Rück* 
sieht auf rp*i1^N schon aus dem Umstände erhellt, dafs die 
Talmudisten (Q. 41, O das Wort ausdeuteten , was bey ei- 
nem neuentstandenen Namen gewifs nicht der Fall gewesen 
seyn würde. Jn solchen Namen liegen häufig die einzigen 
lind nicht zu verachtenden historischen Spuren : und sie er- 
klären sich in diesem Falle nur dann vollkommen, wenn 
man die assyrische Schrift für die eigentlich assyrische d. i. 
chaldäische, die andere für die ursprünglich hebräische hält. 
Dafs man wirklich aramäisch ursprünglich mit diesem Cha- 
rakter schrieb, zeigen die palmyrenischen Inschriften. Die 
Veranlassung jener Namen, die bey Buxtorf angenommen 
wurde, ist aber zu gezwungen, um auf Beyfall Anspruch zu 
haben. Sollte man die alte, von jeher und echt hebräische 
Schrift deswegen assyrisch genannt haben, weil sie der aus 
Chaldäa zurückkehrende Esra weiter verbreitete? Wie viel 
■wahrscheinlicher, wenn sie die Schrift der Assyrer und 
Chaldäer selbst war? Sollte die samaritanische Schrift des- 
halb die hebräische heifsen , weil sie die des gemeinen Vol- 
kes bey den Hebräern war? Waren die übrigen weniger He- 
bräer, und wo bliebe der Gegensatz? 

0- 43- 
W ahrscheinliches Resultat. 

Nehmen wir das, was sich aus dem Bisherigen ergeben 
hat, zusammen mit einigen andern Umständen, so glauben 
wir folgende Vorstellung als wahrscheinlich annehmen zu 
können. 

1. Mehrere der obigen Grunde vpreinigen sich dahin, 
dafs wirklich eine solche Schriftveränderung, und zwar durch 
den Einflufs des Exils und der chaldäischen Schrift, vorge- 
gangen sey, wie sich eine ähnliche mit der Sprache zutrug 
(Q. 10. i)). Diese Begebenheit, die ihrer Natur nach nur 
allmählich vor sich gehen kann, und einem ganzen Zeitalter 
angehöre» muis, schreibt die individualisirende Sage dem 



<J. 43« Uebcr die verschiedenen Schriftzüge. 157 

Esra zu, welcher in mehreren jüdischen Sagen (z. B. von 
der Synagoga magna) als ein Collectivname erscheint-, auf 
welchen alles zurückgeführt wird, was in jenem Zeitalter 
für Schriftgelehrsamkeit geschehen seyn soll. In der Sage 
Von Esra mag die Wahrheit liegen , dafs die neue Schrift 
von Chaldäa kam , wie in der Sage von Cadmus der phöni- 
zische Ursprung der griechischen Schrift liegt. Oh die neue 
Schrift geradezu die chaldäische ist, oder ein Gemisch aus 
alterer und chaldä'ischer, darüber läfst sich freylich strei- 
ten, aber das erstere ist viel wahrscheinlicher sz ). Gewifs 
ist wohl, dafs vor und nach dieser Veränderung in der noch 
lebenden mit Freyheit gebrauchten Schrift viele Buchstaben- 
figuren zum Vorschein kommen mochten, welche aus dem 
jetzt feststehenden, todten Typus nicht erklärlich sind. Die 
grofse Varietät und Freyheit des phonizischen Schriftzugs 
kann dieses hinlänglich verdeutlichen. 

Daher erklärt es sich denn auch, dafs die Varianten, -welche 
sich in den Parallelstellen der verschiedenen biblischen Bücher 
finden, sofern es wahrscheinlich ist, dals sie aus Verwechselung 
ähnlicher Buchstaben beym Abschreiben entstanden sind, sich 
bald ans der jet7i<ren Qundratschrift, bald scheinbar mehr aus der 
Münzschrift, ol't aus keiner von beyden passend erklären lassen. 
Capcllus (Crir. Sacra V. T. cd. Vogel- Schar fenherg T. II. S. 70), 
welcher mehrere Beyspiele gibt, thut sehr Unrecht, und wider- 
spricht sogar seiner eigenen Meinung, wenn er überall nur den. 
.Maafsstab der jetzigen Quadratscbrift anlegt. 

M. Aus der Quadratschrift erklären sich die Verwechselungen: 
von 3 und z.B. n*03W und PPJJDttJ Nehem. 12,3. 14, ^im und 
*»12t 1 Chron. 9, 15. Nehem. 1 1, 17; von 1 und "i (die in der al- 
tern Quadratschrift fast gleich lang waren, §. 46) |pi?T und Iplf* 
1 Mos. 56, 27. 1 Chron. 1, 42, Capellus S. Qi; von o und o, 
n1V2 1 Kun. 7, 41 , und fii-PD 2 Chron. 4, 1 1. iß; von 5 und 
*U Ps. 18» 12. 2 Sam. 22, 12; von T und ] (welcher I'inalbuch- 
stabe doch später scheint), i1i?£ P». 31, 3, |Ufla Ps. 71,3. 



52) Dieselbe Ansicht s. im Allgemeinen bey Jahn (Einleit. in das 
A. T. Th. i, S. 326), vgl. Eichhorn (Einleit. Th. 1, S. 151, 

Auru. ♦ ), 



158 Abschn. III. Gesc/iic/iW der hebräischen Schrijf. 

2. In beyden Alphabeten gleichen sich die am häufigsten ver- 
wechselten n und 1 ( 1 und CJ), z. B. p£i^ und n£n i Mo«. 
10, 3. 1 Chron. 1, 6; D"OT*l und D\3tt 1 Mos. 10, 4. 1 Ciiron. 
1» 7; rün und n«1 3 Mos. ii, 14. 4 Mos. 14, 13; NV"» und 
KVJ Ps. iß, *»• 2 Sam. 22, 11. Capellus S. 79. 

3. Nur im phonizischen Charakter ähnlich sind die Buchstaben 
3 und 1 (3 und "*{), daher ubn 2 Sam. 23, 39; l^n 1 Chron. 
ii, 30. 1 und w (K, W), daher vielleicht ^l> Jos. 21, 16» 
Vgl. I&'SJ 1 Chron. 6, 44. 

•7. In keinen von beyden, 2 und *i , z. B. DTPI3 und Din^ 
Esra 7, 7. Neh. 7, 7 ; 3 und S, i-\V) und *1J>a 2 Sam. 23, 35. 
1 Chron. 1 1, 37; Q und n, rinn und }nn 4 Mos. 26,35. * Chron. 
7, 20, }1»n und man Jos. 21, 32, 1 Chron. 6, 61. 

Das Uebercrewicht ist hier auf Seiten der Quadratschrift, wie 
man nicht anders erwarten kann, da doch wohl die meisten Va- 
rianten erst nach dem Exil entstanden sind , und das meiste der 
übrigen mag auf R.echnung anderer Züge desselben Charakters 
kommen (vgl. §.46"). Ob die Eeyspiele unter Jj auf eine Zeit 
zurückgehn , wo man noch phonizische Schrift hatte , und etwas 
beweisen, oder ob es andere beweisendere gibt, wage ich nicht 
zu entscheiden. 

2. Im Zeitalter der LXX war die Schrift schon im "We- 
sentlichen der gegenwärtigen Quadratschrift ähnlich, und 
mit einer solchen waren, den Pentateuch nicht ausgenom- 
men (S. 155), die Codd. geschrieben, aus welchen diese 
Uebersetzung genossen ist. Unter andern fehlten noch die 
Finalbuchstaben (Q. 45, 2). Der Beweis liegt darin, dafs 
die vielfachen Abweichungen des Textes der LiX.X vom ge- 
wöhnlichen Texte, sofern sie wahrscheinlich auf Bachsta- 
benverwechselung beruhen, durch den Quadratcbarakter 
erklärbar sind 53 ). Auch Matth. 5, i) kann allerdings tut 
die Behauptung zu Hülfe genommen werden, dafs zu Chri- 
sti Zeit das Jod schon der kleinste Buchstabe, mithin Qua- 
dratschrift herrschend , war. 

Wahrscheinlich ist auch der samaritanische Feutatcuch aus ei- 



53) Cappelli Crlt. sacra ed. Vo°el- Scharfenberg T. II. S. 58» tf. 
St. Morinus de lin^ita primasva S. 236 GEL, welche nur viele 
Uliächte Beyspicle dahin ziehen (§. 2 2, 1). 



g. 43. Ueber die verschiedenen Schriftzüge. 1^9 

ner jüdischen Abschrift mit Qnadratschrift hervorgegangen. S. 
St. Morinus de lingua -primaeva S. Zog ff. Meine Commentt S. 16. 
Hiernach kann die Meinung von Plhiston (tentamen restaurandi 
gen. text. I". T. p. i45) una Bauer (Grit. Sacra V. T. S. 126) 
nicht wohl bestehen, dafi die Münzschrift noch zur Zeit der 
Makkabäer die allgemeine gewesen , und erst dann mit der Qua- 
dratschrift vertauscht, oder in sie übergegangen sey. 

3. Die Makkabäer wählten für ihre Münzen den wahr- 
scheinlich noch nicht ganz verdrängten alten Charakter, wie 
sich auch bey den Arahern die cufische Schrift noch einige 
Jahrhunderte nach Einführung der Nischi als Münzschrift 
erhielt 54 ), aus Anhänglichkeit an das Alte, vielleicht auch 
als einen dem phünizischen Charakter verwandten mit Rück- 
sicht auf Handel und Wandel. Die Tendenz dieses Zeital- 
ters zur Erhaltung, Nachahmung und Wiedererweckung des 
alten Hebraismus ist bekannt und offenbar (vgl. S. 26) : hier 
zeigt sie sich namentlich in dem Gebrauch des althebräi- 
schen Dialekts in den Aufschriften, selbst in dem alten Na- 
men Israel für den neuern Juda 55 \ 

4. Ob die assyrische Schrift zur Zeit der LXX und spä- 
ter noch kleiner und flüssiger war (etwa nach Art der pal- 
myrenischen), aus welcher sich erst nachher die Quadrat- 
schrift, eine Art von Fractur, unter den Händen hiblischer 
Kalligraphen bildete, mag dahin gestellt seyn 5<s ). Wahr 
ist, dafs noch Hieronymus das Hebräische als eine kleine, 
die Augen zerstörende, Schrift bezeichnet 57 ). Dafs in die- 
sem Zeiträume auch andere kalligraphische Aenderungen da- 
mit vorgingen, zeigt das Hinzukommen der Finalbuchstaben 



54) Eichhorns Einleit. Th. I. S. 149. Derselbe Tall ist bey den 
Russen und Engländern. 

55) Vgl. denselben Sprachgebrauch in der Chronik (Michaelis 
Supplem. ad Lexx. hebr. S. 1 183- Mein YVörterb. um. d. \V. 
Sn-i*^), und in den Büchern der Makkabäer, als 1 B. 3, 35. 
4, 11. 30. 31. 9, 11 u. s. w. 

56) Michaelis oiient. Bibliothek. XXII, S. 117. 

$7) Proleg. ad Eieelu XX. Qpp. Tom. III. col. Q'[2. 



1 60 Abschn. III. Geschichte der hebräischen Schrift. 

(§. 45, 2), und Melireres unten Anzuführende. Indessen ist 
dieses nicht der gewöhnliche Gang, welchen die Schriftzü- 
ge zu nehmen pflegen, und man darf nicht mit JTichac-lis be- 
haupten, dafs das Fracturartige, Steife bey einer alten Schrift 
nicht wohl gedacht werden könne, besonders, wenn sie 
Schrift des gemeinen Lebens ist. Man bedenke nur, wie 
lau °e sich die Griechen und Römer, welche ohne \ erhältnifs 
mehr schreiben mochten, als die Hebräer, mit ihrer Uncial- 
«chrift behalfen, ehe sich daraus eine Cursiv bildete. 

5. In einem wesentlichen Puncte verschieden ist die 
gegenwärtige Vorstellung von einer ihr in andern Stücken 
ähnlichen, dafs die Quadratschrift allmählich durch kalligra- 
phische Künsteley aus dem alten phönizischen Charakter 
selbst, etwa nach der Makkabäerzeit hervorgegangen 
sey 58 ). Dafs bevde Alphabete nämlich sich wirklich we- 
sentlich, als zu zwey verschiedenen Linien gehörig, unter- 
scheiden, zeigen mehrere Buchstaben, wie z. B. *», 1, *», 1, 
insbesondere aber der Umstand, dafs mehrere Quadratzüge 
dem Originalalphabet wirklich näher zu kommen scheinen, 
als die phönizischen. Eine Art von Quadratfractur aus dem 
phönizischen Alphabete enthalt vielmehr das altgriechische. 
Es treffen daher diese Meinung ungefähr dieselben Gründe, 
welche oben derLöscherschen entgegengesetzt worden sind, 
und wir können ihr aus denselben Gründen nicht bey- 
treten. 

6. Die Einwendungen, welche man gegen jene Schrift- 
änderung erhoben hat, widerlegen sieb, besonders bey einer 
solchen Wendung, leicht. ,, Es sey nicht wohl denkbar, 
s.agt man, dafs Esra, der so pedantisch am Alten hing, diese 



58) Deyling Observatt. s. P. Nif p- 242 sq. Bianconi a. a. O. 
S. 24-26. Ccnring^paradoxa de nummis hehr. caj). Vf p. 4-. 
Kcnnicott dlss. IL super rat. textus J . T. p. 147. Fabruy .1. ... 
O. S. 516. Michaelis a. a. ü. da IVanc litbtaisch jüdisch© 
Archäologie. S. 347* 



ß. 4j- Ueber die verscJäedencn Schriftzüge. \6l 

heue Schrift von den profanen, verhafsten Chaldnern ange- 
nommen haben solle" 59 '. Allein nicht Esra that diefs, 
sondern sein Zeitalter und die Verhältnisse brachten es so 
mit sich; er konnte dieses aber so wenig hindern, als er 
den Einflufs der chaldäischen Sprache hemmen konnte, 
Weimer es auch gewollt hätte. ,,Aber ältere Relationen, z. B. 
das Buch Esra, Josephus, schweigen davon" 50 ). Als ob wir 
eine so detaillirte Geschichte jener Zeit besäfsen. Es konn- 
te dieses auch so allmählich geschehen, dafs es durchaus kein 
Gegenstand historischer Aufmerksamkeit werden konnte. 
,,Eine Umschreibung der Codd. sey doch ..eben so mühsam 
als unnütz gewesen." An eine solche mufs man auch oar 
nicht denken. Bey allmähliger Aenderung der Schriftzüge 
kommen die früheren nie so schnell in Vergessenheit, dafs so 
etwas Bedürfnifs würde. 

Bev allen bisherigen Ansichten wurde als sicher angenommen^ 
dafs der Münzcharakter eine wirklich hebräische Schrift, und bey 
dsn Hebräern zu irgend einer Zeit in weiterem Gebrauch gewesen 
Sey. Dagegen gibt Seb. Hau ( Exercicatt. in Houbigantii Frole- 
gomm. in S. S. S. 127) die Vermuthung, dafs dieser phünizische 
Schriftzug vielleicht nie bey den Hebräern einheimisch war, und 
Von den Hasmoniiern nur zum Behuf der Münze gewählt wurde, 
weil er auf phönizischeri Münzen gewöhnlich, und auch den Ju- 
den :ils Schriftzug dieses benachbarten Handelsvolkes nicht unbe- 
kannt war. Er beruft sich dabev auf die spätein Münzen der 
Herodianer mit griechischer Schrift. Manche Schwierigkeiten 
wurden durch diese Ansicht auf einmal gehoben, allein auch an- 
dere desto gröfsere geknüpft. Etwas g;mz anderes ist es doch 
tun Münzen, die unter römischem Einflüsse mit Inschriften in 
griechischer Sprache und Schrift versehn wurden , und ächthe- 
bräischeu in alt hebräischer Sprache, von Fürsten geschlagen, dia 
mit einer gewissen Eifersucht auf Nationalitat und alterthiimli- 
che Sitte hielten. Ein solcher ganz unerwarteter und mächtiger 
Einflufs phönizischer Sitte läfst sich aber am allerwenigsten in ei- 
nem Zeitalter erwarten, wo die Blüthe des phönizischen Staates 
und Handelsverkehrs längst vorüber war. Die ganze Deductiort 



59) Löscher S. 213. Carpzov Crit. s. V. T. S. 231. 

60) Bauer Crit. s. S. 124* 

t 



1Ö2 Alheim. III. Ge.se/uc/itf der htbräi-.v.heji Schrift. 

dieses Verfassers zu Gunsten der Ursprünglichkeit des Qmdratal. 
phabets ist nicht die befriedigendste Partie de» sonst schätzbaren 
Werkchens. 

$• 44. 

Geschichte des Alphabets. Ursprüngliche Anzahl, Anordnung und 
Namen der Buchstaben. 

Das älteste Zeugnifs über das hebräische Alphabet, als 
solches , besitzen wir an den alttestamentlichen Poüsieen 
mit alphabetischer Anordnung der Verse, Halbverse oder 
Strophen (Ps. 2.5. 34. 37« ni. 112. 119. 145. Sprüchw. 51, 
10 iT. Klagel. 1 — 4.) 

1. Die Anzahl der Buchstaben ist hier schon die heuti- 
ge von 22 , und mehr hatte auch ursprünglich das arabische 
Alphabet nicht, welches erst seit Einführung der iNischi- 
schrift einen Zuwachs an Buchstaben und eine andere An- 
ordnung erhalten hat; während jedoch auch die alte noch 
im Ziffersystem beibehalten wird. Indessen ist man in 
neuem Zeiten häufig der Meinung gewesen, dafs das ur- 
sprüngliche phönizische Alphabet aus wenigeren , walu- 
scheinlich nur aus 16, Buchstaben bestanden habe 61 ). 

Man stützt sich dabey a) auf die Nachricht der CLissi- 
lier 62 ), dafs Kadmus nur 16 Buchstaben mit nach Griechen- 
land gebracht habe, woraus denn natürlich folge, dafs er 
im Morgenlande selbst noch nicht mehr vorfand. Die feh- 
lenden sollen im phonizischen Alphabete T, t:, 0, c, S, X ge- 
wesen seyn, woher denn im Griechischen aufsei T-Xl auch 
Z, U, 0, H, II erst später hinzugekommen wären. AlUin 
die ältesten Relationen von Kadmus (Herod. ö, 53. Diodor 
5, 24) erwähnen nichts von der Zahl der Kadmischen 



61) Chiahull antiqnit. tisiat. p. 26. Bianconi de antiquls lit. Hrhr. 
et Graecor. (eilit. 2) pag. 41. Bcllarinamis Handbuch der 
bibl. Literat. Th. 1. S. 65 iL Paulus a. a. O. S. 110. 'An. 
guit'is Einleit. in das A. T. S. 35. Nach Hug a.a.O. nur 15. 

62) Min. H. N. 7, 50". Taut. Annttl. XI. if 



Q. 44« Geschichte des Alphabets. 165 

Buchstaben, und die späteren Angaben darüber weichen 
von einander ab. So nahm Aristoteles nur iQ an, eine an- 
dere Sage 17 63 ). Aus diesem Schwanken macht schon D/o 
jiysius von Halicarnafs 64 ) den sehr treiFenden Schlufs, <!afs 
jene verschiedenen Angaben auf keinem historischen Grunde 
beruhen, sondern nur gelehrte Meinung seyn dürften, bey 
welcher man von der allerdings richtigen Nachricht aus^incr, 
dals man nicht alle Buchstaben aus Phönizien empfangen 
habe, und auf eine Analyse des Alphabets weitere Schlüsse 
bauete. Dafs aber die Griechen gleich Anfangs alle 22 
Buchstaben des heutigen morgenländischen Alphabets erhiel- 
ten, zeigt der Umstand, dafs sich diese dem altgriechischen 
Alphabete, welches von A-T mit Einschiebungen dreyer 
(nachher nur als Zahlzeichen beybehaltenen) Buchstaben 
ebenfalls 22 zählte, auf das Genaueste gegenüber stellen las- 
sen. Dieses geschieht am Richtigsten auf folgende Weise: 

« A 

3 B 

a r 

1 A 
n E 

1 iirtrtiftcv B«v (/, Digam- 
na, lat. F ) 

1 z 

n H 

13 

1 I 

3 K 

Nachdem späterhin noch die Buchstaben T-J2 hinzuge- 
kommen waren, warf man aus der frühern Reihe drey (B«w, 
S«vt/, Konna) heraus, behielt sie aber als Zahlzeichen Or<a>y- 



h 


A 


ö 


M 


J3 


N 





S (£,*<») 


V 


O 


2 


n 


s 


tlHftffAOV ^XVTft 


p 


tTftJituo* Yionxcc (9 ) 


1 


P 


IV 


2 (S«y, Herod. 1, 139) 


n 


T. 



63) Aristot. beym Plin. a. a. O. P/"'. Sympos. Vlll. quaest. 5. 
/«'</or. Oi™. I, 3. Vgl. Potters griech. Arcliäol. Tli. 3. S..3J 

64) n*g« ffvv^£(rsw5 ov»^aT«.y, Cfy>p. «/• Oxon. T. II. p. 21. 

L 2 



»Ö4 Abschn. III. Geschichte der hebräischen Sclirift.. 

ftu) bey, weil einmal das Ziffersystem auf die alte Reihe ge- 
stützt war. Zwey derselben (B«w und Konxu) gingen als F 
und Q in das lateinische Alphabet über. Auch das erste S, 
das aus Samech entstandene Sigmä , wurde als überflüssig 
herausgeworfen, Sigma und San als Namen Eines Buchsta- 
ben angesehn (Herodot. I, 139), und an die Stelle des Sigma 
der componirte Buchstabe Z gesetzt. Mit der Bedeutung 
der Buchstaben wurde nach den Bedürfnissen der griechi- 
schen Sprache nur die Aenderung gemacht, dafs den 4 Gut- 
turalen (n, n, n, V) die Geltung von Vocalen (A, E, II, O) ge- 
geben wurde, mit denen man eiue gewisse Analogie bemerk- 
te. Der Gestalt nach wurde der phönizische Buchstabe (der 
verschiedenen Richtung der griechischen Schrift wegen) mei- 
stens umgediehet, daher 3 (das phönizische n) im Griechi- 
schen E ; *! (das phönizische *i)griech. P, fw 6 * ) u.s. w. Woll- 
te man, um jener Sage treu zu bleiben, annehmen, dafsKad- 
mus Anfangs nur 16 herübergebracht habe , und dafs man 
einst das abendländische Alphabet wieder aus dem indefs 
vollständiger gewordenen phönizischen vervollständigt habe, 
wodurch allererst jene Uebereinstimmung hervorgebracht 
wurde 66 ), so würde man einen fast undenkbaren Fall setzen. 
Wie unwahrscheinlich, dafs die Griechen, nachdem ihnen 
einmal durch ein, wenn gleich unvollkommenes, Alphabet 
diese Erfindung , und mit ihr der Keim zu allen möglichen 
Vervollkommnungen derselben mitgetheilt worden war, ihr 
Alphabet späterhin nochmals aus dem morgenländischcn 



65) Uebcr die Vergleichung diesev Alphabete s. Bocharti Canaan 
1, 20. JWoutfaucon palaeogrr.j'lila ?,r. S. 125» und (J>ou/nVr) 
dissert. de priscis Graecoium et Uätinomm litcris hinter JHont- 
fautun S. 554 iL Fischer slnimadverss. ad 11 eilen : grammat. 
gr. T. I. p. 12 sq. Jahns Eiuleit. in das A. T. Th. I. S. 52Q. 
Grammat. hebr. S. 5 IT. 1 welchem letztem wir nur darin nicht 
bevstinnr.en können, dafs er dem 1 dns T, dem p das \ . 
riber stellt, welches schon Bouhfer a. n. O. S. 5Ö0 an St. .1A>- 
rinus {de Lingua primaria exenit. II, u») halt gerügt hat. 

66) Hug a. a. O. S. 1 1 fi. 



§.44- Geschichte d. AlpJiabets. ZTrspr. Anzahl d. Buchstab. 165 

ängstlich vervollständigt, und die neuen Buchstaben an die 
Stelle gestellt haben sollten , wo sie bey den Phöniziern 
standen ! 

Einen zweyten Grund findet man b) darin, dafs gerade 
diese Buchstaben auf den phönizischen Documenten zum 
Tlieil fehlen. Allein, diese Denkmäler sind ohne Zweifel 
aus Zeiten, wo das Alphabet längst vervollständigt war; 
dieser Umstand würde also, wenn er richtig wäre, zuviel 
beweisen. Allein T, 0, 'S fehlen nur auf einigen, und ö, 3 
(nach Büttner) auf allen bis jetzt entzifferten. Aber ist auch 
die Entzifferung und jene Zusammenstellung schon vollstän- 
dig und sicher? Das 3 möchten wir mit Sicherheit (aus den 
maltesischen Denkmälern , namentlich Inscript. melit. HI.) 
nachtragen, die Figur des ta haben wahrscheinlich mehrere 
citieische Inschriften. Endlich hat man 

c) jene Sage durch die Analyse bestätigen wollen. Mit 
16 Lautzeichen, meint man, können alle Wörter geschrie- 
ben werden, schon deswegen dürfe dos IJralphabet nicht 
vollständiger angenommen werden. Allein bcurtheilt man 
hier nicht die Sache gröfstentheils aus dem ganz falschen 
Gesichtspuncte unseres Organs? Bey diesem mag die Di- 
stinetion von B und n , von 3 und 2, von 7, 1', o und c* fein 
und dem ungebildeten Ohre kaum hörbar erscheinen. Al- 
lein war denn derselbe Fall bey dem alten Semiten, den jene 
Unterschiede noch in seinem und jedes Umgebenden Munde 
klar und lebendig ansprechen mufsten? 67 ) 

Aus der oben angeführten Stelle des Irenüus würde man ein 
altes Alphabet von nur zehn Buchstaben folgern müssen. Allein 
die ganze Nachricht scheint schon von dem Ucbersetzer entstellt. 
Auch nach der ingeniösen Herstellung des muthmalslichen griechi- 
schen Textes durch Hug (Gesell, der Buchstabenschrift S. 1G) 
können wir ihr keinen historischen YVerth beylegen. 



67) Vgl Lehrgebäude der Diplorr.r.tik. II, S. r>4- Fuhri-y a. a. 
O. S. 323 fF. Jahns Archäol. I, S. 411. Dessen Einleit. in 
das A. T. a . a. O. 



1 66 Abschn. III. Geschichte der hebräischen Schrift. 

2. In Rücksicht auf die Anordnung des Alphabets fin- 
den sich in mehrern jener alphabetischen Gedichte einzelne 
Unregelmäfsigkeiten und Abweichungen. Klagel. 2. 3. 4« 
steht das a vor dem V; Ps. 57 steht S vor 3 und fehlt V; Ps. 
25 u "d 54 fehlt 1, beyde aber haben nach dem n noch einen 
Vers mit S. Man hat hieraus verschiedene paläographische 
Resultate ziehen wollen, insbesondere aber das s am Ende 
des Alphabets mit dem <5 der Griechen verglichen, welches 
aus diesem morgenländischen Buchstaben abzuleiten sey 68 ), 
die Umstellung des V und x aber aus der Verwechselung 
beyder Buchstaben im Aramäischen erklärt 69 ). Allein Er- 
scheinungen anderer Art, z. B. dafs Ps. 25 zwey Verse mit 
H anfangen, keiner mit 3, Ps. 54 zwey Verse mit 1 , u. dgl. 
machen es höchst wahrscheinlich, dafs man schwerlich ir- 
gend ein Datum für die Geschichte des Alphabets dahinter 
suchen dürfe ; und man mochte der Wahrheit am nächsten 
kommen, wenn man alle jene Abweichungen theils für Nach- 
lässigkeiten des Dichters selbst hält 70 ), theils auf Rech- 
nung früherer Corruptionen setzt. 

Dafs auch Kritik hier an ihrer Stelle sey, zeigt das Bcyspiel 
von Ps. 37, 23 deutlich. Nach der durchgängigen Oeconomie 
dieses Psalmes kommen auf jeden Buchstaben vier Versglieder. 
V« 27 scheint dieses Gesetz sowohl, als die alphabetische Reihe 
auf einmal unterbrochen; allein beydes wild hergestellt, wenn, 
man entweder mit DSlvb einen neuen Vers anfangt (man konnte 
dabcy h in der alphabetischen Reihe übergehn , wie das 1 S. 3p), 
oder besser mit LXX. Symm. J'ulg. hier noch ein Vcrsglied ein- 
schiebt, welches gerade mit 37 anfängt. Denn die Worte avc/uoi 
it sx5jvo^S>)<Toyra« geben die natürliche Uebersetzung flTETyj cS"!»*. 
wie schon Cappellus , Datlie u. A. annehmen. 



6Q) Hasse in Eichhorns Biblioth. der bibl. Liter. B. 8« S> 4" ff > 
Hug a. a. O. S. 39. 71. Andere haben es auf die doppelte 
Aussprache durch x und (J> beziehn wollen. Lehrgebäude der 
Diplomatik. II, S. 97. 
69J Bengul Sujrplem. ad introduet. in Psalmos. S. 14» 
70) de Weile % Comment. über die Psalmen. S. 8 2 '84' 



5- 41- Gesell, des Alphabets. Anordn.u. Namen d. Buchslab. 167 

5. Die Namen der Buchstaben bezeichnen gewisse sinn- 
liche Gegenstände, die eine Aehnlichkeit hatten mit der ur- 
sprünglichen Gestalt derselben, welche sich zum Tlieil im 
Quadratalphabet, zum Tlieil im Phönizischen , zum Theil 
wohl in keinem von beyden erhalten hat (Seite 15 -V)» wo- 
bey aber zugleich der Gesichtspunct genommen wurde, dafs 
das Wort selbst mit dem Buchstaben anfing, welchen es be- 
zeichnet. Ingeniös ist dabey Hug's Hypothese 7I ), (deren 
Haltbarkeit wir dahin gestellt seyn lassen), dafs mehrere 
Zuge erst dadurch klar würden, wenn man sich dieselben in 
Aegypten denke (r,. B. A ein pyramidalischesHaus), welches 
ihn, zusammengenommen mit den originell phönizischen INa- 
men , auf die Erfindung der Schreibkunst durch einen Phö- 
nizier in Aegypten führt. In den abgeleiteten Alphabeten, 
wie im Arabischen, hat man diese Namen nachher verstüm- 
melt (z.B. Lam aus Damed, Dschim aus Gimel), auch wohl 
nur den Laut des Consonanten durch einen \ ocal hörbar ge- 
macht (wie Be, Je, The). Da sich nun im hebräischen Al- 
phabete ebenfalls mehrere Namen finden , die sich gegen 
etymologische Deutung sträuben (z. B. Mein, He), so bliebe 
hiernach die Vermuthung offen, ob sie nicht gleich jenen 
verstümmelte Appellativa oder lediglich technische Wörter 
wären. Indessen ist derSchlufs noch nicht sicher, dafs das, 
was uns zu deuten schwer fällt, keine Bedeutung gehabt 
haben solle, und es kann uns nur an Kenntnifs des, aller- 
dings sehr alten, phönizischen Sprachgebrauchs fehlen 72 ). 

71) a. a. O. S. 21. 56. Gegen die Entstehung der Buchstaben 
schrift aus Hieroglyphen, Eichhorn Geschichte der Literatur. 
Th. I. S. 14. 

72) Für ursprünglich technisch, nicht appellativ, hält alle Buch« 
stahen Dat\ Uericus (quaest. sacrue S. 59) , Alb. Schaltens (in- 
stitnt. hfhr. p. 10.12), einen Thcil derselben Aug. Pfeiffer 
(introd. in Orient em S. 55), llug a. a. O. S. 2/j. Letzterer 
nimmt nur von den Namen der 15 „ursprünglichen" Buchsta- 
ben eine Bedeutung an. Zuerst stehen diese iNamen (ir.it grie. 
einsehen Buchstaben ausgeschrieben) in der LXX. Klagel. 2-4. 



l6Q Abschn. III. Geschichte der hebräischen Schrift. 

EineUehersicht der wahrscheinlichsten Erklärungen ist; 

p ( Sn = > ; ) 1 7N (Se^olatform , wie hyj = h"\V , vgL hebt. Gram- 
matik S. 157) Rind, wie schon Plutarch (quaest. symp. Q, §. 2) 
erklärt: hta rovs (pomstaj aCrw nakttv rov fiow. Die rohe Gestalt 
eines gehörnten Stierkopfes geben die phönizischen Figuren ^, <£, 
besond. umgekehrt V". Hieraus wurde das altgriechische A. 
Paulus erklärt *|Si* durch tausend, welches man durch einen 
Strich mit 2 Queerstrichen bezeichnet habe, ab?r dann müfstc das) 
Ziffersysteni älter seyn, als die Buchstabenschrift. 

res, Bi}$ Haus, wahrscheinlich in Beziehung auf eine der 
Quadratschrift ähnliche Figur. 

S»3 oder S»>^ (wieder Segolatform für S»3 » wahrscheinlich 
auf phönizische Art) = SüJ Kameel. In der ältesten Figur 
(//, ~I) hat man wohl zunächst den rohen Zu» eines Kameelhal- 
ses zu suchen. Aus jenem phönizischen Zuge ward umgekehrt 
das griechische T. 

nS* = nS'n Thiir, welches mehr zu der Quadratfigur, als 
zur phönizischen (9> 9 » *\) pafst. Wegen letzterer gibt Paulus 
die (unwahrscheinliche) Erklärung, dafs nbl = H^*l (vielmehr 

M '•" • 

*»Vl, ^h^)> Ö2/0 Schöpfeimer bedeute, hier ein Eimer an, 

einem Stricke. , 

NH ohne wahrscheinliche Bedeutung, vielleiclit verstümmelt, 
oder blofs technisch. 

11, (M. Kimchi VI . bey Jarchi INI ) Na gel, Haken, wel- 
ches am besten der Quadratfigur entspricht. Im altgriechischen 
Alphabete Bxv , dessen Gestalt F sich an die phönizische /^ an- 
schliefst, Montfuucon palaeogr. »r. S. i0.$. ö^S- 

y*% wahrsch. == J.J-J1 Waffe, Schwert (Ps. 44, 7 Pcsch.), 
vgl. die Quadratfigur, der mehrere phönizische entsprechen. Mit 
Weglassung des ) sagte man auch iT, Plur. ]^T (Mischna Seitab* 
beult Xlf, 5, T. IT. S. 47 ed. Surenhus.), griechisch Za'i (Mont<- 
faueon ad Hexapla II. S. 3^5)« daher das griechische Zvjra. 

{I^n , wahrsch. Umzäunung von .bv.^., *-i Q - w umgeben, 



Deutungen derselben gaben schon Euseb. praep. evang. X. , 
Hieron. epist. 115, unter den Neuern Jo. Ihusii Alphabetum 
hebtaicum vetus. Franeq. »587i vermehrt 1609, 4. C. J. 
Trommann de causis uominum literarum hebraicarum. Coburgi 
1758, wieder abgedruckt in dessen Opusculis philol. et bist, 
ai gumenti , no. 4. Simonis introd. in ling. lubr. S. 60, Jac. 
J'tlwttferd Opufc. philol. S, £2$ IT, Uug a. a. O. S. 21 tf, 
Paulus a. a. 0. S. 1 1 Q ff, 



g. 4/.. Geschichte des Alphab eis, JS amen der Buchslaben. 169 

umzäunen, wovon mehrere Derivata Zaun, Mauer bedeuten. 
n wäre denn mit 13 verwechselt. Der phönizischen Figur (0,0) 
entspricht dieses sehr. 

Bio oder n*»E, griechisch t>jS, noch am wahrscheinlichsten = 

i2.^.Jb Schlange. Nach Paulus und A. Laut ein es Hör nes, 
Hörn (?). 

Th, Icuä oder Tu& am passendsten s. v. a. *n Hand (wie D1>, 
Plur. D^C von 0' , )> nach der phönizischen und samaritanischen 
Figur (m, rrt), worin man drey verbundene Finger, die rohe 
Zeichnung einer Hand erkennen mag. Die Quadratfigur scheint 
früherhin länger gewesen zu seyn (§. 46, *)» an eine solche schliefst 
sich die griechische (I). 

t]3 hohle Hand, nur zur Quadratfigur passend. 

*11dS wahrsch. Knüttel, von (A.».3 := *OV schlagen, wo- 
von "ipan TeHei Ochsenknüttel Rieht. 5,51. Mehrere phönizi- 
sche Figuren sind gerader als die hebräischen, einige stellen 
(L,, h) vielleicht genau die Gestalt eines Reiteis dar. 

DC. Dafs dieser Name etwas verstümmelt sey, läfst wohl 
schon das griechische /xu vermuthen, welches eine andere phöni- 
zische Form voraussetzt. Die gewöhnliche Erklärung durch D^O 
Wasser soll sich auf die samaritanischo Figur (^3) beziehen, 
welche oben etwas Wellenförmiges hat, aber aus den altern Al- 
phabeten sieht man , dafs dieses eigentlich drey Zacken sind 
(|JJ, V/). Bezeichnet es den Dreyzar.k, als Symbol des Meeres? 

}13 (woraus NJ abgekürzt ist, wie it, Ztxi aus }•<*) im Chald., 
Syr. , Arab. Fisch. Fast in allen phönizischen Alphabeten ist 
die Figur gekrümmt (L.) , nur auf den maltesischen Inschriften 
ist sie beynahe gerade (^), und zu der Benennung passend. Am, 
Wenigsten darf man an die (spätere) Finalfigur denken. 

■qED wahrsch. s. v. a. das syr. {.üia£D consessus , triclinium, 
vgl. die Quadratfigur. Die Griechen machten aus Samech, JOiDD 
ttansp. 'Eiy/jLa , nahmen aber dieses nachher gleichbedeutend mit 
\iV Sav (*s. unten). Die phönizische Figur des Samech (^7) er- 
hielt sich aber für das H. 

]*V An»e, im Phönizischen O, daher das griechische O. 

HS, LXX dpij , wahrsch. = na Mund. Nur auf den maltesi- 
schen Inschriften erscheint sicher die 1 igur ^i, in £rman»elun» 

C? DD 

mehrerer Figuren läfst sich über die Uebereinstimmung des Na- 
mens nicht uitheilen. 

•HS (LXX Tffft&v)) nach andern lyify vV£ t nach Simonis: Jagd-, 
Fischerinstrumcnt, von niS = l^Ä jagen, fischen. Die phöni-? 



170 Abschn.III. Ce schichte der hebräischen Schrift. 

zische Figur (} v ) kann mit einem Fischerhaken verglichen 
•werden. 

%.\ f. $A 

*|ip, chald. fppt arab. L-X3, &J.3 Loch, Oehr einer Nadel 
oder Axt. Dem entsprechen alle alte Figuren. Aus dem mor- 
£;enländischen P wurde das griechische Ex/<r>)/uev ^ Koiriror, nach 
den Grammatikern ein umgekehrtes Pou. Schal, zu sirist. nub. £3. 
Fischer ad J<Vellsr. I, 17. IWazochi ad tob. heracl. p. 122. 

ttJ" 1 *! = TI5N1 , ÖH*1 Kopf, vgl. die phönizische Figur (<! > 9). 
■woraus umgekehrt die griechische wurde. Pw entstand ans Pw?. 
Weshalb di« LXX (Klagel. cap. 2) P>lX f » unc ^ ^ ,ir ^ en folgenden 
Buchstaben Xcev schreiben , was schon Chr. B. Michaelis (Miscel- 
lanea Lipsiensia nova Vol. VII. S. 560) fragt, wünschte ich von ei- 
nem der griechischen Orthographie genauer kundigen Gelehrten 
beantwortet zu sehn. 

pit5 = ]vi Zahn. Die Figur mit drey aufstehenden Zacken 
findet sich in allen Alphabeten. Die alteren Griechen nannten 
es hiernach £av, wovon £a/;.iri (für St), 2*/x(fi;j«5. Hcrodot 
I, 139. Athen. Deipnos. XI, 5. p. 467« 

13, bey JMoso Kimclii l^p, d.i. Zeichen (Ezech. g, 3), ins- 
// 
bes. wohl s. v. a. (__C ±3 kreuzförmiges Zeichen, welches man 

dem Zugvieh an die Hüfte oder den Hals brannte. Ein solches 
Kreuz ("{"> X» 1") ' ,at namentlich die jüdische IMünzschrift 
(§. 42, 5); aus einem solchen entstand auch das griechische T. 

Die griechischen Buchstabennamen 'AXcpa, B;jra u. s. w. grün- 
den sich entweder auf eine Femininalform oder eine Art stat. em- 
■plmticus NsSNt 50*0. Eben so auch andere aus dem Fhönizi- 
»chen übergegangene Wörter, als hZ2, vaßXa, ttSc , /u*A.S« 
(vgl. S. 66). " 

4. Dafs die Hebräer die Buchstaben je anders als von 
der Rechten zur Linken gereihet, ist unwahrscheinlich. 
Bustrophedonschrift findet sich nur bey den Griechen, als 
Uebergang zu der abendländischen Schriftart, bey den Mor- 
genländern nie sicher; um so weniger kann eine Stelle des 
Justin d. Märtyrer als gültiges Zeugnifs dafür argefühit 
werden 75 ). Ein vage6 Paradoxon ist aber die Meinung von 

73) Vgl. Hug a. a. O. S. 18- Paulut S. 103. Auf die Rich- 
tung der Schrift in den jüdischen und phonizisjhen Münzen 
darf man sich mit ersterem wohl nicht berufen. 



§. 45- JVortabÜi., Finalbiichst., Abbreviatur., Zahlreich. 171 

fiianconi 7 *), dafs die Hebräer vor dem Exil, wie die Grie- 
chen, von der Linken zur Rechten geschrieben hätten. 

ö. 45. 

"Wortabtheilung und Finalbuchstabcn , Abbreviaturen, Zahlzeichen. 

1. Dafs die Alten überhaupt, und namentlich auch die 
Hebräer, gewöhnlich ohne Zwischenräume Wort und Wort 
geschrieben, ist eine bekannte Sache 75 ), welche auch hier 
nicht geleugnet weiden soll , aber doch einer Beschränkung 
bedarf. Wahr ist, dafs verhältnifsmäfsig die meisten grie- 
chischen Inschriften conlinua serie geschrieben sind ; aber 
mehrere der ältesten, namentlich die eugubinischen Tafeln, 
die Jnscriptio sigea , haben einen oder r.wey, noch andere 
drey Punkte als Wortabtheiler 7ß ), ausgenommen am Ende 
der Zeile, und wenn Wörter sehr eng zusammen gehören, 
wie Partikeln und Präpositionen zum Nomen. Richtig mag 
es seyn, dafs die allgemeine Einführung der Wortabtheilung 
in den griechischen und lateinischen 3Iss. von den Gramma- 
tikern herrührt; aber bekannt war sie schon den Schriftstel- 
lern selbst, und wurde auch von einzelnen angewandt 77 ). 
Derselbe Fall ist auch bey den Morgenländern. Die mei- 
sten phönizischen Inschriften haben keine Wortabtheilung, 
aber andere haben allerdings, und zwar, wie jene, durch 
einen Punkt, nur mit Ausnahme eng verbundener Wör- 
ter 78 ). Denselben Punkt hat die Keilschrift und die sama- 
ritanische, Zwischenräume hat auch die kufische oder alt- 
arabische Schrift 79 ). Dafs die Bibelhandschriften zur Zeit 

74) a. a. O. S. 25. 29, 

75) IMorini Esiercit. bibl. T, 6. cap. 2. Simon Jiist. crit. I, 23. 
Jablcnski praef. ad bibl. hebr. §. 37. Eiclihonis Einleit. in das 
A. T. Tb. I. S. 172. 

76) Censor theol. S. 291. Hlontfaucon palaeogr. gr. S. 134 ^' 

77) Aristot. Rhetor. II T, 5. Cic. de orat. 3, 45. 46. pro Mur. 

2. Ser.ecne epist. 40. Censor theol. I. c. 

78) Vorzfigl. Inscript. Cit. II. 

79) Niebuhrs Beschr. von Arabien, tab. 4 "9* Reisebeschr. II, 
tab. 30, 



172 Absehn. III. Geschichte der hebräischen Schrift. 

der LXX keine durchgängige Worttheilung hatten, zeigea 
die zahlreichen Abweichungen dieser Versionen von der ge- 
genwärtigen Abtheilung 8 °); allein fast ohne Ausnahme ist 
dieses nur bey ohnehin eng verbundenen Wörtern der Fall, 
und die Annahme gewisser Zeichen, die den Uebergang zur 
Interpunktion machen, wird noch nicht ganz ausgeschlos- 
sen. Auffallend ist, dafs die Synagogenrollen und der sa- 
maritanischePentateuch zwar keine Vocalej aber dockWort- 
abtheiluns haben, auch dafs der samaritanische Pentateuch 
in Rücksicht auf Worttheilung nur selten von dem jüdi- 
schen abweicht 81 ). 

2. Erst nach der allgemeinen Einführung der Wortab- 
theilung konnten auch wohl die Finalbuchstaben entstehen. 
Der phönizische Charakter kennt gar nichts dem Aehnliches. 
Auch im Quadratcharakter können sie zur Zeit der LXX 
noch nicht gewesen seyn , denn die Wortabtheilungen der- 
selben widersprechen zuweilen den Finalbuchstaben 82 ). 
Nur fälschlich hat man sie den palmyrenischen Inschriften 
zugeschrieben , auf welchen ich weder Wortabtheilung, 
noch Finalbuchstaben entdecken kann. Dagegen kennen 
sie der Talmud, Hicronynius sz ) und Epiphanias 5 *). Dafs 
ihre Bestimmung zu Finalbuchstaben die erste und ursprüng- 
liche sey , ist schwer zu verkennen , und die Vermuthung, 
dafs sie schon früher zu Zahlfiguren dienten, ist wohl nichts 
weniger, als erwiesen, ja sehr unwahrscheinlich, 



go) Cappclli Crit. s. ed. Vogel* Scharf fnberg. üb. II, 13. 

gl) Vgl. überhaupt Jahns bibl. Archäologie. Th. I. B. I. S. 451. 
Jh'Sien Ktnleit. in das A. T. Th. 1. S. 354 und die daselbst an- 
geführten Schriftsteller. Man set/.e hinzu : Jo. Gottjr. Tym. 
pH progr. quo indistinctam ant'njuorum Ebracorum scriptionem 
esse rccens commcntum Morinianum, ostendit. Jcnaei75r). 4« 

ga) Eichhorn a. fh O. S. 177. 

g5) Leusdsn ph'dol. hehr. S. i2g. Tychsnt im Repertorium für 
bibl. und mor^enl. Literatur. Th. 5. S. j4o. 

g j) de youd^nbus et mettwns. §. 6, 



§. 45- IVortablh., Finalbuchst., Abbreviatur., Zahlzeich. 173 

3. Dafs die althebräische Schüft Abkürzungen ganzer Wör- 
ter durch wenige oder die Anfangs-Buchstaben gekannt habe, 
zeigen die jüdischen Münzen 85 ). Auch in Handschriften 
finden sich häufig vorkommende Worter (z. B. mrp) abbreviirt, 
und die neueren Juden haben sie so sehr vervielfältigt, dafs 
die Kenntniis derselben ein ordentliches Studium erfordert. 
Man hat auf jene Annahme kritische Conjekturen gebaut, 
die aber nur dann Wabrscheinlichkeit haben, wenn sie häu- 
fige oft wiederkehrende Wörter betreffen 36 ). Von dem 
musikalischen Terminus nSö , den Einige als Abbreviatur 
erklären, würde dieses allerdings gelten. 

4. Zu den Abkürzungen gehören gewissermafsen auch 
die Bezeichnungen der Zahlen durch Buchstaben oder Ziffern, 
Beyde Arten finden sich sicher in der semitischen Scbrift. 
Ein ZifFersystem haben die phönizischen Münzen 8? ) und 
palmyrenischen Inschriften 88 ), vielleicht die phönizisch- 
ägvptische Schrift 89 ), selbst unsere Ziffern sind bekannt- 
lich von den Arabern entlehnt, die sie von den Indern er- 
hielten. Buchstaben dagegen als Zahlzeichen finden sich 
auf den jüdischen Münzen 9 °), bey den Arabern, und der 
sehr frühe Gebrauch derselben bey den Griechen macht e* 
fast wahrscheinlich, dafs ihnen auch die Phönizier hierin 

35) Auf mehrern derselben steht ZW d. i. Sn^ im zwryteit Jah- 
re ; auf anderen vollständiger rinN niW. S. ELhel da doctrina 
numm. vett. III, S. 463. Ebendaselbst SN"lt£n zuweilen abge- 
kürzt in \yt. Statt rinnS haben einige blofs *irV7, wahrseb. 
auch durch Abbreviatur. Ebend. S. ^6g. 

g6) ELhhom Th. I. S. 237. Tb. II. 3. 56. de Wette zu Ps. 
152, 6. 

37) lihenferd -pericul. ri;oen. p. 47. Suinton in Philos. Trans- 
actione. T. 50. S. 791. Ekhel a. a. O. S. 410. 

88) Philos. Transactions. T. 43. p. 721. 7 2 8 » andere Figuren 
p. 741. 

3p) Ueber die Entzifferung ist man noch nicht einig. Vgl. Cay- 
lus liecueil d'Antiquitis. T. I. S. 65-76. Gatterer's Diplom» 
Th. I. S. 71. 

90) 8. Anm. 35. 



X 74 Ahschn. III. Gescliichte der licbralschen Schrift. 

vorangingen. Man hat hiernach aucli den Hebräern theils 
Ziffern 21 ), theils den Gebrauch der Consonanten als Zahl- 
buchstaben zugeschrieben, und aus dieser Hypothese meh- 
rere auffallende Erscheinungen in Rücksicht auf die bibli- 
schen Zahlen, vorzüglich die aufserordentliche Varietät der 
Lesarten zu erklären gesucht 92 ), indem man annimmt, dafs 
die Ziffern oder Zahlbuchstaben erst später in Zahlwörter 
ausgeschrieben worden seyn. 

Einige Beyspiele, die sich am besten durch Ziffern erklären 
licfsen , sind folgende. Nach i Snm. 6, ig sterben 50,070 Phili- 
ster, nach der syr. Version nur 5070. Nach 1 Kon. 4, 26 (5, 6) 
hat Salomo 4 » 000 Rosse, nach der Parallelstelle 2 Chron. 9, 25 
nur 4 000 ' Nach 2 Sam. 10, 1Q zerstört David 700 Wagen der 
Ammoniter, nach 1 Chron. 10, iß 7000. Andere dagegen er- 
klären sich leichter durch Zahlbuchstaben. Nach 2 Sam. 24, 13 
dauert die Hungersnoth unter David sieben (?) Jahre, nach den 
J,XX und 1 Chron. 21, 12 nur drey (3>). Nach 2 Chron. 21, 10. 
22, 2 stirbt Joram im 4 0ste " Jahre, und hiiuerläfst einen Sohn 
von 42 Jahren! Nach 2 J£ün. Q, 26 ist offenbar zu lesen 22 (33 
Für 3E). 

Die unverhältnifsmäfsig grofse Menge von Varianten 
dieser Art 93 ) macht diese Hypothese allerdings wahrschein- 
lich, und das Uebergewicht der Beyspiele, so wie die Ana- 
logie der jüdischen Münzen mochte auf Seiten der Zahl- 

' 

buchstaben seyn, nur hat man ohne Zweifel gefehlt, indem 
man daraus zuviel erklärt hat, nämlich a) die enormen, und 
zuweilen offenbar unhistorischen Zahlen bey der Angabe 
von Menschenmassen, von Schätzen u. dgl. 94 ). Diese ge- 



91) l'ignole Chronologie de Vlüstoire saline. I, §. 29. Cappelli 
Crit. sacra ed. Vogel- Schar fenberg. T. I. S. 104. Wahrt Ge- 
schichte der morgenländ. Sprachen. S. 657. 

92) Kennicqtt diss. I, p. 5 21 * »«*• Ir » p. 801-13. diss. gene- 
ral. §. 27. J. AI. Faber progr. II. litcras olim pro voeibus in 
numerando a scriptoribus V. T. esse adhibitas. Onoldi 1775. 4. 
Eichhorns Einleit. Th. J. S. 203. Dagegen Ik.ueri Crit. s. V. 
T. S. ltfß« Dessen Einleit. in das A. T. S. 117. 

93) Vgl. Esra 2 und Neh. 7. Vorzüglich Cappcllus a. a. O. 
S. 102 ff. 

94) Eichhorn a. a, O. S. 204. 



$. 4<5. Spätere Geschichte der QtiaJralscJirift. 175 

hören zu dem alles übertreibenden Charakter der morgen- 
ländischen Geschichtschreibung, und dürfen von Seiten der 
Wortkritik schwerlich angetastet werden. &) Die Verschie- 
denheiten der LiXX, des Sam, und des hebr. Textes in Stel- 
len wie 1 Mos. 5, 11 95 ). Hier ist jeder Text nach einem 
bestimmten System bearbeitet, und die Abweichungen sind 
absichtlich, nicht zufällig. Derselbe Fall mag c) zuweilen 
bey der Chronik und den Versionen seyn, wenn sie Zahlen 
des älteren Textes bald übertreiben, bald, wenn sie un- 
glaublich scheinen, mildern. Eine so unkritische Behand- 
lung ist dem Geiste dieser späteren Bearbeiter wenigstens 
nicht fremd (Q. 12, 2). Ganz unwahrscheinlich scheint mir 
d) der Gebrauch der 5 Finalbuchstaben als Zahlzeichen, ehe 
sie zu jenem Zwecke gebraucht wurden, da ihre Gestalt 
ganz für die Ursprünglichkeit jener Bestimmung, mithin ihre 
spätere Entstehung spricht. 

Eine eigene Hypothese, welche jene Unordnung des hebräi- 
schen Textes In den Zahlen erklären soll, hat Hug (Gesch. der 
Buchstabenschrift S. ao) auf die Annahme eines frühem Alpha. 
bets von 15 Buchstaben gebaut, oder vielmehr kurz angedeutet. 
Schon aus jener Ursache mochte sie keine Durchführung aus- 
halten. 

Spätere Geschichte der Quadratschrift. 

Dafs die Quadratschrift schon von ihrer Einführung bis 
auf Origenes und IJieronyimts mancherley Veränderung er- 
litten haben möge , läfst sich leicht denken , wiewohl nicht 
nachweisen. Selbst für die spätere Zeit, aus welcher unse- 
re Codices herrühren, ist es noch nicht gelungen, irgend 
eingehende paläographische Bemerkungen über die Verän- 
derung des Schriftcharakters in der Zeit zu abstrahlten, und 
selbst Männer von der engsten Vertrautheit mit diesen Ge- 
genständen, wie Kennicott, Bruns, de Roasi scheinen es nicht 



95) Cappellus a. a. O. S. 437, 



ij6 Abschn. III. Geschichte der hebräischen Schrift. 

über ein dunkeles Gefühl hinaus gebracht zu haben 96 )., 
Für unseren Zweck niag eine kurze Zusammenstellung des 
his jetzt Ergründeten hinreichen 97 ). 

l. Ein sehr merkwürdiges, nur zu oft misverstandenes* 
Zeugnifs über alte Züge der Quadratschrift enthält eine 
Nachricht des Origenes und Hieronymm, dafs in gewissen al- 
ten Exemplaren der LXX das Wort n^n" 1 aus Superstition der 
Abschreiber unübersetzt hebräisch beybehalten worden sey$ 
und zwar mit alter hebräischer Schrift 98 ). Der Zusam- 
menhang lehrt, dafs dieses Origenes , aus welchem Hierony- 
mus erst die Nachricht entlehnt, von der altjüdischen d. i. 
samaritanischen Schrift verstanden wissen will 99 ); zum 
Glück belehrt uns aber eine andere Nachricht eines Bessern. 
Hieronymus meldet, dafs diese 4 Buchstaben von unwissen- 
den griechischen Abschreibern für griechisch gehalten und 
Pipi gelesen worden seyn. Sie mufsten also den griechi- 
schen Buchstaben mm gleichen 100 ). Bey dem samarita- 
nischen Alphabete ist dieses durchaus unerklärlich, und es 
ist zu bewundern, wie man diese Stelle lange Zeit als Be- 
weis für den Gebrauch der samaritanischen Schrift bey den 
Juden hat gehrauchen können 101 ); sehr begreiflich aber 



96) de Rossi prole gomm. ad J'ar. lect. V. T. pag. 17. 

97) Vgl. den musterhaften Abschnitt in Eichhorn s Einleit. Th. 2. 
S. 13-130 über Beschreibung der Handschriften. 

93) Montfaucon praelim. ad Olivettis Hexapla T. I. S. g6 : x«i 
tv rote «Kgißsct twv •HjTiVP*<pWV ißgaiy.cic aqjtaioic yr>a{Xf*aat 
ys Y£>«~t<*' , ük)C o'j^i roig vuv. Hieron. praef. ad lib. l\c°um. 

99) tj e g cn TyiKijhCs Teniamen S. 173 behauptet dieses mit Recht 
Hassencamp (der entdeckte wahre Ursprung det alten Bibel- 
übersetzungen S. 55). 

100) Hieran, epist. 156 ad JMarcellam. Vgl. Hexapla ad Tx. 71» 
20. Malach. 2, 15. 

101) IMontfaucon palaeogr. §r. S. 120. Chishull antiquitatt. asiat. 
S. 29. Kcnnicott diss. II. S. 150. Lehrgebäude der DiploHMh 
tik Th. 2. S. 50. Letztere und Postrllus suchen sich so zu 
helfen, dafs sie es für eine aus 2 s.uuaiitanischen Jod bestehen- 
de Abbreviatur erklären (m m). S. dagegen Adelung in det 



Q. 46. Spätere Gesc7iichte der Quadratsehriß. 177 

bey dem Ouadratcharakter, zumal da nach mehreren Zeug- 
nissen das r, zuweilen wie ein IT geschlossen, das 1 vQn blei- 
cher Länge mit dem i gezeichnet wurde*). Kaum kann 
es wohl zweifelhaft seyn, dafs Origenes , ein mittelmäfsiger 
Sprachkenner, und wohl noch schlechterer Paläograph 
(Ö- 2 7> O, die etwas ungewohnten verstellten Züge, welche 
er vorfand, nur fälschlich für jene alte Schrift gehalten, und 
diese Erscheinung mit der ihm anderweit zugekommenen 
Sage von einer Schriftänderung in Yerhindung gesetzt hahe. 
Den samaritanischen Charakter kannte er wohl noch weit 
weniger, als der gelehrtere llieronymus , der diesen Irrthum 
nachspricht und einen ähnlichen begeht (Q. 4 2 » 3)« 

Was sich sonst beym Origenes und llieronymus über Aehnlich- 
keit und Verwandtschaft der Buchstaben findet, stimmt mit un. 
Seren Fi°uren überein (Montjaucon praelim. ad Hexapla Origenis 
T. I. S. 24), nur klagt er über Kleinheit des Charakters (s. 
oben §. 45, 4). 

2. Nicht ganz sicher, aber auch nicht geradehin ver- 
werflich, sind die Data, welche einige alte in griechischen, 
und lateinischen Handschriften gefundene hebräische Alpha- 
bete geben , vorzüglich das sogenannte Alphabetum Jesuita- 
rum , aus einem Codex der LXX bey Klagel. 2.'). Es ent- 
hält nämlich Züge, welche man auch anderweit aus alten 
Handschriften kennt, oder welche sonst in den Kreis semi- 
tischer Schriftzüge gehören; und gerade bey einem griechi- 
schen Abschreiber, der ängstlich Vorgefundenes nachmalt, 



Anm. zu dem letzten Werke. Michaelis Orient. Bibliothek. 
XXII. S. 124. Tychsen a. a. O. Meine Comment. de Vent. 
Sam. S. 11. 12. Jenes M ist auch eine lediglich jüdische Ab- 
breviatur. 

2) Vom n sagt dieses Bahrclt in der Beschreibung des Dresdner 
Codex; vom •» s. z. B. die Probe aus einem Cod. des i5ten 
Jahrhunderts im Catalog. bibl. IMed. Laurent. Tab. 23. Bey- 
de Figuren hat das alphabetum Jesmtarum. 

5) Montfaucon ad Orig. Hexapla T. I. S. 22. Diplom. Lehr- 
gebaude Tu. 2. tab. g. col. 1. 

M 



178 Ab sehn. III. Geschichle der hebräischen Schrift, 

kann die? es nicht leicht zufällig seyn. Der letztere Um- 
stand müchte ihm daher mehr zur Empfehlung dienen, als 
zum Gegentheil. Es erscheint hier n wie IT; "■ und "5 fast 
von gleicher Eiinge, letzteres zum Unterschiede mit zwey 
Punkten; p wie Q , n wie H. Auffallend ist, dafs sich die 
letzteren Züge gewissen phünizisch-samaritanischen nähern, 
welches auch in einem von Treschoiv bekannt gemachten Al- 
phahete aus dem pten oder ioten Jahrhundert der Fall ist 4 ). 
Oft mag allerdings die Abweichung vornehmlich in der Un- 
geschicklichkeit des Schreihers ihren Grund haben 5 ). 

Für alte Figuren der Quadratschrift hielt TVlontfaucon (a. a. O. 
S. 2 2) auch die seltsamen Buchsraben auf den Talismanen der Ba- 
silidianer, aber dann müfsteu sie doch zu lesen seyn, was noch 
niemandem gelungen ist. 

3. In dem Schriftzuge der Synagogenrollen unterschei- 
den die Juden einen doppelten Charakter, nämlich a) die 
TamschriJ't (STD En), vermuthlich von Tarn, einem Enkel 
des TAaschi 6 ), im i£tcn Jahrhunderte benannt, von wel- 
chem auch eine besondere Art von Gebetriemen den Namen 
Tamtephillin führt. Die Buchstaben haben spitzige Ecken, 
und perpendiculäre Coronamente (TägginS. Der Charakter 
befindet sich besonders in deutschen, auch wohl polni- 
schen, Synagogenrollen. />) Die // tische Schrift (rSvn 
Dro) , nach den Juden jünger als jene, mit runden Zügen, 
und Coionamenten, die sich in einen Punct endigen. Sie 
soll in den Synagogenrollen der spanischen und morgenlän- 
dischen Juden gewöhnlich seyn "). 

4) Trcschov. tent. descriptiouis coihl. Vimloh. J'. T. tab. 5. Vgl. 
Büttner und Michaelis in des Letztem Orient. Biblioth. Th. 6. 
S. 26. 

5) Siehe die Alphabete im Diplom. Lehrgeb-ude a. a. O. cnl. 2. 
3« 4- Löschor p. 224. Dagegen luchsen tentam.n 5.165 IT. 

C) Wolf Biblioth. hehr. T. 1. S. 620. 

7) Tychsen tentamen de var. coJd. S. 263. 6.j. und das Titel. 

kupier litt. A. B. JhlLrmaim de usu yalacographiae hei*. S. 

45 und die Kupfei tafeln. 



5- t\6. Spätere Geschichte der Quadrat schrift. 179 

Wie alt die *%3r1 oder pO^T d. i. die Striche oder Kronchen 
über den 7 Buchstaben yHT^-Viy sind, wage ich nicht zu bestim- 
men. Mainwnides erwähnt sie schon als Erfordevnifs einer nach 
den Regeln geschriebenen Synägog^enrolle, Sie können eine neue- 
re Spielerev seyn, aber unbezweifelt ist, dafs sich eine damit ana- 
loge bedeutungslose Verzierung über mehreren Ruchstab n fies 
phiinizischen Schriflzugs findet. Man v^l. das V, 2. *» (ij $ ^) 
auf der 2ten citieischen Inschrift (ZVocÄ.«'s Reis n Tb. 2. t.ib. 53» 
no. 2) mit der Figur derselben (o » Q, C]) auf den übrigen. Jü- 
discher Aberwitz lafst den Jehova selbst mit der Verzierung einer 
Handschrift durch Ta°gin beschäftigt s^vn , ehe er dem Mose 
das Gesetz übergab. Buxtorf Lex. chald. coh 2575« 

4. Wichtiger ist die Verschiedenheit des Schriftcharak- 
ters nach Ländern, aufweiche neuere Kritiker in den he- 
bräischen Handschriften überhaupt aufmerksam gemacht ha- 
ben. Der .spanische Charakter ist der regelinäfsigste , ein- 
fach, meistens grofs und stark aufgetragen, eine ächte Qua- 
dratschrift. Der deutsche ist liegend, zusammengedrückt, 
mit spitzigen Ecken, aber feiner aufgetragen. Der iialeni- 
sche und französische Charakter steht in Rücksicht auf Grö- 
fse und Stärke zwischen bevden in der Mitte {characUr in- 
tcrmedius bey Kennicott) und hat mehr runde Schriftzüge 8 ). 

Die Verschiedenheiten, welche sich an den Zügen einzelner 
Buchstaben in Handschriften finden, b» sonders insofern dadurch 
Verwechselung ähnlicher Cons« nauten und Varianten entstand, 
sind vollständig zusammengestellt in Eichhorns Einleit. Tb. 2. 
S. 41 ff. 

5. Die ersten gedruckten Bibeln schlössen sich mög- 
lichst genau an den handschriftlichen Charakter an. Der 
Druck der Antwerper Polyglotte und der Stepkunischeu Bi- 



g) Etwas verschiedene Bestimmungen haben Simon hist. crit. J, 
cap. 2i. disquis. crit. cap. 2. Kennicott d:<s. gener. S. 340 ed. 
Bruns, und das Kupfer hinter dieser Ausgabe. Bruns im Neuen 
theol. Journal von Amnion, Hünlein und Paulus. B. 6. St. 7, 
S- 755» Nachstiche von den Schriftzügen einzelner merkwür- 
diger Handschriften s. außerdem in Michaelis Orient. Bibliotli. 
c 

Tb. I. Schcliing iUstript. cod. Slutt». u. s. W, 

M 2 



iQo Abschn. Hl. Geschichte der hebräischen Svhrift. 

bei soll den spanischen, die Münstersche Bibel den deut- 
schen Charakter am genauesten nachahmen. An erstem 
schliefst sich der jetzt gewöhnliche Typus unserer Drucke- 
reven an, wooe^en die Hasische Offizin in Basel durch Ver- 
edlung des deutschen Charakters bey Münster grofstentheils 
geschmackvollere und ansprechendere Figuren geliefert 
hat 9 ). 

Aus der Quadratschrift bildete sich im Mittelalter allmählich 
auch eine Cursivschrift (ü^Vö oder E^p^ö, Buxtorf Lex. cliald. 
et talmud. col. 2513), besonders zum Behuf nichtbiblischer Hand- 
schi uten. Man unterscheidet auch hier einen spanisch- italieni- 
schen, einen deutschen Charakter, die Uaschischrift, Raschicursir 
und a. m. Vgl. Tychsen tentamen S. 315. Bellermann de pa~ 
lacogr. hehr. S. 44« Sacy gramm. arab. T. I. tab. G. 

ö. 47- 

Schrieb man auch Hebräisch mit griechischer Schrift? 

Origenes hatte bekanntlich in die zwcyte Columne sei- 
ner Tlexapla den hebräischen Text mit griechischen Buch- 
staben geschrieben gesetzt, wobey ihn vornehmlich wohl 
der Zweck , die Aussprache des unpuuctirten Textes zu er- 
leichtern, vorgeschwebt haben mag. Dafs aufserdem Juden 
oder Christen jemals, früher oder später, hebräische Codi- 
ces in diesem oder einem anderen nichthebräischen Schtift- 
charahter (z.B. dem koptischen , persischen) geschrieben, 
ist durch Icein einziges historisches Zeugnifs erweislich IO ), 
und gegen alle Analogie, da die Juden im Gegentheil von 
jeher gern die Muttersprache der Länder, in welchen sie 
lebten (das Arabische, Persische, selbst das Spanische, Deut- 



en) Ueber den Ursprung und die älteste Geschichte der hebräischen 
Buchdruckerey s. mehrere Schriften von de llossi : de hebr. ty- 
pographiae orig. 1776. de typograph. hebr. Ferrariensi 178°' 
Anuales hebr. typogr. See. XK» I7p5- 

10) Die Stelle Gem. Schabbath Fol. 115, col. 1. lin. 29 handelt 
offenbar von der ägyptischen, medischen, griechischen Spracht., 
nicht von der Schrift, auch nicht von der Fioniintialionswcisc. 



(j. 47« Hebräisch mit griechischer Schrift. ifti 

sehe), mit ihrem Schriftcharakter schrieben. Dessen un- 
geachtet hat man das Paradoxon aufgestellt, dafs die 70 
Dollrnetscher den hebräischen Text nicht übersetzt, sondern 
nur auf diese Weise umgeschrieben, und dafs bey den grie- 
chischen Juden und Christen schon um die Zeit von Chr. 
Geb. der Gebrauch solcher Codices hebraeo-graeci so ausge- 
breitet gewesen sey, dafs hebräisch geschriebene Codd. nur 
auf den Gebrauch desTempels und der palästinensischen Syna- 
gogen eingeschränkt waren II '). Die des Hebräischen unkun- 
digen Juden in Griechenland wären erat dadurch in den Stand 
gesetzt worden, das Gesetz zu lesen, was als opus operatum, 
hinreichte, wenn sie es gleich nicht verstanden (ungefähr 
w*ie das lateinische Brevier unserer Nonnen mit deutscher 
Schrift!). Aus solchen Codd. hätten denn auch die L.XX, 
Aquila , Symmachus , Theodction übersetzt, Josephus und 
Philo hätten sich derselben bedient, und nur hieraus seyen 
die Varianten dieser Uebersetzer zu erklären 12 ). Auf dem 
letzteren Umstand müfste der Beweis der ganzen Sache beru- 
hen; allein von den angeführten Beyspielen können höch- 
stens einige dazu dienen, zu zeigen, wie Scharfsinn und 
Combination gar oft auch dem Unwahrscheinlichsten einen 
Schein zu geben weifs ; die meisten erscheinen als höchst 
gezwungen , und sind meistens auf andere Art weit leichter 
zu lösen. Dessen ungeachtet hat die Hypothese, während 
sie neu war, Anhänger gefunden x 3 ), die sich nun aber im- 
mer mehr verloren haben dürften. 



11) Tychsen tentamen S. 48 ff. bes. 62. 151 ff. Vgl Meisch 
Btblioth. sacra T. II. Vol. II. S. 35 IT. Nach Letzterem sollen 
solche monströse CodJ. obendrein Anfangs von der Rechten 
zur Linken geschrieben woiden seyn (!). Ebendaselbst sind 
auch die Gegenschriften aufgezahlt. 

12) Tychsen S. 66 IT. Masch S. 54 ff. 

13) Seniler apparat. ad liberal. 1 . T. Interpret. II, 248- Fab r 
zu Harmars Beobachtungen. I, S. 250. Eichhorn (Einleit. in 
das A. T. Tb. I. S. 248) scheint wenigstens die mögliche Exi 



lß2 Abschn. III. Geschichte der hebräischen Schrift. 

Dafs Hieronymus nach den ältesten Handschriften seiner Com- 
iner.tare das Hebräische in denselben mit lateinischen Buchstaben 
schrieb, ist richtig, beweist aber nichts für ganze Codd. mit 
fremder Schrift. 



B. Vocale und andere Lesezeichen» 
,. 5- 48- 

U e b e r s i c h t. 

1. Als eine besondere Eigentümlichkeit der semiti- 
schen Schrift ist schon oben berührt worden (Q. 4°> 2 ), (\a[s 
in den meisten , wahrscheinlich allen, Charakteren dersel- 
ben, ursprünglich nur die Consonanten (von denen aber 
drey, n, 1, "*, auch als Vocale quiesciren konnten) geschrie- 
ben wurden, alle übrige Bestimmungen der Töne, nament- 
lich die kürzern Vocaltöne, dem Lesenden überlassen, und 
erst später allmählich durch Vocale und diakritische Zei- 
chen fixirt wurden. Es fragt sich hier, wie sich dieses her 
der hebräischen Schrift verhielt? Der Mangel an histori- 
schen Angaben hat einen langwierigen Streit der biblischen 
Philologen und die verschiedensten Meinungen veranlafst, 
wobey man vornehmlich die Gleichzeitigkeit derselben mit 
der Schrift oder wenigstens die Einführung durch Esra der 
spätem Erfindung derselben durch anonyme Juden (seit dem 
See. V. nach Chr.) entgegensetzte. 

Hier eine kurze Uebersicht der verschiedenen Ansichten mit 
der allgemeinen Literatur. An ilie Gleichzeitigkeit- der Vocale 
und C »nsönanten oder wenigstens die Einführung der erstereu 
durch Esra und die Synagoga magna glaubten fast alle jüdische 
Gelehrte des Mittelalters (s. ßuxtoif de vocal. P. I. cap. 1 — 4), 
wenige Winke von Aben Esra {Üb. Zachut Toi. 138- l 9%)> " n( l 
eine zweifelhafte Stelle des Buches Cosri (P. III. §. 31 ed. Uuxtorf) 



stcii/ einiger Codd. dieser Art zum Behuf des Lcscnlernens dor 
Christen zuzugeben. 



f'ücale und Lesezeichen. Q. 48« Ueber sieht. lßj 

ausgenommen, (Vgl. Buxtorf de vocal. p. 26 IT., dag. JVTorini Exer- 
cit. II, 1 3, 2). Auf solche eiitüeüengesetzte Meinungen und Zweifel 
scheint das Buch Sohar (s. Buxtorf Liberias S. 76) bey seiner strengen 
Apologie des Alters der Vocale Rücksicht zu nehmen. Besondern 
Einga.ig fanden dergleichen begreiflich bey einigen gleichzeitigen 
Christen, Raymund Martini (um 127Q pugio fidei p. III. distinet. 
III. c. 19), Peraz de Valentin (um «450, introd. ad exposit. in 
Psalmos , s. Semlers eigne bist, theol. Abhandlungen, Samml. I. 
St. 4), Nicolaus von Lyra (zu Hos. 9), die es doch wahrschein- 
lich erst aus jüdischem Unterrichte hatten. Ihnen folgen die 
Reformatoren, Luther (zu Gen. 56. 353, 12. tract. de SJiampho- 
rasch , dagegen vgl. llody de bibl. text. S. 56 1 , J'eumann consp. 
reipubl. lit. cap. III, c. 14), Calvin (zu Zach. 9, 7 IL), auch Pelli- 
canus (praef. ad Pentat. ) u. A. Ausführlicher und mit Gründen 
wurde dieNeuheir der Vocale zuerst von Elias Levita (vgl. §. 29, 
2) vorgetragen , gegen welchen sich schon der ältere Buxtorf er- 
klarte. Zur Sprache kam die Sache vorzüglich, seit Lud. Cap- 
pelle (§. 57, 1) mit dem arcano punet. revelato hervortrat, von 
Buxtorf d. j. widerlegt winde (§. 37, 2), und darauf von Neuem 
antwortete (in den l indiiiis arcani puiut. revelati). Die Meinung 
des Letztem siegte allmählich, und ward von Vielen selbst über- 
trieben (§. 37, 1), doch gelangte die Ursprünglichkeit , sogar 
Inspiration der Vocalzeichen durch Buxtorfs Anhänger in der 
Schweiz selbst zu symbolischem Ansehn (Formula consensus, can. 
II.). Die neuesten Vertheidiger ihres vortalmudiscben Alters 
sind G. O. Tychsen (über das Alter der hebräischen Punkte, im 
Repert. L bibl. und morgenl. Literatur Th. 3. S. iu."), und Jac. 
Robertson fdiss. de genuina punet. hebr. antiquitute , vor- dessen 
Cialis Pentateuchi. Edinburgi 1770. g.) 

Nur wenige betraten einen Mittelweg, indem sie den ITe- 
bräern einige wenige alte Vocalzeichen zuschrieben, die man aber 
nur in einzelnen schwierigen Wörtern hergesetzt habe. So 
unter verschiedenen Modifikationen J. H. Hottingcr (thes. pliilol. 
S. 401), Je. Prideaux (lect, de capit. relig. Oxon. 1648- S. 196, 
Opp. omnia S. 168)1 vgl. Humphr. Prideaux das A. und N.T. 
in Verbindung mit der Völkergeschichte Th. I. S. 408 der deut- 
schen Uebers. (T. II. S. 1^7 der franz), und Alb. Schaltens (ln- 
stit. ling. hebr. S. 43. 62 ff.), denen Michaelis (über das Alter der 
hebr. Vocalzeichen, Vermischte Schriften Th. 2. no. 1, Orient. 
Biblioth. Th. 9. S. 82. 83) und Eichhorn (Einleit. iiudas A. T. 
Th. I. S. 157 ff.) und A. gefolgt sind. 

Eine Zusammenstellung der verschiedenen Meinungen mit lite- 
rarischen Nachweisungen s, in JJ olf bibl. hebr. II, 475 ff. IV» 



iß4 Abschn. III. Geschichte der hebräischen Schrift. 

£14 ff.» mit Anführung der Gründe für und wider in Carpzov 
Crit. Sacra S. 242 ff., Löscher de causis ling. hehr. S. 275 ff., 
Welche für, in Vlalton Prolegomm. III, §. 59, Bauer Crit. sa- 
cra S. rag ff. , welche gegen das Alter streiten. 

2. Da die spätere und allmähliche Entstehung des jetzi- 
gen Vocalsystems für ausgemacht angesehn werden kann, 
so soll hier ohne weitere Polemik und mit Uehergehung un- 
kritischer Gegengründe dasjenige zusammengestellt werden, 
was sich üher Pronuntiation und Pronuntiationszeichen der. 
Hebräer im Fortschreiten der Geschichte aufspüren läfst, 
woran sich dann eine kurze Würdigung dieser Vocalsetzung 
anschliefsen uia<r. 

o 

Zuvor noch als Vorbereitung der folgenden Untersu- 
chung eine kurze Uebersicht der Entstehung der Lesezei- 
chen in den übrigen semitischen Schriftarten. 

1. Gar keine Lesezeichen findet man auf den ältesten der vor- 
handenen Denkmäler, den jüdischen Münzen, den palmvrenischen 
Inschriften, und bey weitem den meisten Uebeibleibseln. phönizi- 
scher Schrift. (Aber doch nicht auf allen. Die maltesischen Inschrif- 
ten no. 7. 3. 9. 11. 15. in Castelli, Com. de Torremuzza: Siciliae 
0t obiacenlium insularum vett. inscriptionum nova collectio , ed. II. 
1734. Fol. S. 5iQ. 32. haben allerdings dergleichen Zeichen, die 
man für nichts anderes halten kann. Wir glauben fnnf derglei- 
chen unterschieden zu haben. Möchte man ihrer Entzifferung 
einige Aufmerksamkeit widmen!) 

Derselbe Fall war ursprünglich in der alten syrischen und ara- 
bischen Schrift (der Estrangelo und dem cufischen), wozu in der 
letztern noch der Mangel an diakritischen 'Zeichen der ähnlichen 
Consonanten kam (z. B. des Be, Nun, The, Thse), so dafs man 
für 22 Consonantenlaute nur 16 Zeichen hatte. (S. Herbelot bibl. 
Orient. S. 87. Chr. Th. Tychsen über das Alter der arabischen 
Vocalpunkte und übrigen diakritischen Zeichen, in Paulus Neuem 
Eepertorium Th. 2. S. 247 IT.). 

2. In der syrischen Schrift findet sich dann zuerst der Ge- 
brauch Eines diakritischen Zeichens, von äufserst ausgedehnter 
Bedeutung (s. de Dieu grammat. ling. Orient. S. 36. Scliultens in- 
stit. arum. S. 2Q. 29. Istnbiehl Beobachtungen von dem Ge- 
brauch des syrischen puneti diacritici bey den Verbis. Göttingrn 
1773. 4. Michail» gramm. fyr. §.13"), auf welches ohne Zwei- 



Vocale u. Lesezeichen. {). 49. Zeitraum d. lebend. Sprache. 185 

fei auch die bekannte Stelle des Ephräm (Opp. T. I. p. »84 zu 
1 Mos. 36, 24} geht. Um wie viel dieses älter ist, als Ephräm, 
LifsL sich nicht bestimmen; zunächst verwandt ist aber die dia- 
kritische Linie der Samnritaner , marhetono genannt. (S. IMorini 
antiquit. eccles. Orient. S. 200. 2x7. epist. 19. 2r. Cellarii her. 
samarit. S. 65). 

3. Der Gebrauch dreyer Vocalzeichen nach den Hauptvocaltü- 
nen findet sich mit Sicherheit zuerst bey den Arabern , und die 
Einführung derselben, welche dem Gebrauche der diakritischen 
Zeichen noch vornno-ino-, wird aufser andern Traditionen (s. Her- 
helot hibl. Orient. S. 5) dpm Ali, Sohn des Abuthalleb, einem be- 
rühmten Korangelehrten (st. im J. 4° der Hedschra) zugeschrie- 
ben. Die Annahme, dafs sie die Araber mit der Schrift von den 
Syrern empfingen , scheint auf einem Ziikelbeweise zu beruhen 
(s. Tychsen a. a. O. S. 2-52). 

Auch die sabische Schrift, deren Alter jedoch nicht sicher ist, 
hat drey Vocale. Die älteste Spur läge ohne Zweifel in der phö« 
nizisch- ägyptischen Schrift, wenn man darüber mehr im Reinen 
wäre. 

4. Fünf Vocal - und mehrere Lesezeichen führten nach dem 
Muster der griechischen Schrift Theophilus und Jacob von Edessa 
im Syrischen ein. Das heulige diakritische System der Araber 
kam erst mit Einführung der JNischischrift durch Ebn Mokla (9t. 
939) auf. 

ö- 49- 

Zeitraum der lebenden Sprache. 

I. Unpartheyisch erwogen spricht ein Uebergewicht der 
Gründe für die Behauptung, dafs die hebräische Schrift ur- 
sprünglich und wahrscheinlich während des ganzen Zeit- 
raums der lebenden Sprache, ohne alle Vocale und diakri- 
tischeZeichen geschrieben wurde. Namentlich d) dieNatur 
und Analogie der verwandten semitischen Schriftarten. Der. 
Einwurf, dafs die Erfindung eines aus blofsen Consonanten 
bestehenden Alphabets höchst unnatürlich und undenkbar 
sey 14 ), kann hier, woThatsachen sprechen, wenig Gewicht 
haben, b) Die jüdische Tradition. Dahin gehört die unmittel- 

14) Herder's Geist der hebr. Focsie. Th. I. S. 28« 



iQ6 Absehn. HL Geschichte der hebräischen Schrift. 

bare Behauptung der meisten jüdischen Gelehrten, rlafs die 
\ orale von Mose an nur mündlich fortgepflanzt, und dann 
durch Esra und die grofse Synagoge in Zeichen gebracht und 
festgestellt seyn 15 ). Eben so wichtig ist aber das mittelbare 
Zeugnifs der Synagogalcodices, bey welchen die strenge 
Vorschrift, sie unpunctirt zu lassen, unter einer Nation, wo 
alles heilige Wissen und Thun Traditionsache ist, auf dem 
Glauben oder Wissen beruht, dafs es von jeher so gewesen. 
Der Araber schrieb gerade zum Behuf der Anaguosten dein 
Koian zuerst Vocalzeichen bey; der Hebräer wagte es aber 
nicht, das göttliche Buch durch menschlichen Zusatz zu ent- 
stellen, und wies späterhin den Anagnosten nur zur Vorbe- 
reitung auf punctirte Texte an 16 ). Dazu kommen c) eini- 
ge Stellen des A. T. selbst, die nur dann vollkommen be- 
greiflich -werden, wenn der Concipient ohne Yocale las 
und schrieb. 

i Mos, lq, 37 wird 3Nto durch e -patre (SNE)) erklärt, wo au- 
fser den Yocalzei«Jien auch die litera quiesteus gekillt zu haben 
scheint. 

1 Mos. 31, 47 erklärt der Concipient *?yS^ durch Hügel des 
Zeugnisses (*1»VJ3,)» wobey die gewöhnliche Aussprache ganz 
überselin ist. 

1 Mos. 50, 11 wird D^SE S^N (Tenne od. Gau Aegyptens) 
durch Trauer A'egyptens (ö'SsilS Sin) gedeutet. Die obige erste 
Vocalsetzung ist aber ohne Zweifel vorzuziehn. 

Rieht. 15, ig wird der Name *nh M31 (Höbe des Kinnba- 
ckens) daher geleitet, dafs Simsoh den Kinnbacken ans seiner 
Hand geworfen* also von nE"l werfen, Kinnbackenwurf. Aber 
dieses wäre nur bey den Vocalen *nS nül. möglich, H)0*i setzt 
eine Ableitung von Dil voraus. 



15) S. §. 43, 1, besonders die angeführte Stelle des Buches Co* 
sri Dann die talmiidischc Erzählung von J. ab (§. 5,1, 2). 

16) Eine falsche Ansicht, als ob allererst die Kabbalisten die Sitte 
aufgebracht hätten, das Gesetz unpunktirt zu lassen, um es 
vieldeutig zu machen, geben einige spätere Juden, nach ihnen 
Huxiaj de miiiij. vocalium S. 3'ill. Carpzov Crit. savra S. 267- 
Dagegen Bauer Grit, s. V, T. S. 142. 



7'ocale u. Lesezeichen. §. 49. Zeitraum d. lebend. Sprache. 137 

2 Kon. 22, o Stylit jetzt 1SSTI }2ttJ N2S1 Und £$ /com Savhan 
der Schreiber. Hatte der Chronist mit diesen Vocnlen gelesen, so 
hätte er schwerlich ein PN eingeschoben, so dafs nun punklirt 
Werden mufste : ISDn PN ]S'V »Öä"» und Saphan brachte das 
Buch. 

Man kann vielleicht dieses Argument durch die Erinne- 
rung schwächen, dafs sich die Gewaltsamkeit der alttesta- 
mentlichen Elvmologieen eben so häufig auf die Consonan- 
ten erstreckt (Q 12, 4); eine desto festere Stütze erhält es 
aber d durch den sicheren Ruckschlufs , der sich von dem 
folgenden Zeitalter (Q. 50. 51. 52) auf das frühere machen 
läfst. 

2. Dafs eine solche Schrift schwierig zu lesen und 
zweydeutig seyn muiste, ist nicht unwahr, kann aber nicht 
zum Einwurf dienen. Die Kennlnifs der Sprache, beson- 
ders der Muttersprache, ersetzt viel, ist ja auch zum Lesen 
der etymologisch geschriebenen neuem Sprachen (des Franzö- 
sischen, Englischen) unumgänglich. Ist uns doch die Le- 
sung des Talmud und der Rabbinen nicht allzu schwer! 
Leichtigkeit des Lesens mufs man aber überhaupt bey dem 
Morgenländer nicht suchen; noch heut zu Tage lernt kaum 
eiu \ olk länger und mühsamer lesen, wird weniger gelesen 
und öfter mifsverstanden , als die Araber. Selbst einheimi- 
sche Gelrhrten lesen selten unvorbereitet ein unbekanntes 
Ms. ohne Punkte 17 ). Oeftere Mißverständnisse beym Le- 
sen des Koran waren es aber vorzüglich, die die Einführung 
der Vocalsetzung in denselben veranlafst haben sollen 18 ). 

5. Um jene Schwierigkeit einigermafsen zu heben, hat 
man die \ ermuthung geäufsert, dafs sich die alten Hebräer 

17) Elias Nisibensit (ap. Abrah. T-cchelleus. ad Ebedjesu catalc". 
libr. chald. S. 173) '■ non possunt recte Irrere, r.isi tanquam diii- 
nantes, aut ex traditione. Chr. Th. Tychsen a. a. U. S. 260. 
) '■ olnry simplification des lansucs Orientale!. S, 20. 

ig) Abrah, Ecchcllensis n. a. O. S. 227. Jo. JVforinns a. a. O. 

S. 529» 



1Ö8 Abschn, III. Geschichte der hebräischen Schrift. 

vielleicht weit häufiger, als im gegenwärtigen Texte, der 
matres lectionis iim bedient hätten , welche dann nach Ein- 
führung der Punctation wieder getilgt worden wären, unge- 
fähr so wie die unpunktirten Texte des Talmud, der Tar- 
guraiin , und der Samaritaner auch weit häufigere "S ocal- 
buchstaben haben 19 ). Einiger unkritischen Gründe nicht 
zu gedenken, hat man sich auf die hier und da im gewöhn- 
lichen Texte befindlichen Lesemütter (Q. 55, 4) berufen, die 
ein Ueberbleibsel jener alten Orthographie seyn sollen. Al- 
lein die letzteren , die sich immer nur in gewissen Mss. fin- 
den, und aus diesen in den textus receplus gekommen sind, 
beweisen nicht das Geringste. Sie sind zum Theil neuer, 
als die Vocalsetzung; alle aber sind Produkte einer schwan- 
kenden Orthographie, die sich besonders die spätem Ab- 
schreiber, wie ein Blick in KennicotCs \ariantensammlung 
beweist, in Menge erlaubt haben. Die ganze Behauptung 
ist aber, so sehr man sie beschränken mag, gegen alle Ana- 
logie altsemitischer Schrift. Die ältesten phönizischen In- 
schriften und Münzen beobachten eine ungemeine Sparsam- 
keit der Lesemütter , und lassen sie fehlen , wo es im He- 
bräischen fast nie geschieht 20 ). Auch noch die jüdischen 
Münzen schreiben bald plene , bald defective (z. B. dV^iv 
und D^unT», mn und min). Derselbe Fall ist in den al- 
tern hebräischen Schriften. Eist in dem zweyten Zeitalter, 



iq) (Capelli) arcan. -punctationis I, iß. ig. Jo. JMoriuus a.a.O. 
Exercitatt. bibl. II, excnit. XVIN, c. 3. Bauer mannt Handb. 
der bibl. Literatur. Th. I. S. 8# iT. , und ander« bey Löscher 
S. 297 ff. Uebertriebener und unkritischer wurde die Hypo- 
these, als sie St. Morinms (de lin^ua prwtaeva S. 3.^0 ff., Vgli 
Vitrine* obss. s. S. 73) tu A. auf die 5 Buchstaben ausdehnten, 
welche llieronymus aus Mifsverslaml Gutturalen nennt (y^inn). 
Die Widerlegung derselben s. in Dupuy sur les voyelles de la 
langue hebraique , in den JVlenwires de Cacademie T. XXXVI. 
S. 239. Mkhaelii verni. Schriften Th. 2. DO. 1. §. 15 — 22. 
JaJuis Einleü, in das A. T. I, S. 357. Bauer Grit. s. S. 146. 

jo) S. den Excurs üb. die puünisMche Sprache no. 3. 



Vocale u. Losezeich. Q-5 « Voeahctz.d. Septuoginta etc. igo, 

wo die Sprache halb erstorben war, wurde die Script lo plena 
herrschender (aus keinem andern Grunde, als um das Lesen 
dadurch zu erleichtern, s. oben S. 53), und hieran schliefst 
sich dann die Orthographie des Samaritaners , des Talmud, 
des Neuhebräischen und Chaldäischen. Diese im masore- 
thischen Texte sehr deutliche Stufenfolge ist aber eben so 
gewifs acht, als sie in der Sache selbst und der Analogie 
gegründet ist. "Wie hätten auch die spätem Punctatoren 
sich, wie jene Vorstellung will, die Tilgung so ausnehmend 
vieler Buchstaben des Textes erlauben sollen ? Wie wäre 
dann ferner die durchgängige Abweichung der Vocalsetzung 
bey den LXX (s. $. 50) erklärbar? 

Vocalsetzung der Septunginta, des Josephus u. s. w. 

1. Aus dem Zeitpunkte des gänzlichen Aussterbens des 
alten Hebraismus haben wir einen wichtigen Zeugen über 
die Beschaffenheit der hebräischen Schrift an den LXX. 
Nach genauer Prüfung scheinen mir diese aus einem voll- 
kommenen vocallosen Texte hervorgegangen zusevn, und 
die "Vorstellung des vorigen Q. wird dadurch um so mehr be- 
stätigt , da es gar keine Wahrscheinlichkeit hat, dafs man 
"V ocalzeichen gehabt, aber nicht gekannt oder benutzt ha- 
ben sollte. 

Zahlreiche Sammlungen solcher Abweichungen aus allen bibli- 
schen Büchern s. bey St. Morinus Je Lingua -primacva S. 385- 9& 
Capelli Crit. Sacra ed. Vogel- Schar fenberg S. 5°°~ 5'i5- Vgl. 
IVcflers philol. krit. Fragmente (Cassel 1785) H. 2. S. 10 ff. 

Man hat eingewandt, dafs diese Uebersetzung dessen 
ungeachtet so oft und zuweilen so auffallend mit dem jetzi- 
gen punhtirten Texte übereinstimme, als nach dem blofsen 
Zusammenhange und ohne gewisse Zeichen im Texte kaum 
erklärlich sey, dafs sie namentlich «*«£ biyo/xcvx, die sich 
lediglich durch die Vocale von andern bekannten Wörtern 
unterscheiden, vollkommen richtig erkenne, was ohne einen 



1 90 Absehn. III. Geschichte der hebräiscJien Schr/ff. 

"Wink in derSchrft kaum denkbar sey u.s.w. 2, ' ). Um dieStärke 
oder Schwäche dieses Arguments zu übersehen, soll hier eine 
kleine Zusammenstellung von Worterklärungen der L.XX, 
zunächst aus dem Buchstaben n, folgen, aus welcher es 
klar wird, dafs doch der Zusammenhang und die Tradition 
ihre einzigen Führer gewesen seyn dürften, von denen sie 
aber nicht selten verlassen wurden. 

a. Sie unterscheiden allerdings beständig die Wörter : SN und 

2n; bn.N, &>j«i hzx; ]fk und d-otn 5 Mos. 25, 14; cpn*< 

und DTiJ* Jes. 13, 21; i>* (wo? ) und ^N (wehe! Insel); nS^H 
(Maafs) und nii"*« (wo?); ]V2X und Ji»N Sprüchiw. 8> 3°» 
]teH und l»N Ilohesl. 7, 2; n3"lH ^ Heuschrecke) und r;2*lN (Git- 
ter); "|3N ^Asche) und ISN 1 Kün. 20, 5ß. 42; nrn« (Cara- 
Vane) und nnlN (Portion); ntt'N (Opfer) und nTH u. s. w. 

Aber in allen diesen Beyspielen entscheidet wnklich der Con- 
text augenfällig und eben so richtig unterscheiden sie 

b. ganz gleichtonende Worter, z. B. nN x$eX$os und nN i^x u ' 
cot ; 3iM (Schlauch) und DiN (Zauberer); t\n (auch, aber) und 
t\H (Nase), wo also doch lediglich der Zusammenhang Richter 
seyn rnufstc. Auf der andern Seite aber 

c. verwechseln sie auch Wörter, die sie sonst wohl zu unter- 
scheiden wissen, wo nämlich der Context schwankt, oder der 
Uebersetzer ungewandt und unaufmerksam ist. Z. f>. Jes. 1 7, 1 1 ; 
UJiaN 2N2 w* x«T>ig u&gurto'j (U,'i;N 3JO) Viil. Jer. 1 7, 9. 16; 
B*Sp** aXoj; Ps. 45, 10, aber aKijvut (CP~>nN) ^ Mos. £4, 6. 
Sprüchw. 7, 17; 1»K gew. iXocQos, aber Klaget. 1, 6 xpios (S^N); 
rViN gevv. eXxtpos f aber Plur. ni?"»N Holiesl. 1, 2 *V^vf (wie 
n^S"'«) ; nViH 1 Mos. 49, 21 crtltxos (hVm); Sn ^r (Sn) Ps. 
7, i T 2; Ifl* * jyjgo (Tiii) Ilohesl. 4 . ö J ^R** »/u«* Ö-HN) Ps. 

74. 9- ... > 

Durchgehends unterscheiden sie PnM (Schwur), rnN (diese), 

fi'^Ni (Gott), aber nicht r\hü , n^N , weil beydes Namen von 

Bäumen sind, die der Zusammenhang nicht schied 22 ). 

Aufser dem Context, der in den angefühlten Stellen 



2i) Bu\torf de punet. orig. S. 116 IT. Pococke im Comment. zn 
Jlosea. Eichhorns Einleit. II, i5{3 not. m, BertholtWs Ein- 
leit. S. 176. 

22) Die Beweisstellen s. in Trommii Lex. hehr, hinter den Con* 
torä. grueeis c JLXA intvp. 



J'ocaleu. Lesezeich. Ö- 5°- Vocahetz.d.Septuaginia etc. 191 

zur Entscheidung hinreicht, mochte auch exegetische Tra- 
dition und Reception das ihrige thun. WJan denke nur an 
die Versionen aus dem sicher unpunktirten sam. Codex. 
So namentlich an mehreren Stellen, wo das Daseyn gewis- 
ser Fingerzeige im Texte auf den ersten Anblick sehr an- 
nehmlich scheint, aber die Abweichung anderer Versionen 
wieder gegen sich hat. 

1 Mos. li, 3 unterscheiden alle Versionen ißn (Asphalt) und 
das allgemeinere *lt5fl (Lehm, Kiu); aber eben so auch der Sama- 
ritaner, der doch zweymal "\X3Tl liest, ohne Zweifel auf den 
Grund einer Tradition. 

Ebend. 22, 14 fol^t die LXX der heutigen Vocalsetzung nNT'- 
n^t'^ , , ilfov - dfySt]. Aber Vulg. Syr. Sam. haben beydemal das 
Activum. 

Ebend. 36, 2/j. behalten die LXX das dunkele D^y zwar bey, 
verwechseln es also nicht mit dem gewöhnlichen D^TD* (Meere), 
aber sie schreiben lot/uitv (nicht etwa Itfitiv^ , und der Syrer hat 
aquae. Dafs man verschiedene exegetische Traditionen darüber 
hatte, zeigen der Sam. (d^k), der Araber (mulij. 

2. Dasselbe Resultat gibt die Art, wie die zahlreichen 
Nomina proprio, des hebräischen Textes im Griechischen 
wiedergegeben sind. Theils hat man sie mit ganz andern 
Vocalen ausgesprochen, theils nur nach andern Regeln der 
Vocalisation , welche von der masorethischen abweichend, 
zum Theil der arabischen und syrischen analog sind 23 ). 

a. Ganz abweichende Vocalisation haben z. II. ifiEN A«t«5/ 

n^j»i Po«?X/«f, rpjss i;o$ovtus, "Oaö "Eoßox** U.A. 

b. öofern die Pronunziation der L.XX als eine von der masore- 
thischen verschiedene Mundart erscheint, bringen wir sie in fol- 
gende vergleichende Uebersicht : 

u) Für das Schwa mobile im Anfange der Wörter stellt ein 
Vocal, in den meisten Fällen u, ZotpovyX, 2ußcca,5, Zußw'Xmv, 
selten g , B?X«xX , X*£ot//3</c* , vor 1 und •» auch wohl und v, 
"EooofAot , SoXo^tuv, ro.tto^«, ZopoßxßiX, ^vXiar, it/u , vgl. die 
Regel vieler jüdischen Grammatiker, dafs das Schua mobile töne. 



23) Vgl. Hilleri Onomast, sacrum, pag. 706 ff. Mäfch biblioth. 
sacra. P. II. Vol. II. S. 35 If. V^b unteu J. 54, 2. 



192 jibschn. III. Geschichte der hebräischen Schrift. 

wie der folgende Vocal. (Im Arabischen ist bekanntlich die rol- 
lere Aussprache mit einem Vocal der Schriftsprache , die kürzere 

" V 

wie triek für K^K}r^2 der gewöhnlichen Umgangssprache eigen. 

Im N. T. wird das aram. ^*^^ Stxkirec ausgesprochen). In 
der Mitte wird es selten ausgesprochen, wie m-iiSSn akk-.)koiu\, 
aber doch zuweilen ; so selbst das sogenannte Sc luv a quiescens, 
1V3W "Eivvixotq, hw^VC* Yafxxkiyk, Hpi*1 V&ßtv.v.ot. 

ß) Für Patach , welches gewöhnlich bleibt , steht zuweilen 
auch s, z. B. MfX^jffeSi/t, TtSos/xavy (■OEtynil)» Ns(£>SaX£</x 
(••Snas), nVnttf^N EkiffajStD. (So liest der Araber das Fatha 
vor n> und V£5 wie ä, e). 

•y) Statt des Patach. furtivi unter Gutturalen am Ende steht ein 
kurzes s (wie im Arab. 0* % J nu?!ih , 'pzl+MA+J I almesiehh), 

Sterin «n.*>jj, vaSs rEXßcue, JMpn 0***8, nia: Zavws. 

6) Das aus zwey Schioa entstandene Chirek im Anfange der 
Wörter, ist meistens « (nach Art der Syrer und Araber), selte- 
ner 8, z. B. DVSa BaXaa/*, ]**7£ Mahiav , ]1lüEtt> Iä^^wv, 
|1Y|J> Ks&pwv, fast einzig ist ]1i*c» Ev/jlswv. 

tj ¥~- ist häufig ai (wie im Syrischen und Arabischen), und 
^- r - t< (was aber mehr an der griechischen Aussprache liegen 
mag), daher ]2*p Kaivav, |ß*r» ©a^av, D^NBI. P«(Jli»ijU. 

<j) i und !) sind zuweilen au , ]31n Atvav, 133 N«ßau (nach 
syrischer Weise), vgl. y*V Aveirtf. 

>)) Kibbuz ist immer o, ^M**** 0£<>)X, MfflN O/xya-jui?, n1~D 

5) vund * im Anfange der Wörter lauten gewöhnlich wie r, 
tVlVP ISovrovv, fltW^ Ioui«, prüf Icaarv. ; letzteres selten wie 
18, WD*"* 1 Isfs/M««f. (Derselbe Fall ist im Syrischen, und im 

T : : V 

vulgären Arabisch, wo . «OO icum lautet. Auch fiir das He- 
bräische gibt diese Regel Salomo ben Melech zu Micha <5, 8)« 

«) Die Verdoppelung ist häufig beym Resch, als pn Xa^pav, 
rHUJ E«f f« , Dlfcy To/xc^a, auf die Gesetze des Dagcsch len» 
wird nicht geachtet, daher ^a^aw, <bvktorst/x u. s. v\\ 

*t) Die Segolatformen (wie 1|Sb) haben häufig «, AßiX, lafyiü, 
Aa/xsx, te^aßik, doch auch wie Aßi/ueXt^, Eß*£ ; die von der 
Form ^Sfc lauten wie MeXo^. Mo<rox> Boo£. 

3. Von derselben Beschaffenheit, wie die bisherigen 
Reyspiele, sind auch die in den Fragmenten der übrigen 



Vocale u. Lesezeich, (j. 5 1 . in den Tai-gums u. dem Talmud 193 

griechischen Versionen, und beym Josephus. Letzterer ver- 
räth auch dadurch einen unpunetirten Text, dafs er gewöhn- 
lich von der Orthographie der LXX abweicht, so oft er 
nicht diese , sondern den hebräischen Text selbst benutzt 
(5-*3, i). 

Einige Bevspiele sind : «0 Nomina -proprio, als *lSü33 Na3£>u&q$ 
(LXX Neߣ>wdj, nl^ÖJD Kairoi.^«, pi2^ taßar.yjg , aber |Dp* 
LXX lav.rav Jos. Icly.tÄs. b) Andere Appellativa : V32H_ aßavvjS, 
JiINn Jtupwv, jtön sffer^v (wie ]tfn), r>2£3*£)ö /xac-uaßailavvjf, 
D33SÖ yu«<rv«gu(pS>j? , 1D3323 /Jiava^otffyf , ntt'N JJffff«. Zu dem 
Mangel au Vocalen kommt hier zuweilen auch noch das Bestre- 
ben, die Form der Wörter in etwas <m liellenisiren. 

4. Fände man sich ungeachtet des Bisherigen bewogen, 
mit Sehultens , Michaelis , Eichhorn und A. ($). 4tf, 1) schon 
in diesem Zeitalter gewisse Fingerzeige für den Leser anzu- 
nehmen, so würde man zunächst wohl an einen diakriti- 
schen Punkt oder Strich zu denken haben. Dafür ist der 
Samaritanische Pentateuch, welcher noch vor den LXX von 
jüdischen Abschriften ausging , und wenigstens jetzt dieses 
Zeichen hat (wiewohl nicht dargethan werden kann, ob er 
es schon so früh hatte;; ferner die altsyrische Schrift, wel- 
che doch sicher ein Abkömmling der Quadratschrift ist. -— 
Die Lesemütter des samaritanischen Codex geben eiu ähn- 
liches Resultat, wie die LXX (s. Q. 55, 4). 

& 51. 

Spuren derselben in den Targums und dem Talmud. 

1. Sehr auffallend ist hiernach, wie sehr sich schon die 
ältesten Targums an die gegenwärtige "\ oealsetzung an- 
schließen. 3Ian würde zu der Yermuthung hingezogen 
werden, dafs wenigstens palästinensische Schnftgelehrte 
schon damals punetirte Texte gehabt hätten, wenn nicht 
Jusephus und Jiieronymns dagegen sprächen; jene Ueberein- 
stimmung erklärt sich daher richtiger dadurch, dafs man 
umgekehrt die Lrklärungen der Targums bey der spätem 

N 



ig4 Abschn. III. Geschichte der hebräischen Schrift. 

Punctation zum Grunde gelegt bat. Einige ganz spate 
können allerdings auch schon punctirte Texte vor Augen 
gehabt haben. 

Die Abweichungen von der jetzigen Punctation sind unbe- 
trächtlich. Z. B. 1 IVIos. lA. 5 Dn3 Tut", in eis (uns). Hos. 
ii, 12. Jes. 56, 11. Vgl. «St. Morinus de ling. primaeva 
S. 399. 

2. Ausnehmend schwierig und dunkel sind die Aussa- 
gen des Talmud über diesen Gegenstand 24 ). Dafs keine 
namentliche und ausdrückliche Erwähnung der Puncte dar- 
in vorkomme, ist sicher und allgemein eingestanden zs \ 
aber Stillschweigen von einer Sache, die man als bekannt 
voraussetzen konnte, ist allerdings nicht ganz beweisend. 
Die zahlreichen hier in Frage kommenden Stellen, beson- 
ders aus der Gemara, zerfallen in zwey Classen, a) solche, 
Wo man über den Sinn gewisser Bibelstellen streitet, inso- 
fern dieser von verschiedener Pronuntiation abhängt. Z.B. 
ob Hohesl. 1, 2 5p*j1l oder tp/ill zu lesen sey, 2 Mos. 21, 8 
flÄi oder 1133, 3 Mos. 10, 25 Diittlttj oder B^atf, Jes. 54, 13 
n»3 oder n»3 26 ). Eine rabbinische Legende läfst äogar den 
Joab seinen Lehrer tödten , weil er ihn 2 Mos, 14, 17 statt 
13» aussprechen gelehrt habe *Ot 27 ). Letztere setzt we- 
nigstens klar voraus, dafs sich die Talmudisten zu Davids 
Zeit eine ganz unpunetirte Schrift gedacht haben, und ist da- 
her analog mit ähnlichen Streitigkeiten , welche über den 
unpunetirten Koran entstanden seyn sollen 28 ). Beydes 



24) Für die Erwähnung der Vocale im Talmud streiten Buxtorf 
de orig. -punetor. vocal. S. 76 IT. 101 ff. G. O. Tychsen im 
Repevtor. Th. 3. S. 105 ff., dagegen Jo. Morini Exercit. bibl. 
II, exercit. XU, cap. 3-5. exercit. XV, c. 3-5. 

25) Buxtorf (d. alt.) Tiberias p. 8°' 

26) Mischna Aboda sara 2. §. 4- Gem. Kiduschin c. 1, Fol. iQ. 
Sänke drin c. 1. Fol. 4» A. Sota cap. 1. Fol. 4- B« 

27) Baba bathra cap. 2. Fol. 21. A. B. 

2Q) S. Note jtf. 



Vocale u. Lesezeich. Q. 5 1 . in den Targums u. dem Talmud. 195 

aber, namentlich jene Streitigkeiten, versetzt uns in eine 
Zeit, wo man die Zweydeutigkeit eines unpunctirten Tex- 
tes immer dringender zu fühlen anfing, und wo sich zu- 
gleich schon eine Reception der Aussprache in einzel- 
nen schwierigen Stellen gebildet hatte, an welche man sich 
gewöhnlich beym Vorlesen hielt. Auf diese scheint sich 
die Phrase zu beziehen, welche bey solchen Streitigkeiten 
häufig vorkommt, und verschieden erklärt worden ist 29 ): 
rn/iOJcS DN «hl Nlp.E.V C« & est maier i. e. ratio s. funda- 
mentum lectioni , sed est etiam mater Masorae. Nipo be- 
zeichnet hier wahrscheinlich die recipirte Art, den Text 
zu lesen, mic» eine traditionelle Erklärung des Textes, 
welche in diesem Falle in Widerspruch mit jener Aus- 
sprachsweise steht 30 ). In unseren Ausgaben des Talmud 
ist der Text selbst in so entscheidenden Stellen unpunctirt, 
so dafs die Pointe aus dem Zusammenhange errathen wer- 
den mufs 31 ). Indessen sollte man glauben, dafs ein Lese- 
zeichen gerade in solchen Stellen fast unentbehrlich gewe- 
sen wäre. — Eine andere Classe bilden Z>) die Stellen, in 
welchen gewisse Zeichen im Texte genannt weiden, näm- 
lich min i!01>t3 (Gem. Berachoth Fol. 62), D^»I?t3 pio^a (Ne- 



£9) ßuxtorf a. a. O. S. 103. Jo. Mor'mus S. 456. Tychsen 
S. 106. 

30) Jo. JVIorinus a. a. O. : Hinter lecthnis est usitata lectio et die 
tionum eo loco pronuntiatio vulgaris, qua dictiones ex pluribus 
significationibus , quas textus seu IMasora ferre -potest, ad unam 
contrahuntur. Unter nilDÖ verstellt derselbe hier den von 
Mose überlieferten unpunctirten Text, aber dieses kann nicht 
in Widerspruch mit der Klp» gerathen, auch nicht wülkühr- 
lich angenommen und verworfen werden. Buxtorf und Tych- 
sen verstehn unter Nlpö den schon punetirten Text. 

31) Z. B. Baba bathra a. a. O. Cum venit (Joab) ante David 
dixit ei , quare sie fecisci ? Respondit ei , quia scriptum est 
pS»y 131 PN nnön. Regessit David, sed non legimus 12T. 
Dixit ei Joab : docuerunt me legere IDT. Ivit et interrogavit 
praeeeptorem suum, dixit Uli; quomodo doeuisti me legere? 
Dixit ei; 13t cet» 

N a 



\tj§ Ab sehn. III. Geschichte der hebräischen Schrift. 

darim c. 4. Fol. 37. Megiüa c. I. Fol. 3 ad NeJiem. Q, Q IIa- 
giga c. 1. Fol. 6) und D*OSi& (Nedarim FoL 53) 3i ). Der 

Ausdruck D^ßVE , welcher späterhin der gewöhnliche für 
Accente ist, ist vielleicht hier im weitern Sinne von Vocal- 
und Interpunctionszeichen überhaupt genommen 33 ), wie- 
wohl die Verbindung mit pio^a und der Zusammenhang der 
heyden letzteren Stellen lediglich auf Wort- Sinn- und Vers- 
abtheilung zu führen scheint. Der letztere (c^e^d) wird 
schon von liaschi durch V.p3 d. i. A oealpunete erklärt, wel- 
ches auch in den Zusammenhang pafst 34 ), kommt aber al- 
lerdings sonst nicht in dieserBedeutung vor. Die Auslegung 
bleibt zweifelhaft; am Gezwungensten ist, mit Elias Levita, 
Jo. Morinus u. A. in diesen Stellen gar keine Zeichen , son- 
dern blofs die bezeichnete Sache, die richtige Tonsetzung 
und Abtheilung verstefm zu wollen. 

3. Gar leine Spur von \ ocalbezeichnung erscheint bey 
den ungefähr gleichzeitigen ältesten Bibelkritikern, den 
Urhebern oder Sammlern des Kri und Chethib (Q. 21, ",). 
Alle diese Lesarten beziehn sich nämlich lediglich auf die 
Consonanten. 

ö. 52- 
Fernere Spuren bey Origencs , Ilieronynius u. s. w. 

Deutlicher, als der Talmud, führen einige ausdrückliche 
Aussagen des Hieronymus auf das nunmehrige Dascyn ge- 



32) Euxtorf S. 76. Morinus S. 

33) Tychsen a.a.O. S. 10Q. 

34) Die Stelle lautet: "inS in3!VDl tOW*) Ipwn mir.* "»M nVn 

Dva ]rmn rTO**pna nS D^icc lnb lnane. dafs, weil die 
Juden ihre Sprache sorgfältig bearbeiteten , und die Zeichen 
unterlegten, sie das Gesetz, in ihren Händen bestätigt erhielten, 
die Culil.ivr aber, weil sie die Spiathc- nicht bearbeiteten a und 
die Zeichen nicht untersetzten, ihr Gesetz nicht bestätigt er- 
halten haben. 



Vocale ii. Lesez. Q. ,52. Spuren bey Origen., Hieran. u. s. n>. 197 

wisser Lesezeichen 35 ). Auch die Aussprache der hebräischen 
Wörter in den Hexaplis des Origenes , bey Hieronymus und 
einigen Gleichzeitigen ist zwar ebenfalls noch schwankend, 
und der Pronuntiation der Alexandriner analog, jedoch, wie» 
es scheint, schon etwas fixirter, als jene 96 ). Ueber beyde 
Gegenstande hier insbesondere. 

1. Die heutigen "Vocalzeichen und ihre Namen kennt 
Hieronymus so wenig, als irgend einen technischen Aus- 
druck der hebräischen Grammatik. Er erwähnt vielmehr 
ausdrücklich und als Eigentümlichkeit der hebräischen 
Schrift, dafs sie in der ]Mitte der Wörter nur selten Vocale 
habe (so nennt er die Buchstaben i'ii.ix), sondern dafs die 
Consonanten derselben nach Willkühr der Leser und Ver- 
schiedenheit der Provinzen unterschiedlich ausgesprochen 
■wurden 37 ). Daher die häufige Bemerkung, dafs ein Wort 
bey verschiedener Aussprache Verschiedenes bedeuten kön- 
ne 38 ). Er bedient sich aber dabey des Ausdrucks accentus. 



35) Lapelli Arcaru -punct. revel, I, 10. Jo. Uforwus a. a. O. 
S. 465« St. üMorinus S. 404 ff. Dagegen Buxtorf de punctor. 
vocalium origine S. i45 ff* &> O. Tychsen a. a. O. S. 127. 
Vgl- (Dupuy) über die Vocale in der hebr. Handschrift des Hie- 
ronymus, im Repert. Th. 2. S. 270. Jalins Einleit. in das 
A. T. I, S. 340 ff. 

36) Jllontfaucon quomodo vet. mterpretes hcbraice legerint, in 
Orig. Hexaplis. T. II. S. 397 ff., wieder abgedruckt in TJ'ol- 

fti Bibl. hebr. II, S. 655 ff. Jahn grammat. hebr. ed. III, S. 
443 ff. Ueber eine Stelle des Clemens Alexand. (Strom. III, 
p, 529. ed. Botter), welche einige von hebr. Vocalcn erklärten, 
s. Bibl. Bremensis. T. II. S. i47* 

37) Epist. 126 ad Evagr. Kon refert, utrum Salem, an Sa- 
lim nomine tur , cum vocalibus in medio lilteris perraro utantur 
Hebraei et pro voluntate lectorum atqus varietats 
regio n um eadem verba diversis s onis et accentibus pro- 
ferantur. 

38) Comment. ad Habac. 3, 5: pro eo, quod nos transtulimuJ 
mortem, in Hebraeo eres literae sunt po sitae , Daleth, Beth, 
Resch, absque ulla vocali, quae si legantur dabar* verbunt 



198 Abschn.lll. Geschichte der hebräischen Schrift. 

welcher zuweilen zwar nur die Pronuntiation selbst 39 ), zh- 
weilen aber wirklich ein Zeichen derselben im Texte anzei- 
gen mufs, vielleicht als Uebersetzung des talmudischen Aus- 
drucks Dl>£ 40 ). 

Die Uebersetzung des Hieronymus schliefst sich weit 
mehr, als die LXX, an die jetzige Vocalisation an 4 '). 

2. Die Aussprache der hebräischen Appellativa bey 
Origenes , Hieronymus und einigen andern, ist analog der 



signißcant , si de her pestem. Comment. ad Hos. 13, 3: .... 
«"OIN; quod si legatur arba, locusta dicitur , si aruha fuma- 
rifun. Vgl. zu 1 Mos. 26, 12. 56, 24. 38, 12. Hab. 3, 4. 
Jes- 31, 9. 

39) Zu der Stelle unter no. 37 vgl. noch Comment. ad Tit. 3, 6: 
si forte erraverimus inaccentu, in extensione et breiitate syl- 
labae , vel brevia producentes , vel -producta bre.viantes , söhnt 
Judaei irridere 110s maxime in aspirationibus et quibusdam cum 
rasura gulae proferendi!, 

40) Comment. in Jes. 65, 15 £nS>92Hd)j pro saturitate , quae he- 
braice sabaa, caeteri iuramentum interpretati sunt, quod rer- 
bum multas habet intelligentias et pro diver si tat e accen- 
tuum variatur. Vgl. ad Arnos 8, * 2 « Eccles. 12, 5. Jon. 3, 
4 : miror, cur ita translatum sit, cum in Hebraeo, nee literarum, 
nee syllabarum , nee ac centuum, nee verbi sit ulla communi- 
tas. Gen. 33, 29: utrumque enim [consunimata, paeißca] ac- 
centu paululum declinato hacc vox (oVty) signißcat. 
Der Gebrauch in den Druckereyen, die Vocale Accente zu nen- 
nen, rührt vielleicht von den sonst oft gebrauchten jüdischen 
Setzern her. Aehnlich sagt Chardin {Voyages vol. III. p. 14?) 
von den arabischen Vocalen : leurs voyelles sont proprement des 
accens. — Für das Dnseyn gewisser Zeichen im Texte spre- 
chen vornehmlich wohl Stollen, wie Comment. ad Jes. 32, 2 
(]VX5): Verbum hebraicum LXX. et Theodolion in Sion inter- 
pretati sunt: pro Sa jon i. e. siti legentes Sion, quae iisdem 
literis scribitur. Vgl. zu Jes. 5, 9. 30, 26. Ps. 90, 8- 4 ^ Ios> 
48. u. a. Stellen bey Buxtorf S. 147 ff. Denkbar bleibt übri- 
gens, dafs die mündliche Anweisung seines Lehrers hier ofe 
zum Fingerzeige diente. 

41) Capelli Crit. s. ed. Vogel Schar fenberg T. II, S. 858- 



Vocale u. Lesez. §. 52. Spuren bey Origen., Hieron, u. s. w. 199 

oben (Q. 50, 2*) aus den LXX beschriebenen, nähert sich 
aber doch mehr der gegenwärtigen 42 ). 

a. Ganz abweichende Vocalsetzung findet sich z. B. in l^H eX8 
Ps. 49, 2, *3pl? ctKOvßctsi Chrysost. ad Ps. 49, 6, V\L'*h lajesua 
Hieron. Hab. 5, 15. V^ iare Hieron. Jer. 15, 12 u.s.w. 

b. Insofern die Pronuntiation im Allgemeinen dialektisch ab- 
weicht, ordnen wir sie unter folgende Fuibriken : 

«. Das Schwa mobile im Anfange der Wörter wird selten über- 
gangen, wie ßgviztS- (Orig. Gen. 1, 1), sondern ist gew. ein kurzes 
<*, besonders wenn noch ein solches folgt, D^U sababim, D">"i33 
jihagarim, Tijj2 phacud, S^CS chasil, ödere, bethula, berith, ge- 
bura, vor s auch i, pnv' siin (Jer. 53, 21). Das Schwa quietcens 
wird nicht ausgedrückt. 

ß. Für Vatach im Anfange der Wörter steht zuweilen e , ri3 
geth, Sab 5 S el s e l> ^^[l li ?yß^ ( Ps - 48> z )> Vgl. n3ttj ffevv« 

(£pi>Ä.) 

-y. Eben so für das Patach furtivum m*l rae, nate ^cc<7ßi)tfi 
l'l'i', JMp *"«» c«e (Ezecli. 23, 23), und das Patach unter Guttu- 
ralen nt:D iefe (Gen. 56, 25), ]H3 fo?e;z, 5*3ty P3 ß^traSts. 

5. Statt des Chirek im Anfange der Wörter ("aus zwey Schwa) 
steht a: VrCC magdal, mjrjbo pakaux, ]i*y anian, noch häufiger 
aber e, 1i3ä ysßßwj, ni?j;n Sj/xu, ]3 men, D"H2CB mesraim, D3H 
ennom, c*V) seddim. 

s. Für Kibhuz ist häufig 0, -I^S chollo (andere codd. chullo"), 
nV.tC sgolla, Q*4VZ) maoziin, ]r\iyn'h vcocSa/x, 

<. 1 und * lauten wie 1, sinaia"; ibarcheu, liSC e0Vuß«uv« s 
niV"" illave , ebenso 1 und T wie u, N*"ip ft, l ponif«, la'pl e-j<Sa» 
ß>)5>, WtW>1 ou«ffff«KJji dagegen in den jetzigen Ausgaben de* 
Hieronymus auch vajomer, vaithen , vaibarcchehu (s. JVlont faueon 
a. a. O. S. 599» Jß^« S. 466. So wird in der arabischen Vul- 

/ 
gärsprache 5 auch wie n gelesen). 

v). Pronominalformen von etwas abweichender Aussprache 
sind: w* aa , fq und ?]— 7- beyde ac7i Arnos 4, 12. 44» 8* 47» 
10, '"-rr eu, "P— <*v, au, TP— a/i , M^IStf ctfxovla Ps. 75, 4» 

5. Die Aussprache der Verbalformen gleicht im Ganzen der 
gewöhnlichen, und. -weicht nur durch vollere Vocale (*lp.*T. raka- 

42) Vollständiger mit Belegen s. bey Montfauc.on und Jahn a. a. 
O. Die lateinisch geschriebenen hebräischen Wörter sind 
nach der Aussprache des Hieronymus, die griechisch geschrie- 
benen aus den HexapHs, 



£00 Abschn. III. Geschichte der hebräischen Schrift. 

du, Jnin htdalu, }JO rau) und zuweilige Unbestimmtheit ab. 
(Jahn 3. 47 °)« 

i. Die Seijolatformen des Nomen erscheinen im Griecbisclien 
meist einsylbig, als "|*ip v.<xq<j (/Itju. und Symm.j , T[T\\ ^e^X» 
rHDS xoSapS, bey Hiercnymus aber zweysylbig und nach der 
jetzigen Pnnctation, *i3i d<ber, *)U/1 reseph , 1p3 bocer , ebenso 
Origenes pSnp nwaXs5 (Jahn S. 45 2 ) # 

3. Will man hiernach noch die Frage nach der etwani- 
gen Beschaffenheit der im Talmud und bey Hicronvmus er- 
wähnten Lesezeichen (D^JD^t: , accenlus) wagen, so würde 
hier die Hypothese von dem frühen Gebrauch dreyer Vocal- 
zeichen im Hebräischen am meisten an ihrer Stelle seyn 43 ). 
Der sonst dafür versuchte historische Beweis imifs zwar auf- 
gegeben werden 44 ), auch ist das Alter dieser Vocalbezeich- 
nung nicht ganz gesichert* 5 ), allein der Umstand ist be- 
merkenswerth , dafs fast alle eben genannte Abweichungen 
hey einer so einfachen und immer zweydeiuigen Vocalbe- 
zeichnung begreiflich bleiben würden, da sie sich fast nur 
innerhalb der verschiedenen Nuancen der Hauptvocallaute 
tewegen. Dafs sich überhaupt die ganze Vocalisation auf 
diese drey Hauptlaute zurückführen läfst, und nur das 
Schwankende derselben näher fixirt, dafs auch die Lehre 
von der \ ocalverandeiung (der Umlaut) in der hebräischen 



43) ^ OSSÜ Aristarclius I, C. 32. Jo. Morinus S. 544* Schulten* 
Jnstit. ling hehr. p. 4ß. 62 JT. Michaelis comment. de Syro- 
rum,rocalibus (in dessen Comment. Gotting. Biemae 1774) P« 
174. §. 6. 7. Eichhorns Einleit. in das A. T. Th. 1. S. 162. 
Dagegen Lauer Crit. sacra S. 146« Dess. Einleit« in das A. T. 

S. 88- 

44) £)ie Stelle des Buches Cosri p. i43- e<k Buxtorf, welche von 
JMicha'Clis u A. dahin «edeutet winde, enthält nur eine Zu- 
rflckfflhrung der 7 hebräischen Vocnle auf die drey Ilauptlaute, 
welche in den arabischen Zeichen liegen. S. Dresde Vorrede 
zur hebr. Grammat. Trendclenhurg Einige aus dem Hebräi- 
siliin selbst hergenommene Gründe für das dereinstige Dascyn 
dreyer Vocalzeichen , im Rcpertorium Th, 13. S. #0. 

45) S. oben $. 4Q, 2. 



Voccdetaid Lesezeichen, Ö-55- Gegenwärtige Punctation. 201 

Sprache sich fast lediglich in den Gr.'inzcn derselhen hält, ist 
längst heinerkt und gründlich durchgeführt worden 46 ). An- 
dere denken zunächst nur an den diakritischen Punkt 47 ), 
auch ist richtig, dafs sich der Ausdruck accenius im Sprachge- 
brauch des Hieronymus nicht hlofs auf die Vocalsetzung be- 
schränkt 48 ). — Die Meinung, dafs man Anfangs auch 
nur einzelne schwere Stellen punetirt habe, bestätigt sich 
durch die Analogie arabischer und rabbinischer Codd. 

Michaelis (Orient. Biblioth. B. 4, S. 2 2ß ff.) und J. IM. Jlartmann 
(Eichhorn 1 s Biblioth. VIII. S. 205) aufsein die Vfnnuthwtig , ob 
nicht das sogenannt? Dag. neutrum mehrerer Handschriften ein 
früheres diakritisches Zeichen sey, welches dann nach der voll- 
ständigen Punctation faßlicher ausgelassen wurde. Die Beobach- 
tungen dcä ersteren fuhren aber mehr auf ein Zeichen, wie das 

w c 

Tesdid conjuncliiuni der Araber, z. B. 3k. <~\3 « Ä- !«A3. 

S- 53- 

Entstehungszeit der gegenwärtigen Punctation. Einwürfe dagegen. 

1. Unsichere Nachrichten aus dem vierten Jahrhundert 
abgerechnet 49 ), finden sich vom fünften Jahrhundert an 
mehrere sichere Spuren der jetzigen Vocale Die Masora, 
um diese Zeit gesammelt, wenn gleich noch nicht geschlos- 



46) S. Trendelenlnirg a. a. O. 

47) Clerici auaest. Hieron. S. 95. Dupuy a. a. O. S. 276. Vgl. 
Jahn granunat. hehr. ed. HL S. 19. 

43) Quaest. in Genes. 2, 23: -potest quippe Issa (n^'N) seeun- 
dum varietatem accentus et assumtio intelligi. 

49) Nach ihnen soll schon ü. Asse (See. IV) in Babylonien de 
urcanis rwnetationis geschrieben haben (IMoses Kachmanides ad 
Üb. Jrzira, bey Buxtorf S. 55). Allein es ist zu bekannt, wie 
bereitwillig und unkritisch die Juden spätere Schriften altern 
berühmten Verfassern zuschreiben, als daf;- eine solche Nach- 
richt die sonst nicht wahrscheinliche Existenz der vollständi- 
gen Vocalsetzung (denn diese wird in der daraus angeführten 
Stelle vorausgesetzt) vor der Gemara begründen konnte. 



£02 Abschn. III. Geschichte der hebräischen Schrift. 

sen, nennt schon die meisten namentlich 50 ), und bemerkt 
ihre Abweichungen ; die Vergleichung der palästinensischen 
und babylonischen Lesarten (See. Q~) bezieht sich wenig- 
stens in zwey Stellen auf das IMoppik im TZe 51 ), die Ver- 
gleichung aber, welche Ben Asser und Ben Naphthali (um 
das Jahr 1034) anstellten, geht ausschliefslich auf Vocale und 
Lesezeichen. Ferner setzt die Version des Saadias und die 
griechische der Marcusbibliothek (Q 30, 4) einen punetir- 
ten Text voraus; die jüdischen Grammatiker endlich (von 
See. XI an, s. $. 29) scheinen gröfstentheils nicht anders 
gewufst zu haben, als dafs die Vocale von jeher geschrie- 
ben worden (f>. 48» O- $ IC müssen also keine Codd. ge- 
kannt haben, die eine unvollkommene Punctation und das 
Entstehen derselben zeigten 52 ). Ueber die Karaiten s. 
unten. 

2. Soll hiernach die Zeit angegeben werden, in welcher 
die jetzige Vocalisation gebildet und vollendet worden , so 
sprechen in derThat mehrere Gründe dafür dieses schon im 
6ten bis O^n Jahrhundert 53 ), als von da bis zum loten an- 
zunehmen f4 ), wenn sie gleich erst gegen die letztere Zeit 



50) Nicht blos einige, gegen Capelli Arcan. punet. I, 12 s. 
Buxtarf S. 189- 

51) Eichhorns Einleit. I, S. £74« 

52) Auch neuere Kenner hebr. Codd. reden nicht von einer sol- 
chen Erscheinung. Uocli finden sich allerdings welche, in 
welchen die Vocalsetzung nicht immer vollkommen gramma- 
tisch geregelt ist. ( S. Michaelis Orient. Bibliothek. Tk. 4> 
S. 219). 

53) Für den Anfang des See. VI erklärt sich Elias Levita, für 
See. VIT, u;id zwar für Nachahmung der Araber Jo. IMorinus 
(Exercit. bibl. S. 525 IT.), R. Simon (hisl. crit. du F. T. I, 
chap. 27), St. Morinus (de lin°ua primaria S. 4 20 ff.). Vgl. 
J. JL Hart mann in Eichhorns Biblioth. d. bibl. Lit. B. Q. S. 
109. — Hie ins Griechische umgeschriebenen Verse 1 Mos. 1, 
2.6. 31 , bev Jo. Pliiloponus (um 610) befolgen ganz die jetzi- 
ge. Aussprache. S. Tychsetn tentamen S. 153. 

54) Tür den Zeitraum zwischen See. VIII und X spricht Eich- 



f'ocale und Lesezeichen. Q-6). Gegenwärtige Punctation. 203 

ganz allgemein verbreitet worden sern mag. Zwischen See. 
VIII und X erwähnen die jüdischen Chroniken fast einzig 
und allein babylonischer Gelehrten 55 ), da doch diese gram- 
matisch- masorethischen Arbeiten allgemein den Tiberien- 
sern zugeschrieben werden, - ferner sehen die Arbeiten, die 
wir aus diesen Jahrhunderten kennen, z.B. die spätem Tar- 

gums, einen viel zu nachtheiligen Betriff von der ausgearte- 
te ' öd r> 

ten Beschaffenheit der Schriftgelehrsamkeit im Allgemeinen, 
als dafs man diese Arbeit so weit hinabsetzen dürfte; endlich 
war das Bedürfnifs in jener frühern Zeit ohne Zweifel schon 
dasselbe, wie späterhin, und die Schwierigkeit der traditio- 
nellen Fortpflanzung stieg immer mehr. Zugleich erklärt es 
sich um so leichter, wie der wahre Ursprung der A oeale den 
jüdischen Grammatikern schon ganz unbekannt seyn konnte, 
wenn einige, gerade sehr dunkle, Jahrhunderte dazwischen 
liegen. Dabcy hat es viel Wahrscheinlichkeit, dais die Vo- 
calbezeichnung früher in den Schulen der Bibelkritiker gäng 
und gäbe war, ehe sie in allgemeinen Gebrauch kam 50 ). 
Bestimmte Traditionen über jenen Ursprung der V orale, wie 
sie die Araber haben 57 ), fehlen ganz; denn Einiges, was 
man dafür gehalten hat, verschwindet bey näherer Prü- 
fung 58 ). 



hörn (Einleit. in das A. T. Tli. 1. S. 275), für See. VIII 
Loivth Qhaiali, Lond. 1773) S. LV. Andere ncnnexi unbe- 
stimmter See. VI »XI (Michaelis Orient. Biblioth. Vorr. Th. 7), 
oder VII -X (Berthol dt Einleit. S. 175). Keine Rücksicht ver- 
dienen Basnage (hist. des Juifs III, S. 705) und Calmet (dict. 
hibl. S. 35), welche die Vocalsctzung erst durch Ben Asser und 
Ben Kaphthali (See. XI) erfinden lassen. 

55) Hottingcr hist. eccl. X. T. T. 1. S. 421 ff. 523 ff. 660 IT. 

56) Humphr. Frideaux a. a. O. (S. §. /j8> -)• 

57) §• 48» *■ Anm. 

$0) Eine merkwürdige Stelle darüber glaubten Fourmont (Me- 
moires de literature T. XX. S. 222-49), und Semmler (eigne 
theol. Abhandlungen Th. 1. S. lyi tf.) in einem Pari er Cod. 
{Kennkot. 204) gefunden zu haben. Allein schon houbl^ant 



204 Ahsclm. III. Geschichte der hehräiachen Schrift. 

3. Unter den Einwürfen, welche man gegen die spatere 
Entstehung der Vocale überhaupt erhohen hat, scheinen 
manche nicht unwichtig, doch lassen sie sich heben, ohne 
irgend der Sache Gewalt anzuthun. ,,Es sey kaum denkbar, 
sa»t man, dafs die Geschichte von einer für die Gestalt 
der heiligen Scbriften so merkwürdigen Begebenheit schwei- 
gen sollte." 59 ) Allein sie schweigt von andern noch wich- 
tigem Dingen in der jüdischen Literärgeschichte , von der 
Sammlung des Kanon, von der Abfassung so vieler anony- 
mer Schriften, und derselbe Fall ist bey ähnlichen Einrich- 
tungen der griechischen und lateinischen Grammatiker. Die 
Männer aber, die sich um das Geschäft am verdientesten 
machten, rühmten sich wohl schon deswegen ihrer Erfin- 
dung nicht, weil ihnen daran lag, den Schein der Neuheit 
zu meiden, und ihrer Arbeit bald die Auctorität des Alter- 
thums zu verschallen. Wie sehr dieses im Geiste der Juden 
und des Zeitalters sey, weifs die Literaturgeschichte 50 ). 
Dazu kommt das Dazwischenliegen dunkler Jahrhunderte. 
, Nirgends fände man Streitigkeiten über die Materie, die 
man bey den streitsüchtigen Juden durchaus erwarten soll- 
te?" Aber die oben genannten Stellen der Talmudisten 
(ö- 3 1 » 2 ) können allerdings für historische Spuren aus einer 
Zeit der Beratschlagung über diesen Gegenstand genommen 
werden. Späterhin fehlt es aber überhaupt an Acten über 
die grammatisch-kritische Bearbeitung des Textes. Wie we- 
nig wissen wir vom Entstehen der Masora ? „Die Masore- 

(Not. crit. T. 1. S. 77. ed. Trancof.) zeigt, dafs sie sich auf die 
Masora bezieht. Sie findet sich auch in einem Ms. der Masora 
des Hrn. I). ßruns, wo das von Founnont falsch gelesene Wort 
•lIOO Hs ont pomtue TOSü lautet, d. i. mnnerarunt (was auch 
der Goutext verlangt). Auch die Angabe des Terez <le l'alen» 
tiu (s. Scmmler a. a. O.), der die Sammler des Talmud dafür 
halt, kommt nicht in Betracht. 

59) Buxtorf S. 598- Robertson S. 65. 

60) Jo. Morinus S. 421. 



Vocale und Lesezeichen. <Q. 55- Gegenwärtige Punctation. 205 

tlien bemerken schon häufig anomale und seltene Punctatio- 
nen. Wie könnten sie dieses, wenn die Functation von ih- 
nen selbst herrührte i Würden sie nicbt die Anomalie ver- 
bessert haben, statt sie als solche zu bezeichnen 4161 ). Al- 
lein es ist bekannt, wie diese Bearbeitungen des Textes 
nicht mit einem Male, sondern allmählich vor sich gingen. 
Eine Einrichtung früherer Grammatiker konnte nach Ablauf 
eines oder einiger Jahrhunderte schon eine solche Achtung 
und Superstition für sich haben, dafs man nichts daran zu 
ändern wagte, und in einer anfangs zufälligen Anomalie ein 
Geheimnils suchte. Ein ähnlicher Fall ist ja mit den lilteris 
maiusculis und minusculis , den aufserordentlichen Puncten 
u. s. w. ,>Die Karaiten , heilst es endlich, die sich schon 
vor dem Talmud von den Rabbaniten getrennt haben, ha- 
ben die vollständige Punctation, die sie nicht von dieser 
Gegenpartey angenommen haben würden, wenn sie erst spä- 
ter entstanden wäre 6z ). Diese behaupten daher auch 
selbst das hohe Alter der Vocalpuncte " 63 ). Allein über 
das hohe Alter dieser Partey, als einer vollkommen getrenn- 
ten und abgeschlossenen, läist sich sehr streiten 64 ), wenn 
sie auch der Sache nach früh existirte. Wenn aber die Karai- 
ten selbst das Alter ihrer Partey und die Existenz der Vocal- 
puncte hoch hinaufsetzen, so ist dieses Räsonnement, Folge- 
rung und Alterthumsprätension , nicht Thatsache. Dafs 
sie sich kein Bedenken machen, selbst aus gedruckten punc- 
tirten Büchern vorzulesen, zeigt aber deutlich, dal» diese 



61) Carpzov Grit. Sacra S. 252. Beyspiele s. in Leusden philol. 
hehr. S. 124. 

62) Jac. Robertson S. 54 fr. Sie lesen selbst aus puncthten Bü- 
chern vor (s. Tychsen in Eichhorns Repertorium Th. 5. S. 
103). Ucber die frühe Entstehung der Sekte, l'J'ölf notiüa 
Kxtrueorum S. 111. Triglandus de secta Karaeorum S. 20. 

63) Mardochaeus Karaeus bey TJ olf a. a. O. S. 152 ff. 

64) S. Jo. IWorini exercitatt. bibl. lib. II. exeicit. VII» der die 
förmliche Trennung erst in das ßte Jahrhuodert hinabsotzt. 



2o6 Absclm. III. Geschichle der hebräischen Schrift. 

Sekte überhaupt nicht wie die Rabbaniten, jede unwesent- 
liche Neuerung als profan verschmäht. I 

4. Die Namen der hebräischen Vocale entsprechen der Ety- 
mologie nach gröfstentheils den arabischen (und syrischen), 
wodurch ein historischer Zusammenhang zwischen densel- 
ben wahrscheinlich wird. Die Vervielfältigung der ersteren 
zeugt vielleicht für ein relativ jüngeres Zeitalter. Dafs die- 
se Vervielfältigung allmählich geschah, zeigt wohl der Um- 
stand, dafs mehrere noch spätere Vocale zuweilen unter Ei- 
nem Namen begriffen werden. 

So heifst Zeve zuweilen das kleine Kamez, und Segol das klei- 
ne Patach, auch Patach geradehin. Schurek scheint auch das 
Kihbuz zu umfassen. Raphe steht vielleicht auch für Schwa 
(Starkii lux gramm. S. 29. Jo. Morinus S. 537). Bis auf Kim- 
chi, welcher die Eintheilung in 5 lange und 5 kurze Vocale 
machte, giht man gewöhnlich sieben an (o^bö ni>2UJ), wo Chi~ 
iek parvum , Kamez chatupli, und Kibbuz fehlten. Allein man 
mufs deshalb nicht glauben , dafs auch die Zeichen für dieselben 
gefehlt hätten, und noch eine Pieforni der Punctatiou vorgenom- 
neu sey. Kamez chatupli und Kibbuz wurden ohne Zweifel mit 
unter Kamez und Schurek begriffen. 

Den arabischen Vouilzeichen entsprechen die hebräischen auf 
folgende Weise : 

f t ° l 

Für Tatha ( '^>n 't't OeiTnung sc. des Mundes) d. i. a, ii ha- 
ben die Hebräer das kürzere nn5=&2ElÄJ, ur >d aas längere 
Y»p constrictio sc. oris , mit Bezug auf die ( aramaisirende ) Aus- 
sprache durch o. 

Dem Kesre (Ö-m*^ distractio oris) d. i. e, 1 entsprechen **ix 
ruptio, diremtio, SiiD (uva, mit Bezug auf die Gestalt), und pl^n 
Stridor, für letzteres auch *12V' fractio = '^5^*M.^. 

Für Damma (&*AO , collectio , contractio sc. oris) d.i. o, u: 
D^in (1. i. integritas, quod integro Ore pronuntiatur, auch N'Stt 

BIS plenitudo oris, p*).1U> sibilus , und y*ljD contractio = &+*0. 
Aehulich entsprechen sich der Etymologie nach die Namen 

\^Z^ und nmsn motio d. i. Vocal, C\J<-\mäJ und Wi (Vcr- 
J T " r • vr 

häitung, Verstärkung) "• $• W« 



Vocaleu. Lesezeich. Ö-54- TT erth d.masor.Vocalselzung. 207 

ö- 54- 
Wurdifituae und Wcrtli der inasorethischen Vocalsetzmin;. 

Ist die Aussprache des .Althebräischen hiernach eine 
bedeutende Zeit lang in der Tradition fortgepflanzt worden, 
ehe sie durch Schrift fixirt wurde, so entsteht nun die wich- 
tige Frage, was haben wir an derselben? Gibt sie die rich- 
tige Pronuntiation des Althebräischen, wenigstens im Gan- 
zen und Grofsen wieder? oder ist sie ein Werk der Conjec- 
tur und Willkühr? Kommt ihr auch im Einzelnen einige 
Auctorität zu, oder darf sie der Exeget willkührlich verlas- 
sen und abändern? Wir glauben, dafs man sich diese Fra- 
gen zum Vortheil der Vocalsetzung zu beantworten habe 6 *), 
und versuchen in Folgendem den Beweis dafür. Prüfen wir 
zuvor die hauptsächlichsten Gründe dagegen: 

1. ,,Schon das Subtile und Pedantische des Systems le- 
gitimiren dasselbe als eine Erfindung gewisser Grammatiker, 
welche aus Mangel richtigerer Kenntnifs das Aramäische 
dabey zur Richtschnur nahmen." Jene Subtilität , die in 
einer lebenden Sprache fast undenkbar ist, führt allerdings 
sicher auf ein Werk ängstlicher Grammatiker, hebt aber 
die Richtigkeit der Tradition, worauf das System beruht, 
nicht auf. Von der Differenz der chaldäischen und hebräi- 
schen Pronuntiation weiter unten. 

2. ,,Die Pronuntiation der Ä^omm. proprla in den LXX 
(Ö- 5o) > welche zum Theil andern Grundsätzen folgen, sey 
darwider, und führe auf eine vollere, vocalreichere , dem 
Arabischen ähnliche Pronuntiation" 66 ). Wir antworten 



65) So Elias Levita, Eich. Simon (I, chap. 27. in, 20, vgl. 
pref.) , unter den Neuern Eichhorn (an mehrern Orten seiner 
Schriften), de TVette (Comment. üb. die Psalmen S. 59), Bel- 
lermann (Metrik der Hebräer, Vorrede). 

66) Jo. Morinus S. 509 ff. St. Hlurinus, dessen verschiedene 
Aeufserungen S. 5go. 583. 597« 437 a ber nicht consequent 
sind, ls. f'ossius respons. ad Sim. ob). S. 192. Capelli J'imli- 
ciae S. 84a (dagegen 926). — Durchgeführt ist eiue solche 



20ß Absdin. III. Gcschlcliie der hebräischen $ dir iß. .. 

hierauf: Allerdings weichen nach der obigen Darstellung 
beyde Aussprachsweisen wie zwey Mundarten von einander 
ab, ohne dafs aber deshalb eine derselben geradehin ver- 
werflich seyn niufs. Wir haben darin ohne Zweifel zwey 
Pronuutiationsweisen des Hebräischen, wovon die eine in 
Alexandrien, die andere in Palastina gewöhnlich war, wel- 
che verschieden sind wie zwey Mundarten, und in einem ähn- 
lichen Verhältnifs stehen, wie die an Vocal'en reiche, voll- 
tönende Schriftsprache der Araber, und die dem Hebräi- 
schen und Syrischen ähnlichere Volkssprache derselben 67 ). 
Tsoch Hieronymus lernte ausdrücklich 68 ), dafs man die he- 
bräischen Vocale pro parietale regionum verschieden spreche, 
und gerade in der Vocalsetzung besteht auch die meiste Dif- 
ferenz der arabischen Mundarten Air die alexandrinische 
Pronuntiation schliefst sich auch Origcnes an ($. 52, 2); die 
palästinensische der Masorethen hat aber ein bedeutendes 
Vorurtheil für sich, theils weil die Tradition doch an Ort 
und Stelle reiner zu seyn pflegt, theils weil die palästinen- 
sischen Juden überhaupt in Rücksicht auf gewissenhafte Be- 
wahrung des Traditionellen es den griechischen bey weitem 
und in aller Rücksicht zuvorthun 69 ). Ueber die ähnliche 
Pronuntiation der Samaritaner und deren Quelle ist schon 
oben (fj. 24, 2) das iSöthige bemerkt worden. 



arabisirende Pronuntiation von Greve (l r aticinia Nahnmi et IIa- 
baeuci. Anibtaelod. 1795. 4. Ultima capita Jobi. P. F. II. 1788* 
91. 4). Vgl. Eichhorns Biblioth. der bibl. Literatur. B. 6. 

S. 584- 

67) Die Vorstellung von einer alexandrinischen Mundart des 
Hebräischen j;ibt schon O. G. Tychscn (Tintamen S. ij-ö'O» 
sucht auch historische Beweise da.iir herzubringen , welche 
aber die Prüfung nicht aushalten (S. 153). Ihm folgt JMasch 
(biblioth. saaa P. II. Vol. II. S. 5j). 

f;g) S. Anm. 37. 

69) S. oben $. 20. Jo. Morinus (S. f,ot). 510) macht den Tibe- 
riensern unter andern zum Vorwurfe ( dafs sie eigentlich (.Tali- 
laer waren, welche schon früh durch coirupte Aussprache be- 



Vocaleu. Lesezeich. 5- 54« JVerlhd.masor.Vocalselzung. 209 

5. „Die jetzige Vocalisation der Nomina proprio., na- 
mentlicli der nichthebräischen, widerspricht der Ausspräche 
derselben, die wir aus andern Quellen, und zum Theil zuver- 
lässig kennen, z.B. das griechische |V eig. luv (]•)■») Griechenland, 
das pers. w'*ii2 Kfgor (fc^lS), •^'H A«^f (0 f (iypin), das ägyp- 
tische ]u.;y, richtiger nach den LXX und den koptischen Ver- 
sionen Testv (^2), das hebr. p*p IoöJavj/c (pV) , dS^J Eo- 
Xi/jct« ^oStr) u. s w. 70 )." Allein, wer weifs nicht, wie sehr 
und bis zur Unkenntlichkeit die Form der Nomina proprio, 
oft verändert wird, wenn sie. in fremde Sprachstämme über- 
tragen werden ? Dieser Fall ist hier namentlich mit dem 
morgenländischen pi Griechenland , welches auch Araber 
und Syrer (wie unsere Punctaloren) Japan aussprechen; an- 
derswo kommt ohne Zweifel die hebräische Aussprache der 
einheimischen näher, z. B. in den persischen Woltern ttöfl'lil 
wahrsch. (pü,~> I pJ Darabesch, tf*il3 wahrsch. />0 n*£»- 71 ), 
wogegen die gewöhnliche griechische Form kein Gegenge- 
wicht gibt. — Noch sicherer dürfte man sich auf die ur- 
sprünglich hebräischen Wörter berufen, die die Griechen 
von ihnen erhielten ;S. 66~) , und von denen mehrere anders 
lauten, als in der jetzigen Punctation , z. ß. aiTM vvaureor. 
Ep33.n eßaoij j1ß3 xvy.ivov. Allein wer ist uns auch hier gut 
dafür, dafs das Wort nicht im .Munde der Griechen Aende- 
rungen erlitten hat? Schwanken nicht die lebenden mor^en- 
ländischen Sprachen gerade in ß_ücksicht auf die Vocale so 

rüchtigt waren. Allein mufste denn diese nachlässige Aus- 
sprache des ainmäischen Volksdialekts einen Einflufs auf die 
Fronnntiation des Althebiäischen bey den Schriftgelehrten ha- 
ben? Stauden diese niclit mit denen zu Jerusalem in Verbin dun» 
und Stammten zum Theil von ihnen ab? Findet sich denn fer- 
ner in der jetzigen Punctation eine Spur von Galilaismus? 

70) Mehr angedeutet als ausgeführt, wird das Argument von 
Hyde de relig. vet. Persarum S. 45. 65-67. und QBright) praef. 
ad Lightfooti Opera T. I. S. 6, 

71) S. das VVörterb. unt. diesen WW". , über ersteres im Nach- 
trage. 

o 



21.0 Abachn. III. Geschichte der hebräischen Schrift. 

sehr? Vor allen aber, erhielten die Griechen nicht diese 
Worte unmittelbar von den Phöniziern, deren Dialekt doch 
nicht in allen Kleinigkeiten coincidirte? Dafs die Ausspra- 
che des Schwa mobile:, wie ein Vocal, gewifs schon bey den 
alten Hebräern vorkam , lernen wir allerdings aus Beyspie- 
len, wie rons xnwv, n2bS "kitSocvuris, ni^mp casia. 

4. ,,Sie sey der Analogie der hebräischen Sprache in 
mehreren Stücken zuwider. Diese nämlich schlicfse sich, 
nach den Consonanten zu urtheilen , mehr an das Arabische 
an, die Punctation aber an das Aramäische " 72 ). Es wäre 
sehr zu wünschen, dafs irgend einer von den Urhebern die- 
ser Behauptung einen einigermafsen eingehenden Beweis 
derselben versucht hätte. Wie wenig bündig ein solcher 
ausfallen dürfte , zeigt wohl die entgegengesetzte Behaup- 
tung eines nicht minder gelehrten Forschers, dafs die 
Punctatoren ihre Pronuntiation von der arabischen ent- 
lehnt hätten 73 ). Die unten folgende Darstellung wird 
zeigen, dafs sie beyden, der arabischen und aramäischen, 
gleiche und gleichen müsse, ohne deshalb von einer der- 
selben nothwendig abhängig zu seyn. Am wenigsten Rück- 

72) Hutchinson Vl'orks T. VII. S. 256 ff. Ihm folgten viele 
englische Grammatiker, Sharp, ParkJmrst, Batss, unter den 
Deutschen Adelung (Mithrhlaies Th. I. S. 363 ). Aehnlich 
1 1 ald (allgeni. Gesch. der niorgenländischen Sprachen) S. 492: 
„ so kann das syrochald.usche Punctationssysteiu uns nimmer- 
mehr berechtigen, cbräisch zu den platten Mundarten 7.11 zäh- 
len, "oder seine Verwandtschaft mit dem Syrischen über die nut 
dem Arabischen zu erheben — so neiden wir an einem an- 
dern Orte (wo? kann der Vf. nicht nachweisen) g&ns uner- 
wartet zeigen, dafs z. B. der masorethischc Untcischied des tf 
und jy nach aramäischer Aussprache angesehen ist, und dafs 
die alten Ebräer wie die Araber aussprachen, wir also s zu 
pronunziren haben, wenn im Tcxto ir , und seh, wenn \y 
steht — . (S. dagegen §. 55, 1, Anru. a). 

73) Jo. Morini exercitatt. bibl. S. 535. Ex vergleicht ihre Pro- 
niuitiaiion des Ilebraisclicii mit der französischen und engli- 
schen Aussprache des Latein. 



Vocale u. Lesezeich. §. 55- TJ'erth d.masor.Vocnlselzung. 211 

sieht verdienen die Urtheile eines Hutchinson und Mcts- 
clef, welche unter andern die ganze Conjugation./Yf/ ein 
Hirngespinnst der Punctatoren nennen. Als ob sich die 
eigenthümliche Flexion derselben nicht eben so gut in den 
Consonanten offenbarte (z, li. im Participhnn ) ? 



ö« 



:yj- 



Fortsetzung. 

Die positiven Gründe, welche für die Richtigkeit der 
masorethischen Vocalsetzung wenigstens im Ganzen spre- 
chen, liegen auf der einen Seite in der analogen Aussprache 
beyder zunächst verwandten Sprachstümme, des Arabischen 
und Aramäischen, ohne dals sie sich der einen derselben 
vorzugsweise näherte, und von ihr copirt zu seyn schiene; 
auf der andern Seite in der Consequenz und Selbstständig- 
keit derselben in den Stücken, wo sie von beyden abweicht. 
Dazu kommt die häufige Uebereinstimmung der Lesemütter 
in den samaritanischen und hebräischen Manuscriptcn. Als 
Quellen derselben denken wir uns dabey im Allgemeinen die 
Tradition der palästinensisch -babylonischen Schulen, und 
eine, wenn gleich unbewufste , Grammatik; in einzelnen 
Stellen Zusammenhang, lange Reception der Auslegung auf 
den jüdischen Academieen, und. Versionen, besonders die 
Targums. Gehen wir jene Gründe einzeln und näher durch. 

I. Nach einer längst gemachten und sehr fruchtbaren 
Bemerkung steht die hebräische Sprache in Rücksicht auf 
ihren ganzen Bau, und in grammatischer sowohl als lexica- 
lischer Hinsicht in der Mitte zwischen der aramäischen 
und arabischen ($. iö, 1). Genau dasselbe Verhältnifs, wel- 
ches schon die Consonanten an die Hand geben würden, of- 
fenhält sich aber auch in der Vocalsetzung und dem masore- 
thischen System, welches sich bald durch durchgehende 
Analogie beyder Stämme, bald durch Anschliefsen an den 
einen oder den andern bestätigt. Der Grund dieser Ueber- 
einstimmung liegt aber sicherlich nicht in vergleichender 

O a 



2 12 Absehn. III. Geschichte der hebräischen Schrift. 

Kenntnifs jener zwey Sprachstamme , sondern in constanter 
Tradition. 

Da eine vollständige Durchführung durch Grammatik 
und Wörterbuch zu weit führen würde, und ohnehin die 
Akten dazu in jeder vergleichenden Grammatik und jedem 
bessern Wörterbuche vorliegen , heben wir nur einiges aus, 
besonders aus der grammatischen Formation 74 ). 

a. In Rücksicht auf die Aussprache des U) schliefst sich die ma- 
sorethische Bezeichnung an das Aramäische an, und hat meist 
ein MJ , wo dasselbe auch im Syrischen und Chaldäischen ist, wo 
das Ai'abische hingegen ein (& hat. Die Gewähr der Richtig- 
keit liegt in der zuweiligen Verwechselung des iL' in solchen Wor- 
ten mit 0. als OVS und WV2 , t£?£^ und 00*1 niedertreten u. s. 
w. (S. mein hebr. Worterb. S. j6Q). 

b. Das Schwa compositum und verstohlne PataJi kennen auch 
die Araber der Sache nach, wenn sie es gleich nicht bezeichnen. 

vAÄ/tf ist ma e na, und j*^J lu e hh, beyde mit diesen unwill- 
kührlichen Hülfsvocalen , die der Masoreth zu bezeichnen nicht 
verfehlen wollte. (Im Syrischen vgl. man Aussprachen, wie 

&£ ° zozo) ; 

c. Das einfache Schwa sollte nach der Absicht der Punctatoren 
wahrschcmlich gar nicht gesprochen werden, wie in der arabi- 

sehen Vulgärsprachc selbst VaÄ^ nicht anders lautet als St5p£ 
} / J 



mkaltel, emkattal, V_^».Al > wie 2 ,~» S . (Sacy «ramm, arabe S. 5 2 )- 

Aber die Hebräer kannten ohne Zweifel auch eine vollere Aus- 
sprache (s. oben S. lpi. 19-) 1 welche die Grammatiker mit der 
masorethischen Punctation zu vereinigen suchen, wenn sie "i*a bi- 
jad, inp kikit nfc'SttJ salumv oder solomo u. s.w. zu lesen vor- 
schreiben (s. z.B. Kimchi bey Löscher de causis ling.hebr. S. 320). 

d. Das Danesch lern kenneu in denselben Fällen die Syrer. 
Die Regel, dafs das Dag. forte in den aspiratis zugleich Imo sey, 
belegen Wörter, wio N22, N3p xcczxoc, xorexet. 

e. Dafs der Gutturalbuchstabe gern einen A-Ton neben sich hat, 



74) Dabey versteht es sich, dafs im Arabischen zugleich auf die 
lebende Aussprache Rücksicht genommen worden ist, und dafs 
diese den Mangel genau bezeichneter Schrift ersetzen nmfs. 



Vocaleu. Lesezeich. Q.55- TVerLhd.inasor.Vovalsetzung. 215 

findet sich, wie im Hebräischen, so im Aramäischen und Arabi- 
schen, wo man ^.^AX^J iktob, aber V.ÄÄJ iphal, ^/.AAfc3n3 
iachseb aussprechen lernt (Sacy grarnm. S. 4). 

/. Die Punctation des Artikels -fl und des Pron. nftX, DP« 
erklärt sich aus hn, ^j), V»>Jf> MV^f« 

g. Die drcyfache und consequent unterschiedene Form der 

Sujfixa, z. B. U, *3— , to— » findet sich ganz ähnlich im Syri- 

7 v P 

sehen, ,""> ^*~~> ^*» 

h. Der Gebrauch der g praet. h*£p mit dem Fat. hvp'* für J«. 
transitiva ist in dem masorethischen Texte nicht minder durch- 
gängig und consequent, als im Syrischen und Arabischen. (S. C. 
B. Michaelis lum. syr. §. 22V Sogar dieselben Verba unterschei- 
den die transitive und intransitive Bedeutung durch das Fut. O 
und A. (S. die Vorrede zu meinem Wörterb. Th. 1. S. XVir. 
Grammat. S. 49. 50). — Das Fut. Sbp*| steht gerade in der. 

Mitte zwischen VÄXJ un ^ 1 7",~'i, U.£\.Q.J. 

i. Die Verbalformen mit SuJJixis entsprechen im Allgemeinen 
den syrischen, nur, wie natürlich , nicht im Einzelnen, vgl. Va~ 
ters Handb. der hebr. syr. und arab. Sprache S. 43. 44. 115. 

k. Die drey Segolatformen, wie^Sö, 13C, Ur'np, finden sich 

eben so (nur ohne furtives SegoV) im Arabischen, nämlich ^X»W f 
-Ä***, (^j^wtAJ. Selbst die Schreibart SjSo für ^a bestätigt 

sich durch die Aussprache vieler Araber durch mlilch. Im Syri- 

«».7 ^ * o *. 
sehen entsprechen die Formen |.:u_^£ P«^ t*?QI3. Selbst 

in den einzelnen Wörtern stimmt meist die Wahl des Hauptvo- 

cals überein, z. B. häjS plur. constr. *\at% Schmerz (syr. Päm), 

^an mit Suff. i\in Strick, syr. pü*#. 

I. Die Nomina der Formen 202 (Buch), nVtt (Schiffer), rftVa 
(Exil) (mit Kamez impuro) entsprechen genau den arabischen 

y^J\X'=>, 7"VLc, syr. t3fia? _.>*_ii.2>j |Za_^ ., und zwar 

häufigst in denselben Wörtern (s. die Zusammenstellung bey C. B. 
Michaelis a. a. O. §. 30. 51). Aus der syr. und arab. Form 
5 > ', .. * 
^OVJJ, " Q ^ fl erklärt sich ferner, dafs viele Wörter, wie 

"3133, inattf ein Kamez hnpurum haben. 



»14 Abschn. III. Geschichte der hebräischen Schrift. 

m. Dafs die Adjectiva der Farben häufig nach der Form OhN, 
DSIN; *ip3, 0*»^p3 gestaltet sind, bestätigt sich durch die Ana» 
lovi'e der Goni. 1J£ im Arabischen. Die Adjectivendung * — 

DJ •> D^j 

Fem. ,l.i-r-, Plur. D^i— entspricht genau der arabischen (_£~7~> 

5 JL p 

Fem. &j$,~J~ ( nur analog ist da9 arara. ''-r-, >-»•—)• Das Zera 

impurum in vielen Adjectiven der Form ^35* (Gramm. S. 137), 

erklärt sich durch die arabische Schreibart derselben , wie jV*^'» 

w. Die Dualendung B^-rr» welche kein anderer Dialekt hat, 
bestätigt sich durch das Samaritauische, wo sie zuweilen zum Un- 
terschied vom Plurale pleno geschrieben wird, D^N z.B. 1 Mos. 

27, 36. 4 1 » 3 2> — ^ er st ' constr. des Plural •<- 7y - weicht vom 

7 
Arabischen und Syrischen ab (tjp 1 j *-* — )• hat aber das Chal- 

däische für sich. 

o. Das Lexicalische der Sprache gibt dieselben Fiesultate, 

kann aber nur angedeutet werden.' Man vgl. z. B. DEN , &>cj 

Magd, nßM, syr. 1^1 Elle, nöK, &.<> f, |AißO| Volk; n3EM 

arab. ^jV/C j Bündnifs, und n3»N Wahrheit, roci* Pfeiler; v*> 

5W 5 / / 

-jj.C Eselfüllen, und VJ? Stadt; 1B1*, £2 Staub, und "isV, 

Xt Hirschkalb; Sll> P^Iä Uebcithat, hrV, P«^ Uebelthätcr, 

SWj Uo^Kind. Sehr viel einzeln stehende anomale Punctatio- 

nexi bestätigen sich auf diese Weise, z. B. 3^n <f. constr. sbn 

$ / / 5 \l 

Sprüchw. 27, 27. Jes. 60, 17 (Milch), vgl. ^_^.X^> und C^^^^J 

" /■ 

nV33 st. constr. nS33 und nVoa (Leichnam), vgl; M.*a3 dass. ; 
ni»Si (mit Kamez impuro) Zweige, vgl. |Aa^»J ; r,»M (mit 
Kamez impuro) \£\*0\ Ecke u. s, w. 

2. Wie auf der andern Seite jeder Dialekt in dem Ver- 
hältmfs zu andern verwandten seine Selbstständigkeit und 
Eigenthüinlicliheit behauptet, und dieses namentlich auch 
bey dem Hebräischen in Rücksicht auf grammatischen Bau, 



Vocale u. Lesezeich. Q. 55. 71 'erth d. ma&or. J^ocaketzung. 2 15 

Sprachgebrauch u. s.- w. der Fall ist 7? ), so zeigt sich dassel- 
be Yerhältnifs in der Punctation , indem sie im Ganzen und 
Einzelnen in manchen wesentlichen Stücken von der Punc- 
tation der verwandten Stämme abweicht, aber mit einer 
Consequenz und Selbstständigkeit, die nur Folge sicherer 
Kenntnifs, nicht vager Conjectur und Willkühr, seyn kann. 
Bey den meisten dieser Erscheinungen lälst sich ohnehin 
wenigstens eine Analogie in dem Kreise der semitischen 
Sprachen nachweisen. 

a. Die NichtVerdoppelung der Gutturalen und des 1 ist gegen 
das Arabische und die Aussprache der LXX; allein die feineren 
Dialekte des Syrischen kennen bekanntlich gar keine Buchstaben- 
verdoppelung. 

b. Die Betonung der letzten Svlbe ist gegen das Arabische und 
Syrische, wo der Ton gewöhnlich auf permliima ruht; aber das 
Chaldäische hat dieselbe. 

c. Manche Regeln der hebräischen Vocalverwechselung (des 
Umlauts) kennt kein Dialekt, z. B. Qiinn für ü" , *inn (Grammar. 
§. 17, Anm. 1); r\hl2 plur. CO 1 ?» , ^"]'p plur. DMÖnD» "OS 
plur. D*"OIC; das Quiesciren des l'uturi gewisser Verba N3 in 
Cholem, als lüTM 1 », *ON> u. s.w. Ferner die Unterscheidung 
des Inf. absol. *jt3ö und cotistr. Si3p (Hebr. Wörterb. Vorr. zu 
Th. 1. S. XIX, Gramm. S. 47), des Fat. Hiph. ^tlp* und Vt!p ; > 
(ebend. S. 60). 

d. Eben so weicht die Vocalsetzung einzelner Wörter ab, z.B. 



}th, (jjf, k?l Ohr; DM, .( Mutter; nN, -f Feuertopf; 
H*5' H' IIirscn ; a 1 ?.« C*J Herz; Ci, .,j Blut; VJ Stär- 

ke, arab. - C , -C ; «Wl, *■•■■»?, (j^ f p Ko P f (vgl. Jas g vie ' 
chische (.m, wahrsch. von t>u:f, wie llesch i= CP1 ). 

Einer Auctorität, die nach dem Bisherigen so viel Ach- 
tung für ihre Sprachkenntnifs eingeflöfst hat, würde man 



75) Vorrede zum hebr. Wörterb. Th. 1. S. V- 



ft\6 Abschn. III. Geschichte der hebräischen Sclnift. 

sich auch ohne Beweis, der in vielen Fällen nicht möglich 
ist, mit einiger Sicherheit anvertrauen können , allein für 
manche dieser Bestimmungen finden sich auch noch posi- 
tive Bestätigungsgründe , nämlich 

3. in der Analogie des Hebräischen seihst, so weit sie 
aus den Consonanten erkennbar ist. 

Z. B. die Flexion t^, E"2S ; *»*i3 , D^a bestätigt sich 
durch die Orthographie "OS, Ü^i*J3X, JllMiSX; *»?n -pl. QiNbn, 

»ab, o-uoS. 

Der Beweis für die Formen ICK 5 », litfi liegt in den Stellen, 
WO N mit 1 verwechselt ist, als ^"lto* od. 5p*i»1i Ps. 139, 10, 
<i und umgekehrt ^fifONP f. JlS^Clfi 2 Mos. 5, 7, ferner im chald. 
Aph. TOliT, vgl. im Hebr. b'OiN Hos. 11, 4, endlich im Ver- 
bale, als *iDiÖ für "iDN'ö vincutum ; eben so DIO, vgl. D*»*1 ; 
JlttftO,. vgl. flu**) Hiob 8,8; ttJfril (Gift), vgl. U?i*i; CM.'l 
(Zwilling), vgl. nein 1 iYlos. 25, 34; *1JÖ (Zisterne), vgl. 113 

£ s- 

arab. «O verschieden von *(N3 (Brunnen), arab. ».> U. s/w. 

Dafs xhlh (nicht N'blbj Nb^b (arab. aS)) zu lesen sey, zeigt das 
syr. iblb. 

4. In den sogenannten Lesemüttern einzelner hebräi- 
schen und der samaritanischen Handschriften, die doch we- 
nigstens zum Theil alt sind. 

a. Lesemütter liebräischer CoJJ. 

Für die Suff. "O— , "H— , 13—, ?}— zeugen z. B. l3»2l*trtl 
x K(in. 2, 24, ?pWStt) Ezech. 5, 12, 13"OHy Ps. 85» 5» J^nM 
Hiob 22, 25 (theils bey Kettnicott , thoils in den meisten Edd.). 
Für den Plur. D*Obtt zeugt B"ONb» 2 Sam. 11,1, für JJ*5 (Freund, 
zum Unterschied von V\ ) S?"*"! Hiob 6, 27, für das tut. JS,iph. 
ntyyn die volle Schreibart fHtfJ>*TI 2 Mos. 25, 31. 

Eben so bey einzelnen Wörtern, z. B. COüri, Cheth. D^iSirr 
Ezech. 27, 15, rtaiK. Choth. iVOIM 2 Chron. #, iß, robo, in 
vielen CoJd. rO*OE Jer. 7, 13. 44, 17. Diese AuetOritit gilt 
nur dann wenig oder nichts, wenn es sich zeigt, dafs die Lese- 
xnutter jüngtr als die Vocalsctzung ist, und dann von nachlassi- 
gen Abschreibern herrührt, die die genauere Orthographie ver- 
nachlässigten. 

b. Lescmulter samaritanisclier CodJ. 

Bekanntlich sind diese in den s.im. Mss. ungemein hlufig, weil 
es Charakter dieser Textesbcarbeitun£ ist, die Lesung erleichtern 



^Vocale u. Leseieich. (j. 55. // 'crtJi d. masor. Vocahcizung. 217 

zu -wollen (§. 24)- Sie zeugen indessen nicht alle für die rnaso 
reihische Vocnlisnlion , manche für eine davon abweichende, vie- 
le sind Sarnaritanismen (s. meine Comrnent. §. 15). 

01) Für die gewöhnliche Vocalsetzung: p^it-H durchgehends 

für |1«|i«^; PJWI £** \1*Z 1 Mos - 4 ? -> 38- 44» 3m mSnu für 
T\\\y 1 Mos. 53, 13, eben so CöMp 5 Mos. 23, 7, B*rPö 2 Mos. 
*2J 53> V"«a« 1 Mos. 57, 35, N-rbÜ 4 1 » 7- 23» COSN für Sa*. 
«Sc, ü32N (mit Zcre impuro)', "»«OSin für 1*3fln 3 Mos. 16, 12, 

rw£iM f. htaM 5 Mos. 28, 68; *r»b, 1>friN f. 7]S, qnlK. 

ß) Für eine davon verschiedene, die aber meist die LXX für 
sich hat, "fTttHö 1 Mos. 10, 3 für *|ttJto (LXX. Mocox), *p*11P 
1 Mos. 10, 7 für *»j3*W (LXX. AfdDxaibc), h^V für Ssii? 10, 23 
(LXX. Fai|3«A.). Doch sind dieses alles Komm, proprio, deren 
Aussprache mit der Sprache selbst wenig zu thun hat. 

<y) Zu den Sarnaritanismen gehören die Schreibarten M3*n*l 
1 Mos. 26, 22 für nin'm, D12n und D'2n für EDn weise, 

**V»&713 für "»i^tya 5 Mos. 3,14 (vgl. ( jAi^oni) u. s. w. 

Dafs bey einer Sache, die blofs von Tradition und Re- 
zeption abhing , hier und da noch eine Spur von Differenz 
und Uneinigkeit der Ansicht erscheinen müsse, ist begreife 
lieh 76 ), doch greift dergleichen nicht tief in das ganze Sy- 
stem ein, und schadet nicht der Consequenz desselben, da 
Ueberlegungen der Art vielmehr der Bildung des Systems 
vorangingen. 

Wir rechnen dahin z. JB. einige sogenannte punetatieves mixtae, 
als tfifV* Ps. 7, 6 (wahrsch. aus «plf und *pT» entstanden), fer- 
ner die widersprechenden Ansichten, die die Functatoren von der 
Etymologie mancher Wörter gehabt zu haben scheinen. So füh- 
ren die Formen D^nn, Di^nno , ferner das Piel SPfl' 1 auf die 
Annalnne eines Verbi Snn tauschen, wozu auch alle übrige Formen 
den Consonanten nach stimmen. Aber nach einer andern Ansicht 
hat man mehrere derselben so ptmetirt, als ob sie Hiph. von SSn 
■wären, dah. *>.nn :, Snn*;, 3^ rinn (vgl. Vater zu 1 Mos. 31, 7). 
riN (Pfiugschaar) hat in der Flexion intt, D^nN I Sam. 13, 10.21, 
und QiflN Jes. 2, 4. Joel 4> x ° u - s.w. 

Bey grammatischen Anomalien ähnlicher Art, wo eine 



76) J. M. Hartmann in Eichhorns Biblioth. der bibi. Literatur. 
B. 8- 8 - 201. 



213 Abschn. III. Geschichte der hebräischen Schrift. 

abnorme grammatische Form ganz allein zu stehn scheint, 
haben sich selbst voi sichtige Grammatiker mancherley Zwei- 
fel und Aenderungen erlaubt. Allein auch hier kann nicht 
genug Vorsicht empfohlen werden, da viele jener Anonia- 
lieen die Analogie der Sprache selbst, oder wenigstens der 
Dialekte, für sich haben, wodurch jede Aenderung mifslich 
wird. 

S. z. B. Vaters liebr. Sprachlehre S. 564 , dagegen meine hehr. 
Gramm. §. 57, Antn. 4. 

C). 56. 

Fortsetzung. 

c 

Alle bisherige Betrachtungen über die Vocalisatiön be- 
trafen das Linguistische derselben, den allgemeinen Werth 
der durch sie fixirten Pronuntiation des Althebräischeu. 
INoch bleibt die Frage übrig: wie es um die Wahl der ver- 
schiedenen möglichen Punctationen Eines Wortes an einzel- 
nen Stellen stehe, wo mehr die exegetische Rücksicht ein- 
tritt? Der Fall ist hier offenbar ein anderer, die Beantwor- 
tung der Frage ist aber abhängig von dem Werthe, den 
man den altern exegetischen Traditionen der palästinensi- 
schen Juden, insbesondere in den Targums, beylegt. Wir 
haben schon oben (Q. £0. 21, 1) erklärt, dafs wir dieselbe 
etwas höher anschlagen zu müssen glauben, als von man- 
chen Bibelforschern geschehen ist; dasselbe Resultat gibt 
auch die Prüfung der Vocalsetzung (und Wortabtheilung) 
in exegetischer Rücksicht, und im Allgemeinen läfst sich 
wohl behaupten, dafs jene Punctatoren ihren Text meistens 
mit mehr Wahrheit aufgefafst haben, als viele neuere Er- 
klärer desselben, die bey ihren zahlreichen Veränderungen 
der Punctation häufig weder festes Uitheil noch Geschmack 
und exegetischen Tact bewährt haben 77 ). In sehr vielen 



77) S. Cappelli Crit. sacra ed. Vogel » Scharf enberg T. TT. S. 937- 
•}(; , dagegen Scharf enbvrgs Anmeikiui^en. Michae'lis krir. 



Tocale und Lesezeichen. 0. 57«' Accente. 219 

Fällen würde schon eine etwas feinere Kenntnifs der Gram- 
matik den kritischen Versuch erspart haben 78 ). Dessen un- 
geachtet versteht es sich von selbst, dafs jene Reception 
durcbaus keine unerläfsliche Norm abgebe, und dafs auch 
hier das Uebergewicht der Gründe entscheiden müsse. 

Für ein Beyspiel, wo die Punctaiion auf falscher Reception der Er- 
klärung beruht, halte ich 1 Mos. 49> »6: die Segnung deines Vaters 
sey kräftiger als die Segnungen obil> n1l?2ä t)f]W\ IV '»S'Jn d. i. 
nach denTargg. meiner Eltern, als die JLust der ewigen Hii«el. 
Nach dem Sinn des Punctators soll Vl1n*rs DV^1n (c. Si/Jf.~) conci- 
■pientes = genitores , Eltern seyn , und *\V zum folgenden Henn- 
stich gehören. Aber gegell die Sprache und den Parallelismus, 
woinach 15.' "Hin eicige Berge zu verbinden , und *yin für eine 
alte Form von in zu halten ist, die noch als Komm, propr. meh- 
rerer Gebirge vorkommt. Entscheidend sind die Parallelste! len 
5 Mos. 35, 16. Hab. 5, 6. So die LXX. Eben daliin gehört 
die Punctation PlSSrt Ps. 10, 3. i/j. und Plur. D^ioSn, welche von 
der rabbinischen Erklärung: dein Heer, und Heer der V ertasten 
(Q"*>0 Sn ) ausgeht. Die richtigere Erklärung : Unglücklicher 
Unglücklicher , fordert einen kurzen Vocal in der eisten Sylbe 
(n^bn, roSn wie n?*lH u. dgl.). Auch anderswo leitet der Pa- 
raluiismus zuweilen glücklich, z.B. Jes. ig, 10, wo "D*^ (be- 
rauschendes Getränk) besser als 1DU? (Lohn), Ps. 63, 73 w.iliisch. 
!)bbin für "M-in, Jes. 41, 7 oVin für nSin, u. s. w. Inconse- 
queut ist, dafs die Punctatoren Jos. ig, 33 Ji^N, und in der Pa« 
rallelstelle Rieht. 4,11 }ibN schreiben, u. s. w. 

$• 57- 
A c c e n t e. 

Von dem bisher behandelten Alter des Vocalsystems ist 



Anmerk. zu allen Schriften des A. T. , in der Orient. Biblioth., 
dagegen unter Andern Stange Antricritica in locos quosdam Psal- 
morum; mehreres in den kritisch- exegetischen Schriften von 
Reiske (Conjedurae in Jobum et Proverbio), Ziegler (dage- 
gen Stange theol. Symmikta Th. 1. S. 66.), Dathe, Faber, 
Ilensler (z.B. zu Jesaias S. 270), u. A. Anders Rosenmül- 
Lr, de Wette. 

73) Man sehe z. B. Michaelis zu Ps. g, 7 (Supj'Jemm. ad Lexx. 
helfr. P. II. S. 55 1 )» v gh Schultens avimadveiss. zu d. St. 



£20 Abschn. III. Geschichte der hebräischen Schrift. 

auch das der Accentuation abhangig, welche ihrer jetzigen 
Gestaltung nach eng mit demselben zusammenhängt. 

Der Zweck derselben ist jetzt ein zweyfacher, i) Bezeich- 
nung der Tonsylbe und zugleich der Interpunction oder des 
Verhältnisses jedes Wortes zur Rede. Insofern heilsen sie 
D^VB sensus , rationes" 79 ). 2) Bezeichnung der Modulation 
oder des Tons, nach welchen das A. T. in den Synagogen 
halb singend recitirt oder intonirt -wird, ähnlich dem cantil- 
lirenden S oilesen des Koran in den Moscheen 80 ). Inso- 
fern heifsen sie nl.S'Oi, die prosaische Accentuation ist denn 
verschieden von der poetischen, und der Schlüssel dazu fin- 
det sich in den sogenannten Sarga's 81 ). 

Es fragt sich zunächst, welche von beyden Bestimmun- 
gen a ^ s die ; ü tere gedacht werden könne? Mehrere neuere 
Forscher 82 ) haben für die letztere entschieden, und das 
Alter gewisser Accente als Musikzeichen bis in die Zeit der 
althebräischen Tempelmusik hinaufsetzen wollen, wornach 
man selbst den Versuch gewagt hat, die wahre alte Bedeu- 
tung derselben zu entziffern 83 ). Aehnlich läfst die Gemara 



70) Sie dienen dann dem Grammatiker und Hermenputen, we- 
nigstens als' (guter) Commentar, gleich den Vocalen. Hirt sy- 
stema accentuationis hebr. Jenae 1752. 4. J. D. Michaelis Un- 
terricht von den Accentibus hebr. Halle 1755. 8* Dachselii 
Biblia accentuata. Lips. 1729. 4. 

80) C. B. Michaelis de ritiudilms S. S. ex Alcorano illustrandis. 
§. i5« (i n Potts Sylloge Qomment. theolog. II, S. 110). Das 

technische Wort für dieses singende Rezitiren ist .Y^p > Cor. 
Sur. XXV, 34- 73. 4- 
gi) Jablov.skii Praef. ad Bibl. hebr. §. 24. Kircher. Musurg. 
T. I. hb. 11» c- 5- 

82) Vl'alton Prolegomm. III, §. 45. 56. Eichhorns Einleitung 
Th. 1. S. 170. taulus Blemorabilien VI, S. 133. Botholdt 
Einleit. S. 179- Dagegen Jahns Einleit. I, S. 555. 

83) Speidel Sputen der alten Davidischen Singkunsr , s. in For- 
kels Gesch. der Musik I, S. 156, Jnton 111 l'aulus N. Re- 
gelt. I, S. 160. II, S. Ö o if. 



T'ocale und Lesezeichen. §. 57. Accenie. 221 

schon zu Nehemia's Zeit die Leviten nach den Acccnten re- 
chnen 84 ). Allein der einzige Grund , den man dafüi an- 
führt, die Unentbehrlichkeit von I\Iusikzeichen bey einem 
gewissen Grade von Ausbildung der hebräischen Musik hat 
doch kein hinlängliches Gewicht : besonders zu einer Zeit, 
wo die Schrift noch der ungleich nothwendigern Vocale ent- 
behrte. Man denkt sich auch ohne Zweifel den Zustand 
der Tempelmusik (nach den Relationen der Chronik) weit 
vollkommner und prächtiger, als er seyn mochte: das Be- 
halten und Fortpflanzen gewisser, besonders kunstloser und 
wenig geregelter, Melodieen, ist aber ohne Musikzeichen 
vollkommen denkbar. "Wäre also auch der musikalische 
Gebrauch der Accente der ursprüngliche, so würde ich doch 
geneigt seyn, ihn in eine spätere Zeit des Synagogalwesens 
herabzusetzen, wo es Sitte wurde, alles durch Tradition 
Aufbewahrte allmählich in Zeichen zu bringen, und da- 
durch zu fixiren. 

Indessen, ohne mich zum Schiedsrichter aufweifen zu 
wollen in einem fast bodenlosen Streite , scheint mir doch 
die Betonung und lnterpunction der frühere Zweck der Ac- 
cente zu seyn. Auf diesen beziehen sich die eisten Erwäh- 
nungen der Accente im Talmud (§. 51,2) und bey Hierony- 
mus ss ), zu derselben Zeit, wo auch die griechische Accen- 
tuation und lnterpunction regulirt wurde 86 ); und die über- 
triebene Ausbildung, die man diesem Interpunctionssystera 
gegeben hat, kann bey Grammatikern nicht befremden, die 
es auch sonst an Subtilität und Kleinlichkeit allen andern 
zuvorthaten. Daher die Subdistinctiven (gleichsam halbe 
und Yiertelscommata) , und Conjunctiven ; wie man in der 



£4) Nedarim c. 4, Fol. 57. b. Megilla c. 1, Fol. 5, zu Neh. 

8> 8- 

25^ Der Name accentus bedeutet etwas ganz anderes (v5- 52, 1). 
Die Sache wird z. E. erwähnt (Ejjist. ad Cypr. zu Ps. go, 11): 
„inter hebraicum et LÄA diversa est distinetic." 

gü") Berthuldt's FJnleir. S. itj6. 



222 Abschn. III. Geschichte der hebräischen Schrift. 

Vocalisation halbe Vocale und Zeichen für die Abwesenheit 
derselben hat. Bey der singenden Art des Vorlesens, wel- 
ches allen Morgenländern eigen ist, war dann der Ueber- 
»an<T von Ton- und Verbindungszeichen zu Declamations- 
zeichen, gleichsam Recitativnoten, sehr leicht 87 ). 

Die Schriften über das Alter der Accente verzeichnet JVolf in 
Biblioth hebt: II, S. 492. IV, S. 2*g, Vgl. Köcher Biblioth. II, 
S. 122 ff. 

Die Namen derselben sind zum Theil schwieriger Auslegung, 
doch chalüäiseh gestaltet. Schon Elias Levita (pya 2^13 cjp. 2) 
gesteht, dafs ihm die Bedeutung von niedrem unbekannt sey. 
Erklärungen s. bey Löscher S. 345« Buxtorf thes. grammat. I, 
5. Genauere Notizen sparen wir für die grüfsere Grammatik 
auf. 



87") Auch die Muhammedaner bestimmen ihr Cantilliren ( V+3->) 
blofs durch „observer les pauses et donncr ä chaque lettre sa 
juste articulation" (Sacy nach einem pers. Ms. traite des pauses 
dans la lecture de V Alcoran, in den Notices et Extraits des IMa- 
nuscrits de la biblioth. imperiale T. IX. no. 5, welchem Nach- 
richten über das von Sedsrhawendi erfundene Interpunctions- 
System des Koran vorangehn). Nicht das Singende des Vor- 
trags scheint die Hauptsache, sondern die richtige Abtheihuig. 
Jenes ist Manier, die vom Vortrag der Morgenländer fast um 
aertreiinlich ist. 



Excurs zu ö- 7> 22 3 



E x c u r s 

zu g. 7. 

Bemerkungen über die phönizische und punische Sprache und ihr 
Verhältnifs zu der hebräischen. 

Bey dem gänzlichen Untergänge der phbnizisch-puni- 
schen Literatur 83 ) bleibt uns zur Beurtheilung dieser Spra- 
chen nichts übrig, als O die in alten Schriftstellern verein- 
zelten Wörter, vornehmlich das gröfsere Stück bey Plautus 
(Act. V, sc. 1. 2). 2) Die grüfstcntheils in phönizischen 
Colonieen gefundenen Inschriften und Münzen. 3) Die 
Nomina proprio, von Personen und Ortschaften, insofern sie 
appellative Bedeutung und Etymologie in der Landesspra- 
che haben. Ueber eine jede dieser Quellen insbesondere. 

1. \on den phönizisch-punischen Glossen bey alten 
Schriftstellern 89 ) ist kaum die Hälfte im Hebräischen er- 
kennbar, und eben so wenig in einem andern Dialekte 

88) Sie war vielleicht nicht unbedeutend, wenigstens weifs Vil- 
nius (H. N. XVIII, 5) von Bibliotheken zu Karthago. AI9 
phönizische Schriftsteller nennt man Sanchuniathon (Vgl. Bo- 
charti Chanaan, cap. 17), Moschus (Jos. Archiiol. 1, 5. Stra- 
bo iG, p. 757), l'heodot (Tatiani orat. c. gent. 110.37), Dios 
(Jos. Apion. i, 17), lauter Geschichtschreiber. Von Karthagi- 
nensern Mago üb. den Ackerbau (Plin. a. a. O.), und Hanno, 
Vf. des Periplus. Vgl. Liv. XXVIII, 46 über die Ära Uanni- 
balis im Tempel der Juno Lacinia, worauf dessen Thaten i» 
punischer und griechischer Sprache beschrieben waren. 

89) Sie sind zuerst alphabetisch zusammengestellt von Beruh. Al- 
drete Antiquid. espan. S. 180 IT., dann vollständiger nach den 
Schriftstellern (von Sanchuniathon bis zu den Kirchenvätern 
und Grammatikern herab) von Bochart (Clutnaan II, il-16). 



224 Abschn. III. Geschichte der hebräischen Schrift. 

nachzuweisen , was man sich aus folgenden Ursachen er« 
klären mag. 1) Fast alle Angahen rühren von Schriftstel- 
lern her, die des Phonizischen selbst unkundig, ihre Noti- 
zen von anderu entlehnt, und häufigst mifsverstanden ha- 
ben. In Sprachen, die ihnen und den meisten Lesern un- 
bekannt sind, machen sich aber die alten Schriftsteller kein 
Gewissen, Worteiklärungen auf gut Glück zu geben 90 ). 

So erklärt das Etym. M. ß;pxyxv (pin rTO) durch Hgevo; (st. 
ciko; Kaovov); yotXwvs; (d. i. grofse Schiffe der Phönizier) durch 
mottyqoiyux (d. i, yahsigx, n*Tl3); civäwv durch: von SiJon. 
jJJach Servius ist byrsa phon. Ltder, dido /'. q. rirago , letzteres 
nach dem Etym. JVL irXavijrij (alies offenbar nach Conjectur). 

2) Die Wörter sind theils Yon den Schriftstellern selbst, 
theils von den Abschreibern , denen sie fremd waren , viel- 
fach verändert und so gemifshandelt worden, dafs sie selbst 
hey bekannten Gegenständen schwer zu errathen sind 9 '). 
5) Das entsprechende hebräische Wort kann für uns verlo- 
ren seyn. 4) Bey dem Punischen mufs vorzüglich erwogen 
werden, dafs es ohne Zweifel aus der libyschen Landes- 
sprache viele fremdartigeBestandtheile aufgenommen habe 92 ). 
Auch hat man 5) Mehreres für punisch gehalten, was wahr- 
scheinlicher altägyptisch und aus dein Koptischen zu erklä- 
ren ist 95 ). 

Folgendes sind eine Anzahl phönizischer und punischer 
Glossen , deren Entzifferung deutlich ist. Die letztern sind 
mit einem Sternchen bezeichnet. 



90) Man vgl. Philo §. 25, 2. 

V 1 ) Vgl. über Joscplius S. 193. 

oc) Wtättm Prolegomnu IIb 14. So ist Ma-palia, 1\ Togal la (N o- 
rnaden/.elte) nach h'ustus punisch, wahr seh. tigentl. nunüJisch. 
V^l. Eabtsrs Arch.iol. der Hebräer S. 110. 

cjj) So die afrikanischen PiLinzennanirn bey Dlcscorides und 
jlpulcjns, Btröharl a. a. O. c. 15, d.igegcn liossii Etymologia» 
ttegypt, u. d. il. VV« VV. 



Hxczos zu $. 7. 



£25 



'A5«, <teix Hesych. (p^X tal- 

mud), 

Sycll. 

Alma (neVl>) j-Zr^o. Hieron, 

in Jes. VII." 
*Alon (p^X?) <Imm. riur. ^/o- 

n 1 m, Fem, Alonuth. Plaut. 

Poen. V, i, 1. Cf. Sisenna 

ad h. I. 

'A >.<$>* (naS«) Po«?. P/af. 

quaest. sympos. y. §. 2. 
AuScv/?, * Avo dovni. ( 1ln 

*OTNÜ, derpunisclieGrufs, ;1/V- 

leagri Epigr. III, 25, 110. 70. 

I'W. V, 2. 34. 58- 
AraSz/x (TE»*) fa/xvoj, Diosco- 

rid. 
* Baal, dominus. Baal - Sa- 

min, dominus coeli , Augu- 

stin. ad Jud. 16. Vgl, Plaut. 

V» 2. 67. und BssA.rcx/x-.jv, xu. 

guo? cy^avou. Philo Bybl. ap. 

Euseb. praep, evang, 1, io« 

Vgl. Assemani bibl. Orient. T. 

III. p»g. 327. 

*Chanani («OS^D), Phoenix. 

Augustin. (S. oben S. i( >), 
*Cussimezara (m^Q N£'p) 

cucumis syluatkus , Apulej. de 

herbar. virtutibus , 115. 
*Edom ( 0*1 , rabb. D~m) jan- 

guis , August, ad Ps. 156. 

EAiotv (p^Sy) ifyiffrof. Phi- 
lo Bybl. a. a. O. 

E X Mr. 1 /j. (cnS^) K^ov/cf, eben- 
da!. 



Hei, Hai, 'Uk (*>*) Deus, 
Serv. und Danu.scius ap. 1 ho- 

tium. 

Itcvh Cnnt^t^nM //ovoysv^, 

Philo Bybl. ap. Euseb. praep. 
evang. 4, 16. 
K'W^w/xov (p'ö2p) Zimmt, 
Herodot 5,111. Die Endung 
ist giäcisirt, nach a/aw/uov, 
amamum. 

7/op (wVa Pythagorae) ap. Pho- 
tium. 
Mammon QlEö) lucrum. Au- 
gustiiu de sermone domini m 
matte IT, 22. 

v(oc. i'Ai'/o Bybl. 
*Messias (nt'^K) unztus. Aw 
gust. contra Petil. IT, 104. 

Mou5(niö)S«»aTc;, IIAoutcuv, 

JPAi/o By*I Z. c. 
N«<r/ß/f (^2iSJ) Aa&oi cvyxu- 

fJVJOt. Steph. Byz. 
*Rufen (D">N£n) meAtr. I'W. 

Poe/». V, 2, 46. 
2aAw,u (ttlW), als Grnfs, Me- 

leager Am hol. gr. III, 25, 70. 

*Salus (ttMSttj) tres. Augustin. 
ad epist. ad Rom. 7, 3. 

* Su ff es > et is (1:21'^) consul, 

Eiv. Paul. ap. Ftstum, Lisa: 

Grut. 
2 v 8 v h ( p^ix ) htv.ctto f. Philo 

Bybl. I. c. 
Hovaa. (-junty) Ktiqix. Etym. 

M. 
Zv:<i)tx<7ocfxyjv (ü^Mf ""ais) ov 

favoü v.a.ro-KT&i. Philo Bybl. 
©w ? (litif, sj-r. lin) ßoüf. 

Plut. Sylla. 



s.2.6 JSxcws zu 0. 7. 

Bey dem Punischen läfst sich namentlich beobachten, 
dafs man dunkele Töne (die Vocale u und i) geliebt, und 
das 1 meist durch u ausgedrüc' t bat. Z. B. Sujfetes, Salus, 
rufen, vgl. Guddubal , Mulhutnballes. Dasselbe zeigt sich 
auch in dem Wenigen, was in jener berühmten Scene des 
Plautus (Poen. V, 1. 2) eine sichere Deutung hat. Bey der 
Concurrenz aller obigen Ursachen kann dessen nicht viel 
seyn, doch ist sie bey meinem Worten hintereinander fast 
augenfällig, und wobl nicht zu bezweifeln. 

Z.B. Sc. 1. V. 1. Alonim valonuth rTOvSttl D'OV 1 }!*, V. 2. 
tlbariim BVttft. V. 3, hyth (r\H) bynathii "iniia. V. 5. l'yih- 
lym muthyn DTT5Ö □"1C3. V. Q. hili guhylim lasibit tliym (1:1 
hisce habitare regionibus) DH JnHwh D^S^iJ nStt. Sc. 2. V. 50. 
Milpho lechianna, roy "]h isS» (Milpho wird es deuten). V. 67. 
Gunnebel bahammlerasun ]0*1"> D^BÜ 7*2 7D3 }1frO pctular.tiani 
stoliäl deus coelorum capistret. 

2. Eine reinere und sicherere Quelle liegt uns aller- 
dings in den Inschriften auf Steinen und Münzen vor. 
Wir erhalten hier zugleich die richtige Orthographie, allein 
es treten auch neue Schwierigkeiten anderer Art ein. Die- 
se liegen theilS in einer noch immer nicht befriedigenden 
Kenntnifs der oft sehr verschiedenen, auch wohl zuweilen 
unvollkommen gezeichneten Schriftzüge, theils in der Be- 
schaffenheit der Denkmäler selbst. Die Münzen 94 ) ent- 
halten meistens nur ein, höchstens zwey Worte, wahr- 
scheinlich zuweilige Abkürzungen, und können daher we- 
nig Ausbeute geben; die Steinschriften 95 ) enthalten weit 



94) S. die Beschreibungen und Deutungen derselben gesammelt 
nüt Literatur in Ekhel duetr. nummor. vett. III, S. 396 iL 
Husche Lex. rel nummariae s. V. Fhoenke. Vgl» BeUermanii 
Bemerkungen über pUunizischc und uunische Münzen. St. 1. 
igi2. St. 2. lßi.j.. 

<j5) Eine (ziemlich vollständige) Nnchweisting der bis jetzt be- 
kannten, uud dessen, was darüber geschrieben ist, ». in Bei- 



Exciers zu Q. 7. 



«27 



mehr Text, aber, da sie gröistcntheils Grabschriflen sind, 
«laiunter sehr viele Nomina proprio t wodurch sie unfrucht- 
barer werden, als sie ohne dieses seyn würden. Wie viel 
ist aber noch bey ihrer Entzifferung zu thun übrig? Fol- 
gendes ist eine kleine Sammlung sicher entzifferter Appella- 
tiva und Nomina proprio, von Inschriften und Münzen. 



TUN» *l*Un auf o.aditanischen 
Münzen {Ekhel S. 403) = "nS, 
r«5«if«, Gades. 
pN = |inN Herr. 
P"jnS unserem Herrn. Inscr. 

Melit. 
riN Bruder. TiMl und mein 

Bruder. Ebend. 

ÖN Mutter, Mnttc-rstndt. ÖM 

]V352 Mutterstadt in Canaan. 

CiTS CM isS TyrOt matri Si. 

doniorum. Ekhel S. 4°8« 

DDN = «qiN ich. Inscr. Cit. IT. 

*10E> "ION A 7 . propr. griech. 2h- 

qccT'.wv. Inscr. Athen. 
HVX Weib. Instr. Cit. II. XXX. 
Xr-Xtt N. propr. Cit. V, vgl. 
'Ecp.ovvo;, Name des Aescu- 
lap bey den Phöniziern. Da- 
masc. ap. Phot. p. 1074» ed. 
Schott. 
P Sohn. Cit. II. XXIII. 
S"3 Herr, Schutzgott. 
12 hV2 mpSö Mclkertus, deus 

Tyri. Inscr. Melit. 
TIS seecnen. n3TJ*» od. DDTJ"» 

ibid. " 
T^ö*0 A 7 . propr. fil'uis regit. 
Mdit. III. 



TOT Andenken. Inscr. Athen. 
Ttn Gemach. Melit. III. 
Win Leben. "»TIS in meinem 

Leben. Cit. II. 
7*3 3 n Hannihal (*ratia BaaUs t 
cf. hehraeum Sn^D). Inscr. 
Melit. III. 
DTpSo Melicertes i. e. riTp "jb» 
rex urhis. Inscr. Melit. I. 
Im Griechischen steht dafür 
'Hpax>.<jf. Vgl. Bocharti Geo» 
gr. s. p. 709. 
n3ia Säule, s. Grabstein. Cit. 

II. XXIII. Athen. 
iT.^DO Marathus, Stadt in Syrien. 

Num. ap. Ekhel p. 4°4* 
i23ty)0 Lager. Cit. II. 
TU Gelübde. Inscr. Melit. I. 
TON 12V A T . 7?r&^;-. Inscr. Cit. IL 
Melit. I. In dem Griech. der 
Letztoren steht dafür Aiovy 
<r/o{. TON, welches auch in 
den assyrischen Namen "| DI"» 

tjn3oW, noK^a-roSn, p*»N> 

vorkommt, scheint ein Gütter- 
name, welchen man dem Ato* 
vvtroc elsichachtete. 
"^DIÄtt A 7 . propr. (Diener des 



l ermann de Phoenicum et Tocnorum inscriptionihus. Bcrolini 
iß 10 - 8* Einige eigene Ent7.ifferungsvers.1che des Vfs. mü. 
ge-n für cino andere Gelegenheit aufgespart seyn. 

V e 



S2ß 



JExöfirs zu Q. 7. 



Königs d. i. des Hercules). Dienerin der Astarte) Fraueri- 

Cit. V. zimmeruame. Cit. II. 

JÖ12V Cit. TV, vgl. Ahdemonus, p* , Q31X Sidon, Sidonier, auf 



J seph. c. Apionem I, p. )^Q.^g. 

ODD W» A T . propr. Cit. IL 

XyOtt/ liU N. propr. Inscr. Athen. 
Im Griech. 'HA<o5wg>of. 

nbn lil' üi'J. Im Griechischen 
AgrffjLihw^o;. Inwiefern nbn 
ein Gwttername sey, welcher 
der Artemis entspreche, l.ifst 
sich nicht gewifs zeigen. . 

071« Ewigkeit. Cit. II. O^y D3 
für nSi:? n*0 ewiges Haus 
(vom Grabe), /We/rt. JflL 

V-* auf, an. Cit. II. 

mntyy oder mnrr mön (Magd, 



mehrern Münzen, s. £/JieZ S. 

4°5- 
•OlS /rwr. Athen. 
IS Tyr«5. S. EMeZ S. 405. 
13f3 Grab. Mrfif. II. 
D*1p Stadt, z.B. IS rnjd Stadt 

Tvrus. Lkhel a. a. O. 
Dirnn n*1p (neue Stadt) Kartha- 

go, auf Münzen bey hkhcL S. 

416. 
03*lU>p Cossurael. Auf Münzen, 

s. Ekhtl S. 417. ig. Beller' 

mann S. 22 - 9 \. 
QSO JV. propr. Cit. II. (Zwil- 
ling) ©clyuaj, Bidy mus. 



3. Bey den Eigennamen der Phönizier und Punier tritt 
die doppelte Schwierigkeit ein, dafs theils häufig in der le- 
benden Landessprache selbst die Etymologie unkenntlich 
ist, theils dals sie von fremden Schriftstellern häufig un- 
treu wiedergegeben und verunstaltet sind 9S ). Am schwie- 
rigsten sind die Ortsnamen, besonders die karthaginensi- 
schen , welche altem Ursprungs seyn müssen. Die Perso- 
nennamen w r eiden dadurch leichter, dafs sie meistens mit 
bekannten Götternamen zusammen gesetzt sind. 



Ahdalonimus , Konig von Tyrus, 
□ •Ovbv *I2:>. (S. oben A\o> 
nun). 

Ahdustartus , n*lsV^l> lUV. 
Abdelimus , D"»Sn 121'. 

sllnLi.nenus , Ahdemonus (Jos. 
Arch. Q , 2. contra Apion. I, 



p. 443). pM *OV. S. no. 2. 
Abibai, hv* "*ZH, 

* Adherhal (StO V"IN?). 
Adonis, piN. 

* Adramyltum (niö^Sn ). 

* Anna , Schwester der Diclo. 

nsn. 



96) S. z. II. die phünizischen Konigsnamen. AUgcm. Wehhi- 
storie. Tb. 2. S. 233. 



Azehnic, Küni» von Tvrus (iV 

'A4<4 5 f> Name des Mars in Emes- 

sa. Julian. Ürat. in Solem 

Astarirnus , D 1 1 7 "_' V. 

Astarte, p*ir.".l'". 

Baaltis, Name einer Göttin. 

Balutor , 11SH bl*2? 

*ßarca, Barcas, Binder des Pt£;. 
malion, auch Beyname des Ha- 
milcar. (p*l3 Biitz, oder bli- 
tzendes Schwert, arab. L3r«-^ 
der Blitzende, als Bcynanie 
von Hehlen.) 

* Byrsa , Bar;; von Karthago, 

NHVD. S. Valckenaer </ 
ia , phoenicio arcis Carthagi- 
nensium nomine. In dessen 
Opusc. T. 1. S. 103. 
*Dido (Geliebte), von ■jt1=:T*»j 
verwandt mit in. 

* Elissa (Frohlockende von BW| 

nach Andern rri'N Sn\ 
Gadeira, Gadir, Gades , n*1*i3, 
nach Hesycli. Tigi(pja- ,'u»ta. 



JSxcurs zu Cj. 7« Ä2 9 

Hannibal, \'J2 *2n. 

Hannon, filxfn , sj r. ,-ijj gfi. 



Hasdruhal, St*3 1*>W (Hülfe des 
Baal). Auf einer Inschr.i/cz- 

llhöbal, hV2 tlW, vgl. das bill. 

..lalus, *}Jf2*l''« 

Karthago , nach Solin. Karthada 
(flttftn mp neue Staat). 

JMälicevtes , mp ""jSft , s. oben. 
7>Ierbal, Meherbal (h'J2 IVtÖ?). 
'Pygmalion (pVJJJ DnS ei^. Fin- 

_ r. Daum Gottes, D.ii arab. 

S & J 

*^i^r= ]~:i). Die Griechen 

scheinen an ruy/uij gedacht zu 

haben. 

Scnchuniathon (nach Bochart 
. ~ - 30 das Gesetz [ist] 
sein Eifer, prrrr.SO). 
•SiJoh (liT 1 * Fischfang). 
Ar (lü, Fels). 



Für das Verhältnifs des Hebräischen und Phöaizischen 
ergeben sich hieraus folgende Resultate: 1) die meisten si- 
cher entzifferten phönizischen Wörter eoineidiren genau mit 
dem Althebräischen selbst in Wörtern und Formen , die 
dem Hebräischen ganz eigenthümlich sind, und namentlich 
im Aramäischen anders lauten. Z. B. p*TN, EmSn, rv^N, p, 
O^lS? , die Pluralendung 0^. 2) Nur selten erscheinen Ab- 
weichungen , welche für provinziell gehalten werden mö- 
gen, z. B. die Buchstabennamen t\h(p* (mit einer Art st. em- 
p/iat. oder Femininalform) , JSdom fiir Ol Blut: der häutige 
Gebrauch der Vocale u und i im Punischen. Vornehmlich 



2$o Ex cur s zu ß. 7. 

in den Vocalen wird man die meisten Abweichungen zu 
suchen haben. 5) Die nicht kenntlichen Wörter sind es 
in der Regel in den übrigen Dialekten eben so wenig , als 
im Hebräischen 97 ). 



97) Wir unterschreiben hiernach mit geringen Einschränkungen 
das Urtheil von 4 kerb lad Qlnscr. phoeniciae Oxoniensis nova 
interpretatio. Parisiis ißo2. S. 2.6): Jure igitur statuere licet lin- 
guain phoeniciam antiquis temporibus eandem prorsus fuisse ac 
hebraeam, quae in libris hodie super stitibus exstal , quod proba- 
re conatus est Bochartus argumentis aliunde petitis , quibus nunc 
novam vim ac robur addunt haec monumenta , eius aevo nondum 
cognita : quamvis haud inficiandum Lochartum eiusque sequaces 
Clericum, JVIazOchium caeterosque , cmnes Orientis dialectos, 
prout coniecturis eorum inservire posse videbantur , commiscendo, 
linguam quandam phoeniciam sibi ßnxisse a vera , sine dubio, 
longe ulienam. 



£3i 



Nachträge. 

o 

Zu §. 5- S. 9 oben. Jospphus braucht hebräisch nicht allein 
von der althebräischen, sondern auch, wie das N. T. , von der ara- 
mäiscben Landessprache Paiastina's. Z. B. jüd. Kr. 7, cap. Q (S. 
948- ed. Colon.). Dagegen nennt Philo (de vita Mosis lib. II, 
Opp. S. 509. ed. Colon. ) dis Ursprache des A. T. , aus welcher die 
LXX übersetzten, chalduisAi. To iraAouov &ygot(py)<Tocv 01 vo/xot x«k» 
Saivtyj , und bald darauf: S>) (TLroks/xato?) — tig skktxhx ykiurrav 
tjjv j^ctX5«r/.>jv /juSaq/xo^zeSai hievoeiro. Doch bliebe hier die Mög- 
lichkeit offen, dafs Philo, wie li. Asaria (H'ieor Enaim cap. 5, Fol. 
33 ed. Mantuan.) zunächst ein chaldäisches Original der LXX ange- 
nommen wissen wollte. 

Zu S. 88- §• 2 6« Nur bey judaisirenden Sekten war der 
Grundtext zu finden, z. B. den Nazarenern. Hieron. zu Matth. 

27, 9- 

Zu S. 92. §. 27, 1. Hieronymus kennt durchaus noch kei- 
nen technischen Ausdruck der hebräischen Grammatik. Morini Exer- 
citatt. S. 429. Rabbi Jejiiel (See. XIII) lafst den Hieron. auch im 
Talmud belesen seyn (s. Tychsen Anhang zum befreyten l'entamen 
S. 48) > was a ber nicht glaublich ist. 

Zu S. 97. §. 29, 1. Hier fehlen Aben Esras grammatische 
Schriften: mnx (elegantia), und |1tt7^ii "OT^D (statera linguae'). 
Zusammengedruckt mit ftl. Kimchit Schriften Venet. 1546. 

Zu S. 121. V or Masclef schrieb in demselben Geiste: Vin- 
sobre mathodus htbrai^a , per quam lingua hebiaica sine punetis fa- 
cilliine simul et aecuratissime disci potest. Ultraj. 1658. Später schlie» 
fsen sich hieran mehrere englische Grammatiker, S. 209. 10, zu de- 
ren Grundsätzen sich auch Kennkott bekannte. 

Zu S. 226. Nach No. 1. fehlt folgender Absatz : Auch nach 
den besten Erklärungen von Bochar t (^Lanaan S. 721), und Bel- 
lermann £ Versuch einer Erklärung der punischen Stellen im Po- 
nulus des Plautus. rßoö. 8) ist dem entziffernden Scharfsinne ein 
weites Feld offen. Man sollte dabey die alte (plautinische) Version 
nicht ohne Noth verlassen. Der Meinung, dafs das Ganze oder ein 
Theil desselben nur ein erdichteter Jargon seyn künne (s. AdAuno^s 
Mithridat Th. 1. S. 350) wird jetzt keiu Kenner mehr Raum 
geben. 



Druckfehler. 

S. 2. Z. 6 von unten 1. XVI st. XIV. 

S. /|o. Z. 5 von oben 1. D«i*n\ö3!| Üf-Vw f. D*rötf3. 

S. 7g. Z. 24 von oben 1. einer ungerechten f. eine ungerechte. 

S. 145» über §. 4 2 fehlt die Ueberschrift : A. Comonanten. 

S. i/j7« Z. 22 von oben streich aus: vielleicht. 



Leipzig, 
.gedruckt bey Fr. Chr. Wilh. Vogel. 



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